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Amalie Dietrich

Charitas Bischoff: Amalie Dietrich - Kapitel 53
Quellenangabe
typebiography
authorCharitas Bischoff
titleAmalie Dietrich
publisherG.Grote'sche Verlagsbuchhandlung
seriesGrote'sche Sammlung von Werken zeitgenössischer Schriftsteller
volumeSiebenundneunzigster Band
year1909
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080319
projectid74f86c48
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23

London, d. 5. April 1869.

Liebe Mutter!

Du glaubst gar nicht, liebe Mutter, mit welchen Gefühlen ich Dir diesen Brief schreibe. Das was ich mir seit Monaten vorgestellt habe, es ist Wahrheit geworden, ich bin tatsächlich in London! Ein ganz, ganz kleines Tröpfchen in dem unermeßlich großen Meer von Menschen. Wenn ich so allein durch die Straßen gehe, vorüber an dem Strom von Fremden, von denen kein einziger mich kennt, mich beachtet, da wird mir oft so bange. Häuser – Straßen – Menschen! Ach, so unendlich viele Menschen!

In Wolfenbüttel war ich schließlich durch die Schule so bekannt, daß einmal eine Dame, die mit mir ging, ärgerlich lachend sagte: »Es ist schrecklich, mit Ihnen durch die Stadt zu gehen, man kommt ja gar nicht zur Ruhe vor dem vielen Grüßen und Händchenschütteln all der Kinder.«

Ich lachte und freute mich. – Ach, und hier? –! Mir ist oft zumute, als würde ich von der gefühllosen Masse unter die Füße getreten.

Der Abschied von Heimreichs, von all den jungen Mädchen, besonders aber von all den Kindern aus dem Schloß, wurde mir sehr schwer.

Beim Abschied standen mir die Eindrücke meiner Ankunft so deutlich in der Erinnerung. Ich mußte lächeln, wie sich die Meinung ändert. Damals meinte ich doch, ich würde nie lernen, mich in dem großen Institut zurecht zu finden, und nun war mir im Lauf der Jahre alles so vertraut geworden, daß mir jetzt war, als könne ich mich im Schlaf zurechtfinden.

Aber aus diesen geschützten, genau geregelten Verhältnissen sollte ich nun hinaus in die ungemessene Weite! Jeder gab mir zum Abschied noch einen guten Rat, und ich bekam genaue Anweisung, was ich in Hamburg für Schritte zu tun hätte.

Frau Doktor schrieb aus Florenz, – wo die beiden den Winter zugebracht haben, – ich möge ihr genau den Tag meiner Abreise und die Stunde meiner Ankunft in Hamburg mitteilen. Das tat ich.

Am Nachmittag kam ich mit dem Omnibus bei der Petrikirche an, mit all meinem Gepäck, das im Lauf der Jahre einen ziemlichen Umfang angenommen hat. Ich muß ja immer alles bei mir haben, wo soll ich es denn lassen. Ich merkte zu meinem eignen Staunen: ›Besitz bringt Sorgen.‹

Als ich ausstieg, sah ich einen Herrn und einen Mann da stehen. Der Herr trat auf mich zu, zog höflich den Hut und sagte fragend: »Fräulein Dietrich? Ich bin Henning, Buchhalter von Herrn Doktor Meyer. Ich habe von Frau Doktor den Auftrag, für Ihre Abreise zu sorgen. – Hier ist Geerts, der wird Ihr Gepäck ans Schiff besorgen. Bitte, nehmen Sie Ihr Billett zu sich. Für Ihre Beköstigung während der Überfahrt ist bezahlt. Mrs. Buxton ist heute von mir benachrichtigt, wann der »Castor« in London eintrifft. Ich nehme an, daß man Sie Sonntag früh an der Landungsbrücke abholt. – Haben Sie hier Bekannte, bei denen Sie sich bis zum Abend aufhalten können?«

Ja, ich wollte zu Doktor Sonders.

»Gut,« sagte Herr Henning, »geben Sie Geerts Ihre Adresse, er wird heute Abend kommen und Sie ans Schiff holen. Sie brauchen sich um nichts zu kümmern, bis London ist alles für Sie arrangiert.« Herr Henning zog den Hut, und ich stand allein. –

Mir war sehr sonderbar zumute, und ich mußte mich besinnen, wie denn das nun wurde, da ich gar nicht selbst für mein Weiterkommen zu sorgen hatte. Wo blieb ich denn nun gleich mit all den vielen Ratschlägen und Anweisungen? Null und nichtig war plötzlich geworden, womit sich meine Gedanken soviel beschäftigt hatten.

Bei Sonders, wo ich mit großer Herzlichkeit aufgenommen wurde, lachten sie doch sehr über mich und sagten: »Nein, was bist du doch für eine umständliche alte Jungfer geworden! Es ist die höchste Zeit, daß du in die Welt hinaus gestoßen wirst, dir geht's ja wie den Soldaten, die sich haltlos und schwindelig fühlen, wenn sie ihren schweren Tornister nicht mehr auf dem Buckel haben! Na, wie soll dir das in London gehen, wenn du so schwerfällig bist!«

Der Mann kam zur richtigen Zeit, und Anna Sonder begleitete mich ans Schiff. Nun war ich geschieden von jedem vertrauten Gesicht. –

Die »Stewardeß« riet mir, gleich zu Bett zu gehen und womöglich bald einzuschlafen. Zu Bett ging ich, – aber, na Du kennst ja das Gefühl, wenn die Wellen dicht am Kopfe vorbei rauschen, wenn man im Wasser dahintreibt, nur durch die dünne Glasscheibe von der unheimlichen Flut getrennt. Allerdings versuchte ich einzuschlafen, aber ein brennendes Weh, das mir das Herz abzudrücken und die Kehle zuzuschnüren drohte, quälte mich. Eine heiße Angst vor der unbekannten Zukunft machte mich ganz elend. Das Stoßen der Schraube, eine sonderbar dicke Luft, die einen Geruch nach Öl oder Teer an sich hatte, machte mir übel, und ich wurde seekrank.

So verging die Nacht – der Tag – und auch noch der halbe nächste Tag, dann kam die Stewardeß herein und sagte: »So Fräulein, nun heraus mit Ihnen! Es ist nicht mehr erlaubt noch länger seekrank zu sein! Stehen Sie auf, essen Sie endlich, und danach halten Sie von Deck aus Umschau, wir sind in der Themse, da gibt's schon allerlei zu sehen.«

Beim Essen sah ich mir meine Reisegesellschaft an. Außer mir waren zwei sehr unsympathische Männer und ein fein gekleideter Herr anwesend. Der Herr, er saß mir grade gegenüber, war von auffallender Schönheit, eine wahrhaft vornehme Erscheinung mit blassem, schmalem Gesicht und dunklen, schwermütigen Augen, die es an sich hatten, daß man wieder und immer wieder hinsehen mußte. Die beiden häßlichen Männer mochte man nicht ansehen.

Nach dem Essen nahm ich »Die weite, weite Welt«, einen englischen Kinderroman und vertiefte mich in die Schicksale der kleinen Heldin. –

Die zwei Männer traten zu mir und fragten, ob ich ihnen nicht eine kleine Gefälligkeit erweisen wolle. Obgleich sie mir sehr zuwider waren, sagte ich doch, das wollte ich sehr gern tun, wenn es in meiner Macht stünde. Sie erzählten mir, sie hätten gar keinen Platz für ihre Zigarren, ob ich sie wohl bis London in meinem Koffer unterbringen könnte.

»Gewiß,« sagte ich, »das kann ich leicht, ich habe Platz genug.«

Die Männer dankten lebhafter, als es der kleine Dienst verdiente, sie sagten, noch habe die Sache Zeit, und dann gingen sie auf Deck.

Der bleiche Herr saß auch jetzt mir gegenüber, er schrieb sehr eifrig und bediente sich dabei eines goldnen Federhalters mit goldner Feder. Unwillkürlich folgte mein Blick oft der schreibenden Hand, die weiß und wohlgepflegt war. Plötzlich redete er mich auf englisch an. Wie ich erschrak! Er sagte mir: »Sie dürfen auf keinen Fall die Zigarren in Ihren Koffer nehmen.«

Ich sah ihn erschrocken, ratlos an, ich riskierte es nicht, ihm auf englisch zu antworten, da fuhr er fort: »Geben Sie nur lieber mir Ihre Kofferschlüssel, bis wir durch den Zoll sind, dann entgehen Sie allen Weitläufigkeiten mit diesen schlechten Menschen.«

Ich erschrak. Also schlechte Menschen waren das, und ich wäre fast von ihnen übertölpelt worden. – Ich griff jetzt schweigend in die Tasche und überreichte dem Herrn meine Schlüssel.

Der Herr sagte: »Wenn die Männer sich wieder an Sie wenden, dann weisen Sie sie nur an mich.«

Das tat ich. Die waren wütend, grob, sie sagten, was das für eine Manier sei, ich hätte ihnen doch mein Versprechen gegeben, auf mich sei ja gar kein Verlaß; was der fremde Herr mit meinem Koffer zu tun hätte; wie ich dem meine Schlüssel anvertrauen könne, solche Zumutung würden sie mir nie gemacht haben, sie würden die Zigarren mir anvertraut haben. O, ich fühlte mich in eine Sache verwickelt, die mich sehr beunruhigte, aber wenn mein Blick auf das ruhige, vornehme Gesicht fiel, dann wurde auch ich ruhig. ›Ach,‹ dachte ich, ›wie muß es wunderbar schön sein, wenn man jemanden hat, der durchs ganze Leben hindurch für einen sorgt und für einen eintritt, wenn man Dummheiten macht.«

Am Abend erschienen plötzlich mehrere englische Zollbeamte, die unser Gepäck nachsahen und sich danach mit den Männern hinsetzten und Grog tranken und sehr laut wurden.

Ich ging für den Rest des Abends auf Deck. Der Herr kam auch herauf, gab mir meine Schlüssel und seine Visitenkarte. Ich las ›Angus Macdonald. Marine-Villa. Aberdeen. Scotland.‹ Er sagte, jetzt möge ich ihm doch auch meine Adresse geben.

Das tat ich, dann unterhielten wir uns. Es ging meinerseits nur mäßig, da ich mich scheute, englisch zu sprechen, aber ich freute mich nicht wenig, daß ich, wenn ich recht aufpaßte, ihn schon ganz gut verstehen konnte.

Endlich ging ich zu Bett. Der Herr sagte: »Wenn Sie morgen früh auf Deck kommen, sehen Sie London.« Am nächsten Morgen kein Stoßen der Schraube, – das Schiff stand still. Eilig zog ich mich an und eilte auf Deck. Es war ein herrlicher, sonniger Sonntagmorgen, feierliches Glockengeläut tönte von drüben herüber, wo das große Häusermeer sich dehnte, soweit das Auge reichte. Uns gegenüber lagen schwere, massige Bauten. Mr. Macdonald trat zu mir und sagte, das da drüben sei der Tower. Da erschauerte ich. – O Mutter, weißt Du wohl noch, daß ich Dir einst auf dem Siebenlehner Forsthofe eine Geschichte von Gustav Nieritz vorlas? Oliver Cromwell! Da war so viel vom Tower die Rede. Ich machte mir die phantastischsten Vorstellungen von dem alten, merkwürdigen Bau. Ich sah ihn damals leibhaftig vor mir, mit den undurchdringlich dicken Mauern, dem eisernen Tor, das hart an der Themse lag, durch das die Gefangenen vom Fluß aus ins Gefängnis geschleppt wurden, um in den dumpfen Towerkerkern elend zu verschmachten. So deutlich sah ich das alles als Kind vor mir, ich hörte das verzweiflungsvolle Schreien der armen Opfer, und ich erinnerte mich, daß ich die schrecklichen Vorgänge so drastisch wie möglich der Rendel Ernestine und der Schubert Anna erzählte, die sahen mich kopfschüttelnd an und sagten bedächtig: »Ä, das lügst du mal wieder!« Und jetzt sahen meine leiblichen Augen, was ich mir im Geiste schon vor so langer Zeit ausgemalt hatte!

Nach dem Frühstück verließen alle das Schiff. Der Herr gab mir die Hand und sagte: »Möge es Ihnen gut gehen in der Fremde. Sie werden von mir hören.«

Jetzt werde nicht böse. Ich hörte immer und überall: »Sie werden von mir hören.« War das nur eine Redensart? Er sah doch gar nicht danach aus, als könne er Redensarten machen. Aber noch viel unwahrscheinlicher war es doch, daß er je wieder an mich denken würde. Ich ging in die Kajüte, setzte mich auf das kleine, rote Plüschsofa und weinte herzbrechend. Da kam die Stewardeß herein und sagte lebhaft: »Da sitzen Sie wahrhaftig in aller Ruhe, – (ach, ich war doch gar nicht ruhig!) und weinen! Was fällt Ihnen denn ein? Wann wollen Sie eigentlich mal an Land? Kommen Sie doch, das Boot setzt Sie hinüber. Wir können Sie nicht länger haben, wir wollen nun das Schiff rein machen.«

»Aber,« sagte ich zögernd, »ich dachte ich wollte warten, bis ich abgeholt würde.«

Da fing die Stewardeß laut an zu lachen und sagte: »Na, da können Sie wohl lange warten! Drüben steht keine Droschke mehr, weder eine, die Sie holt, noch eine, die Sie mieten können. Die denken doch nicht, daß noch jemand an Bord ist!«

Wir standen jetzt im Eßsaal, und der Kapitän sah kopfschüttelnd, wie ratlos ich da stand.

»Ja,« sagte er, »so kommen wir nicht weiter.«

»In Hamburg sagte man mir, ich würde abgeholt,« stotterte ich.

»Manchmal kommt's doch anders, als es auf dem Programm steht, und da muß sich der Mensch zu helfen wissen. Sie scheinen aber recht unselbständig zu sein. Haben Sie denn wenigstens Ihre Adresse?«

»Ja, natürlich,« sagte ich, mit den Tränen kämpfend.

»Na,« sagte er, »dann kommen Sie nur, ich will lieber selbst mit. Ihnen kann ja hier sonst was passieren. Wenn Sie an den verkehrten Kutscher kommen, fährt der Sie, ich weiß nicht wohin. Na, – erschrecken Sie nur nicht, und verzagen Sie nicht! Sollten Sie es hier schlecht treffen, dann gehen Sie wieder nach Hause. Alle vierzehn Tage kommt der ›Castor‹ nach London. Ich nehm' Sie wieder mit zurück.«

Nach Hause?! Ach, wo war denn eine Heimat für mich?

Wir fuhren mit der Droschke, die der Kapitän besorgt hatte, weite Strecken entlang. Rechter Hand sah ich Häuser, linker Hand aber herrliche Parkanlagen mit wunderbar kräftigen, ungewöhnlich hohen, schönen Bäumen.

Ich hatte mir die Straßen sehr lebhaft vorgestellt, aber es war still, nur viele Kirchgänger, die ein winziges Gesangbuch in der Hand hielten, sah ich. Der Kapitän sagte, morgen, am Werktag, würde ich einen ganz anderen Eindruck bekommen. Er erklärte mir, als wir durch ein imposantes Tor fuhren, das sei Marble Arch im Hydepark, und bald danach kamen wir durch Kensington Gardens.

Plötzlich hielt die Droschke. Ich verabschiedete mich dankend von meinem menschenfreundlichen Kapitän und schritt durch einen hübschen Vorgarten, der sanft ansteigend zu Mount-House führt, meiner neuen Heimat entgegen. Das freundliche zweistöckige Haus steht in vornehmer Ruhe ganz allein mitten in dem hübschen Garten.

Mein Blick blieb an einem Fenster der zweiten Etage haften. Das war doch wirklich wie ein Bild aus der Dresdener Galerie! An eines der Fenster drückten sich drei blonde Lockenköpfchen, eins entzückender als das andere. Wenn die Kinder so lieb wie schön waren, dann mußte ich in Mount-House ja ein Stück Himmel auf Erden finden. Ein sauberes Mädchen ging an mir vorüber, um sich um mein Gepäck zu kümmern. An der geöffneten Haustür empfing mich Mrs. Buxton. Mit einem Anflug von fremdem Akzent sagte sie: »Willkommen, Fräulein! Nun? Noch sehr krank und elend von der Reise? Kommen Sie mit hinauf zu den Kindern.«

Und dann stand ich den drei engelsschönen Kindern gegenüber. Sie heißen: Mabel, Ethel und Harrald. Möchte es mir gelingen, ihre Liebe zu gewinnen! –

Als ich noch mit den Kindern sprach, kam eine hübsche, schlanke Dame auf mich zu und sagte lachend: »Die Überraschung ist vollständig gelungen. Sie haben dir in Wolfenbüttel also nichts verraten. Kennst du mich denn nicht mehr?«

Ich sah ihr erstaunt in die lachenden, braunen Augen, dann fragte ich zögernd: »Kä-the – Kunkel? – !«

»Natürlich!« rief sie, nahm mich herzlich in die Arme, küßte mich und sagte: »Ich bleibe noch ein paar Tage mit dir hier und mache dich ein bißchen mit allem bekannt, dann gehe ich erst mal auf ein Jahr nach Wolfenbüttel, aber dann komme ich wieder, und dann wollen wir beiden Deutschen treu zusammen halten.« Das war eine ganz unvorhergesehene Freude und eine große Erleichterung.

Und nun ... Was denkst Du? Donnerstag nach dem Frühstück kommt das Mädchen ins Schulzimmer und legt ganz gleichgültig einen Brief und ein Buch vor mich hin. Es waren englische Marken drauf, und die Adresse war von fremder Hand geschrieben. Es war gut, daß Mabel noch nicht da war, da konnte sie doch nicht sehen, wie verwirrt ich war. Es war ein steifes, dickes Kuvert, und die Handschrift war kühn und großzügig. Ich sah im Geiste, wie eine blasse, wohlgepflegte Hand mit einer goldenen Feder diesen kurzen Brief geschrieben hatte. Die Stube drehte sich mit mir. Der Brief lautete:

»Liebe Miß Dietrich!

Es hat mich gefreut, Ihre Bekanntschaft auf dem ›Castor‹ gemacht zu haben. Hoffentlich haben Sie Ihren Bestimmungsort ebenso sicher erreicht wie ich den meinigen. Ich traf Eltern und Geschwister im besten Wohlsein an.

Beifolgend schicke ich Ihnen eine Erinnerung an unsere gemeinschaftliche Reise, es ist ›Valerie‹ von Captain Marryat. Beim Lesen der Geschichte mußte ich an Sie denken. Hoffentlich macht Ihnen das Buch ein wenig Freude. Würden Sie mir wohl das Vergnügen machen und mit mir in Briefwechsel treten? Ich komme zuweilen nach London und würde mich freuen. Sie wieder zu sehen. Herzliche Grüße, liebes Fräulein Dietrich.

Ihr

aufrichtiger

A. Macdonald.

Nach der Stunde gingen die Kinder in den Garten. Ich ging auf den Boden, las im Halbdunkel noch einmal den Brief durch, den ersten Brief, den mir ein Herr schreibt und der einen heißen Sturm von Freude und Sehnsucht in mir wachruft. Dann nahm ich behutsam alle Einsätze aus meinem großen Koffer und legte ihn ganz zu unterst, packte viel Zeug, das schwere Winterzeug darüber, und ging langsam und traurig hinunter. Ich durfte nicht antworten, ich mußte diese Erinnerung begraben. Damit genug für heute!

Treu
Deine Charitas.

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