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Am Ende der Welt

Walther Kabel: Am Ende der Welt - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
authorWalter Kabel
titleAm Ende der Welt
publisherVerlagsbuchhandlung Hermann Drewes
year1952
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140611
projectida22b5127
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I.

Die Nacht damals war kalt, regnerisch und finster. Eine bessere Nacht konnte ich mir kaum wünschen.

Wenn die Regenschauer und Windstöße über das Schieferdach hinwegfuhren, drang mir die Kälte durch die durchnäßten, muffig stinkenden Leinenhosen und die aus der grauen Wolldecke in heimlicher Arbeit zurechtgeschneiderte Jacke bis auf die Knochen.

Seltsam – meine Gebeine fühlte ich, als ob es eisige, eiserne Stangen wären. Aber meine Haut und mein Gesicht brannten wie damals, als ich mitgeholfen hatte, der Jungfrau durch den felsigen Leib finstere Schlünde zu bohren: Höhensonne – Gletscherbrand!

Vom Dache liefen zwei dicke Drähte mit leichtem Gefälle über den Hof und die hohe Mauer hinweg bis zu einem nahen Hügel.

Zwei Drähte – der eine isoliert, der andere durch die Witterungseinflüsse oxydiertes Kupfer.

Drähte, die den Tod leiteten, aber auch Licht, Kraft, Wärme spendeten.

Die Drähte lagen etwa fünfzig Zentimeter auseinander und schwankten im Winde. Ich bin nie ein Seiltänzer gewesen. Man wird alles, wenn Not am Mann ist. Und ich hatte dieses Leben satt. Ich war in den letzten acht Monaten, wo ich lediglich häßliche Pantoffel genäht und nicht ein einziges Mal anständig gegessen hatte, fraglos um zwanzig Pfund leichter geworden. Ich schätzte mein Gewicht auf hundertzehn. Wenn die Drähte hielten und wenn ich das Kunststück fertigbrachte, auf diesen Metallstrippen, die den Weg in die Freiheit darstellten – den einzig möglichen Weg – bis drüben zum dicken Holzmast der Starkstromleitung zu gelangen, so war immerhin etwas gewonnen.

Noch lange nicht alles.

Vom Boden des roten Ziegelgebäudes hatte ich mir ein Stück von einer zerbrochenen Fahnenstange mitgebracht.

Als Balancierstange.

Ich setzte mich auf den Lukenrand, streifte die plumpen Lederschuhe ab und zog die anderen über – aus Gummistoff, auch selbstgefertigt, genau wie die Gummihandschuhe, die ich über meine Finger zwängte. Mit solchen Drähten muß man vorsichtig sein, zumal wenn die Isolation des Plusleiters vom Zahn der Zeit schon arg benagt ist und man nicht dafür gutsagen kann, das Gleichgewicht trotz totaler Nüchternheit nicht zu verlieren.

Unten im Hof ging ein dunkler Schatten hin und her.

Der Mann war mir gleichgültig, auch sein Karabiner. Die Instruktion verlangte, daß er die hohe Ziegelmauer überwache, die oben noch eine nach innen geneigte Verlängerung von acht Stacheldrähten trug. Bisher war noch keiner meiner Kameraden über diese Mauer hinweggelangt.

Ich packte die Stange und begann diesen Weg zu beschreiten, der wahrhaftig kein Alltagsweg war.

Die Dachluke hatte ich wieder zugeklappt. Und das war gut. So hat man sich denn wochenlang die Köpfe zerbrochen, wie Ingenieur Olaf Karl Abelsen das Hotel ›Düsterburg‹ wohl verlassen haben könnte.

Die ersten gleitenden Schritte auf den beiden Drähten hätten vielleicht noch vor acht Monaten meine Unternehmungslust bis zum Gefrierpunkt abgekühlt. Die acht Monate Pantoffeln und Staatshotelkost – und die Aussicht auf noch sechzehn Monate: Lieber das Genick brechen oder eine elektrische Hinrichtung hier am eigenen Leibe durchmachen!

Weiter!

Linken Fuß auf dem isolierten Draht vorgeschoben, rechten Fuß auf der Kupferstrippe breitbeinig folgen lassen!

Zähne zusammengebissen!

Aha – das Knochengerüst wird gleichfalls warm, die Gelenke werden geschmeidig, die frische Luft tut wohl.

Spiel mit dem Tode!

Mein Gott – nicht das erste Mal!

Als damals im Jungfrautunnel der Sprengschuß zu früh losging, lag ich eigentlich schon mit beiden Beinen im Grabe. Der Sprung hinter den Geröllhaufen hätte keinen Bruchteil einer Sekunde später erfolgen dürfen.

Verdammt!

Dieser Windstoß eben hätte mich beinahe unten dem Posten vor die Füße befördert. Der arme Kerl hätte keinen schlechten Schreck über den Haufen blutigen Menschenfleisches bekommen.

Ich wurde wieder vorsichtiger. Wenn der Wind eine Pause machte, schaffte ich immerhin fünf Schritte vorwärts.

So – nun lag die Mauer hinter mir.

Bis zum Hügel und Holzmast noch etwa dreißig Meter.

Ich schwitze.

Früher hatte ich nie geschwitzt. Auch damals nicht, als ich den Schienenbruch entdeckt hatte und dem Schnellzug Malmö-Stockholm entgegenlief. Und in jener Nacht handelte es sich um zahlreiche Menschenleben, die auf dem Spiele standen. Heute nur um mein eigenes, und daran lag niemandem etwas. Die Welt hatte Karl Olaf Abelsen gestrichen.

Aber mein einst so trefflich trainierter Körper besann sich doch so allmählich auf seine einstige Leistungsfähigkeit. Mit dem wachsendem Selbstvertrauen ging es auch schneller voran.

Tückischer Nachtwind – Bestie!!

Tut so, als ob sie wieder Atem schöpfen wollte und bläst mir ganz plötzlich derart in den Rücken, daß mein linker Fuß ausgleitet.

Die Stange saust in die Tiefe ... ich hänge an der Kupferstrippe ... pendele hin und her ...

Die beiden Drähte schwingen ... schwingen ...

Der schwarze berührt meinen Handschuh und schwingt zurück.

Für einen Moment ist mir das bekannte Kribbeln durch die Hand gelaufen. Der Handschuh isoliert doch nicht vollständig.

Die Bestie Wind stellt das Fauchen wieder ein.

Und ich hänge nur mit einer Hand an der Kupferstrippe, recke die andere weit vor, umklammere den Draht, öffne die erste und arbeite mich so bis zum dicken, geteerten Mast.

Dank auch, fürsorgliche Kollegen, die ihr an diesem Mast Steigeisen befestigt habt!

Ich habe die erste Etappe hinter mir.

Meine Beine zittern, meine Armmuskel flattern.

Ich lehne unten am Mast, und Regen und Wind fächeln mein schweißtriefendes Gesicht. Ich schelte den Wind nicht mehr Bestie. Jetzt erscheint er mir wie kühle, liebkosende Frauenhände, die mir streichelnd Glück wünschen. Hinter mir liegt der große dunkle Bau mit den zahllosen kleinen Fensterchen.

Einzelne Fenster sind hell – die Flurfenster!

Zuweilen gleitet ein Schatten hinter diesen Fenstern vorüber: Die armen Angestellten des Hotels ›Düsterburg‹ haben nicht einmal nachts Ruhe.

Die ›Hotelgäste‹ haben es besser. Die dürfen ab neun Uhr ungestört ihren jagdsportlichen Neigungen nachgehen. Meine Jagdbeute pro Nacht betrug durchschnittlich dreißig Wanzen.

Meine überanstrengte Muskulatur beruhigte sich wieder.

Ich mußte daran denken, den zweiten Teil meines Programms zu erledigen, denn die Nächte im April sind hier in Südschweden nicht allzu lang. Um sieben wird es hell und bis dahin mußte ich den Boden meines Landes unbedingt verlassen haben.

Ich wandte mich der im Tale liegenden Stadt zu, kam über ein reißendes Flüßchen, dessen Holzbrücke unlängst von meinen bisherigen Kameraden erneuert worden war, und sah nun links die Lichtreihen des Bahnhofs und rechts einzelne helle Villen in alten, dichtbewachsenen Gärten herüberwinken.

Um die literarischen Größen meiner Heimat hatte ich mich gerade soviel gekümmert, daß mir noch rechtzeitig im Hotel ›Düsterburg‹ eingefallen war, hier in der Stadt wohne die berühmte geistvolle Frau, deren Werke in alle Sprachen übersetzt worden sind.

Ich wußte auch, daß sie hier eine burgähnliche Villa besaß, die in einem uralten Schloßpark lag.

Es galt also, die Villa zu suchen. Denn nur diese Frau mit dem goldenen Herzen würde mir helfen. Ohne sie war diese Vergnügungsreise sehr bald zu Ende.

Die Straßen des Villenvororts waren wie ausgestorben. Nur Katzen und Hunde verrieten trotz des erbärmlichen Wetters das Nahen des Frühlings. Ich beobachtete verschiedene vierbeinige Liebespärchen, die je nach Charakterveranlagung die Schäferstündchen laut oder leise vorbereiteten. Katzen pflegen sich hierbei zumeist ziemlich pöbelhaft zu benehmen. Wenn all die süßen menschlichen Fräuleins auch so alles durchdringend kreischen wollten, würde die vielgequälte Polizei noch mehr zu tun haben.

Unter einer Laterne lehnte schlaftrunken ein Polizist. Es ist ein wahres Glück, daß die Herren Polizeiminister noch immer so rückständig sind, ihre Leute in eine weithin erkennbare Uniform zu stecken. Wie leicht könnte man, wenn die Beamten schlichten Spießbürgern glichen, ihnen in die Arme laufen.

Ich machte einen Bogen um besagte Laterne und spähte emsig nach einem burgähnlichen, großen Gebäude aus.

Dann stand ich plötzlich vor einer Gitterpforte und betastete die eingravierten Buchstaben des Messingschildes mit den Fingerspitzen, kletterte über den Zaun und schlich die Allee entlang, bis ich rechts zwei helle Fenster im hohen Erdgeschoß bemerkte – die einzigen erleuchteten Fenster des mächtigen Heims der großen Dichterin.

Vor den Fenstern zog sich ein Balkon hin, und dort stand ein Mensch, ein Mann, halb zusammengeduckt. Der matte Lichtschein zeigte mir einen verregneten Velourhut, einen hochgeklappten Ulsterkragen und ein besonnenes Profil mit sehr gerader Nase und blondem Spitzbart.

Dieser Herr störte mich. Er paßte nicht in mein Programm hinein. Wenn er stehlen wollte, und wenn er sich dabei ungeschickt benahm, konnte das auch für mich unangenehme Folgen haben.

Jeder ist sich selbst der Nächste. Zumal nach acht Monaten Freiquartier im Staatshotel.

Ich begann an dem eisernen Träger des Balkons empor zu klettern. Daß der Mann mich nicht hörte, dafür sorgte der Wind und der Regen und ein Katzenpaar in den nahen Büschen.

Als ich den Kopf über die Balkonbrüstung hob, stand der eine Flügel der Fenstertür halb offen, und der Herr war verschwunden. Ich war zu spät gekommen und mußte die beabsichtigte Aussprache mit dem Fremden, der fraglos der Faust des einstigen Amateurmeisters des Boxclubs ›King Tor‹ nicht gewachsen gewesen wäre, vorläufig aufgeben.

Umkehren etwa?

Nein, denn das wäre gleichbedeutend mit freiwilliger Rückkehr ins Hotel ›Düsterburg‹ gewesen.

Vor der halboffenen Tür hing innen ein Vorhang. Er bewegte sich leicht hin und her, und als ich ihn nun ein wenig zur Seite schob, erblickte ich links in einem weißlackierten, geschnitzten Bett eine blonde junge Frau aufrecht sitzen und mit beiden Händen eine blauseidene Steppdecke gegen die Brust pressen. Ihr Gesicht lag im Schatten, da die kippbare Nachttischlampe mit gelbem Trichterschirm so gedreht war, daß der Lichtschein den Fremden traf, der noch weiter links neben einem dreiteiligen Frisiertisch stand.

Der Mann sprach.

Ich erhaschte nur einzelne Worte.

Eine gewisse junge Dame, deren Namen hier zu nennen zu viel Ehre für sie wäre, kann darüber Auskunft geben, weshalb Olaf Karl Abelsen niemals mehr irgendwelche Gefühlsdummheiten begehen wird, zu denen ich auch meine damalige Rettung des Schnellzuges Malmö-Stockholm rechne. Die Menschen sind es nicht wert, sich irgendwie für sie aufzuopfern, und Weiber erst recht nicht.

Hier lagen die Dinge anders. Hier gedachte ich nicht den Lohengrin zu spielen, der Elsa von Brabant von einem Feinde befreit. Hier handelte es sich um mich selbst, und ich selbst war es mir schuldig, dieser Szene da drinnen ein Ende zu machen.

Die Stimme des blonden Kindes dort im Bett hatte eben nochmals beteuert, daß sie dem Erpresser beim heiligen Gott nichts – nichts mehr aushändigen könne, als ich den jämmerlichen Wicht schon beim Genick hatte.

Vom Bett her klang ein leiser Schrei.

Der Kerl flog über die Balkonbrüstung unten in eine Taxushecke, rappelte sich auf, suchte seinen Hut und rannte die Allee entlang.

Ich kehrte in das Schlafzimmer zurück. Das junge Mädchen starrte mich an und meinte weinerlich:

»Ist er fort? Sie sind wohl ein Kriminalbeamter, mein Herr?«

»Ja! – Und Sie, mein Fräulein?«

Sie zögerte.

»Sie ... kennen mich also nicht?«

»Nein. Ich bin erst kurze Zeit hier in dieser Stadt, ganz kurze Zeit. Ich war bisher in einer staatlichen Anstalt beschäftigt. Ein eiliger Auftrag ruft mich außerdem noch in dieser Nacht nach Trelleborg, mein Fräulein. Könnten Sie mir irgendwie einen Anzug, einen Mantel und Wäsche und so weiter beschaffen und mir ein Fahrrad leihen?«

Ihr Gesicht konnte ich noch immer nicht deutlich erkennen, zumal ihr jetzt noch das aufgelöste blonde Haar nach vorn gefallen war.

Sie schwieg sekundenlang.

Ich fühlte ihre forschenden Blicke und ahnte, daß sie mich durchschaut hatte.

»Sie ... kommen aus Hafdengarden?« flüsterte sie.

»Ja. Ich bin der Ingenieur Olaf Karl Abelsen, der wegen Totschlags zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Vielleicht haben Sie in den Zeitungen davon gelesen. Es ist freilich schon über acht Monate her.«

»Mein Gott – – Abelsen!! – Oh, ich will Ihnen helfen. Ich ... ich bin das Stubenmädchen der Dame, der diese Villa gehört. Die Dame ist verreist, und auch der Chauffeur hat Urlaub. – Drehen Sie sich um. Ich will nur einen Morgenrock überwerfen. Ich bringe Sie in die Garage, in die Stube des Chauffeurs.«

»Ich werde wieder in den Garten hinabklettern«, vereinfachte ich ihre Vorschläge. »Kommen Sie in den Garten, bitte ...«

Sie kam. Sie hatte einen langen Ledermantel an, eine Autokappe auf und eine Schutzbrille vor den Augen.

In der Stube des Chauffeurs ließ sie mich allein, um den Wagen zur Fahrt nach Trelleborg fertig zu machen. Die Kleider des Chauffeurs paßten mir leidlich, und nachher nahm ich auch noch einen kleinen Koffer mit, um mehr den Eindruck eines schlichten Reisenden hervorzurufen.

Wir fuhren davon.

Sie saß am Steuer. Ich neben ihr. Wir tauschten wie bisher nur wenige Worte aus. Und kurz vor sechs Uhr hielten wir unweit Trelleborg auf der Chaussee.

Ich stieg aus, nahm den Koffer, dankte dem Mädchen und übersah ihre Hand, die sie mir zwanglos hinreichte – wollte sie übersehen ...

»So nehmen Sie doch«, rief sie ungeduldig, »Sie brauchen doch Geld, und die drei Schminkstifte werden Sie auch zu benutzen verstehen.«

Als Nachsatz kam ein wenig verlegen: »Man würde es Ihrer Gesichtsfarbe ansehen, Herr Abelsen, woher Sie kommen.«

Ich nahm. Bevor ich nun aber, gerührt durch ihre Fürsorge, meinen Dank nochmals in herzlichere Worte kleiden konnte, wurde der Wagen geschickt gewendet, sauste den Weg zurück und entschwand. Mein Händewinken, meine Zurufe blieben unbeachtet, und meine Retterin, die niemals – das hatte ich längst bemerkt – ein Stubenmädchen war, entglitt mir vielleicht für immer.

Ich hatte sie nicht nach ihrem Namen gefragt, ich hatte nur still in mich hinein gelächelt, wenn sie während der spärlichen Unterhaltung sich mit geringem Erfolg bemüht hatte, in ihrer Ausdrucksweise den Ton eines halbgebildeten Mädchens zu treffen. Und doch wußte ich ihren Vornamen: Gerda! – Der Mann mit dem blonden Spitzbart hatte ihn mehrfach über seine elenden Lippen gebracht, bevor ich ihn in die Taxushecke hinabschleuderte, diesen jämmerlichen Halunken.

Gerda also.

Immerhin etwas. Aber ein Stubenmädchen – niemals! Schon das Schlafzimmer hatte dagegen gesprochen, erst recht ihr Benehmen, ebensosehr ihre Sicherheit in der Führung des Kraftwagens.

Schade, daß ich mir von ihren Gesichtszügen keine rechte Vorstellung machen konnte. Nur die großen dunklen Augen, das blonde Haar und ein Paar sehr frische, sehr schön geformte Lippen hatten sich meinem Gedächtnis eingeprägt.

Vielleicht war Gerda eine Freundin oder Verwandte der berühmten Schriftstellerin.

Es muß wohl so sein: eine Verwandte, vielleicht eine Nichte, denn die große Dichterin zählte mindestens fünfzig Jahre und entstammte einer zahlreichen Familie.

Gerda!

Das Leben würfelt mit Menschenschicksalen. Blinder Zufall regiert unser Dasein. An ein Fatum, eine Vorausbestimmung unserer Lebenslinie, glaube ich nicht. Wäre dieses Rückgrat der Lehre des Propheten Mohammed unentwirrbar von der Wiege an in unseres Daseins buntes Netz mit hineingewirkt, wären wir Menschen nur Marionetten, die am unsichtbaren Faden eine vorgeschriebene Bahn entlanggeleitet würden, so täten wir besser, am Tage der Vollreife geistiger Erkenntnis uns eine Pistole an die Schläfe zu drücken und diese Marionettenfäden zu durchlöchern, um wenigstens in diesem einen Augenblick, wo der tödliche Schuß knallt, Herr über uns selbst werden und nicht bis zum »vorgeschriebenen Verrecken« elende Hampelmänner zu bleiben.

Das Leben würfelt. Und auf zwei Flächen zweier Würfel standen zwei Namen.

Das Leben schüttelte den Schicksalsbecher und diese Namen fielen nach oben.

Aber der meine war nicht darunter.

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