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Altweimarische Liebes- und Ehegeschichten

Helene Böhlau: Altweimarische Liebes- und Ehegeschichten - Kapitel 3
Quellenangabe
typenarrative
booktitleAltweimarische Liebes- und Ehegeschichten
authorHelene Böhlau
year1897
firstpub1897
publisherVerlag von J. Engelhorn
addressStuttgart
titleAltweimarische Liebes- und Ehegeschichten
pages158
created20100802
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Eine kuriose Geschichte.

Zur Zeit, als die Kummerfelden schon bedenklich zu altern begann, wäre sie um ein Haar um ihren guten Ruf gekommen, den sie ihr Lebtag wie einen Augapfel zu hüten verstanden hatte; und das ist folgendermaßen zugegangen: »Herrjes!« sagte Röse Kirsten, die Tochter des Herrn Rat Kirsten (das eine »Ratsmädchen«, zu ihrer Schwester Marie, dem andern »Ratsmädchen« aus der Wünschengasse«), »was ist denn da einmal wieder bei den Franzosen los!«

Sie saßen alle miteinander in der Nähschule der alten Schauspielerin, der Kummerfelden, in dem kleinen Haus am Entenfang, zur Zeit als die Pogwischs, die Adele Schopenhauer in den »Entenfang« gingen, um, statt nähen zu lernen, was ihnen allen recht not gethan hätte, die gute Kummerfelden zu beobachten, weil die Originale schon dazumal im Aussterben begriffen waren, wie es hieß.

»Am Entenfang« wurde die Schule der Kummerfelden kurzweg genannt, eben weil sie am Entenfang lag. Der Entenfang war aber eine Schleuse, bis zu der die Enten von der Lottenmühle den Lottenbach hinüberschwimmen konnten und an der sie sich schnatternd und plaudernd unterhielten, wie es gewisse Leute in der Nähschule der Kummerfelden genau so zu thun liebten.

Unsre Geschichte beginnt, wie das junge Nähvolk in der großen Stube der Kummerfelden sitzt. Die Mädchen im unteren Raum und die Kummerfelden im Allerheiligsten, 120 zu dem breite Stufen aus der eigentlichen Nähschule hinaufführen. Im Allerheiligsten steht ihr Bett. Ueber dem Bett hängt der Beutel mit Nachtproviant: ein paar Aepfel, ein Fläschchen mit sogenanntem Lebenselixir und das Gesangbuch. In dem Gesangbuch liegt eine dicke Schnur und zeigt die Sterbelieder an, denn die Kummerfelden wollte in ihrer Einsamkeit, bei bösem, schnellem Tod den letzten Trost der Religion bequem bei der Hand haben. Und daß die Lorbeerkränze aus den Ehrentagen, als die Kummerfelden noch Schauspielerin war, wie Erntekränze von der Decke herabhängen und die geblümten Kleider an den Wänden paradieren, und daß die Kummerfelden eine große Haube trägt, wie ihresgleichen in Weimar nie wieder zu finden ist, das alles will ich hier nur beiläufig erwähnen.

Aber sie selbst, die Kummerfelden, spielt in dieser Geschichte dennoch eine Hauptrolle, die alte Frau, auch ihr Haus am Entenfang, auch ihre Nähschule, ihre geblümten Kleider, ihre Lorbeerkränze und ihre guten, alten Freundinnen, die große, lustige Fabianen und die kleinen Muskulusen mit der Perücke.

Als das Ratsmädchen, die Röse, rief: »Herrjes! was ist denn da einmal wieder bei den Franzosen los!« saßen sie eben alle miteinander in hergebrachter Ordnung; die Kummerfelden auf ihrer Stufe thronend, die sie sich an einer Seite etwas hatte verbreitern und mit einem Lederkissen belegen lassen.

»Na,« sagte Madame Kummerfelden, »das möchte ich doch wissen, was du nu wieder gehört hast.«

»Was ist denn aber das?« flüsterte Adele Schopenhauer den Pogwischs zu, »ich denke, sie ist halb taub? Und da hört sie ganz vortrefflich!«

Das passierte der Kummerfelden selten, daß sie sich verschnappte. Sie hatte ihre Schülerinnen an ihre Schwerhörigkeit glauben machen wollen, damit diese alles, was sie unter sich zu bereden hatten, laut beredeten, ohne sich zu genieren, und damit sie selbst mit ihren scharfen Luchsohren alles hören konnte. Aber diesmal hatte sie sich wirklich verschnappt und ließ deshalb die Sache auf sich beruhen, damit es desto eher in Vergessenheit käme.

Die Ratsmädchen, Röse und Marie,. aber hatten die 121 List der Kummerfelden längst durchschaut und lachten jetzt miteinander, als sie bemerkten, wie die Kummerfelden sich ärgerte, und sie ärgerte sich nicht nur darüber, daß sie sich verschnappt hatte, sondern über noch etwas andres, das war ihnen vollkommen klar, den beiden Krabaten. Und jetzt gab es wieder Lärm im Haus. Es trappte jemand die kleine, schmale Treppe, die zu den zwei Hinterzimmern im Entenfang führte, hinab, und die Hausthür donnerte zu, daß die ganze Nähschule wackelte und auch die Haube der Kummerfelden; aber die bemerkte jetzt gar nichts mehr und hörte wieder gar nichts.

»Da hat es eben doch etwas gegeben, das war der Colonel, der hinausgetappt ist,« sagte jetzt Röse wieder leise. »Ich weiß nicht, daß die Kummerfelden durchaus nicht zugeben will, daß ihre Mietsleute Spektakel machen, das ist wirklich närrisch. Wenn Beutlersch bei uns oben so wären, da möchte ich den Vater sehen; aber die Kummerfelden hat doch an dem verrückten Tier, dem Colonel, einen Narren gefressen.«

»Na natürlich,« meinte Marie.

Dieser Colonel war vor ungefähr einem Jahr mit seiner Frau, einer Dresdenerin, in Weimar aufgetaucht.

Wo er eigentlich herkam, das wußte man nicht; ob er Colonel war oder sich nur selbst so bezeichnete, war auch nicht mit Bestimmtheit festzustellen. Er erzählte, daß er lange in Deutschland gefangen gewesen, daß er da und dort herumgekommen sei und daß er auch damals in Weimar bei der Plünderung mit gewesen. Und damals mußte es ihm in Weimar ganz besonders behagt haben, denn er war jetzt zum zweitenmal wiedergekehrt, um sich mit seiner deutschen Frau daselbst niederzulassen.

Daß es damals mit der Plünderung wirklich seine Richtigkeit haben mochte, darauf schwuren Marie und Röse, denn wie sie den Colonel zum erstenmal zu Gesicht bekommen und gehört hatten, unter welchen Umständen er vor acht Jahren schon in Weimar gewesen war, da stand es bei beiden fest, daß niemand anders als gerade er damals die Schinken an den blauseidenen Schärpenbändern aus ihrer Mutter Speisekammer fortgetragen hatte. Das Gesicht, sagten sie, hätten sie beide nicht vergessen. Und so waren 122 sie auf den Schinkendieb bis heute nicht gut zu sprechen und hatten die Kummerfelden auf das inständigste und freundschaftlichste gebeten, doch den Colonel nicht als Mieter in den Entenfang hineinzulassen.

Die Kummerfelden aber hatte über ihre dumme Schinkengeschichte gelacht und gesagt, sie sollten sich nicht solches Zeug einbilden, und dann hatte sie noch hinzugesetzt, um den Einwand der Ratsmädchen vollständig zu entkräften: »Und wenn er auch wirklich zu jener hochbeinigen Zeit die Schinken und die Schärpenbänder fortgetragen hätte, so wäre das seine Pflicht und Schuldigkeit gewesen, da ein Soldat eben zu plündern hat, ob er will oder nicht.«

Diese Weisheit der Kummerfelden aber leuchtete diesmal den Ratsmädchen durchaus nicht ein, und als sie den Colonel zum erstenmal unten bei der Nähmeisterin trafen, konnten sie den Gedanken an die Schinken und die Schärpenbänder keinen Augenblick los werden.

Der Colonel sagte, daß er gekommen sei, weil in Weimar so viel bons gens wären und er mit de bons gens leben wollte. Da fuhr es dem jungen, lustigen Ding, der Röse, wie ein Blitz durch den Kopf, wie eine Erleuchtung, die sie der Mamsell Loisette, ihrer guten französischen Lehrerin in der Gassenmühle, zu verdanken hatte.

»Ja,« sagte sie bedeutungsvoll, »es giebt viel gens bons in Weimar, viel jambons

Der Colonel mochte schwerlich erraten, was das hübsche Mädchen mit dieser scharf betonten Umdrehung eigentlich wollte, und der Leser wird das auch nicht recht wissen. So einem guten weimarischen Gemüte ist das nämlich völlig gleichbedeutend: gens bons (gute Leute) oder jambon (Schinken). Röse aber hielt es für einen gar nicht mißzuverstehenden Witz, begriff sich selbst nicht, wie ihr so etwas Geistreiches und Gelehrtes hatte einfallen können, stieß ihre Schwester Marie an, um sie darauf aufmerksam zu machen, fand aber auch da kein Verständnis, denn Marie hatte keine Ahnung mehr, wie Schinken auf französisch hieß. Keine Menschenseele hatte etwas von der Herrlichkeit verstanden, aber das schadete nichts, Röse hatte doch empfunden, daß im Menschen ungeahnte geistige Kräfte schlummern. Auf dem Heimweg erklärte sie Marie auch noch ausführlich ihren 123 vortrefflichen Einfall, und beide wunderten sich noch gehörig darüber, daß sie auch auf französisch Witze machen könnten.

»Und das sag' ich dir,« meinte Röse, »er hat's doch verstanden, merktest du nicht, wie er so sonderbar auf die Seite schielte, als traute er sich nicht, mir in die Augen zu sehen?«

»Natürlich,« meinte Marie, »da er ein Franzos ist, wird er's ja wohl verstanden haben. Uebrigens, er soll ja ein Elsässer sein, Gott weiß, die sprechen's vielleicht wieder anders aus als wir.«

Die Schinkengeschichte blieb in der Phantasie der Ratsmädchen an dem Colonel haften. Es ist sogar anzunehmen, daß, wenn sie sich ihn vorstellten, sie ihn beide immer mit den Schinken über der Schulter sahen. Und doch war er ein so charmanter Mann, wie die Kummerfelden sagte.

Die Ratsmädchen wußten auch, daß sich die Kummerfelden schon längst einen Mann ins Haus gewünscht hatte – und nun steckte sogar ein Colonel im Entenfang. Das mochte ihr sehr recht sein. Sie sagte in der Nähschule auch, als der Colonel richtig eingezogen war: »Seht ihr, Mädchen, mein Lebtag hab' ich von den Mannsbildern nicht besonders viel gehalten, wenn auch einmal alle Jubeltausendjahre so einer mit darunter durchläuft wie der Geheimrat Goethe und seinerzeit unser Schiller und der alte Wieland und was sich so in Weimar zusammengefunden hat. Ihr müßt wissen, Mädchen, daß es jetzt hier in Weimar eine außerordentliche Rarität ist und daß an die tausend Jahr vergehen können, ehe wieder so etwas vorkommt, und vielleicht kommt's nie wieder vor, solang die Welt steht. Mannsbilder,« sagte die Kummerfelden, »wird es natürlich immer geben, und sie werden auch immer glauben, daß sie Gottes Wunder was sind, werden von Jugend auf alle Weisheit, die es gibt, eingetrichtert bekommen, daß auch ein Esel daran zum Platzen gelehrt werden könnte, wenn man sich mit ihm die Mühe geben wollte, wie man sie sich mit den Mannsleuten gibt; aber etwas Vernünftiges, wie jetzt hier, werden sie ihr Lebtag nicht wieder zu stande bringen, und darauf leg' ich die Hand ins Feuer: Die haben 124 sich für ein hübsches Weilchen ausgegeben,« sagte die Kummerfelden mit Pathos. »Dickthun und aufgeblasen sein, das natürlich, das werden sie immer und ewig können. Sie werden aber auch, solang die Welt steht, nicht verstehen, sich einen Hemdenknopf anzunähen. Eine Schleife, das lernen sie auch nie zu binden, ihr Mädchen, und wenn sie im Zimmer was suchen, so werden sie immer und ewig wie die Blinden herumrennen und nichts sehen, wenn's ihnen vor der Nase liegt; und wenn gestritten wird, so werden sie ewig recht behalten; und wo's was zu saufen gibt, werden sie ewig dabei sein; und wenn sie den Schnupfen haben, werden sie sich entsetzlich gebärden; und wenn man auf Reinlichkeit hält, da werden sie immer und ewig ein Geschrei machen, daß man glauben sollte, man wollte sie berauben; und weil man ihnen mit Mühe und Qual durch lange Jahre etwas Lateinisch beigebracht hat, werden sie immer der Meinung sein, daß, weil schließlich etwas davon hängen geblieben ist, kein andres Geschöpf außer ihnen so etwas lernen kann, und wenn ein Frauenzimmer einmal ein paar lateinische Brocken aufgeschnappt hat, werden ihnen die Haare stets zu Berge stehen, wie bei einem ungeheuren Naturwunder; wenn dasselbe Frauenzimmer aber wie Wasser französisch und englisch und italienisch und meinetwegen türkisch spricht, da werden sie gar nix dabei finden, jetzt und in Ewigkeit nicht. Und wenn es heißt, ein schon bis zum äußersten unterjochtes Frauenzimmer noch ein bißchen mehr zu ducken, das werden sie unter allen Umständen für ein moralisches und vortreffliches Werk halten jetzt und in alle Ewigkeit; und wenn ein solch armes Frauenzimmer sich irgend etwas hat zu schulden kommen lassen, da werden jetzt und in alle Ewigkeit die ärgsten Sündenhunde über ihr zu Gericht sitzen; und wenn einer, was Gott verhüte, ein Mädchen verführt hat, wird er, ich meine schon solang die Welt noch lebt, ganz engelrein dastehen. Und wenn einer aus Eitelkeit platzt, wird er zu jeder Zeit den Mut haben, wie ein Schulmeister von der Eitelkeit der Weiber zu reden. Mein Gott,« sagte die Kummerfelden, »da könnte man fortreden von jetzt bis in alle Ewigkeit in einer Tour – Männer sind einfach lächerlich – aber eines, das muß ich ihnen lassen, bei Gewittern sind sie gut im Haus zu haben. 125 Seht ihr, Mädchen, das ist mir im Entenfang immer abgegangen, und jetzt hab' ich gottlob einen drin; für nächsten Sommer. Jetzt ist mein Haus versorgt. So ein Haus ganz ohne Mann ist eben nichts Fertiges. Damit will ich aber nicht etwa gesagt haben ›ohne Ehemann‹, durchaus nicht. Im Gegenteil,« sagte die Kummerfelden eifrig, »wenn es nach mir ging' und ich die Gesetze als Frauenzimmer machen dürfte, da sollte ein Mann überhaupt einem Frauenzimmer nicht enger angekettet sein als zum Beispiel der Colonel mir. Ein jedes Frauenzimmer sollte das Recht haben, ihm kündigen zu können, wie ich als Hausherrin dem Colonel kündigen kann; dann würde die Geschichte ein andres Gesicht bekommen, ihr Mädchen,« sagte die Kummerfelden listig.

Für unsre vortreffliche Zeit wären die Ansichten der Kummerfelden sonderbar genug, und so eine Nähschule, wo dergleichen verhandelt würde, könnte sich gefaßt machen, von Polizei wegen geschlossen zu werden.

Dafür aber sind wir auch ganz gehörig zurückgegangen in vielen Dingen. Unser Blut ist dick geworden, die lustigen, harmlosen Blutwellen, die damals durch die Adern der verstorbenen Weimaraner wie muntere Quellen rieselten, sind eingetrocknet.

Die Leute von damals ließen sich nicht so ohne weiteres verblüffen wie wir, hatten nicht so gewaltige Scheuleder wie wir vor den Augen, waren weniger gebildet und weniger verschroben und sprachen, wie der Schnabel ihnen gewachsen war, ohne viel Bedenken. Es war eine lustige, freie Zeit, damals, eine bessere Luft.

Und die Kummerfelden, die hatte noch etwas ganz Besonderes voraus. Sie stand bei aller Welt so unantastbar in Achtung, daß sie sagen konnte, was sie wollte, es wurde von der guten Seite genommen. Sie war durch Wasser und Feuer gegangen, das heißt, durch ein langes, vielbewegtes Leben, und dazu noch ein gehöriges Stück dieses Lebens über die Bretter, welche die Welt und zu jener Zeit noch dazu ein tüchtiges Stück Leichtfertigkeit bedeuteten, ohne daß man ihr irgend etwas Unrechtes hätte nachsagen können – und das war ihr Stolz.

Die Kummerfelden sprach gern von ihrem Colonel, und 126 die Mädchen in der Nähschule stellten Betrachtungen darüber an, daß es komisch von der Kummerfelden wäre, die Frau Colonel so vollständig totzuschweigen, wie die Kummerfelden in der Freude ihres Herzens, einen Mann im Hause zu haben, es in der That sich zu schulden kommen ließ, und sie erkundigten sich daher auf das ausführlichste stets nach Madame und nach Monsieur.

»Ja, mein Gott,« sagte einmal die Kummerfelden, »wäre Madame auch Französin, dann sähe die Geschichte freilich anders aus, aber zwei so feindliche Völker unter einem Dach, das thut nicht gut, und all der Spektakel, der daraus natürlicherweise entstehen muß, den soll man aus christlicher Liebe gar nicht bemerken.«

Deshalb sprach die Kummerfelden von Madame so wenig wie möglich.

Hätte sie von Madame gesprochen, so hätte sie sagen müssen, daß Madame in einem ununterbrochenen Entsetzen über das, was Monsieur that, sprach oder nicht that, sich befand, und daß es im Entenfang nicht immer so ruhig herging, wie es die Kummerfelden hätte vorgeben mögen.

In jenem schneereichen Winter waren die Colonels bei der Kummerfelden eingezogen, gerade um Weihnachten. Es war ein ganz unglaublicher Winter, und der Leser wird sich das kleine Weimar in seinem hohen, weichen Schneebett schwer vorstellen können. Die große Schneeeinsamkeit rings umher!

Jetzt gibt es die gar nicht mehr. Die Eisenbahn läßt solche Weltabgeschiedenheit nicht aufkommen.

Damals aber lag das warme kleine Nest wie mitten in einer Schneewüste, die Landstraßen hoch verschneit, meilenweit bis zur nächsten Stadt. Das Leben bekam so etwas Heimliches, Verschneites, Verborgenes wie in einem alten Märchen. Da war ein Fürstenhof mitten im hohen Schnee, und schöne Damen und Feste, und weise, hochberühmte Männer und lustige Straßenbuben, alles verschneit, alles im Schneenest, und warme, heimliche Stübchen und helle Feuer im Ofen, und alte Weiber am Spinnrade, und lustiges Volk und Komödie und Whistpartieen, und alles mitten im weiten hohen Schnee, vom Schneehimmel überwölbt, und 127 ringsum nichts als Einsamkeit und Stille, Rabenflüge, ferne verschneite Dörfer, Weltabgeschiedenheit und weicher Flockenfall, weiche Schneeluft, die den Schall seit Wochen schon gedämpft hielt.

Und in diesem Winter sind viele sonderbare Dinge im Schneenest geschehen. Der große Winter hat den Leuten lange, lange noch nachdem vorgeschwebt. Gar manche haben ihn ihr Lebtag nicht vergessen. Die Liebschaften in jenem weichen, eingehüllten Winter waren so zart, so frisch, so glückselig, so weltverborgen und wie auf weichen Sohlen, die Träume mit wachen Augen in jenem Winter waren so ungestört, das Wandeln zwischen den hohen Schneewällen so köstlich, so versteckt, und wie gut ließ es sich grübeln – Gott weiß, was alles da geschah.

Ein jeder hatte den Trieb nach Geselligkeit, nicht nach rauschender, glänzender Gesellschaft, nach heimlichem Beieinanderhocken, wenn draußen der Schnee fiel.

So war es auch der Kummerfelden ergangen; die Abende mit der Fabianen und der Mamsell Muskulus und den Ratsmädchen, als sie das Damengärtchen bauten, hatten ihr so wohl behagt, daß sie meinte, es wäre hübsch, wenn ihre beiden alten Kameradinnen, die Fabianen und die Muskulusen, manchmal angetappt kämen und mit ihr zusammensäßen, und auch die beiden Rackersmädchen Röse und Marie sollten ihr willkommen sein, und daß sie allerlei auftischen wollte, das war selbstverständlich. Schüttchen hatte sie bei Orthelis einen Vorrat backen lassen, der gut den ganzen Winter durch reichen mußte, und Kaffee und für die Ratsmädel Nüsse und Schnurpsäpfel, an all dem sollte es nicht fehlen.

Der weiche, weiße Winter, der tiefhängende Schneehimmel, der gleichmäßige, wie ewig andauernde Mollton in der Natur, der über Stadt und Land lag, hatte es auch der Kummerfelden angethan. Wenn sie so allein im Entenfang saß, da kamen die Erinnerungen wie große, lautlose Vögel angeflogen, durch die Schneeluft hindurch, und sanken weich auf die alte Frau nieder, daß es ihr bang und weh um ihr lebensfrohes Herz wurde.

Die Erinnerungen bei stillem Schneewetter im einsamen Stübchen bei Dämmerlicht, das will durchgemacht sein. Da 128 fragt einmal bei den alten Leuten an, die werden es euch sagen.

Wenn die längst verstorbenen Gestalten zur Thür hereinkommen, ohne sie erst öffnen zu müssen und ohne anzuklopfen, und die längst vergangenen Freuden im armen stillen Herzen erwachen und die liebe gute Jugend aufersteht, und von allem, was einst war, nur das verrunzelte Menschenkind noch da ist – ganz allein – alles andre wehmütige Schatten.

Die Stunde in der Schneedämmerung, wenn draußen die Flocken fallen und kein Ton ins Stübchen dringt, die brauchen die, welche jung sterben, nicht zu durchleben – wohl ihnen.

* * *

»Siehste,« sagte die Kummerfelden mit einer etwas wackligen Altweiberstimme zur Fabianen und der Muskulusen, »laßt uns hübsch zusammenhalten. Wenn meine Nähstunde zu Ende ist, da kommt ihr eben die Woche ein paarmal herüber zu mir.«

* * *

Und sie kamen durch den Schnee angetappt, die Muskulus im Veilchenhut und die Fabian im unzerreißbaren Christophorusmantel und im Lori und den riesenhaften Filzschuhkähnen.

Und wie die drei da bei einander saßen, war es, wie zu jeder Zeit, ganz behaglich im Entenfang. Was die Kummerfelden versprochen, das hielt sie redlich. Der Kaffee duftete im Ofenrohr und das Schüttchen lag, so lang und breit es war, auf dem Tisch zum allgemeinen Gebrauch, und die Schnurpsäpfel für die Ratsmädchen waren oben im Allerheiligsten in der Kommode, die als vierten Fuß einen Blumentopf hatte und an der eine Gabel an einer Schnur hing. Mit der Gabel verstand die Kummerfelden auf eine außerordentlich geschickte Weise die Fächer zu öffnen, die durch dieses Verfahren Stichflächen aufzuweisen hatten, wie sie der Zeigefinger einer fleißigen Näherin an sich trägt; wenn die beiden Mädchen kamen, 129 brauchten sie sich nur zu holen, wonach ihr Herz begehrte.

Aber so wohlgeordnet und vortrefflich auch alles war, die rechte Stimmung wie am Abend, als sie das Damengärtchen miteinander bauten. wollte sich nicht einstellen. Nicht ein einziges Mal hatte die Rabenmutter gelacht, daß die Stube schütterte, und die Muskulusen war, wenn sie nicht durch andre ein wenig aus ihrer Demut gerissen wurde, so außerordentlich bescheiden, daß nie etwas Rechtes von ihr zu erwarten war.

Ueber der allzeit wohlgelaunten Kummerfelden lag es wie ein wehmütiger Schatten. Sie schenkte ihren beiden Kameradinnen mit so einer gewissen tragischen Geste, wie sich die Fabianen ausdrückte, den Kaffee ein und schnitt vom Schüttchen Fetzen herunter, wahrhaft vorsündflutliche, auf so eine Manier, als wollte sie damit sagen: »Mir ist nun schon alles eins.«

»Ei, ei, ei, Kummerfelden,« sagte die Fabianen, »was machst du denn? Was ist mer denn mit dir?«

Und die Fabianen, das Riesenweib, stützte ihren Kopf auf die großen Arme auf und schaute sich so ihre alte Kummerfelden in aller Gemütlichkeit an.

»Na, du bist auch wirklich, Fabianen, wenn du siehst, daß es einem nicht so ganz recht ist, da legt mer sich doch nicht so her und glotzt einem an wie ein Totenbeschauer.«

»Herr Gott, nu hört sich aber alles auf!« rief die Fabianen, »wenn mer einem seine Teilnahme und Freundschaft bezeigt, da braucht er doch nicht gleich eklig zu werden. Nee, Muskulusen, siehste, wie die Kummerfelden jetzt is, das is schon arg!«

Damit wendete sich die Fabianen brummend an die Mamsell, die sich durch eine direkte Anrede der großen Frau immer geschmeichelt fühlte und beistimmend nickte.

»Na, so ohne weiteres abgemacht ist das aber auch noch nich, daß man nur dazu zu nicken braucht,« fuhr die Fabianen die kleine Person mit der großen Perücke an. »Es gibt gewisse Dinge, an die trotz aller Freundschaft ein lediges Frauenzimmer nicht so ohne weiteres heran darf. Zum Beispiel, eine verehelichte Frau ist ewig himmelweit von ihr 130 verschieden, so daß sie überhaupt kein Urteil hat über das, was nur eine verehelichte Frau angeht. Ich meine,« fuhr die Fabianen heftig fort, »mit der Kummerfelden hat es etwas ganz Extraes auf sich, denn so ohne weiteres benimmt sie sich nicht wie eine Diva.«

Da lachte die kleine Muskulusen, weil ihr das komisch vorkam.

»Da is gar nichts zu lachen!« fuhr die Fabianen sie von neuem an. »Siehste, Kummerfelden, wenn ich sagte, wie eine Diva, da wußte ich sehr wohl, was ich meinte, dir zur Ehre sei's wieder ausgesprochen, von der Komödiantin merkt mer dir wenig an; aber heite und die ganze Zeit, da muß ich immer denken, daß du eine Diva warst, Kummerfelden.«

»Herr Jeses nee!« lachte die Kummerfelden leise, »wie kommst du denn auf so was? Un gerade Diva? Wie denn nur.«

»Siehste, die Kränze oben über deinem Bette un so manches noch, was um dich und an dir ist, das macht mir dir so manchmal den Eindruck, als läge über dir und deinen Sachen eine Moderdecke.«

»Pfui Teufel!« sagte die Kummerfelden.

»Nee, Kummerfelden,« fuhr die Fabianen auf, »ich meine ja nur so poetisch ausgedrückt. Siehste, du thust mer manchmal eben leid! Da weiß ich gar nich, wie mer's is, alt muß unsereiner doch allemal werden un is auch alt; aber für so ne Schauspielerin muß es doch extra eklig sein, mit einemmal so der Vergessenheit anheimzufallen, so zu sagen bei lebendigem Leibe.«

»Ja, Fabianen.« Die Kummerfelden reichte der großen Frau über den Tisch herüber ihr bewegliches altes Händchen und schaute ihr so eigen in die Augen. »Wie du das so aussprichst, Fabianen.«

Eine große Rührung trat in die Züge der Kummerfelden, und das alte kleine Weib in dem geblümten Kleide und mit der hohen Haube saß vor der braven Fabianen, die mit ihren runden Augen den Leuten bis ins Herz sehen konnte, wie vor ihrem Beichtvater.

Und es machte gar nichts, daß der Beichtvater ein gewaltiges Stück Schüttchen ganz unbeirrt in den Kaffee stippte 131 und sich dann in den Mund schob und wohlgefällig kaute. Es war doch eine vertrauensvolle Stunde im Entenfang.

Auf dem armen Herzen der Kummerfelden lagen die Erinnerungen nicht mehr so schwer und weich, die ihr der tiefhängende Schneehimmel auf die Seele gedrückt hatte, aber sie war in großer Bewegung und sprach, wie sie es noch zu keiner Menschenseele gethan hatte.

»Ja, Fabianen, da hast du ganz recht,« sagte sie, und die alten Augen glänzten feucht. »Eine junge Seele und ein alter Leib, das ist des Teufels, Fabianen. Und hätte ich mir nicht sogleich, wie ich vom Theater gegangen war, die große Altweiberhaube angewöhnt« – sie legte beide Hände mit einer flinken Bewegung auf ihre Haube –, »so hätte ich gewiß Gott weiß was für Streiche angerichtet, denn das muß ich sagen bis auf den heutigen Tag: alt mich fühlen, das thue ich nun einmal noch ganz und gar nicht. Das aber habe ich mir damals gleich gesagt: Kummerfelden, Kummerfelden! wenn du es nur anständig zuwege bringst, das Altwerden! Du mein Gott, man urteilt so hart über die armen Frauenzimmer, die nicht alt werden können, als ob das eine so leichte Sache wäre. Na, ich meine, ich hab' mir nichts zu schulden kommen lassen. Auch noch verschiedene Mal hätte ich ganz gute Engagements annehmen können, aber nee, nee! Wahrhaftig, das sag' ich: So was, Gott sei mir gnädig, kann sich nur ein Teufel ausgedacht haben, innen jung und außen verhuzelt.«

»Das fühlt unsereins nu nich so gefährlich,« sagte die Fabianen. »Hat unsereins acht Kinder gehabt, da macht mer keinerlei Ansprüche mehr, und in was for 'ner Art Sack das Herze steckt, das is schon alles eins. Mer is doch nur so 'n Popanz mehr, gar wann's an die Schwiegermutter geht, no da schon gar! Da hilft unsereins keine Schönheit mehr. Und das Herze ist mit den Kindern auch so abgerackert, daß es weiß Gott an Schnurrpfeifereien nicht mehr groß denkt. Freilich bei kinderlosen Weibern, un gar bei einer Künstlerin, da ist das anders, nadierlich – nadierlich!« Die Fabianen nickte heftig mit dem Kopfe. »Nee, Kummerfelden, ich versteh' dich ganz gut. Hast auch dein Teil durchmachen müssen, un brav, das muß dir dein Feind lassen, ehrenwert. Siehste, es muß dir gerade gehen, 132 Kummerfelden, wie dem alten Regimentsgaul am Ackerpflug. Du mein Gott, wenn der mal die Trommel hören thät, das möcht' ihm nicht schlecht in die alten Knochen fahren, der armen Schindermähre.«

»Fabianen, deine Bildnisse und Gleichnisse, das ist aber etwas Miserables!« rief die Kummerfelden.

»Na ja, nadierlich, das Kind beim rechten Namen nennen, das willst de nich, da soll immer so drum 'rum geredt werden.« Die Fabianen goß sich von neuem Kaffee ein und schnitt sich ein gehöriges Stück Schüttchen ab, schob auch der Mamsell Muskulusen eins hin, ein ganz kleines und einige Krümel. »Da, da haste was, Grünschnabel,« und tippte ihr auf die wollige Perücke mit einem ihrer großen, harten Finger. »Warm un weich, Muskulusen,« sagte sie dazu. »Geh mer weg, wie kann mer nur sommers un winters un in der Stube so 'nen Fußsack tragen! Es glaubt dir's ja doch kein Mensch. Da lob' ich mir die Kummerfelden.«

So saßen sie noch eine gute Weile bei ihrem Kaffee und dem Schüttchen, das vor der Fabianen ihrem Appetit dahinschmolz wie Butter in der Sonne, die grobe, gute Fabianen, »die stille vor sich hine« Mamsell Muskulus, wie sie in Weimar sagen, und die Kummerfelden. Und alle drei hatten keine Geheimnisse voreinander.

Die Fabianen, der das Wohl ihrer lieben Nächsten im Menschen- und Tierreich gar sehr am Herzen lag, sagte immer wieder: »Paß auf, Kummerfelden, wenn du's jetzt mit der Sehnsucht nach einer scheenen Vergangenheit zu thun hast – das laß mir nur gut sein, das krieg mer schon; nur sachtchen!« und die Fabianen rückte schließlich mit dem, was sie meinte, heraus.

Die Kummerfelden sollte ihnen ihre schönsten Rollen vorspielen, sie wären doch auch sozusagen Menschen, und wenn die Kummerfelden wünschte, da wollten sie auch mitspielen, und etwa Colonels und die Ratsmädchen könnten zuschauen. Ganz wie die Kummerfelden es bestimmen würde.

Und dieser Vorschlag gefiel der Kummerfelden. »Ja,« meinte sie, »das wär' nicht übel.« Und der Fabianen reichte sie die Hand und sagte: »Du treue Seele. Siehste, die Julia, die spielte ich gar zu gern noch einmal.«

133 Die Julia hatte es der Kummerfelden angethan. Stücke daraus hatte sie ihren Nähschülerinnen hin und wieder vordeklamiert, und Julias Schuhe, welche die Kummerfelden zum letztenmal als Julia im Sarg angehabt hatte, die waren noch immer der höchste Preis für eine vortreffliche Nähleistung, und das Mädchen, das diese Schuhe zur Belohnung eine Stunde lang im Entenfang an den Füßen tragen durfte, war eine vielbeneidete Person. Die Schuhe der Julia waren der Orden, den die Kummerfelden für ihre Schule gestiftet hatte.

Und ihr altes liebes Gesicht leuchtete wahrhaft, als sie den Plan, die Julia noch einmal zu spielen, weiter mit der Fabianen besprach.


Ehe die Freundinnen an diesem Abend sich verabschiedeten, hatten sie noch ein längeres Ständchen mit dem Colonel und dessen Frau. Das Ehepaar kam, um sich nach dem Befinden ihrer Hausherrin zu erkundigen, und wurde sehr artig von der Kummerfelden bewillkommnet.

»Na, das is ja scheen,« sagte die Fabianen, »daß Sie bei der Kummerfelden wohnen. Und Sie sind ja auch nicht zum erstenmal hier, mein Herr, Sie sollen ja schon damals mitgeplündert haben, wie ich von verschiedenen Seiten gehört habe. Ja, sehen Sie, unrecht Gut gedeiht nicht. Jetzt ist's gottlob anders.«

»O, wie gottlob« unterbrach sie der Colonel eifrig. »Das sein nicht recht von Ihn su sagen. Deitschland wäre sehr glicklich unter die Franzosen. Schlimm, sehr schlimm für Deitschland! Sie werden sehen, wie es wird werden! Sie werden nich Freid haben daran, non, non, madame!«

»Ach, aber Pips, red doch nich so, was sollen denn die Leute von dir denken,« sagte Madame, eine kleine, runde Dresdenerin.

»Monstre!« rief er und blitzte sie von der Seite an.

»Ach nee, wirklich, lassen Sie ihn nich davon reden, wenn er auf den Krieg kommt, schläft er die ganze Nacht nich un träumt so schreckliches Zeugs, un dann brillt er wie eine Kanone un zischt un wirft sich umeinander, daß man Hilfe schreien möchte.«

»Monstre!« rief er wieder in erhöhtem Ton und sah 134 außerordentlich erregt aus. »Ja, der Krieg, ick habe alles mit erlebt, Mesdames, und dieses Monstre da kann nicht hören davon. Ah, die Marseillaise! wollen Mesdames die Marseillaise hören?« Der Colonel rief das und schwenkte mit den Armen und hieb mit seinem großen roten Regenschirm, der einen gepreßten messingenen Griff hatte, wie wütend in der Luft umher, so daß die Kummerfelden und die Muskulusen und die Fabianen sich auf die Stufen zum Allerheiligsten lachend retirierten.

»Ach Herrjes!« rief Madame, die am Thürpfosten stand, »nu ist er schon mitten im Krieg! Hab' ich's nich gesagt, daß es so kommen wird? Nu hat er heut nacht das Fieber un dann geht's so fort. Ach, hören Sie doch gar nicht auf ihn, wenn er seine dumme Marseillaise singt.«

»Monstre!« rief er wütend, »das sag noch einmal, Fraumensch!« und er stand mit erhobenem rotem Regenschirm vor ihr. Und jetzt ging es los mit der Marseillaise. Dabei stach er wie ein Wütender mit seinem roten Regenschirm um sich, schrie wie ein Besessener, verfolgte die drei ehrwürdigen Frauen, stürzte immerfort, in den höchsten Tönen die Marseillaise singend, zum Allerheiligsten hinaus und wieder hinunter. Manchmal brüllte er wie eine Kanone, dann zischte er wie ein Säbel, dann brüllte und schrie er wieder und ging wieder an die Marseillaise: »Ah mon Dieu! mon Dieu! mon Dieu! c'est la guerre, Mesdames!« und wieder die Marseillaise, und jetzt sang die Kummerfelden gar selber mit, die war von jeher eine so versteckte Franzosenfreundin, und die Marseillaise, das war ihr Leibstück. Und wie das der Franzose hörte, daß die Kummerfelden mitsang, da schrie er ganz außer sich: »Vive l'empereur!« und gebärdete sich wie ein Wahnsinniger, als hätte er damit ganz Deutschland erobert.

»Ach, so ein Franzos, das ist ein unsinniges Tier,« sagte die Fabianen vor sich hin. »Jetzt steht mir alles wieder auf, was wir bei der Plünderung ausgestanden haben.«

Die Kummerfelden aber sang unentwegt die Marseillaise, als hätte sie Gott weiß was im Schilde, und als wäre aus der Kummerfelden mit einemmal so ein miserabel berüchtigtes Strickstrumpfweib geworden.

In der Kummerfelden steckte eben ein ganz verdammtes 135 Feuer, und ich glaub' schon, daß sie ihre liebe Not hatte, es mit der großen Haube niederzuhalten. Sie war auch wie des Kuckucks, als stände sie wieder auf der Bühne. Und man wußte zuletzt nicht, wer in seiner Art schlimmer war, der Franzose, der die Marseillaise unten im Zimmer sang und mit dem roten Schirm herumstach, oder die Kummerfelden, die oben im Allerheiligsten stand und sang und gestikulierte, bis ihr die Fabianen mit einem Gewaltgriff den Mund zuhielt, denn was zu toll war, das war zu toll.

An dem Thürpfosten stand Madame immer noch und sagte mit einer verzweifelten Miene: »Ach Gottegottegottegott, was is das fir 'n Mann!«

»Ja, das glaub' ich Ihnen, meine Beste,« und die Fabianen nickte ihr einverständlich zu. »Kummerfelden,« sagte sie, »ei du mein Gott, Kummerfelden, es ist ewig gut, daß dich niemand gesehen hat.«

»I was,« sagte die Kummerfelden noch außer Atem. »Ich möchte wissen, ob es die Bestimmung des Menschen ist, immer wie ein Kloß dazusitzen!«

Der Franzose aber hatte sich inzwischen noch nicht beruhigt. Der Teufel schien in ihn gefahren zu sein.

»Und sie kommen doch noch drunter, die Deitschen, o gewiß, Mesdames, gewiß, chérie,« wendete er sich an Madame, »die Deitschen kommen noch drunter. O, sie werde unglücklich werden ohne die Franzos. Sie brauche die Franzos, ohne die Franzos sind sie nur halbe Leit! Alles mache sie nach, alles – was weiß ick. Die Natur sagt selbst, es ist Bestimmung.«

»Na, na, na!« sagte die Fabianen, »so 'nen Unsinn.«

Die Kummerfelden aber meinte ernst: »Fabianen, das verstehst du nicht; was Gott mit den Völkern vorhat, das ist seine Sache, da hast du nicht dreinzureden.«

»Nur allein die Sach sum Essen!« rief der Franzose. »Wo gibt es Deitschland so ein civet de lièvre! so ein bécasse au salmi! so laitue! un so ein vol au vent! so choufleur! wie bei uns su Haus? Madame versteht es nicht su kochen.« Er blickte erbittert auf Madame. »Aber wenn sie wäre Franzos, sie würde wissen. Sie würde gut leben. Ach, un die Gemüse, die légumes. Man weiß nix, was ist Gemüse hier.« Er machte einen ungemein langen 136 zugespitzten Rüssel und schnalzte mit den Fingern der linken Hand, mit denen er den Rüssel berührte; in der Rechten hielt er noch immer den roten Regenschirm fest an sich gepreßt, den Kopf weit hintenüber gebeugt, so stand er und ließ im Geiste alle Gemüse Frankreichs an sich vorüberziehen.

»Ach, was für ein Schleckermaul du bist, Pips, schäm dich!« rief die Frau und trat auf ihn zu, um ihn aus seiner irdischen Verzückung herauszureißen.

»Schleckermaul! Schleckermaul, jawohl, o, hören Sie, Madame, wenn ick mich an einem Kartoffel begeistern, an eine Kartoffel mit ein wenik Butter, was ick eß immer su Diner, das nennt Madame Schleckermaul!«

»Jawohl, Schleckermaul Pips; wenn er die Kartoffel ißt, dann sollten Sie ihn nur sehen, da verdreht er die Augen gerade wie jetzt und thut, als wenn er glückselig wäre. Als wenn der Mensch nur zum Essen da wäre.«

»Jawohl, wenn sie geplatzt sind und wenn die Rauch so herauskommt, dann freu ick mir! Aber wenn sind sie denn geplatzt, wann denn? Sag doch, wann denn? Nie!«

So politisierten sie im Entenfang noch eine gute Weile fort.

Den drei alten Freundinnen ging die Franzosenzeit an der Seele vorüber, die sie alle in Weimar durchgemacht hatten.

»Ja, er ist doch gerad wieder so ein unsinniges Tier,« wiederholte die Fabianen, als das Franzosenpaar sich verabschiedet hatte, »wie unsereins sie immer in Einquartierung hatte. Immer halb verrückt, um alles ein Geschrei und ein Getoll wie beim Weltuntergang. Na, ich danke, die arme Frau!«

»Ah, er ist oft recht lieb mit ihr,« meinte die Kummerfelden, »damit hat's keine Not, und wenn so fremde Völker einander heiraten, gibt's natürlich viel Skandal.«

* * *

»Seht ihr's,« sagte die Kummerfelden, als sie ein paar Tage darauf wieder im Entenfang beisammensaßen, »nun müßt ihr aber auch auf mich hören.«

»Nadierlich,« meinte die Fabianen.

137 Und die erste Leseprobe begann.

Die Kummerfelden hatte ihre Julia, die Fabianen Romeo und die Mamsell Muskulusen die Amme und was sonst gerade für eine Person mit der Julia zusammen auftrat.

Die Kummerfelden hatte ihr allerneuestes geblümtes Kleid angelegt, ein wahres Prachtstück von Kleid, mit seidenen Blumen eingewebt, und auf der hohen Haube steckte eine mattrosa Schleife.

Sie für ihre Person brauchte natürlich eine Leseprobe nicht, die Rolle der Julia war mit silbernen Buchstaben ihr ins Herz geschrieben, wie sie sagte; aber die Fabianen und die Muskulusen, damit sah's bös aus. Das bemerkte die Kummerfelden sogleich, als Romeo den Mund aufthat.

»Ja, um Gottes willen!« rief die Kummerfelden, »das lies aber gleich noch einmal.«

Und die Fabianen, geduldig und demütig, setzte mit ganzer Force noch einmal ein, und heulte und stöhnte erschrecklich, und legte ein so ungeheures Empfinden in jede Silbe, daß einem eine Gänsehaut über den Rücken laufen konnte, und dabei fuhr sie wie eine Windmühle mit ihren großen Armen umher, daß die kleine Mamsell Muskulusen ganz zusammentauchte, damit das Ungewitter über sie hinweggehen konnte.

Und Julia sah verblüfft auf Romeo, was der für Geschichten machte.

Daß die vernünftige, gescheite Fabianen sich so entsetzlich gebärden würde, das hätte die Kummerfelden doch nicht gedacht.

»Nee, nee, Fabianen!« rief sie, »so geht's nicht! Paß auf!«

Die große Frau hielt ganz erschreckt inne. »Na, was denn nu noch?«

»Es ist ja doch nicht nötig, so arg zu schreien; und was meinst du denn, wenn einer die ersten Worte mit einem Mädchen spricht, da heult er doch nicht gleich so und stöhnt und winselt und wirft die Arme doch nicht so umeinander, Fabianen, denk doch! Du mußt eben an die Natürlichkeit denken.«

»I was,« sagte die Fabianen. »Du meinst wohl, ich soll mir dabei an der Nase kratzen! Nee, nee, 138 Kummerfelden, so nonchalant mach' ich's nich. Das mag ich nicht leiden.«

»Ja, wer sagt dir denn auch, daß du dabei an der Nase kratzen sollst, da gibt's doch noch ein Mittelding. So anstellen sollst du dich nicht wie eine toll gewordene Blutwurst. Paß auf!« Das sagte die Kummerfelden ernst und würdig; und noch einmal las sie ihr die Worte vor, in welche die Fabianen ihre ganze Kraft wie in eine Kanone geladen hatte.

»Mir auch recht,« meinte die große Frau, »so simpel meinetwegen. Wie du aber auf diesen Romeo 'reinfallen konntest – mir rätselhaft.«

»Also jetzt fang an.«

Die Fabianen las wieder und schnuddelte nun das Ganze so miserabel hin, als sagte sie's dem Lehrer auf.

»Pfui, Fabianen, du bist aber boshaft!« rief die Kummerfelden. »So kommen wir ja in Ewigkeit nicht weiter. Jetzt laß ich's die Muskulusen probieren.«

Das war erst recht danach, mein Gott, so ein Gezirp, und kein Wort richtig gelesen, und gestokert und gepiept, daß die Fabianen ganz entrüstet guckte, sich aber doch nichts recht zu sagen traute.

Arme Kummerfelden! Und deswegen dein schönes Kleid mit den seidenen Blumen, und deswegen die blaßrosa Schleife auf der Haube – und die ganze Feierlichkeit, denn es gab wieder Schüttchen und Kaffee, und für Romeo zur Stärkung war ein Fläschchen aufgefahren, und Schnupftabak stand zum beliebigen Gebrauch auf einem stark vergoldeten Untertäßchen.

Die beiden vortrefflichen Leser saßen auch mit ziemlich unerfreulichem Gewissen schließlich bei ihrem Kaffee, denn die Kummerfelden hatte die Bücher ein für allemal zugeklappt. Sie war ganz bekümmert und niedergeschlagen und sagte: »Seht ihr's, nun bekommt ihr auch von der ganzen Geschichte nichts weiter zu hören.« Sie trank ihren Kaffee wehmütig und konnte sich nicht ermannen, mit den beiden traurigen Gestalten, die ihre Sache so miserabel gemacht hatten, zu schwätzen, und so währte es nicht lange, da wickelte die Fabianen sich in ihr Lori, kroch in den unzerreißbaren Christophorusmantel, und die Muskulusen stülpte sich den 139 Veilchenhut auf die Perücke, und die arme Kummerfelden saß allein mit ihren Gedanken. Draußen fiel der Schnee, und eine tiefe, tiefe Stille war im Stübchen, und die Erinnerungen kamen wieder angeschlichen und legten sich dem kleinen Weibe schwer und weich aufs Herz.

* * *

Und während da oben im Stübchen eine saß und ihr Lebensglück, auch das allerletzte Restchen, mit wehmütigem Herzen begrub, da grub zur selben Stunde noch einer im Hause. Unten im Keller hockte der Colonel bei einem Laternchen und grub nach Trüffeln. Das mag man mir nun glauben oder nicht. Es war aber so. Er hatte Champignons und, wie er versicherte, Trüffelbrut unten im Keller gesät, schon Tage vorher, ehe er einzog, in Kästen die Champignons und die Trüffeln in lockere Kellererde, und er hatte den Keller im Entenfang gar nicht genug loben können. Jetzt steckte er also unten beim Scheine seines Laternchens und wirtschaftete. Er grub mit einem großen alten Blechlöffel im Schweiße seines Angesichtes.

»Attention, attention,« murmelte er hin und wider vor sich hin, jedenfalls weil er fürchtete, seine Trüffeln mit dem Blechlöffel zu verletzen. Er war in ungeheurem Eifer und keuchte und pustete.

Mit einemmal schien er endlich etwas gefunden zu haben, holte es sachte mit dem Blechlöffel aus dem Grübchen, langte mit der andern Hand in die Tasche, praktizierte seine Brille heraus und stülpte sie sich, so gut es mit einer Hand gehen wollte, auf die lange, dünne Nase, und danach beschaute er sich das Ding im Löffel mir großer Befriedigung, steckte es in ein altes, leeres Dütchen, das neben der Laterne lag, und machte sich zufrieden auf den Weg.

Vor der Thür der Kummerfelden blieb er einen Augenblick unentschlossen stehen, aber schließlich pochte er.

Die Kummerfelden fuhr aus ihrem wehmütigen Brüten auf, und der hagere Colonel mit der brennenden Laterne hielt ihr schon auf der Schwelle die Düte mit dem Trüffelchen entgegen.

140 »Madame, Madame, wir haben – wir haben! Sie sind schon gereift!«

»Na, da weisen Sie's mal her; ei, ei, ei, wie ist denn das nur möglich um diese Jahreszeit?« sagte die Kummerfelden und setzte sich ebenfalls ihre große Brille auf die Nase.

»Macht nix, macht nix,« sagte der Colonel, »im warmen Keller da macht's nix.«

Und jetzt beschauten sie's miteinander, und die Kummerfelden langte in die Düte und holte das Trüffelchen heraus, schob sich die Brille bis auf die Nasenspitze und schaute über die Brille hinweg, wie die Kummerfelden das immer that, wenn sie besonders scharf sehen wollte.

»Attention! Attention!« rief der Colonel, der um das Trüffelchen besorgt schien.

»Ei du meine Güte, das ist mir aber sehr unangenehm, wie kommt denn das in meinen Keller, davon weiß ich ja gar nichts, das ist ja wohl der Mauerschwamm.« Die Kummerfelden drückte das verschrumpelte Ding zwischen ihren kleinen Fingern und roch daran; »oder ein vertrocknetes Kartöffelchen.«

»Attention! Attention!« rief der Colonel und nahm es ihr weg und steckte es wieder in das Dütchen. »Ah, Mauerschwamm!« sagte er wegwerfend, »Madame kennt keine Trüffeln. Su noël brauch' ich Trüffel, Madame wird sehen.«

»Na, um Gottes willen, das Ding soll doch nicht etwa gekocht werden?«

»Ah bah!« sagte der Franzose.

»Ja nich etwa,« meinte die Kummerfelden.

»Glauben Madame, daß ich etwas andres kochen werde als ein Trüffel? Ich bin sehr geschickt im Kochen, ich weiß so etwas. Ich koche viel, sehr oft. Madame oben,« er wies zur Decke hinauf, »liebt nicht su kochen – kann auch nur schlecht. Ein civet de lièvre kann sie nicht.« Der Colonel machte wieder einen Rüssel und spitzte die Finger und schnalzte und warf den Kopf zurück. Die Laterne stand zwischen seinen langen Beinen und er selbst saß der Kummerfelden, wie es schien, zu einem längeren Schwätzchen gegenüber.

Er erzählte ihr, daß seine Madame sehr zart sei, daß er sie über alles, mehr als sein Leben liebe – dabei traten ihm die Thränen in die Augen –, daß sie manchmal 141 miteinander zankten, aber immer sehr bald Versöhnung hätten, daß er ein kleines Kind sich wünsche, daß er gut fände, wenn man »su civet de lièvre kein lièvre habe, »Katz su nehmen in der braunen Sauce sei das ebenso gut.« Er erzählte weiter, wie er »den Katz fange, ganz ohne alles Geräusch – Madame wird sehen.« Er erzählte auch, wie man immer frischen Salat im Keller haben könnte, ein wunderbares Rezept dazu, dann kam er wieder auf Madame »oben« zu sprechen, schüttete der Kummerfelden sein Herz ganz gehörig aus. Dann kam er auf die Gesundheit von Madame zu sprechen, für was er alles Tisanen »su kochen« verstände – für alles. Das erzählte er mit außerordentlich wichtiger Miene, mit hochgehobenen Augenbrauen. Daß kein Tag verging, an dem er ihr nicht wenigstens eine Tisane kochte, und daß er hoffe, daß Madame mit der Zeit immer besser würde, daß sie aber die Tisane sehr ungern tränke, und daß er ihr immer »sureden« müßte.

»Madame sind sehr still heute,« sagte er, als es ihm auffiel, daß die Kummerfelden seinen Redestrom nur äußerst selten und geringfügig unterbrach. »Madame haben ein etwas langes Gesicht. Ich gehe hinauf und bringe Madame eine von mein Tisane.«

»I gar,« sagte die Kummerfelden.

»Wenn ich sage, dann sag' ich!« Der Colonel zog die Augenbrauen wieder hoch. »Madame oben sagt geradeso, aber da ist nichts, wenn ein Tisane getrunken sein muß, dann muß sein!« Jetzt bemerkte er auf dem Tisch noch der Fabianen und der Muskulusen ihre Rollen liegen und zwei Bände Shakespeare. »Madame haben studiert?« rief er, »darf ich sehen?« Und er nahm die Rolle des Romeo. »Ah, Komödie, Madame studieren noch immer.« Er verbeugte sich achtungsvoll. »Man hat mir gesagt, daß Madame eine große, sehr berühmte Actrice war.«

Das that der Kummerfelden wohl und sie zog freundlichere Saiten auf.

Der Colonel guckte immer noch mit hochgehobenen Augenbrauen in die Rolle. »Sähr scheen, sähr scheen!« sagte er höflich.

Da fuhr der Kummerfelden eine Idee durch den Kopf, eine glückliche oder unglückliche, wie man will. Und es 142 währte gar nicht übermäßig lange, da saßen die beiden, der Colonel und die Kummerfelden, bei einander, und der Colonel hörte gespannt und außerordentlich erregt zu.

Er hatte sich eben vollkommen bereit erklärt, die Rolle des Romeo zu übernehmen.

»Das war ein vorsüglicher Gedanke!« rief er ein übers andre Mal. »Ich werde studieren, o ich werde studieren, da verlassen sich Madame darauf. Es wird scheen gehen, sähr scheen.« Jetzt stand er auf und lief im Zimmer auf und nieder, während die Kummerfelden in Begeisterung ihm den Gang der Tragödie auf das ausführlichste mitteilte und die Scenen, die er mit ihr zu spielen hatte, besonders markierte. »Jawohl, jawohl,« sagte er, »das ist alles gut, aber Madame müssen suerst oben stehen,« er zeigte zum Allerheiligsten hinauf, »und ich unten. Sehen Madame, das würde sähr gut gehen, dann markieren wir Balkon mit ein Betttuch, wo ich übersteige. Madame sollen sehen!«

Das leuchtete der Kummerfelden ein. Sie gab dem Colonel die Rolle mit, band sie ihm ganz besonders auf die Seele, weil die Rolle ein wertes Angedenken sei, und erklärte sich nun auch bereit, um dem guten Colonel auch einen Gefallen zu thun, die Tisane, die er ihr noch heute bringen würde, zu trinken.

Und er brachte die Tisane, und seine Frau kam mit ihm und lachte in einem fort. »Gott, ach Gott,« sagte sie, »jetzt fängt er auch mit Madame Kummerfelden an!«

Und sie blieben beide so lange, bis die Kummerfelden den letzten Tropfen getrunken hatte und sich schüttelte, denn der Colonel hatte ihr etwas sehr Bitteres gebracht.

»Ja, du meine Güte, was war denn das?« frug sie.

Da machte der Colonel ein ganz besonders wichtiges Gesicht und schwieg, und die Frau lachte wieder und sagte: »Ach Gott, da kennen Sie ihn aber schlecht, das sagt er nie.«

Und so war es auch. Er sagte es nicht.

Der Kummerfelden bekam es aber ganz gut. Von jetzt an aber war es bei den Mietern der braven Kummerfelden wirklich immer großer Spektakel. Der Colonel schien völlig des Kuckucks zu sein, lief treppauf, treppab, vom Boden, wo er auch fortwährend etwas zu thun hatte, hinunter in den 143 Keller zu seinen Trüffeln, und sprach unausgesetzt mit tiefem Gefühl vor sich hin. Niemand wußte, was, nur die Kummerfelden wußte es ganz genau. Das war eben zu jener Zeit, als Röse, das Ratsmädel, in der Nähschule Betrachtungen über die unruhigen Mieter ihrer Nähmeisterin anstellte.

Was er auf dem Boden trieb, wußte die Kummerfelden ebenfalls auch ganz genau. Es war ihr durchaus nicht unbekannt, daß er dort den Katzen nachging und Fallen gestellt hatte und ewig auf der Lauer lag.

Der Colonel war ein eifriger Mann, machte auch Anstalten, sich in Weimar als Tanzmeister aufzuthun; er hatte immer etwas im Treiben. Und mit Befriedigung bemerkte die Kummerfelden, wie eifrig er es auch mit seiner Rolle nahm. Eins war ihr nicht recht, daß er bei jeder Gelegenheit zu ihr in die Stube »gequitscht« kam, auch während der Nähstunde. Immer war im Hause etwas los, was die Kummerfelden durchaus wissen mußte.

Bald hatte er etwas von der Frau zu klatschen und kam wegen einer ehelichen Streitsache um Rat zu fragen, bald wollte er ein Endchen Bindfaden, bald eine Schere, bald brauchte er ein Ei oder einen Apfel zu einer Sauce, bald kam er, um die Kummerfelden an einer köstlichen Tisane riechen zu lassen, die seine Frau nicht zu sich nehmen wollte und die er deshalb in wütender Erregung zum Kosten herumtrug.

Einmal kam er auch mit bluttriefenden Händen hereingestürzt in die Nähstunde und trug ein Geschöpf, das große Aehnlichkeit mit einem abgezogenen Hasen hatte, und hielt es triumphierend der Kummerfelden vor die Nase, die aber einen solchen Entsetzensschrei that und so von Ekel geschüttelt wurde, wie es sich kaum mit dem Anblick eines strammen Hasenbratens vertrug. Das mit dem Hasenbraten wird man mir nun wieder nicht glauben wollen und meinen, ich oder die Kummerfelden haben gelogen. Aber, Gott bewahre, es hat sich alles so zugetragen und die Kummerfelden hat es ihrerzeit oftmals erzählt.

Die Mädchen in der Nähschule hatten viel zu kichern, und das war der Kummerfelden durchaus nicht recht.

* * *

144 »Wissen Madame, es wird jetzt gehen,« meinte eines schönen Tages der Colonel, und so verabredeten sie beide, die erste Probe, nachdem die Nähschule zu Ende war und der Entenfang einsam im Schnee lag, miteinander abzuhalten.

»Aber bei Licht,« sagte die Kummerfelden.

»Na–atirlich,« stimmte der elsässische Franzose bei.

Nun hatte es die Kummerfelden also doch erreicht. Wieder schlüpfte sie, sobald die Mädchen fort waren, in das Kleid mit den großen seidenen Blumen und setzte sich die weiße große Haube mit der blaßroten Schleife wieder auf und wusch sich das Gesicht mit ihrem berühmten Kummerfeldschen Waschwasser ab, das noch immer jetzt in den Weimarschen Apotheken für Frauenzimmer, die etwas für ihre Schönheit thun wollen, zu haben ist. Sie hatte sich auch zwei Wachskerzen gekauft, damit Julia oder Romeo der Mühe enthoben waren, das Unschlittlicht alle Nasenlang zu schneuzen.

So erwartete Julia ihren Romeo.

Statt diesem schellte es aber ganz gewaltig an der Hausthür, und die Fabianen kam hereingetappt und wollte sich häuslich niederlassen.

Das aber kam der Kummerfelden sehr in die Quere. Und die Fabianen fand, daß sie äußerst kühl empfangen wurde.

»Na, was hast du denn?« frug sie.

»I, zu Tiburtsiusens muß ich gehen,« log die Kummerfelden.

»Na nu, das muß ich aber sagen, Kummerfelden, Wachslichter brennst du wie bei Hofe, du mußt doch gar nicht mehr wissen, wo du vor Hochmut 'naus sollst, un zwei gar auf einmal – was is mir denn mit dir? – Un geputzt wie 'n Pfau! – Kummerfelden, Kummerfelden!«

»Du bist wohl vom Magistrat als Polizeier angestellt, scheint mir. Mit deinen großen Augen – was fährst du denn überall herum – lern lieber lesen – du,« sagte die Kummerfelden ganz wütend.

»Eine hübsche Laune, boshaftes Dingen! Was hast du denn nur? Geh, mach dich fertig, ich bring' dich zu Tiburtsiusens.«

145 Das fuhr der Kummerfelden wie ein Schreck durch die Glieder. Die Fabianen abzuschütteln, das war ja die reine Unmöglichkeit. Und um keinen Preis hätte sie der Fabianen gesagt, wen sie erwartete und als was sie ihn erwartete. So wurde sie schließlich ganz grob und unverblümt und sagte, daß sie gar niemanden brauchte, daß sie schon den Weg zu Tiburtsiusens allein finden könnte, und so einen Polizeier wollte sie schon gar nicht.

Die arme Fabianen wußte nicht, was sie von ihrer guten Kummerfelden denken sollte, und in ihrer Gutmütigkeit frug sie die kleine, ungezogene, alte Frau, ob sie vielleicht gar Fieber hätte, und griff ihr sachverständig nach dem Puls.

Aber schließlich ging sie und zwar ziemlich aufgebracht, soweit das bei ihrer großen, schwerfälligen Person möglich war.

Wie sie ein gutes Stück schon den Entenfang hinter sich hatte und die hellen Fenster noch immer in den Schnee hinausleuchteten – die Fabianen war gehörig langsam gegangen, um die Kummerfelden wirklich aus dem Hause treten zu sehen, denn es war ihr die Einladung zu Tiburtsiusens gar nicht geheuer vorgekommen –, da machte sie plötzlich Kehrt und trottete dem Entenfang wieder zu. »Wart, du alte Lügenhanne,« dachte sie, »die Tiburtsiusen ist ja heute zu dem großen Trafik bei der Schopenhauern geladen.« Das hatte sie zufällig erfahren und es war ihr plötzlich eingefallen. »So eine Verkommenheit, so zu lügen! und das konnte sie also wirklich, die Alte, ihre beste Freundin so miserabel anlügen!«

Die Fabianen schob jetzt ganz energisch vorwärts durch ein dichtes Flockengewimmel, und vor dem hellen, zugefrorenen Fensterchen des Entenfanges machte sie Halt. Wie die Scheiben glitzerten!

Die große Frau fuhr mit ihrem Gesicht an den gefrorenen Scheiben hin, um etwa doch ein Löchelchen zu entdecken, das ihr gestattete, in den fürstlich erleuchteten Entenfang hineinzublicken, und da hatte sie auch schon eins; aber sie mußte so krumm stehen wie ein Flitzbogen und das war beschwerlich. Der Schnee fiel auf ihren breiten, runden Buckel wie auf einen filzüberzogenen Hügel, und im Nu 146 war der Buckel schneeblütenweiß, besonders da die Fabianen sich nicht mit einem einzigen Ruck rührte. Sie stand wie gefroren, und in die Schneedecke auf ihrem großen, runden Rücken kam auch nicht ein einziges Rißchen. Ein Seufzer, eine Art Stöhnen rang sich aus der gepreßten Brust des großen Weibes, und der Schnee fiel immer dichter und dichter.

Das war ja wirklich, um den eigenen Augen nicht zu trauen, eine Vorspiegelung der Hölle! Die Kummerfelden oben im Allerheiligsten und der zehnmal verdammte Colonel unten gestikulierend und schwadronierend – Gott weiß was –, und mit den Händen alle Nasenlang aufs Herz gefahren, als wenn es ihm davonrennen wollte und er es festhalten müßte, und das Maul so spitz und lecker, als wäre er dabei, daß er Sirup lecken sollte, und dann setzte er sich auf die Kniee – aber das verdammte Löchelchen im gefrorenen Fenster! da mußte es natürlich ganz unten sein! und außerdem war es auch durchaus nicht so klar, wie die Fabianen jetzt gewünscht hätte, um einen vollen Einblick in die ganze Schändlichkeit zu thun.

Von der Kummerfelden sah sie nur, daß die sich vom Allerheiligsten zum Colonel herabbog, aber sie konnte eigentlich nur die Haube mit der blaßrosa Schleife sehen. Aber wie sie sprach, die Kummerfelden, das ging der Fabianen doch durch Mark und Bein – so niederträchtig verliebt! diese alte, einst so brave Frau. Und jetzt, allmächtiger Gott! jetzt stieg der Colonel zum Allerheiligsten hinauf; aber wie stieg er denn? Das waren ja doch ganz bequeme Stufen. Und die Fabianen sah jetzt gerade nur die Beine des Colonels, und die machten die wunderlichsten Anstalten. Er hob sie ungeheuer hoch in die Höhe und trat auf einige Stufen mehreremal, und jetzt sah auch die Fabianen, daß er einen Strick hatte, der oben im Allerheiligsten irgendwo angebunden sein mußte und an dem er sich hinaufzog. »Was war denn das! um Himmels willen!«

Hätte die Fabianen eine Ahnung von der Balkonscene gehabt, wäre ihr vielleicht ein Licht aufgegangen, aber in dergleichen Dingen war sie völlig unschuldig, und die paar Worte, die sie selbst als Romeo gelesen, waren spurlos an ihr vorübergegangen und hatten sie auf nichts weiter schließen lassen.

147 Jetzt war der Colonel aber oben, und, wie die Fabianen deutlich sehen konnte, in den Armen der Kummerfelden. Er hockte vor ihr und sie war über ihn gebeugt und hielt ihn umschlungen, und ohne die einzelnen Worte verstehen zu können, hörte die Fabianen, wie sie wie die Verrückten miteinander sprachen, mit einem Feuer – großer Gott, daß so eine alte Frau noch so viel Feuer haben konnte, das war ja schauderhaft, und auch der niederträchtige, abgelederte Franzose; aber die Mannsleute, das ist was andres, die können nie ein Ende finden, und dürres Holz fängt leicht Feuer. Aber die Kummerfelden! Ihre alte Kummerfelden, die ausgezeichnete Frau, die Lehrmeisterin so vieler unschuldiger Mädchen! Und wie hatte sie immer zu der Kummerfelden aufgeblickt! Und wie war es immer gemütlich bei der Kummerfelden gewesen! Und jetzt – diese Verworfenheit, diese miserable Geschichte! Die Fabianen war außer sich: »Da glaub' einer noch an die Menschen!«

Sie konnte nicht mehr durch das Löchelchen schauen – »um die Welt nicht«. Mit einem Krach richtete sie sich aus ihrer langen Erstarrung auf, worauf auf ihrem Rücken ein wahres Schneegeschiebe entstand.

Wie vernichtet blieb sie stehen. Solche Schlechtigkeit in ihrer allernächsten Nähe, ausgeübt von einer Person, die ihr so hoch und heilig gestanden hatte wie die Kummerfelden!

Ganz gebrochen und langsam stapfte das große Weib heimwärts wie ein wandelnder Schneemann. Auf ihrer Pelzhaube hatte der Schnee sich zu einer sonderbaren Spitze angehäuft, und zwischen den Loriumschlingungen waren ganze Schneefelder. Von diesem Tage an wollte sie mit keinem Schritt wieder über die Schwelle des Entenfangs treten. Und es schien ihr, als hätte sie eine trauliche Heimat verloren.

Die Kummerfelden und der Colonel aber trieben mit viel Glück das Spiel weiter. Und der Kummerfelden war es, als atmete sie nach langem, hartem Winter endlich wieder Frühlingsluft.

* * *

148 Der Weihnachtsabend war herangebrochen. In dem in Schnee gehüllten Städtchen war ein eifriges Treiben, zwischen den hohen Schneewällen drängten sich die Leute. Die Pfefferkuchenbuden auf dem Markte wurden gewaltig in Anspruch genommen, und wie Ameisen zogen die in Pelz und Mäntel eingewickelten Weimaraner mit Pfefferkuchenherzen und -reitern und Pfefferscheiben heim, und aus allen Häusern roch es nach Schüttchen. Warme, duftende Luftströme begegneten den eilenden Leuten mitten in der Kälte und ließen sie wohlgefällig aufatmen. Kleine Moospyramiden, um die her Wollschäfchen standen, wurden zum Verkauf ausgeboten, und Krippen und Gärtchen mit Hirten und Herde, denn damals vertrat bei den meisten Leuten noch das Moospyramidchen mit Lichtern besteckt den Tannenbaum. Und es war auch hübsch, so eine kleine Pyramide, sie sprach auch zum Herzen.

Da gab es ganz winzige kleine für ein einziges Lichtchen und wieder große für zwanzig, dreißig. Und kleine Zuckerkringel hingen die Leute auch daran. Der Weihnachtsengel stand auf ganz großen Pyramiden oben auf der Spitze, und um den Fuß dieser grünen Pyramiden sah man die heilige Familie mit Ochs und Eselein.

In jedem Haus gab's Karpfen und vorher Heringsalat.

Weihnachtsabend ist immer und zu jeder Zeit im alten Weimar ein Herzensfest gewesen, bei dem es den Leuten im harten Winter fröhlich zu Mute wurde.

Und wenn sie das Weihnachtslied vom Turme bliesen, das hat noch jedem Weimaraner tief in der Seele geklungen, freudig, hoffnungsvoll, glückselig oder wehmütig zum Hinsterben, wenn es in Einsamkeit und schmerzliches Erinnern hineinklang.

Als diesmal die Töne des Weihnachtsliedes wieder über die beschneiten Dächer kamen, trafen sie, wie schon gar oft im Entenfang das einsame Herz eines guten kleinen Weibes, die brav und voller Güte und Liebenswürdigkeit mit den Dingen fertig geworden war, die das harte Leben uns Sterblichen auferlegt, und nun einsam saß mit dem schwarzen Buch in der Hand, das seinen Platz in dem seidenen Beutel über ihrem Bette hatte.

Und das meiste, was in diesem abgegriffenen Buche stand, ging sie blutwenig mehr an, Lob- und Danklieder, 149 Hochzeitslieder und -gebete, Gebete bei und nach der Geburt eines Kindleins, Erntegebete und Gebete gegen Teufelsanfechtung für Jungfrauen und Jünglinge, Tauflieder und -gebete, Konfirmationsgebete – all diese Dinge gingen sie nichts mehr an. Nur zwischen den Seiten, in denen die Sterbelieder und Gebete wider bösen schnellen Tod standen, lag noch eine dicke Schnur. Und gar vieles war in dem schwarzen Buch gar nicht benannt worden, mit dem sie überdies noch hatte fertig werden müssen. Da standen keine Gebete beim Herannahen des bösen Alters zu beten, keine Trostgebete für das Entschwinden der lieben guten Jugend, keine Gebete und Lieder für eine arme vergessene Schauspielerin, keine Gebete für die Not, wenn das Herz noch jung und freudig ist und der Leib welk und alt, keine Gebete für die Dämmerstunde, wenn die lieben versunkenen Gestalten uns heimsuchen und das Herz vor Sehnsucht nach ihnen brechen möchte. Deshalb ließ die Kummerfelden auch das Buch zugeklappt und hielt es nur in der Hand, und neben ihr lagen in einem Kästchen vergilbte Briefe – Liebesbriefe ihres früh verstorbenen Mannes, die las sie immer am Weihnachtsheiligenabend. Und auf den Briefen zuoberst ringelte sich ein blondes Löckchen mit einem rosaseidenen Faden umbunden – Kinderhärchen – das kleine Weib hatte auch ihr Söhnchen, ihr einziges, verlieren müssen.

Und so lagen in dem Kasten die traurigen, armseligen Schätze, die das Leben ihr eingebracht hatte, beisammen, und sie selbst saß als demütige Dienerin ihres Herrgottes und hatte keine Klage auf den Lippen, keine Bitternis im Herzen. Ihre Hand fuhr wie liebkosend über die gelben Briefe hin – und draußen klang das Weihnachtslied vom Turme.

* * *

Oben bei dem Franzosen sah es zu dieser Stunde weniger friedlich aus. Der Colonel hatte zur würdigen Feier ein wirkliches und wahrhaftiges civet de lièvre zusammengebraut aus einem wirklichen und wahrhaftigen Hasen mit langen Ohren und einem kurzen Schwanz, im Gegensatz zu dem gewöhnlichen Hasen mit kurzen Ohren und langem Schwanz, der im Entenfang erjagt wurde. Er war ganz 150 Eifer und hatte alle Hände voll zu thun. Dazu kam noch, daß seine Frau seit Tagen schon stark verschnupft war und sich auch bei ihr ein Schnupfenfieberchen eingestellt hatte, was bei dem harten kalten Winter nicht zu verwundern war. Das gab aber dem guten Colonel seit Tagen schon Veranlassung, eine Tisane nach der andern zu brauen.

Die Frau mußte zu Bette liegen und trinken und schlucken ohne alles Erbarmen, sie mochte nun wollen oder nicht; und er braute unglaubliche Sachen, um ihr, wie er sagte, möglich zu machen, daß sie mit Genuß das civet de lièvre zu sich nehmen könnte.

Alle Stunden kam er mit etwas anderm, und im Entenfang roch es wie in einer Apotheke zur Zeit einer Epidemie.

Die kleine Frau hatte ihren Gemahl schon unter Thränen gebeten, sie zu verschonen. Aber er sagte immer dasselbe: »Wenn getrunken sein muß, muß getrunken sein. Da ist nichts su sagen. Was willst du? Leben oder sterben? Willst du sterben un mich armen Pips allein lassen, du?«

Daraufhin trank sie immer wieder und sagte dann: »Nu is aber genug, Pips, weißt de, ich kann wirklich nich mehr, mei Magen thut mir weh.«

»Der Magen, sagst du? Wo denn? Wie denn? Der Magen muß nich weh thun, chérie, der muß nich.« Und der Colonel, den seine Frau »Pips« nannte, ging, um eine Tisane für den Magen zusammenzubrauen.

So trieb er's schon seit Tagen, und die arme Frau litt wirklich, eine Tisane hatte ihr auch schon übel mitgespielt, was den Colonel in außerordentliche Aufregung versetzte und ihm die Idee zu einer ganz neuen Art Tisane einbrachte, um ihr zu helfen.

»Mein Gott, in deine Hände, Pips, das halte ich nich mehr aus!« hatte sie schluchzend gerufen, als ihr Herr und Meister schon wieder mit etwas Neuem dastand. Aber was half das, Pips dokterte nun einmal dämonisch gern und hatte so wie so nach Gottes Anordnung die Oberherrschaft über sein eheliches Gemahl.

Und so wiederholte sich noch ein paarmal die Tisanekocherei, bis die gute Frau sich wieder einmal nach einer Tisane, mit Erlaubnis zu sagen, erbrechen mußte, da drehte sie das Gesicht endlich zur Wand und sagte mit matter 151 Stimme: »Pips, wenn's so fortgeht, da muß ich eben sterben.« Und von diesem Augenblick an sprach sie keine Silbe mehr. Als Pips an ihrem Bette stand und sie anredete, gab sie keine Antwort, und als er flehte und jammerte und sie an der Schulter rüttelte, gab sie nur so eine Art schnappenden, quakenden Ton von sich, der den armen Colonel außerordentlich erschreckte.

Er lief wie besessen im Zimmer umher und wußte gar nicht, was beginnen vor Aufregung. Das civet de lièvre, das immer noch schmorte, wollte er doch auch nicht anbrennen lassen, und eine Tisane wollte er doch auch in Vorrat brauen, wenn chérie wieder zu sich kommen würde, und nach chérie, die immer noch mit dem Gesicht der Wand zugekehrt lag, mußte er doch jeden Augenblick sehen. »Was soll ich nur machen, chérie, was soll ich nur machen?« frug er in verzweifelten Tönen, wenn er am Fußende des Bettes stand, aber chérie antwortete nicht. Da zischte gerade der Hase oder eine Tisane, und er stürzte wie ein Besessener zum Ofen und wirtschaftete und rasselte und wütete und kam mit eingeschmierten schwarzen Fingern wieder an das Bett seiner Frau und jammerte und rüttelte sie.

Wäre die Fabianen dabei gewesen, würde sie gewiß gesagt haben: »Ein unsinniges Tier so 'n Franzos!«

Und mit einemmal fing er an, seiner Madame Liebesbezeichnungen zu geben, nannte sie mit lauter französischen Gemüsen und Obsten, das Leckermaul. Chérie hatte ganz recht gehabt. Unter Thränen rief er laut und verzweifelt: »O mon choufleur! mon laitue, ma petitet poulette!« dazwischen: »O mein Reinette à côte.« Das ist eine Reinette mit sehr schmalen Wangen. Ein Schmeichelname, den er wahrscheinlich für eine Halbtote passend hielt. Dann kamen verschiedene Gemüse daran und seine Lieblingsspeisen. Dann stürzte er wieder wie verzweifelt, in Thränen gebadet, über das Bett hin und rüttelte und schüttelte sie: »Nich sterb, nich sterb,« rief er flehentlich, »o – o – o, mon laitue!«

Das civet de lièvre machte sich bemerkbar, und der arme Colonel stürzte wieder an den Ofen zurück und rasselte und rührte und schleckte. Dazwischen murmelte er immer allerlei.

152 Wie hingeschossen lag er dann vor dem Bette seiner Frau, so ging es unausgesetzt – und chérie rührte sich nicht.

Da kniete er vor ihr nieder und preßte ihre Hände: »Da bett doch wenigstens, du Monstre, wie willst du denn sur Säligkeit kommen. Was denkst du denn, daß le bon Dieu is sufrieden, wenn du stirbst un nix sagst. Das sprichst du eben mit mir. Das muß sein, chérie.« Und nun faltete er die Hände und sprach ein Sterbegebet. »Ich habe es selbst susammengestellt, es is gut,« sagte er. »O, mon Dieu, pardonnez-moi si je Vous ai méconnu jusqu'ici; désormais je veux appartenir à Vous, pour le temps et pour l'éternité. Das is gut, chérie, bett nur, sag nur was!« rief er verzweifelt. »Wenn du nix sagst, chérie, wozu willst du in die Höll gehen? Bett nur, bett nur, chérie.« Gerade wie seine Tisanen vordem, bot er ihr jetzt seine Gebete an, aber sie sagte kein Sterbenswörtchen.

»O, mon Dieu, pardonnez-moi si je Vous ai méconnu jusqu'ici –« Dabei wirtschaftete er irgend etwas wieder am Ofen und schielte zu seiner Frau, rückte das civet de lièvre aus der Glut und benagte ein Knöchelchen. »O c'est bon, chérie,« rief er unter Thränen, und dann mit vollem Munde ging es wieder zum Sterbegebet über: »désormais je veux appartenir à Vous pour le temps et pour l'éternité.«

Jetzt rückte er das civet de lièvre ganz vom Ofen weg, denn es war vollständig gar.

»Ich werde ganz swack, ich muß mich ein bißchen niederlegen.« Und er legte sich. »Chérie,« sagte er und rüttelte sie, »chérie, du hast doch nich kalt – nich wahr, chérie

Da stieß chérie einen ganz merkwürdigen Ton aus, der wie ein Röcheln oder ein ersticktes Lachen klang, so etwas Aehnliches.

»Schauderhaft,« sagte der Colonel, und streckte sich vollends nieder.

Für eine kurze Weile war jetzt vollkommene Stille im Zimmer, das Talglicht brannte trüb, denn der Colonel hatte es den ganzen Abend nicht geschneuzt, und im Ofen brodelte wehmütig eine Tisane.

Da mit einemmal sprang der Colonel mit beiden Beinen 153 zugleich aus dem Bett und stöhnte und fuhr sich in die Haare.

»Chérie, mais, chérie! Gottes willen sterb nich! Sie werden sagen, daß ich dich vergiftet habe, chérie! les monstres!« Er fuhr sich in Verzweiflung in die weichen, dünnen Haare. »Was su thun? O les monstres, les monstres!«

Mit großen Schritten lief er im Zimmer auf und ab und fror an seinen langen nackten Beinen.

»Chérie, Fraumensch! Sterb doch nich!« rief er schluchzend und warf sich am Bett nieder und rüttelte sie, wobei sie wieder einen so eigentümlichen Ton ausstieß.

»Schauderhaft, chérie! Schauderhaft! Thu das nich, laß dein armes Pips nich einspirren! Man wird dich aufsneiden, chérie, un sehen, was du en dedans hast, wenn du jetzt sterbst.«

Das sagte er ihr, um sie wahrscheinlich vom Sterben abzuschrecken. »Siehst du, un dann wird der Pips eingespirrt, denn wer kann wissen, wie die Tisane all miteinander in dein Leib susammengekommen sin, un wie sie miteinander darin aussehen. Sterb nich, Fraumensch!« jammerte er.

Die Angst vor dem Eingesperrtwerden überstieg offenbar bei dem armen Colonel alles andre, denn mit einemmal sprang er auf, raffte vom Tisch und von der Kommode und vom Fensterbrett einen ganzen Arm voll Düten und Büchsen und Gläsern zusammen und rannte im Hemd, wie er war, und in nackten, langen Beinen zur Thür hinaus wie der Blitz.

Und als er in ein paar Sätzen unten angekommen war, riß er der Kummerfelden ihre Thür auf und stand dem ganz in Erinnerungen versunkenen kleinen Weibe, das eine stille, gottergebene Weihnachtsfeier hielt, in seiner skandalösen hemdenen Gestalt mit langen, nackten Beinen gegenüber. Und die Kummerfelden schaute auf ihn so erstarrt wie auf einen bösen Geist. Sie war ganz bewegungslos vor Entsetzen und konnte kein Wort hervorbringen, aber die Augen traten ihr fast aus den Höhlen.

»In Jesu Namen!« sagte sie endlich mit wackeliger Stimme.

Der Colonel aber hatte, ohne auf sie zu achten, in 154 seinen Düten gewirtschaftet und hielt ihr jetzt, ohne im geringsten seine höchst zweifelhafte Erscheinung in Rechnung zu ziehen, zwei Tisanendüten vor die Nase.

»Riechen! Riechen, Madame!« rief er außer sich, »lauter gute Sach! lauter gute Tisane, so gesund –« Und wieder nahm er zwei andre Düten und hielt sie der Kummerfelden vor die Nase: »So gute Sach, aber Madame oben is daran gestorben! Man wird mir einspirren, mir arme Pips!« rief er schluchzend.

Jetzt hatte die Kummerfelden ihre Beweglichkeit wieder. »Ja, du großer allmächtiger Gott!« rief sie. »Was sagen Sie denn da! Jesus, Jesus!« Die Kummerfelden war aufgestanden und hielt sich mit zitternden Händen an der Tischplatte.

»Daß chérie tot is!« schrie der Colonel und wirtschaftete in seinen Düten und roch selbst daran.

»Tot!« rief die Kummerfelden ganz verwirrt.

»Ja,« bestätigte schluchzend der Colonel, »beinah tot!« Das fiel ihm eben erst wieder ein, daß sie ja noch nicht ganz tot sei.

»Ja, was reden Sie denn da?« rief die Kummerfelden, »tot ist doch was andres wie beinahe tot. Und wie sehen Sie denn aus?« – die Kummerfelden vermied es, ihn anzusehen – »das ist ja ein Skandal!«

»Jawohl, ein Skandal!« rief der Colonel wütend, »wenn die Frau tot is, da denkt man nicht an so was. Sie – Sie haben ja auch ein Hemd an unter Ihre geblümte Kleid – Sie, das is menscherlich – da is gar nix su ach – ach – ach – un su o – o – o! Und die Monstres, die Leut, werden sagen: ›chérie is gestorben an Tisane.‹ Sie werden chérie aufschneiden – und ich werd eingespirrt, ich!« Das sagte er mit großer Bestimmtheit.

In diesem Augenblick schellte es an der Hausthürklingel so fürchterlich, so wütend, so herzzerreißend.

Draußen stand die Fabianen ganz desperat, wutschnaubend und verzweifelt. Sie hatte doch nicht umhin gekonnt, den Weihnachtsheiligenabend nach ihrer alten Kameradin, der verkommenen Seele, einmal zu schauen, wenn auch nur wieder durch ein Löchelchen im gefrorenen Fenster, denn so bald konnte sie es nicht über das Herz bringen trotz aller 155 Sehnsucht, die Schwelle der Kummerfelden wieder zu überschreiten.

Nein, nach dem, was sie gesehen, war ihr das Bild der alten Frau ganz gewaltig getrübt, und sie vermochte nur mit tiefstem Schmerz an sie zu denken, und bewahrte in ihrem Herzen das Geheimnis, was die Kummerfelden nach der Nähstunde hinter den gefrorenen Fenstern im Entenfang trieb. Und als sie diesmal wieder im tiefen Schnee ein Löchelchen in der Eiskruste am Fenster gefunden hatte, war sie zu einer schönen Bescherung gekommen, da mußte sie draußen in der Kälte vor dem gefrorenen Fenster erröten wie ein Backofen. Es trieb ihr ordentlich den Schweiß. So ein Schamgefühl hatte sie ihr Lebtag noch nicht gehabt, und sie stürzte zur Klingel und läutete in ihrer sittlichen schmerzlichen Empörung Feuer in ihrer großen Scham über die Entartung der Kummerfelden, um zu retten, was noch zu retten war. Und die Kummerfelden, die mit einemmal von allen Seiten bedrängt wurde, trippelte zitternd hinaus, um zu sehen, was es gäbe, und ließ den Hemdenmatz mit seinen Düten ganz bestürzt im Zimmer zurück und stand im Augenblick darauf der Fabianen gegenüber, von der sie wie von einer großen Riesenkatze angepustet wurde und die sie beim Hereinkommen mit Millionen Eiskrystallen überstäubte.

»Wo ist er denn? Wo ist er denn?« rief die Fabianen mit der Stimme eines strafenden Propheten und überrannte die Kummerfelden fast, die gar nicht wußte, was um Himmels willen sie denken sollte.

Die Fabianen stürzte ins Zimmer wie eine Lokomotive, die es freilich damals noch nicht gab, und pustete und brauste und zischte, und kein Mensch konnte bei diesem Riesenlärm, den sie machte, zu Worte kommen. Niemand verstand einander, so donnerte die Fabianen in ihrem unwiderstehlichen Lauf der Gefühle, und so schnatterte Pips, der Colonel, und sprang im Hemde wie ein Narr umher und wollte mitten im Weltuntergang die beiden Weiber durchaus an den Tisanen riechen lassen.

Und um das unverständliche Durcheinander im Entenfang voll zu machen, da kamen noch zwei durch den Schnee dem Entenfang zu angetappt, zwei glückselige Kreaturen in voller Weihnachtsfreude, und dufteten nach Pfefferkuchen, 156 und den Karpfen hatten sie daheim in der Wünschengasse schon längst gegessen und Wein hatten sie getrunken, und mit den drei Freunden Budang, Ernst Schiller und Franz Horny waren sie in den Straßen herumgelaufen unter Weihnachtsgeläut und hatten den Leuten in die Fenster geschaut und gesehen, wie die Pyramidchen, die großen und die winzigen, gebrannt haben, und eine Bescherung hatten sie bekommen, grüne Schuh und diesmal rosa Schürzenbänder dazu und Gingan zu ein paar Hauskleidern und Pfefferkuchen und Nüsse und ein klein winziges Bäumchen mit einem goldenen Engel auf der Spitze, und Röse war auch noch bei Kesselrings oben auf dem Turm gewesen und hatte auch da oben alle Weihnachtsherrlichkeit ausgekostet und vom Turm geblasen, in den Schnee hinaus über die beschneiten Dächer hin, und jetzt kamen sie zu guter Letzt, um der Kummerfelden ihren Weihnachten zu bringen, ein kleines Pyramidchen mit fünf Wachslichtern und ein selbstgebackenes Schüttchen. Sie hatten dies Jahr zum allererstenmal die Schüttchen selbst gebacken, hatten mit Wonne bis an die Ellbogen im Teig gesteckt und die Rosinen und den Citronat sich über die Arme schütten lassen. Die Schüttchen waren übrigens excellent geraten. Und so brachten sie eins im vollen Stolze mitsamt dem Pyramidchen angetragen.

Wie sie vor dem Entenfang standen, hörten sie ein großes Gelärm und fanden die Thür offen.

»Ja du meine Güte, was ist denn da los! Da hat ja wohl der Franzos das ganze Haus auf den Kopf gestellt,« meinte Röse.

»Ach du, wenn er nur der Kummerfelden nichts zuleide gethan hat,« sagte Marie, die das Schüttchen trug und sich ängstlich an Röse andrängte.

Verzagt traten sie vollends ein und standen mitten im Weltuntergang, der sich im Entenfang abspielte.

Die Fabianen schrie wild auf, als sie die unschuldigen Mädchen sah, und stellte sich wie eine spanische Wand vor den Colonel mit ausgebreiteten Röcken.

»Da steht ja der Franzos ganz ausgezogen!« sagte Röse betreten zu Marie, die mit offenem Munde dastand.

Und jetzt zum erstenmal, bei der augenblicklichen Unterbrechung des Riesenlärms, den der Colonel und die Fabianen 157 zusammen machten, hörte man das Altweiberstimmchen der Kummerfelden: »Ueber uns liegt eine todkranke Frau, da nehmt doch Vernunft an!«

»Jawohl, jawohl,« rief der Franzose, »chérie ist nun tot!« und dabei schluchzte er wieder. »Un Sie verrücktes Fraumensch« – er blickte giftig auf die Fabianen – »Sie mit Ihre wütendes Geschrei – Sie – Sie – Sie werde nun eingespirrt – eingestocht!« rief er triumphierend. »Das hat chérie vollends tot gemacht – nicht die Tisanen – Madame Kummerfelden hat daran gerochen, sie sind gut, die Tisanen, hat sie gesagt, daran stirbt keine Menschenseele, die sin gesund; auch wenn eins viele Tisane susammen trinkt, hat sie gesagt.«

Daran war freilich kein Wort wahr, aber was schadete das in dem großen Wirrwarr, in dem so wie so längst niemand mehr etwas verstand.

»Oben liegt eine Todkranke auch noch! Das ist ja allerliebst!« tobte die Fabianen. »Kummerfelden, du verdorbene Seele –«

»Ja, was hast du denn nur, Fabianen, da nimm doch endlich Vernunft an. Der Mann da« –»Colonel« konnte die Kummerfelden den miserablen Hemdenmatz unmöglich titulieren – »ist gekommen, um mich zu seiner todkranken Frau zu holen, und du hältst ihn da auf und lärmst – mein Gott ja, er ist ja im Hemd, aber so in der Todesangst, da denkt der Mensch eben an nichts. Jetzt kommt 'nauf, damit wir sehen, was mit der armen Frau ist.« Die Kummerfelden trippelte flink jetzt zur Thür hinaus, und als sie auf der Treppe war und der Franzose hinter ihr und dann in einem Zug die Fabianen und die Ratsmädel, beorderte sie den Colonel, rasch hinaufzuspringen und sich irgend was umzuhängen, etwa ein Betttuch, oder was er am schnellsten zur Hand hätte.

Sie wendeten sich alle um und der Franzose sprang die Treppe hinauf.

Dieser Anordnung der Kummerfelden konnte die Fabianen ihre Bewunderung nicht versagen. Und sie meinte, daß in der Kummerfelden doch noch nicht alles weibliche Anstandsgefühl untergegangen wäre.

Als oben aber die Thür geöffnet war, da ertönte ein 158 Schrei, den der Franzose ausgestoßen hatte, ein ganz entsetzlicher Schrei, der allen das Blut erstarren ließ, so daß sie sich nicht vor- und nicht rückwärts getrauten.

Aber schließlich faßte die Kummerfelden Mut und tappte die Treppe hinauf. Und jetzt standen sie alle vor der offenen Thür, das Talglicht brannte hell im Zimmer, denn es war geschneuzt.

Und nun schauten sie alle miteinander hinein. Da sahen sie chérie auf dem Bettrand sitzen, vollkommen angezogen, nur in einen Strumpf schlüpfte sie noch eben, und lachte in sich hinein, daß die ganze Person zitterte, und lachte jetzt ganz laut, als wollte sie sich vor Lachen ausschütten, und der Colonel stand wie eine Bildsäule, immer noch mit den Tisanendüten im Arm, und hatte nichts umgehängt und starrte auf chérie.

»Ach Gott, ach Gott, ach Gott, was der geglaubt hat!« kicherte chérie. »Ach Pips!« und war nun auch vollends im Strumpfe.

»Monstre!« schrie der Colonel, »Monstre!« Und die beiden Ratsmädchen, die für alle Art toller Streiche ein ahnungsvolles Verständnis hatten, fingen zuerst an zu lachen.

 

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