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Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen

Anton Edzardi: Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen - Kapitel 8
Quellenangabe
typelegend
authorUnbekannte Autoren
titleAltdeutsche und Altnordische Helden-Sagen
publisherVerlag von Albert Heitz
printrunZweite Auflage
editorAnton Edzardi
year1880
translatorFriedrich Heinrich von der Hagen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150512
projectid9d926f7d
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Fünftes Kapitel

Ueberschrift: König Volsung's Fall ... (das übrige ist unleserlich).

Nun ist zu sagen von König Volsung und seinen Söhnen, daß sie zur verabredeten Zeit gen Gautland fuhren zum Gastgebot König Siggeir's, ihres Schwagers, und fuhren mit drei Schiffen vom Lande, und waren diese alle wohlgerüstet. Sie hatten eine recht glückliche Fahrt und kamen mit ihren Schiffen nach Gautland; da war es spät am Abend.

Denselben Abend | kam Signy, König Volsung's Tochter, und berief zu sich ihren Vater und ihre Brüder zu einem Sondergespräch und sagte ihnen ihr und König Siggeir's Vornehmen, daß er ein mächtiges Heer zusammengezogen habe, »und sinnt euch zu verderben. Nun bitte ich euch (sagte sie), daß ihr alsbald wieder in euer Reich fahret, und sammelt euch ein möglichst starkes Heer, und fahrt dann her und rächet euch selbst; und geht nicht in diese Gefahr, denn nicht entgeht ihr seinem Verrathe, wenn ihr nicht zu der List greift, die ich euch vorschlage.« Da sprach König Volsung: »Alle Welt wird davon sagen, daß ich [noch] ungeboren ein Wort sprach In einem dänischen Märchen (Grundwig-Leo, S. 148 ff.) kann die ebenso wunderbar geborene Prinzessin gleich nach der Geburt reden., und das Gelübde that, | daß ich weder Feuer noch Eisen Furcht halber fliehen wollte: und so habe ich bisher gethan: warum sollte ich es nicht auch im Alter vollbringen? Und nimmer sollen Jungfrauen meinen Söhnen im Spotte s. Fritzner 399a. Gewöhnlich übersetzt man í leikum »beim Spiele«. vorwerfen, | daß sie den Tod fürchteten: denn einmal muß [doch] jedermann sterben und niemand kann dem entgehn, daß er einmal sterbe. [Drum] ist mein Rath, daß wir keineswegs fliehen, sondern unsere Hände aufs tapferste gebrauchen. Ich habe ||91) hundertmal gefochten, und habe bald mehr Volkes gehabt, bald minder, und habe [doch] immer den Sieg gewonnen: und nimmer soll man hören, daß ich fliehe oder um Frieden bitte.« Da weinte Signy bitterlich und bat, daß sie nicht zu König Siggeir zurückzukehren brauchte. König Volsung entgegnete: »Du sollst fürwahr heimfahren zu deinem Manne und bei ihm bleiben, wie es uns auch ergehe.« | Nun ging Signy heim; sie aber blieben dort die Nacht über. Morgens jedoch, sobald der Tag anbrach, | hieß König Volsung alle seine Mannen aufstehen, ans Land gehen und sich zur Schlacht rüsten. Nun gingen sie alle ans Land in voller Rüstung, und hatten nicht lange zu warten bis daß König Siggeir kam mit all seinem Heer; und entbrannte da zwischen ihnen eine sehr harte Schlacht, und spornte der König seine Schaar an aufs heftigste vorwärts zu dringen. Es heißt, daß König Volsung und seine Söhne des Tages achtmal durch die Schaaren König Siggeir's brachen, und zu beiden Handen hieben. Und als sie sich anschickten nochmals so zu fahren, da fiel König Volsung inmitten seiner Schaar, und all sein Volk mit ihm außer seinen zehn Söhnen; | denn es stand ihnen eine viel größere Uebermacht gegenüber, als der sie hätten widerstehn können.

Nun wurden seine Söhne alle gefangen und in Bande geschlagen und hinweg geführt. Signy erfuhr nun, daß ihr Vater erschlagen war, ihre Brüder aber gefangen genommen und zum Tode bestimmt. | Da rief sie den König Siggeir zu einem Zwiegespräch. Sie sprach: »Darum will ich dich bitten, daß du meine Brüder nicht so schleunig tödten lassest; laß sie lieber in den Stock Ein in der Mitte gespaltener Stamm mit runden Oeffnungen, in welche die Füße der Gefangenen gezwängt wurden. (Ein Exemplar im Altnord. Museum zu Kopenhagen: Katalog [7. Aufl.] Nr. 201.) setzen. Mir geht es eben, wie das Sprichwort sagt, daß das Auge sich freut, so lange es den Anblick hat; ich bitte aber deshalb nicht mehr für sie, weil ich glaube, daß es mir nichts nützen würde.« Da antwortete Siggeir: | »Rasend bist du und unklug, daß | du für deine Brüder Schlimmeres erbittest, denn daß sie erschlagen werden: indessen soll dir das gewährt sein; denn es freut mich mehr, wenn sie schlimmer dulden und längere Qual vor ihrem Tode erleiden.«

Nun | ließ er also thun, wie sie bat, und ward nun ein mächtiger Baumstamm genommen und den zehn Brüdern an die Füße gelegt, an einer Stelle im Walde. Dort saßen sie nun den ganzen Tag ||92) bis zur Nacht.| Aber um Mitternacht kam eine alte Wölfin aus dem Walde dorthin zu ihnen, wo sie im Stocke saßen, die war groß und schrecklich anzusehen; und das war ihr Vorhaben, daß sie einen der Brüder zu Tode biß, sodann fraß sie ihn ganz auf, und ging dann hinweg.

Aber am Morgen darauf sendete Signy zu ihren Brüdern einen Mann, dem sie am meisten traute, um zu erfahren, wie es stehe. Und als der wieder zu ihr kam, sagte er ihr, daß einer von ihnen todt wäre. Das schien ihr schrecklich, daß es ihnen allen so ergehn sollte, ohne daß sie ihnen helfen könnte. Kurz ist davon zu berichten: | Neun Nächte nach einander kam dieselbe Wölfin und tödtete und fraß je einen von ihnen, bis sie alle todt waren; nur Sigmund allein war übrig. Und ehe denn die zehnte Nacht kam, sendete Signy ihren Vertrauten zu ihrem Bruder Sigmund, und gab ihm Honig in die Hand, und sagte, er sollte den auf Sigmund's Gesicht streichen und ihm etwas [davon] in den Mund legen. Da begab er sich zu Sigmund und that, wie ihm geboten war, und ging sodann heim. Die Nacht darauf kam dieselbe Wölfin nach ihrer Gewohnheit und gedachte ihn zu Tode zu beißen wie seine Brüder. Da bekam aber die Wölfin Witterung von ihm, wo er mit Honig bestrichen war, und beleckte mit ihrer Zunge sein ganzes Gesicht, und streckte sodann die Zunge ihm in den Mund. Sigmund ließ sich nicht faul finden, und biß der Wölfin in die Zunge; die sträubte sich sehr, sie zog gewaltig und stemmte die Füße in den Stock, so daß er ganz auseinander barst. Er aber hielt so fest, daß der Wölfin die Zunge bei der Wurzel ausriß, und davon litt sie den Tod. Es ist aber die Sage einiger Männer, | daß diese Wölfin König Siggeir's Mutter gewesen, und daß sie diese Gestalt angenommen habe durch Hexerei und Zauberkunst. Siehe unten S. 30**.

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