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Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen

Anton Edzardi: Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen - Kapitel 72
Quellenangabe
typelegend
authorUnbekannte Autoren
titleAltdeutsche und Altnordische Helden-Sagen
publisherVerlag von Albert Heitz
printrunZweite Auflage
editorAnton Edzardi
year1880
translatorFriedrich Heinrich von der Hagen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150512
projectid9d926f7d
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Fünftes Kapitel

Ueberschrift: »Hier spricht Odin zahlreiche Strophen« S; »Gest's Erzählung« F.

Nun ist davon zu berichten, wie Sigurd sich zur ||59) Schlacht gegen Hunding's Söhne rüstete. | Er hatte ein starkes und wohlbewaffnetes Heer. Regin hatte besonders für die Ausrüstung des Heeres zu sorgen. Wörtlich: »hatte besonders ( mjök) die Sorge für das Heer (Besorgung des Heeres)«. Er führte ein Schwert Namens Ridil Vgl. oben S. 914 (Nachtr.) = Fafn., welches er [selbst] geschmiedet hatte. Sigurd bat Regin mir dies Schwert zu leihen. Das that Regin; und so trug ich dieses Schwert. Regin bat Sigurd, er möge Fafni tödten, wann er von dieser Heerfahrt zurückkäme; [und] Sigurd verhieß es ihm.

| Hierauf segelten wir südwärts am Lande hin; da überfiel uns ein ungeheurer, durch Zauberei erregter Die Saga's wissen verschiedentlich von solchem durch Feinde erregten Unwetter (»Zauberwetter«) zu berichten. Sturm, welchen man Hunding's Söhnen zuschrieb. | Nunmehr segelten wir etwas näher am Lande hin: da sahen wir einen Mann auf einem Felsvorsprunge, und schritt von den Klippen heran: er trug einen grünen Kappenmantel und blaue Hosen, hochhinaufreichende und an den Schenkeln zusammengeknüpfte Schuhe und hielt einen belaubten Zweig in der Hand. Es ist Odin, dessen Aussehen oben S. 15*. 57* u. s. w. in ähnlicher Weise geschildert ward [s. übrigens das Personenregister]. Dieser Mann redete uns mit einer Strophe an | und sprach:

»Wer reitet hier
Auf Rävil's Rossen Rävil war ein Seekönig, daher Rävil's Rosse = Schiffe.
Durch hohe Wogen,
Durch's brausende Meer?
Die Segel sind euch
Schaumbespritzt:
Die Seerosse So der Text der Lieder-Edda, unser Text bietet weniger gut »die Bewaffneten«. werden
Den Sturm nicht besteh'n.« ||60)

Regin antwortete darauf:

»Hier sind wir mit Sigurd
Auf Meereswogen Wörtlich: »Zur See gegangen«; nach der Lieder-Edda: »auf Seebalken (Schiffen)«.:
Wind ward uns gegeben
In den Tod zu fahren Genauer: »Der uns dem Tode nahe bringt, beinahe den Tod bringt«. Zu vidh bana sjalfan vgl. var vidh sjalft, at = es war nahe daran, daß ...;
Jäh stürzt sich die Flut
Auf den Steven Eigentlich ist die Stange am Steven (Bugspriet) gemeint. nieder;
Es rasen die Schiffe. –
Wer ist's, der so fragt?«

Der Mann im Mantel sprach Diese Strophe ist schon S. 78 f. übersetzt; vgl. das.:

| »Hnikar hieß man mich,
Da ich Hugin erfreute,
Junger Volsung!
Und gekämpft hatte.
Nun magst du mich nennen
Den Alten vom Berge,
Feng oder Fiolni:
Mit will ich fahren.«

Da lenkten wir an's Land, und alsbald legte sich das Unwetter. Sigurd bat den Alten, in's Schiff zu steigen. Das that dieser: da ward der günstigste Fahrwind. Hier zeigt sich Odin als Sturmgott. Der Alte setzte sich Sigurd zu Füßen nieder, und war sehr ||61) freimüthig in seiner Rede. Er fragte, ob Sigurd etwa Rath von ihm annehmen wollte. Sigurd erklärte sich bereit und sagte, er vermuthe, daß er (der Alte) rathtüchtig sein werde, wenn er Nutzen stiften wolle. | Sigurd sprach [nun] zu dem Manne im Mantel:

»Sag' du mir das, Hnikar,
Da du die Vorzeichen kennst
Für Götter sowohl wie für Menschen:
Welche Vorzeichen sind,
Wenn es zum Streite geht,
Am besten beim Schwertschwingen.«

Hnikar antwortete:

Viele Vorzeichen sind,
Wenn die Menschen sie wissen,
Günstig beim Schwertschwingen.
Für günstig eracht' ich's,
Wenn der schwarze
Rabe dem Helden Eigentlich: »Schwertbaum« = Held, vgl. oben S. 103*. folgt.«

Das ist das zweite:
Wenn Du hinaus gekommen
Und zur Fahrt bereit bist, ||62)
Siehst du da
Am Wege stehn
Zwei ruhmbegierige Männer.

Das ist das dritte:
Wenn du heulen hörst
Den Wolf unter Eschenzweigen,
Heil ist dir
An Wörtlich: »von«; d. h. Heil (Sieg) ist dir von Kriegern aus (an Kriegern, im Kampfe) beschieden. Helden beschieden,
Siehst du sie Nämlich die Wölfe. vor dir laufen.
Keiner der Männer
Soll entgegen kämpfen
Der spät scheinenden
Schwester des Mondes D. h. mit dem Gesichte der sinkenden Sonne zugekehrt kämpfen – weil er sonst geblendet wird und nicht sehen kann, wie Vers 5 f. zeigen.:
Die haben Sieg,
Die sehen können,
Kühn im Kampf,
Und den Schlachtkeil schaaren. Die keilförmige Schlachtordnung aufstellen. – Der Sinn der Halbstrophe ist: »den Kampfeskühnen, welche sehen können und ... schaaren, gehört der Sieg«.

Große Gefahr bedeutet's,
Wenn den Fuß du dir stößest,
So zum Kampfe du schreitest:
Trug-Disen Ins Verderben führende Schicksals-Göttinnen (vgl. oben S. 186* u. s. w. 285***. stehn dir
Zu beiden Seiten
Und wollen verwundet dich sehen. ||63)

Gekämmt und gewaschen
Soll jeder Kluge sein,
Und [früh schon] am Morgen gespeist;
Dieweil ungewiß ist,
Wohin Abends man kömmt:
Unheil bedeutet's, zu stürzen.« Ich behalte im Wesentlichen v. d. Hagen's Uebersetzung dieses Verses bei, obwohl derselbe so in den Zusammenhang der Strophe wenig hineinpaßt; denn von den zahlreichen andern Uebersetzungen (bezw. Besserungsvorschlägen) scheint mir gleichfalls keiner dem Wortlaute wie dem Zusammenhange gleichmäßig zu genügen. »Stürzen« kann hier sowohl »hinfallen« wie »eilen« (= oben S. 365: »rasen«) bedeuten.

Hierauf segelten wir südlich an Holsetaland Holstein. hin und östlich Es ist nicht recht ersichtlich, wie der Verfasser, dem doch Hjalprek's Reich in Frankenland ( Frakkland, s. H. Zschr. 23, 163 ff.) lag, sich die Richtung der Fahrt dachte. Dachte er hier Hjalprek's Reich in Dänemark? Vgl. oben S. 60, Z. 9; 168***. 387††. von Frisland, und landeten dort.

Hunding's Söhne vernahmen sogleich von unserem Zuge: sie sammelten ein Heer und hatten bald zahlreiches Volk um sich. Als wir zusammenstießen, erhob sich ein harter Kampf In der folgenden Schlachtschilderung sind viele Wendungen formelhaft und finden sich auch wiederholt in der Vols.- und Ragn.-Saga; vgl. namentlich S. 294, Z. 12 ff. 329*.; Lyngve war der tapferste der Gebrüder, doch drangen sie alle tapfer vor. Sigurd aber drang von der andern Seite so gewaltig vor, daß alles vor ihm wich; denn von dem Schwerte Gram drohten ihnen Wunden, und Sigurd fehlte es keineswegs an Muth. Eigentlich: »Sigurd darf man nicht Muth absprechen«. Als nun er und Lyngve auf einander trafen, wechselten sie manchen Hieb und fochten auf's allerkühnste. Da trat ein Stillstand in der Schlacht ein, weil man ihrem Zweikampfe zuschaute. Es verging lange Zeit, ohne daß einer den andern mit einem Hiebe traf: so kampfgeübt waren sie.

Darnach drangen Lyngve's Brüder tapfer vor und erschlugen manchen Mann, etliche aber flohen. Vgl. oben S. 294, Z. 15-295, Z. 1. Da wandte sich Hamund, Sigurd's Bruder, gegen sie, und ich mit ihm; es gab da ||64) noch beträchtlichen Widerstand. Sigurd's Kampf mit Lyngve endigte aber damit, daß Sigurd ihn zum Gefangenen machte, und ward er in Eisen gelegt. S. oben S. 3102. 217. 1952 Als nun Sigurd zu uns (d. h. uns zu Hülfe) kam, war [der Kampf] bald entschieden: Hunding's Söhne fielen da mit ihrem ganzen Heere; indeß begann es da [schon] nächtlich zu dunkeln.

Als aber der Morgen anbrach, war Hnikar verschwunden, und ward nicht wieder gesehen; sie glaubten, es wäre Odin gewesen. Der auch sonst in gleicher Weise verschwindet, s. oben S. 154. 53*. Es ward nun besprochen, welches Todes Lyngve sterben sollte. Regin gab den Rath, daß man ihm den Blutaar auf den Rücken ritzen Vgl. oben S. 3301, wo dieser Akt auch in ganz ähnlicher Weise eingeleitet wird. sollte. Da nahm Regin sein Schwert von mir Das Schwert Ridil, welches er Gest geliehen hatte; s. oben S. 364*. und ritzte damit Lyngve's Rücken, indem er ihm die Rippen von dem Rückgrat abschnitt und die Lunge da herauszog. Vgl. oben S. 330 den Text in der Anm. 1. So starb Lyngve mit großem Heldenmuthe. Ebenso heißt es auch von Ragnar S. 313* und Gunnar S. 278††. | Regin sprach da:

»Nun ist der Blutaar
Mit scharfem Schwerte
Auf den Rücken dem Tödter
Sigmund's geritzt:
Keinen kühneren
Königssohn giebt es,
Der das Schlachtfeld röthet,
Und den Raben Eigentlich »Hugin«, s. oben S. 78***. erfreut' er.«. Zu der Uebersetzung dieser Halbstrophe vgl. d. Nachtr.

Da ward große Beute gemacht und erhielten Sigurd's Gefolgsleute das alles, denn er [selber] wollte nichts davon haben. Da war ein großer Schatz an Kleidern ||65) und Waffen.

| Darnach erschlug Sigurd Fafni und ebenso Regin, weil dieser ihm nach dem Leben trachtete. Da nahm Sigurd das Gold Fafni's und ritt damit hinweg; seitdem wurde er Fafnistödter benannt. | Hierauf ritt er hinauf zum Hindarfjall, und dort fand er Brynhild Richtiger Sigrdrifa, die die Volsungasaga mit Brynhild zusammenwirft. (Ist hier die Vermengung durch die knappe Form der Inhaltsangabe veranlaßt?) und erging es zwischen beiden so, wie in der Saga von Sigurd Damit ist nicht, wie vielfach angenommen wird, die Volsungasaga gemeint, sondern der betreffende Abschnitt der Lieder-Edda (von Sinfj. bis Brynh. helr.), der dem Haupttheile unseres Nornagest's-thatt als (theilweise wörtlich benutzte) Quelle diente. Vgl. meine Ausführungen Germ. 24, 361 ff. erzählt wird.

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