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Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen

Anton Edzardi: Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen - Kapitel 64
Quellenangabe
typelegend
authorUnbekannte Autoren
titleAltdeutsche und Altnordische Helden-Sagen
publisherVerlag von Albert Heitz
printrunZweite Auflage
editorAnton Edzardi
year1880
translatorFriedrich Heinrich von der Hagen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150512
projectid9d926f7d
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Achtzehntes Kapitel

Ivar verschaffte sich nun eine Haut von einem ausgewachsenen Ochsen, die ließ er einweichen und dreimal ausrecken; dann ließ er sie ganz in möglichst feine Riemen schneiden Eigentlich: »möglichst schmal zerschneiden«., und diese wieder in die Haarseite und Fleischseite zerspalten lætr kann renna sér hvárt hárram edha holdrosu.. Als dies alles geschehen, war es ein so langer Riemen, daß es zu verwundern war; und Niemandem war in den Sinn gekommen, daß so etwas möglich wäre. | Diesen ließ er nun auf einem Felde ausspannen, und umfaßte derselbe so viel Land Eigentlich: »und es war das so ausgedehntes Land«., daß da Raum für eine große Burg war. | Außen umher ließ er Untergrund wie zu einer großen Burgmauer D. h. den Untergrund zu einer (und zwar einer großen) Burgmauer. abstecken. Darauf verschaffte er sich eine Menge Zimmerleute, ließ auf dieser Fläche viele Häuser bauen | und dort eine starke Burg aufführen, die wird Lunduna-Borg (London) Dagegen Rsth . nach Sighvat's Knútsdrápa richtiger Jórvik (York; s. Storm, Ragnar Lodbrok, S. 79). geheißen; sie ist aller Burgen (Städte) größte und berühmteste in allen Nordlanden.

Als er nun diese Burg hatte bauen lassen, hatte er sein Geld ausgegeben: er war aber (nämlich) so freigebig, daß er mit beiden Händen austheilte. Auch stand seine Weisheit in solchem Ansehen, daß Alle ihn in ihren Angelegenheiten und Verlegenheiten hinzuzogen. Und erledigte er alle Sachen so, wie es Jedem am erwünschtesten war; und ||290 ward beliebt, so daß er jedermann zum Freunde hatte. Auch hatte König Ella große Hülfe an ihm hinsichtlich der Landesregierung, so daß der König ihn manche Sachen und Angelegenheiten besorgen ließ, ohne daß er sich selber damit zu befassen brauchte.

Als Ivar es nun dahin gebracht hatte, daß ihn bedünkte, er habe sich dort keiner Feindseligkeiten [mehr] zu versehen Wörtlich: »daß er sich dort vollständigen Friedens zu versehen habe«., da sandte er Boten zu seinen Brüdern mit dem Auftrage, sie sollten ihm so viel Gold und Silber senden, wie er verlangte. Als aber diese Männer zu den Brüdern kamen, sagten sie, was ihnen aufgetragen, und auch, wie seine Lage sich gestaltet habe. Denn man war sich nicht klar darüber, über welchen Anschlägen er brütete, und so urtheilten die Brüder, daß er nicht mehr dieselbe Sinnesart hätte, wie er früher pflegte. Sie sandten ihm [indessen] so viel des Gutes, als er verlangte.

Als nun die [Boten] zu Ivar kamen, verschenkte er all dieses Gut an die mächtigsten Männer im Lande, | und entzog dadurch dem König Ella Gefolgsleute; und alle verhießen ihm, unthätig zu bleiben, wenn er auch gegen denselben Eigentlich: »dorthin«. eine Heerfahrt unternähme.

Nachdem Ivar sich so Heerfolge verschafft hatte, sandte er [abermals] Leute zu seinen Brüdern, ihnen zu sagen, er wollte, daß sie in allen Landen, über die ihre Gewalt sich erstreckte, ein Aufgebot zu einem Seezuge ergehn ließen und alle Männer aufböten, die sie erlangen könnten. Als diese Botschaft zu den Brüdern kam, verstanden sie sie sogleich und merkten, daß er nun stark darauf vertraue, daß sie den Sieg davontragen würden. Sie sammelten also Mannschaft in ganz Dänemark und Gautland S. oben S. 13†. und in allen den Ländern, über welche ihre Gewalt sich erstreckte, und brachten ein unwiderstehliches Heer zusammen, ||291 so stark sie es nur aufbieten konnten Wörtlich: »und hatten das volle Aufgebot draußen«.. | Da steuerten sie mit ihren Schiffen nach England, unausgesetzt Nacht und Tag, um aller Kunde von ihrer Fahrt zuvor zu kommen. Wörtlich: »und wollten nun möglichst wenig Kunde vor sich her fahren lassen«.

Nun ward die Kriegsbotschaft dem König Ella gebracht; da sammelte er sich ein Heer Vgl. oben S. 273†††. 290**. 308** u. s. w., brachte aber [nur] ein kleines zusammen, weil | Ivar ihm viele Gefolgsleute entzogen hatte. Da zog Ivar dem König Ella entgegen und sagte, er wollte alles erfüllen, was er geschworen hätte: »doch vermag ich nicht das Vorhaben meiner Brüder zu beeinflussen Vgl. oben S. 285**.; das aber steht in meiner Macht, sie aufzusuchen und mich zu erkundigen, ob sie [nicht] ihrem Heere Halt gebieten wollen, und nicht mehr Schaden anrichten, als sie schon gethan haben.

Ivar begab sich nun zu seinen Brüdern; er redete ihnen aber sehr zu, aufs tapferste vorzurücken und es aufs schleunigste zur Schlacht kommen zu lassen: »denn der König hat ein viel kleineres Heer.« Sie aber antworteten, er brauchte sie nicht erst dazu zu ermuntern: sie wären noch ebenso gesonnen wie vormals.

| Dann begab Ivar sich [wieder] zu König Ella und sagte ihm, seine Brüder wären viel zu hitzig und ergrimmt, als daß sie auf seine Worte hören wollten: »und als ich Frieden zwischen euch stiften wollte, schrieen sie dagegen. Jetzt will ich meinen Eid erfüllen, und nicht gegen dich kämpfen, sondern mit meinen Leuten ruhig zusehen Eigentlich: »nahe sein«., die Schlacht aber verlaufe zwischen euch, wie sie kann und mag.

Nunmehr ersah König Ella mit den Seinen das Heer der Brüder; und es fuhr so ungestüm daher, daß es erstaunlich war. Da sprach Ivar: »König Ella, es ist jetzt an der Zeit, dein Heer zu schaaren; ich wähne aber, du wirst eine Zeit lang einen harten Angriff von ihnen zu bestehn haben.«

| Sobald ihre Heere zusammentrafen, erhub sich eine große Schlacht Vgl. oben S. 294†. 309**.; Ragnar's Söhne aber drangen gewaltig durch ||292 die Schaaren König Ella's Vgl. oben S. 192* u. s. w. 275, Z. 13 f., und waren so ergrimmt, daß sie nur darauf bedacht waren, so viel Heldenthaten wie möglich zu verrichten. ? Die Lesart at gera at verkum sem mest wird durch die neu entdeckte Handschrift bestätigt. Diese Schlacht war heftig und lang und endigte damit, daß | König Ella mit seinem Heer sich zur Flucht wandte, er [selber] aber ward gefangen. Da war Ivar in der Nähe und sagte, man sollte ihm in folgender Weise den Tod bereiten: »Nun ist es rathsam (sagte er), daran zu gedenken, welche Todesart er unserm Vater erkor. So soll denn ein besonders schnitzkundiger Wörtlich: »ein mit der Spitze (des Schwertes) besonders geschickter«. Mann ihm den Aar D. h. den »Blutaar«. Ebenso rächt Sigurd den Tod seines Vaters an Lynge ( Regm. 26; Nth. unten S. 371). Vgl. Storm, Ragn. Lodbr., S. 66 f. möglichst tief in den Rücken schneiden und denselben mit seinem Blute röthen.« Der Mann aber, der zu dieser Arbeit berufen ward, that wie Ivar ihm gebot. König Ella war schwer verwundet, bevor diese Arbeit vollendet war ádhr thessi sýslu lýkr. Wohl ein Mißverständniß; nach dem unten mitgetheilten Text war König Ella schon vor dem Schneiden des Blutaars schwer verwundet.; so ließ er sein Leben. Die Brüder aber meinten nun den Tod ihres Vaters gerochen zu haben. Ivar sagte [hierauf], er wolle ihnen das allen gemeinsam gehörige Reich überlassen, er selber aber wolle über England herrschen.

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