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Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen

Anton Edzardi: Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen - Kapitel 61
Quellenangabe
typelegend
authorUnbekannte Autoren
titleAltdeutsche und Altnordische Helden-Sagen
publisherVerlag von Albert Heitz
printrunZweite Auflage
editorAnton Edzardi
year1880
translatorFriedrich Heinrich von der Hagen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150512
projectid9d926f7d
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Fünfzehntes Kapitel

| Ragnar steuerte nun mit seinen Schiffen nach England, wie er sich vorgesetzt hatte; er hatte heftigen Wind, so daß ihm seine beiden Schiffe an der englischen Küste scheiterten. Doch kam sein ganzes Heer ans Land mit allen Kleidern und Waffen; und | alle Dörfer und Städte und Schlösser, die er auf seinem Zuge antraf, nahm er ein.

Der König, der damals über England herrschte, hieß Ella. Er hatte [schon] Ragnar's Abfahrt aus seinem Lande vernommen, und hatte Männer aufgestellt, um es sofort zu erfahren, wenn das Heer landete. Vgl. oben S. 303**. Diese | Männer kamen nun zu König Ella und brachten ihm die Kriegsbotschaft. Da ließ er ein Aufgebot durch sein ganzes Reich ergehn Wie oben S. 273†††. 291*: fast wörtliche Uebereinstimmung., und ließ jeden Mann aufbieten, der einen Schild führen und ein Roß reiten könnte und Muth hätte zu streiten. Vgl. oben S. 291**. 320** und ähnliche Wendungen in der Thidr. s. (f. Germ. 25, 153), z. B. I, 174; II, 221 f. 238. 243. | Und brachte er ein so großes Heer zusammen, daß es erstaunlich war. Da rüsteten sie sich zur Schlacht, Ragnar und König Ella. König Ella sprach sein Heer also an: »Wenn wir in dieser Schlacht siegen und ihr Ragnar's gewahr werdet Eigentlich: »dessen gewahr werdet, daß Ragnar gekommen ist«., so sollt ihr nicht die Waffen gegen ihn kehren, denn er hat solche Söhne daheim Eigentlich »nach«, d. h. »ihn würden solche Söhne überleben«., daß sie nimmer von uns ablassen werden, wenn er fällt.«

Ragnar rüstete sich nun [auch] zur Schlacht; | und ||281) trug er das Hemde, welches Randalin ihm beim Scheiden gegeben hatte, anstatt des Panzers, und hielt den Spieß in der Hand Vgl. oben S. 236, Z. 9 f. die ähnliche Schilderung., mit dem er den Wurm, der um Thora's Saal lag, besiegt hatte, was kein anderer gewagt hatte. Er trug keine anderen Schutzwaffen als den Helm.

Sobald sie [beide Heere] an einander kamen, | begann die Schlacht. Wie oben S. 294†. Ragnar hatte ein viel kleineres Heer. Die Schlacht hatte noch nicht lange gedauert, als schon ein großer Theil von Ragnar's Heer gefallen war. Wohin er aber selbst kam, da war kein Widerstand: er drang den [ganzen] Tag durch die Schaaren hin und zurück, und wo er gegen Schilde, Harnische oder Helme hieb oder stieß, da waren seine Hiebe so gewaltig, daß nichts widerstehn konnte. Vgl. zu dieser Schilderung ähnliche Wendungen oben S. 213. 493. 56, Z. 11 ff. 80*** und †. 275, Z. 10-13. | So viel aber auf ihn gehauen oder geschossen ward, so konnte doch keine Wörtlich: »aber niemals ward so auf ihn gehauen ..., daß eine ...« Waffe ihm Schaden zufügen, und er empfing keine Wunde. Er erschlug eine große Menge von König Ella's Leuten: doch aber endete die Schlacht Eigentlich: »ihr (Ragnar's und Ella's) Kampf«. damit, daß Ragnar's Mannen alle fielen, er selber aber mit Schilden überdrängt D. h. von allen Seiten durch vorgehaltene Schilde eingeschlossen. | und so gefangen ward.

Nun fragte man ihn, wer er wäre; er aber schwieg darauf und antwortete nichts. Da sprach König Ella: »Diesem Manne muß noch härter zugesetzt werden, wenn er uns nicht sagen will, wer er ist »Wer unter dem Anscheine feindlicher Gesinnung nach Namen und Geschlecht gefragt wurde, dem gebot ritterliche Sitte, Antwort zu weigern, damit es nicht aussehe, als wünsche er den Kampf zu vermeiden« (Grimm, HS 363). Mit dieser Sitte, für welche die Thidr. s. viele Beispiele bietet, scheint auch Ragnar's Weigerung, sich zu nennen, zusammenzuhängen, insofern er durch die Nennung sich von Tod und Qualen befreit hätte.; er soll in eine Schlangengrube Eigentlich: »Schlangenhof«. Die Situation Ragnar's ist offenbar der Gunnar's (oben S. 199 f.) nachgebildet (vgl. G. Storm, Ragn. Lodb., S. 78). geworfen werden und recht lange darin verbleiben. Wenn er aber irgend etwas derartiges sagt, daß wir daraus verstehn können, daß er Ragnar ist, so soll er alsbald wieder herausgezogen werden.«

Nun brachte man ihn dorthin, und er saß sehr lange dort, ohne daß die Schlangen sich irgendwo an ihn gehängt hätten. Da sagten die Leute: »Das ist ein gewaltiger Mann: keine Waffen versehrten ihn heute, und jetzo thun ||282 ihm auch die Schlangen keinen Schaden.« Da befahl König Ella, ihm das Gewand abzuziehn, welches er zu oberst trug. Das geschah, und [alsbald] hingen die Schlangen von allen Seiten an ihm. Da sprach Ragnar: »Die Frischlinge D. h. die jungen Schweine (Eber). würden grunzen, wenn sie wüßten, was der Alte leidet.« Diese Worte kehren in Str. 27, 1 f. wieder; vgl. daselbst. Und obschon er also sprach, wußten sie nichtsdestoweniger noch nicht, daß es Ragnar wäre und nicht ein andrer König. Da sprach er die Strophe:

»Ein und fünfzig Schlachten                          26.
Kämpfte ich, die ruhmvoll
Schienen: vielen Männern
Ward mein Schwert zum Schaden. Wörtlich: »fügte ich Schaden zu«.
Wähnte nicht, daß Schlangen
Mich ertödten würden.
Manchen trifft, was er am
Wenigsten erwartet.«

Und weiter sprach er die Strophe:

»Grunzen würden die Jungen,                          27.
Wüßten des alten Ebers D. h. die jungen Helden (meine Söhne) würden Rache schnauben, wenn sie ihres Vaters (meine) Noth wüßten. Auch sonst wird der Held mit einem Eber verglichen: so z. B. oben S. 1594; Thidr. s. II, 314. – Zu den beiden Versen vgl. auch oben S. 311**.
Noth sie: Schlangen mich stechen,
Graben ein die Mäuler,
Zischen laut und haben
Mein Blut ausgesogen.
Bald bin ich des Todes,
Sterb ich unter Nattern.« Wörtlich: »Thieren nahe«. Aber Schlangen heißen sonst wohl nirgends dýr. Vielleicht dýrum von dýrr [näml. manni oder daudha, hætti]: »wie ein Held« oder »ruhmvollen Todes«? Vgl. Rafn, Kämpehistorier ( Ragn. s.), S. 225. ||283)

So ließ er sein Leben »mit großem Heldenmuth« fügt Rsth. hinzu, wie es wörtlich auch S. 200** von Gunnar's Tode heißt (vgl. auch oben S. 278††). und [seine Leiche] ward nun von dort fortgeholt. König Ella aber war überzeugt, daß [es] Ragnar [gewesen, der] sein Leben gelassen habe.

Er überlegte nun bei sich, wie er das ausfindig machen und wie er es anstellen sollte, daß er sein Reich behaupten könnte, und wie er erfahren sollte, welchen Eindruck die Nachricht auf Ragnar's Söhne machte. Er faßte den Plan, ein Schiff ausrüsten zu lassen und den Befehl desselben einem ebenso klugen als tapfern Manne zu übergeben. Er gab soviel Mannschaft dazu, daß es wohl bemannt war, und sagte, er wollte sie zu Ivar und seinen Brüdern senden und ihnen den Tod ihres Vaters kund thun lassen. Diese Fahrt aber schien den Meisten gefährlich, so daß wenige fahren wollten. Da sagte der König: »Ihr sollt genau darauf Acht geben, welchen Eindruck diese Nachricht auf einen jeden der Brüder macht. Fahrt dann eures Weges, wenn ihr günstigen Wind bekommt.« Er ließ ihre Fahrt so zurüsten, daß es ihnen an nichts mangelte D. h. er gab ihnen alles Nöthige zur Fahrt, so daß sie nichts weiter brauchten.; so fuhren sie ab, und ihre Reise ging glücklich von statten.

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