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Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen

Anton Edzardi: Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen - Kapitel 58
Quellenangabe
typelegend
authorUnbekannte Autoren
titleAltdeutsche und Altnordische Helden-Sagen
publisherVerlag von Albert Heitz
printrunZweite Auflage
editorAnton Edzardi
year1880
translatorFriedrich Heinrich von der Hagen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150512
projectid9d926f7d
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Zwölftes Kapitel

Nun beredeten sie unter einander, eine Heerfahrt ins Südreich Das deutsch-römische Reich ist gemeint. zu thun; Sigurd Schlange-im-Auge war aber fortan mit seinen Brüdern auf jeglicher Heerfahrt. Auf diesem Zuge zogen sie vor eine jede Veste, die groß (bedeutend) war, und eroberten sie, so daß nichts widerstand.

Da vernahmen sie von einer großen, volkreichen und festen Stadt, und Ivar erklärte, dorthin wolle er ziehen. Auch ward gesagt, wie diese Veste hieß, und wer darin herrschte: dieser Häuptling hieß Vifil, und nach seinem Namen war die Burg Vifilsburg » Wiflisburg (Avenches) liegt wenig östlich vom Neufchateller See, nicht weit von Murten«, s. G. Storm, Ragnar Lodbrok u. s. w. S. 110 [»Mitth. der Antiq. Gesellschaft zu Zürich, S. 1-24«]. Vgl. Nth. Kap. 8, vorletzter Absatz. benannt. Sie zogen nun so mit dem Heerschilde über [das Land] Vgl. oben S. 273***. 290*., daß sie alle Burgen auf ihrem Wege zerstörten, bis sie nach Vifilsburg kamen. Der Häuptling war gerade nicht daheim in seiner Burg und großes Gefolge mit ihm. D. h. war mit ihm ausgezogen.

Sie schlugen ihre Zelte auf dem Gefilde nahe der Veste auf, verhielten sich jedoch an dem Tage ihrer Ankunft vor der Burg ruhig und begannen Unterhandlungen mit den Burgmännern. Sie boten ihnen die Wahl, ob sie die Veste übergeben wollten: dann sollte allen Männern Friede gewährt werden; oder ob sie ihre Uebermacht und Tapferkeit versuchen wollten: dann aber würde niemandem Pardon gegeben werden.

Jene erklärten kurz und bündig, daß sie diese Veste niemals ||274) so gewinnen könnten, daß sie (die Burgmannen) sie übergäben: »Und werdet ihr euch zuvor versuchen müssen und uns eure Kühnheit und Kampfmuth sehen lassen.«

Nun verging die Nacht, und am folgenden Tage versuchten sie die Veste zu erobern, richteten aber nichts aus. Sie belagerten nun einen halben Monat diese Veste, und versuchten jeden Tag und mit mancherlei Listen sie einzunehmen: aber es glückte um so weniger, je länger sie es versuchten; und sie gedachten nun abzuziehen. Als aber die Burgleute dies merkten, da kamen sie heraus auf die Burgmauern und behängten rings umher die Mauern mit kostbarem Zeuge und all den schönsten Gewanden, so in der Stadt waren, und legten ihnen Gold zur Schau und die kostbarsten Kleinodien, so in der Stadt sich fanden.

Darauf hub einer aus ihrer Schaar zu reden an und sprach: »Wir dachten, daß diese Männer, Ragnar's Söhne, und ihr Volk tapfer wären: aber wir können [wohl] sagen, daß sie nicht mehr ausgerichtet haben als andere Männer.« Sodann erhoben sie ein Kriegsgeschrei gegen sie, schlugen auf die Schilde und forderten sie heraus, so viel sie nur konnten.

Als Ivar dieses hörte, erboste es ihn sehr, und er ward so sehr krank davon, daß er kein Glied Wörtlich: »[sich] nirgends«. rühren konnte; und sie mußten abwarten, bis es entweder mit ihm besser würde, oder er stürbe. Er lag den ganzen Tag bis zum Abend ohne ein Wort zu sprechen. Dann befahl er den Leuten, die um ihn waren, seinen Brüdern Bjorn, Hvitserk und Sigurd zu sagen, er wünschte||275), daß sie sammt allen den weisesten Männern zu ihm kämen.

Als nun alle die vornehmsten Häuptlinge, so im Heere waren, versammelt waren, befragte sie Ivar, ob sie irgend welchen Rath gefunden hätten, der mit größerer Wahrscheinlichkeit zum Siege führen würde, als die früheren [Versuche]. Die aber antworteten alle, sie vermöchten keine solche List zu ersinnen Genauer: »sie hätten nicht (ausreichenden) Verstand dazu, ... zu sehen (finden)«., die zum Siege führte: »es ist jetzt so wie oft, daß uns dein Rath wird zu Hülfe kommen müssen.«

Da erwiderte Ivar: »Mir ist ein Mittel in den Sinn gekommen, welches wir bisher noch nicht versucht haben; unweit von hier steht ein großer Wald, und jetzt, da es Nacht wird, wollen wir heimlich aus unserm Lager nach dem Walde ziehen, unsere Zelte aber sollen stehn bleiben; und wenn wir in den Wald kommen, soll jeder Mann sich ein Holzbündel machen. Wenn dies geschehen ist, wollen wir von allen Seiten an die Veste heranziehen und das Holz anzünden: das wird ein gewaltiger Brand werden, und der Mörtel ihrer Burgmauern wird von diesem Feuer sich lösen Eigentlich: »ihre Burgmauern werden ihren Mörtel verlieren«.: alsdann wollen wir die Wurfmaschinen heranbringen und versuchen, wie fest sie (die Burg) noch ist.«

Dies ward ausgeführt. Sie zogen nach dem Walde und blieben da, so lange es Ivar für gut fand. Dann gingen sie nach seiner Anweisung zu der Veste, und als sie das mächtig aufgehäufte Holz vidhinn inn mikla. anzündeten, entstand ein so gewaltiger Brand, daß die Mauern ihn nicht aushalten konnten, und ihr Mörtel sich löste. Nun brachten die Belagerer die Wurfmaschinen an die Burg und legten mehrere Breschen hinein, und begann dann das Handgemenge. Und weil nun der Kampf gleich war, so Wörtlich: »Und sobald sie gleich im Kampfe standen, da ...« fiel die Schaar der Burgmannen, einige aber entflohen. Der Streit endigte damit, daß sie (die Sieger) jedes ||276) Menschenkind erschlugen, so in der Stadt war, alles Gut [daraus] wegnahmen und die Veste niederbrannten, bevor sie hinwegzogen. Vgl. oben S. 262***.

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