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Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen

Anton Edzardi: Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen - Kapitel 57
Quellenangabe
typelegend
authorUnbekannte Autoren
titleAltdeutsche und Altnordische Helden-Sagen
publisherVerlag von Albert Heitz
printrunZweite Auflage
editorAnton Edzardi
year1880
translatorFriedrich Heinrich von der Hagen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150512
projectid9d926f7d
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Elftes Kapitel

Da geschah es einmal, daß Leute zu König Eystein entkamen und ihm sagten, wie ein großes Heer in sein Reich eingefallen wäre Wie oben S. 273, Z. 12. und so übel darin hauste ok svá íllr vidhskiptis., daß sie nichts verschonten létu eigi (ecki?) ógert. und auf ihrem Wege alles verwüstet hätten, so daß kein Haus mehr stände.

| Als König Eystein diese Kunde hörte, vermuthete er wohl, wer diese Vikinge wären: er ließ alsbald mit dem Heerpfeil ein Aufgebot durch sein ganzes Reich ergehn Wie oben S. 273†††, unten S. 308**. und berief alle seine Mannen, welche ihm Beistand leisten wollten, und die [nur irgend] einen Schild tragen könnten. Vgl. S. 308***. Aehnliche Wendungen finden sich häufig in Thidr. s., vgl. Germ. 25, 153. »Wir wollen [sprach er] die Kuh Sibilja, unsere Gottheit, mit uns nehmen, und sie dem Heere voranspringen lassen; so meine ich, wird es wieder ergehn wie zuvor, daß jene vor ihrem Gebrülle nicht Stand halten. Ich will alle meine Leute dazu ermahnen, daß sie sich aufs beste bewähren, und [so] wollen wir dies große und verderbliche Heer von uns vertreiben.«

So geschah es: Sibilja wurde losgelassen. Ivar sah sie laufen und hörte das grimmige Gebrüll, das sie ||271) ausstieß; er rief, daß das ganze Heer lauten Lärm mit Waffen und Kriegsgeschrei erheben sollte, damit sie so wenig als möglich ihr, des auf sie losstürzenden Unthiers, Gebrüll hörten. [Zugleich] sagte Ivar zu seinen Trägern, daß sie ihn [der Kuh] entgegen tragen sollten, so weit sie vermöchten: »und wenn die Kuh zu uns herankommt, so werft mich auf sie; so wird eins von beiden geschehn: entweder ich verliere das Leben, oder sie muß sterben. Ihr sollt nun einen starken Baum nehmen und zu einem Bogen zurechtschneiden und zugleich zu Geschossen.« Und es ward ihm der starke Bogen und die mächtigen Geschosse gebracht Vgl. oben S. 261**., die er hatte machen lassen, und die keinem andern als Waffe handrecht schienen. Vgl. oben S. 239***. Hierauf ermunterte Ivar männiglich sich aufs beste zu bewähren.

Nun zog ihr Heer mit großer Kampfwuth und Lärm [vorwärts], Ivar aber ward ihren Schaaren vorangetragen. Als [aber] Sibilja anhub zu brüllen, ward ein so großes Getöse, daß sie es eben so laut hörten, als wenn sie [selber] geschwiegen oder stillgestanden hätten. Und das hatte eine solche Wirkung auf sie, daß das ganze Heer sich unter einander schlagen wollte, ausgenommen die Brüder. Vgl. oben S. 264**. 275**. Als dies Unerhörte geschah, sahen diejenigen, die Ivar trugen, daß er seinen Bogen so leicht spannte, als wenn es ein geschmeidiger Ulmenzweig Woraus die Bogen gemacht zu werden pflegten; daher almr = »Ulme« und = »Bogen«. wäre, und so schien es ihnen, als zöge er seine Pfeile über die Spitze hinaus D. h. so weit zurück, daß selbst die Pfeilspitze hinter dem Bogen (d. h. innerhalb desselben) sich befand. [zurück]: dann hörten sie die Sehne so laut erklingen, wie sie nimmer zuvor gehört hatten, und sahen nun seine Pfeile so schnell dahin fliegen, als wenn er mit der stärksten Armbrust geschossen hätte; und die Pfeile trafen so gut ok svá gegnt., daß jeder der Kuh Sibilja in ein Auge fuhr. Da kam sie zu Fall ||272). Darnach aber stürzte sie mit vorübergebeugtem Kopfe einher ferr hun höfudhsteypu kann hier schwerlich anders verstanden werden, da die Kuh nachher wirklich auf Ivar zuläuft, also wieder aufgestanden sein muß., und brüllte nun noch viel fürchterlicher als zuvor. Und als sie zu ihnen herankam, gebot Ivar ihn auf sie zu werfen. Da ward er ihnen so leicht, als ob sie ein kleines Kind würfen. (Sie waren nämlich der Kuh nicht ganz nahe, als sie ihn warfen.) Er fiel der Kuh auf den Rücken, und ward da so schwer, als ob ein Berg auf sie niederfiele: ihr brachen alle Knochen, und hatte sie den Tod davon. Nun gebot er den Leuten, ihn schleunigst wieder aufzuheben; er ward aufgehoben, und erscholl nun seine Stimme so durchdringend, daß es allen Heermannen war, da er sprach, als wäre er ihnen ganz nahe, wenn sie auch weit entfernt waren, und alle schwiegen sogleich auf seinen Ruf Wörtlich: »das beste Stillschweigen ward seinem Anliegen gewährt«., und so endete er seine Rede D. h. und das war der Erfolg seiner Rede., daß die ganze Feindseligkeit Daß sie nämlich in Folge des Gebrülles der Kuh die Waffen gegeneinander gekehrt hatten. von ihnen genommen ward, welche über sie gekommen war, und sie keinen Schaden nahmen, denn ihr Heer hatte sich [erst] kurze Zeit geschlagen. Nun ermahnte sie Ivar, daß sie jenen (den Feinden) so übel wie möglich mitspielen sollten: »und scheint mir nun der wüthendste [Gegner] aus dem Wege geräumt, indem die Kuh getödtet ist.«

Auf beiden Seiten hatte man nun die Heere geschaart, | und mit ihrem Zusammenstoß begann die Schlacht sigr saman orrostan.; und war der Kampf so hart, daß die Schweden alle gestanden, sie wären nimmer in so hartem Kampfe gewesen. Die Brüder Hvitserk und Bjorn drangen so gewaltig vor, daß keine Schaar vor ihnen Stand halten konnte. Es fielen so viele von König Eystein's Heere, daß nur der kleinere Theil noch aufrecht stand; einige aber wandten sich zur Flucht. Die Schlacht endete damit, daß König Eystein fiel, die Brüder aber den Sieg gewannen; und sie gewährten denen, die übrig geblieben waren, Schonung. ||273)

Da sagte Ivar, er wollte nicht fürder in diesem Lande Krieg führen, weil dasselbe jetzt ohne Oberhaupt sei: »ich will lieber, daß wir dorthin ziehen, wo mehr Uebermacht uns entgegensteht.« Randalin aber zog mit einem Theile des Heeres heim.

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