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Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen

Anton Edzardi: Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen - Kapitel 51
Quellenangabe
typelegend
authorUnbekannte Autoren
titleAltdeutsche und Altnordische Helden-Sagen
publisherVerlag von Albert Heitz
printrunZweite Auflage
editorAnton Edzardi
year1880
translatorFriedrich Heinrich von der Hagen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150512
projectid9d926f7d
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Fünftes Kapitel

Als Kraka nun gerüstet war, ging sie ihres Weges, bis daß sie zu den Schiffen kam; und war sie schön anzusehn, denn ihr Haar glänzte, als ob man auf Gold sähe. Da rief Ragnar sie an und fragte, wer sie wäre und zu wem sie wollte. Sie antwortete und sprach die Strophe:

»Dein Gebot und Auftrag                          2.
Wag' ich nicht zu brechen,
Da du, Ragnar, zu dir ||247)
Her mich kommen hießest.
[Sieh,] es folgt kein Mensch mir,
Bloß ist meine Haut nicht,
Gut bin ich begleitet,
Komme [doch] alleine.« Wenn die zweite Halbstrophe richtig überliefert ist, fällt es auf, daß die zweite Bedingung gar nicht, die dritte aber in drei Versen erwähnt wird. Doch ist wohl zu beachten, daß auch Ragn. t. 76-80 nur die beiden hier erwähnten Bedingungen kennt.

Da sandte Ragnar ihr Männer entgegen und ließ sie auf sein Schiff holen. Sie aber weigerte sich zu kommen, es sei denn, daß ihr und ihrem Gefährten sicheres Geleite gegeben Eigentlich: »Sicherheit gewährt«. würde. Da ward sie auf des Königs Schiff geführt; und als sie in den Vorraum S. oben S. 61**. kam, streckte er ihr die Hand entgegen, aber der Hund biß ihn in die Hand. Seine Mannen sprangen hinzu und schlugen den Hund und warfen ihm einen Bogenstrang um den Hals, und hatte er davon den Tod: besser ward ihr das sichere Geleit nicht gehalten als so. Hierauf setzte leggr (»legte«) der Hdschr. kann nicht richtig sein, wie der Zusammenhang zeigt; vgl. auch oben S. 2111-3. Ragnar sie auf dem Hinterdeck neben sich und | sprach mit ihr; sie behagte ihm wohl, und er war zärtlich gegen sie Die ganze Situation ist ähnlich wie S. 2111–3. und sprach die Strophe:

»Wol du würdest, gälte                          3.
Dir der Landeshüter D. h. der Fürst, ich. Die Uebersetzung der Halbstrophe ist unsicher.
Als ein hehrer König (?),
Sicher mich umarmen.«

[Sie sprach:]

»Unbefleckt sollst, Fürst, du,
Willst dein Wort du halten,
Mich von hinnen lassen,
Die ich dich besuchte.« Wörtlich: »Heim den Fürsten sucht' ich«; oder »einen Fürsten« (der sein Wort nicht brechen darf)?

Darauf sagte er, daß sie ihm wohl gefiele, und es sei seine feste Absicht, daß sie mit ihm fahren sollte. Da ||248) erklärte sie, das ginge nicht an. Er äußerte nun den Wunsch, daß sie die Nacht dort auf dem Schiffe bliebe. Sie [aber] sagte, das sollte nicht geschehen, bevor er heimgekehrt wäre von der Fahrt, die er sich vorgenommen hätte: »und vielleicht seid ihr dann anderes Sinnes«.

| Da rief Ragnar seinen Kämmerer und gebot ihm, das Hemd serkr (s. Weinhold, Altn. L. 173). – Den Grund, weshalb Ragnar ihr sogleich dies Kleid anbietet, hat noch der Ragnars t. Str. 63 erhalten, wo Thora sterbend Ragnar empfiehlt, um die Jungfrau zu werben, der ihre (Thora's) Kleider passen würden., welches Thora getragen hatte und welches ganz goldbesäumt war, zu nehmen und ihm zu bringen. Dann bot Ragnar es Kraka dar mit folgenden Worten Wörtlich: »in dieser Weise«.:

»Willst dies Hemd du nehmen                          4.
[Reich] verziert mit Silber –
Thora Hjort besaß es Eigentlich: »welches Thora besaß«.
Gar wohl paßt Vgl. S. 252**; oder ist »ziemt« zu übersetzen, wie gleich unten Strophe 5, 4? In beiden Fällen ist sama gebraucht. das Kleid dir.
Ihre weißen Hände
Dies Gewand berührten;
Mir, der ich sie liebte Wörtlich: »dem liebevollen Männerfürsten«.,
War lieb sie bis zum Tode.«

Kraka sprach dagegen:

»Darf dies Hemd nicht nehmen                          5.
Reich geziert mit Silber –
Thora Hjort besaß es –
Mir ziemt schlechte Kleidung.
Davon heiß' ich Kraka,
In kohlschwarzen Kleidern Kraka bedeutet »Krähe«, s. oben S. 229††.,
Daß Geröll durchschreitend
Am Strand ich Ziegen hüte.« Wörtlich: »über Geröll hingeschritten bin und Ziegen an der See hin getrieben habe«.

Ich will fürwahr das Hemd nicht annehmen (sagte sie): nicht will ich Putz anlegen, so lange ich bei dem Alten bin. Kann sein, daß ich euch besser gefalle, wenn ich mich besser kleide. ||249) Und will ich jetzt heim fahren. Dann Nämlich: wenn du wiederkehrst. aber magst du Männer nach mir schicken, wenn du alsdann noch desselben Sinnes bist und [noch] willst, daß ich mit dir fahre.« Ragnar sagte, daß sein Sinn sich nicht ändern würde. Sie ging heim; jene aber machten, sobald der Wind günstig war, ihre Fahrt, wie es ihre Absicht gewesen war, und Ragnar vollführte sein Vorhaben, wie er sich vorgesetzt hatte. Und auf der Rückkehr legte er in demselben Hafen an, wo er zuvor [gelegen] hatte, als Kraka zu ihm kam. Und [noch] denselben Abend sandte er Männer zu ihr, um ihr des Königs Botschaft zu entbieten, daß sie nun ernstlich D. h. ohne wieder zurückzukehren, wie das erste Mal. mitkommen sollte. Sie aber erklärte, sie werde nicht eher gehn als am Morgen.

Kraka stand früh auf, trat ans Bette der beiden Alten und fragte, ob sie wachten. Sie bejahten es und fragten, was sie wollte. Sie aber sagte, sie wolle nun von hinnen und nicht länger dort bleiben: »Aber ich weiß, daß ihr Heimi, meinen Pflegevater, erschlagen habt, und niemand hat von mir bösern Lohn verdient Aehnliche Wendungen oben S. 143, Z. 7. als ihr; jedoch will ich euch kein Leid anthun lassen, weil ich lange bei euch gewesen bin. Aber den Fluch will ich euch nun zurücklassen Wörtlich: »Aber das will ich nun erklären«., daß ein Tag, so über euch kommt, euch immer noch schlimmer sei, als der andere, und am schlimmsten der letzte. Und nunmehr wollen wir scheiden.«

Damit ging sie ihres Weges zu den Schiffen und ward dort wohl aufgenommen. Sie hatten günstigen Wind. Diesen selben Abend, als es Zeit war die Betten herzurichten, sagte Ragnar, er wolle, daß er und Kraka bei einander ruhten. Sie antwortete, das könne nicht ||250) geschehen: »sondern ich will, daß du erst Hochzeit mit mir hältst Eigentlich: »trinkst«, s. oben S. 126***, 176*., wenn du in dein Reich kömmst; das dünkt mich meine Würde wie auch deine [zu erheischen], und die unserer Erben, wenn wir welche haben.«

Er gewährte ihr diese Bitte, und ihre Fahrt ging glücklich von statten. Da kam Ragnar heim in sein Land, und ward ihm ein prächtiges Fest bereitet Wie oben S. 81, Z. 15-18.; da ward zugleich sein Willkommenstrunk = unten S. 266*. Ueber diese Sitte s. Weinhold, Altn. Leb. 445 (vgl. Akv. 34 u. s. w.). und seine Hochzeit gefeiert. Und am ersten Abend, als sie das Lager theilten, wollte er seiner Frau ehelich beiwohnen, sie aber suchte es bittend abzuwehren Eigentlich: »bat sich davon frei«.; denn, sagte sie, es würde schlimme Folgen haben bera nökkut á baki, genauer »etwas (schlimmes) nach sich ziehen«., wenn sie nicht ihren Willen hätte. Ragnar erwiderte, er möge nicht daran glauben; auch wäre der Alte und sein Weib Hatten also diese die Warnung oder den Fluch (vgl. S. 255**) ausgesprochen? Gestsr. Str. 15 f. berichtet es so. nicht der Zukunft kundig gewesen; er fragte, wie lange es denn so währen sollte. Da sprach sie:

»Dreimal nach der Hochzeit                          6.
Soll die Nacht im Saal' uns
Keusch beisammen finden So gebe ich den wahrscheinlichen Sinn wieder. Die Lesung der Hdschr. scheint verderbt. Die neugefundene Hdschr. liest nach Prof. Bugge's gütiger Mittheilung Vers 1: nætr] mætr; hressvar] haus(u)ar; vielleicht hýjar, s. C.-V. 304b. Auf eine ähnliche Forderung dreier keuscher Nächte weist Skírn. 42, 3. S. d. Nachtr.,
Eh wir den Göttern opfern. »Die [Ehe-]Gottheiten verehren«, muß (im Gegensatz zu Vers 1-3) das wirkliche Eingehn der Ehe bezeichnen.
Dauernd wird Gebrechen
Meinen Sohn dann treffen:
Vorschnell willst du zeugen
Den, der kein Gebein hat.«

Aber obwohl sie dies sprach, so achtete doch Ragnar nicht darauf, sondern vollbrachte seinen Willen.

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