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Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen

Anton Edzardi: Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen - Kapitel 50
Quellenangabe
typelegend
authorUnbekannte Autoren
titleAltdeutsche und Altnordische Helden-Sagen
publisherVerlag von Albert Heitz
printrunZweite Auflage
editorAnton Edzardi
year1880
translatorFriedrich Heinrich von der Hagen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150512
projectid9d926f7d
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Viertes Kapitel

Hier schließt sich die Geschichte an das Ende des »Uebergangskapitels«. Außer dem Ragnars táttur 72 ff. und Gestsríma 17 ff. behandeln auch zwei altdänische Volkslieder ( DGF. I, Nr. 22 und 23) den Inhalt dieses Kapitels, ersteres in entstellterer Form, aber theilweise mit genauerer Bewahrung der Namen (Regnfred, Sigurd als Vater der Kraka). Jedenfalls setzen diese Lieder schon die Verbindung der eigentlichen Aslaugsage (s. S. 248**) mit der Sigurdssage voraus.

Da geschah es eines Sommers, daß er mit seinen Schiffen gen Norwegen fuhr; denn er hatte da viele Verwandte und Freunde und wollte die besuchen. Er kam mit seinen Schiffen am Abend in einen kleinen Hafen; nicht weit davon aber war ein Gehöft, das Spangareid S. oben S. 223* und unten S. 248**. hieß; und sie lagen in dem Hafen die Nacht.

Als aber der Morgen kam, mußten die Küchenknechte ans Land gehn, Brot zu backen. Da sahen sie, daß ein Gehöft nicht weit von ihnen stand, und dünkte es sie bequemer, zum Hause zu gehn und dort [ihrer Arbeit] obzuliegen. Und als sie zu diesem kleinen Gehöfte kamen, da trafen sie einen Menschen, den sie anreden konnten Wörtlich: »zum Gespräche«., und war das ein altes Weib; und sie fragten, ob sie die Hausfrau wäre, und wie sie hieße. Sie sagte, sie wäre die Hausfrau: »und mein Name ist ungewöhnlich, ich heiße Grima: aber wer seid ihr?« Sie sagten, sie wären Dienstleute Ragnar Lodbrok's, und wollten ihre Arbeit verrichten, »und wir wollen, daß du uns dabei helfest.« Die Alte antwortete, ihre Hände wären sehr steif: »doch war einmal die Zeit, da ich wohl Arbeit zu verrichten wußte Die Ueberlieferung scheint hier in etwas verderbt zu sein.; übrigens habe ich eine Tochter, die euch dabei behülflich sein kann, und sie muß bald heim kommen. Sie heißt Kraka, und es ist nun dahin gediehen, daß ich sie kaum in Gehorsam halten kann.«

Kraka war am Morgen zum Viehhüten Eigentlich: »zum Vieh«. gegangen und sah, daß ||244) viele und große Schiffe ans Land gekommen waren; da begann sie sich zu waschen: die Alte aber hatte ihr das verboten, denn sie wollte nicht, daß man ihre Schönheit sähe; denn sie war die schönste unter allen Frauen, und ihr Haar war so lang, daß es rings um sie die Erde berührte, und so schön wie die schönste Seide.

Nunmehr kam Kraka heim. Die Küchenknechte hatten Feuer gemacht; und Kraka erblickte da Menschen, welche sie nie zuvor gesehen hatte. Sie betrachtete dieselben, und ebenso jene sie, und fragten dann Grima: »Ist diese deine Tochter, die schöne Maid?« »Das ist ungelogen,« antwortete Grima, »daß sie meine Tochter ist.« »Gar ungleich seid ihr einander Wörtlich: »konntet ihr werden«, mit dem Ausdrucke der Verwunderung, also: »da konntet ihr ja [wunderbarerweise] einander (d. h. sie dir) sehr ungleich werden«. (sagten jene), so häßlich wie du bist; wir haben niemals eine gleich schöne Maid gesehen, und in nichts erkennen wir dein Ebenbild in ihr; denn du bist das größte Scheusal.« Grima antwortete: »Man kann es mir [freilich] nicht mehr ansehen: mein Aussehen hat sich nun verändert gegen früher.«

Hierauf sprachen sie davon, daß sie (Kraka) ihnen helfen sollte. Sie fragte: »Welche Arbeit soll ich thun?« Jene sagten, sie wollten, daß sie Brot formen D. h. den Teig zu Broten formen. sollte, sie aber würden es dann backen. Da machte sie sich an ihre Arbeit, und es ging ihr wohl von der Hand; jene aber sahen sie unablässig an, so daß sie nicht auf ihre Arbeit Acht gaben, und verbrannten das Brot.

Nachdem sie ihr Werk vollendet hatten, begaben sie sich zu den Schiffen. Als sie aber ihre Speise (die Brote) hervorholen mußten, da sagten Alle, daß sie nie so ||245) schlecht gebacken hätten und Züchtigung dafür verdienten. Da fragte Ragnar, wie es käme, daß sie das Brot so schlecht gebacken hätten. Wörtlich: »weshalb sie so die Speise bereitet hätten«. Sie erklärten, sie hätten eine so schöne Frau gesehen, daß sie nicht ihres Geschäftes wahrgenommen hätten, und meinten, daß es keine schönere auf der Welt gäbe. Und als sie so viel von ihrer Schönheit machten, sagte Ragnar, er wisse, daß sie nicht so schön sein werde, wie Thora gewesen sei. Jene [aber] erklärten sie für nicht minder schön. Da sprach Ragnar: »So will ich Männer hin senden, die es genau beurtheilen können Eigentlich: »genau zu sehen verstehn«.: wenn es sich so verhält, wie ihr sagt, so soll euch die Unachtsamkeit vergeben sein; wenn die Frau aber irgendworin unschöner ist, als ihr von ihr sagt, so werdet ihr euch schwere Strafe zuziehen.«

Alsbald sandte er seiner Mannen etliche aus nach dieser schönen Maid: jedoch wehte der Wind so stark entgegen Eigentlich: »es war so starker, widriger Wind«., daß sie an diesem Tage nicht fahren konnten. | Da sprach Ragnar zu seinen Sendboten: »Wenn diese junge Maid euch so schön erscheint, wie mir gesagt ist, so heißt sie zu mir kommen; und will ich sie [dann] sehen Genauer: »sie treffen«, »mit ihr zusammenkommen«., will, daß sie mein sei. Ich will aber, daß sie weder bekleidet noch unbekleidet komme, weder gespeist noch nüchtern; sie komme auch nicht allein, und doch soll auch kein Mensch sie begleitenDiese schwierigen Aufgaben und ihre Lösung beruhen auf alter Sage, wie sie denn in unsern Märchen »Die kluge Bauerntochter« (Grimm, Nr. 94) z. Th. wörtlich wiederkehren. Der Grundstoff der Aslaugsage ist demnach ein gemeingermanischer Sagenstoff, der sich unter Anderm zu Spangereid in Norwegen lokalisirt hat und als dortige Lokalsage genügend bezeugt ist. Dort knüpfte sie sich an die Ragnarssaga, worauf Aslaug-Kraka zur Tochter Sigurd's ward (s. Beitr. 3, 205 f.).

Darauf fuhren sie, bis daß sie zu dem Hause kamen; sie betrachteten Kraka aufmerksam, und däuchte ihnen dieses Weib so schön, daß sie keine andere gleich schön wähnten. Sie verkündigten nun Ragnar's, ihres Herrn, Botschaft und desgleichen, wie sie ausgerüstet sein sollte.

Kraka sann dem nach, was der König gesagt hatte, und wie sie sich ausrüsten sollte. Aber Grima meinte, daß solches unmöglich wäre, und sagte, sie sähe wohl, daß der König ||246) nicht bei Sinnen wäre. Kraka sprach: »Deshalb wird er so gesagt haben, weil es möglich sein wird D. h. er würde es nicht gesagt haben, wenn es nicht möglich wäre., wenn wir es [nur] so verstehn, wie er es meint. Aber keinesfalls kann ich heute mit euch ziehen Weil dann die dritte Bedingung nicht erfüllt wäre., sondern ich werde morgen früh zu euern Schiffen kommen.« Hierauf machten sie sich [wieder] auf den Weg, und sagten Ragnar, wie es sich verhielte, und daß sie zu ihnen kommen werde.

Sie blieb nun die Nacht daheim. Aber am Morgen früh sagte sie zu dem Alten, daß sie nun zu Ragnar gehn wolle: »jedoch werde ich meinen Anzug etwas verändern müssen: du hast ein Fischnetz Genauer: »Lachsforellennetz«., das will ich mir umwinden, darüber laß' ich mein Haar fallen, so bin ich dann nirgends bloß. Dann will ich einen Lauch kosten: das ist so gut wie keine Eigentlich: »eine kleine, unbedeutende«. Speise, gleichwohl kann man merken An dem Geruche? (Oder ist die Meinung: »kann es bedeuten, daß ich gegessen habe?«), daß ich [ihn] gekostet habe. Endlich soll dein Hund mir folgen, so gehe ich nicht allein, dennoch begleitet mich kein Mensch.« Als die Alte ihr Vorhaben hörte, däuchte ihr, daß sie große Anstalten mache.

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