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Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen

Anton Edzardi: Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen - Kapitel 47
Quellenangabe
typelegend
authorUnbekannte Autoren
titleAltdeutsche und Altnordische Helden-Sagen
publisherVerlag von Albert Heitz
printrunZweite Auflage
editorAnton Edzardi
year1880
translatorFriedrich Heinrich von der Hagen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150512
projectid9d926f7d
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Erstes Kapitel

Der Inhalt der ersten beiden Kapitel ist, verkürzt und entstellt; aber in den Hauptzügen noch kenntlich, in einem altdänischen Volksliede ( DGF. I, Nr. 24) behandelt. Viel genauer mit unserer Saga übereinstimmend ist die Darstellung in dem färöischen Ragnars táttur, Str. 2-15.

Herraud hieß ein mächtiger und berühmter Jarl in Gautland S. oben S. 13*.; er war vermählt und hatte eine Tochter Namens Thora, von Aussehen die allerschönste Jungfrau und gar fein in allen Dingen, womit man sich befassen er til handa má bera (er til má henda, Thidr. s.) kann hier schwerlich die gewöhnliche Bedeutung von bera til handa haben, sondern es werden Handarbeiten gemeint sein; vgl. oben S. 1734-5. kann, und was besser ist zu haben, als zu entbehren. Wörtlich = Thidr. s. I, S. 4 (vgl. das. Kap. 52: I, 180 f.) am Anfange, dem überhaupt der ganze Satz nachgebildet scheint. – Vgl. auch unten S. 263*. Das war ihr Beiname, daß sie Borgarhjort D. h. »Hirsch der Burg«. genannt ward, weil sie an Schönheit ebenso alle Frauen übertraf, wie der Hirsch die anderen Thiere. Vgl. oben S. 1673. 2084. Der Jarl liebte seine Tochter sehr = Thidr. s. I, 4 (Z. 3).: er ließ ihr ein Gemach bauen, nicht fern von der Königshalle, und dies Gemach war von einem Zaune umgeben. Dies umzäunte Gemach entspricht dem unnahbaren Thurm, aus dem in der Hilden- und Hugdietrichssage der alte König seine Tochter eingeschlossen hält, um sie vor Freiern zu hüten. Jedenfalls meinte es die Sage auch hier so, wenn es auch nicht ausdrücklich gesagt ist. In der nächstverwandten Sage von Alf und Alvilda (Saxo, S. 335) tritt das noch deutlich hervor [s. d. Nachträge]. Der Jarl machte es sich zur Gewohnheit, seiner Tochter jeden Tag etwas zur Unterhaltung zu senden, und er gelobte solches fortwährend zu thun. Es wird nun davon berichtet, daß | er ihr eines Tages einen kleinen Lindwurm bringen ließ, der ausnehmend schön war. Dieser Wurm orm-r, wörtlich unser »Wurm«, ist übrigens im Nordischen die allgemeine Bezeichnung für »Schlange«. gefiel ihr; sie setzte ihn deshalb in ihre Truhe Wie in einer solchen Frigg die von ihr zu verleihenden Gaben aufbewahren läßt. und legte Gold unter ihn. Horthütende Drachen begegnen sehr häufig in unseren Sagen (Simrock, Myth. §. 106, 3); wir sahen oben S. 733 auch Fafni auf dem Golde liegen. S. d. Nachtr. Nicht lange war er darin, | da wuchs er mächtig, und ebenso das Gold unter ihm; [und] es kam nun dahin, daß er [schon] nicht mehr Raum in der Truhe hatte: da lag er rund herum um die Truhe. Und zuletzt kam es soweit, daß ||238) er nicht mehr Platz im Gemache hatte, und wuchs das Gold unter ihm in demselben Maße wie der Wurm selbst. Da lag er draußen um das Gemach herum, so daß Kopf und Schwanz sich berührten. Und es war gefährlich, ihm zu nahen Eigentlich: »er ward böse im Verkehr«, »es ward schlecht mit ihm verkehren«. So wachsen auch im Ortnit (Str. 513 ff.) die jungen Drachen schnell zu gefährlichen Ungethümen heran, die ebenfalls der Vater der Tochter, bezw. dem Tochtermann schenkt, welch letzterer ebenfalls mit ihnen kämpfen muß.: niemand wagte, vor diesem Wurme zum Gemache zu kommen Hier haben wir also jene andere Sagengestalt, in der die Jungfrau von einem Drachen gefangen gehalten wird, mit der S. 232††† besprochenen verschmolzen. Eine entsprechende Verschmelzung zeigte wohl auch die älteste Hartungensage, indem Ortnit's Schwiegervater, der über Würmer verfügt, ursprünglich seine Tochter vielleicht durch einen solchen bewachen ließ. In der Sage von Alf (s. oben S. 232†††) sendet der Vater der eingeschlossenen Tochter Schlangen, damit diese die Liebhaber abhalten sollen. außer dem Einen, der ihm zu fressen brachte; er bedurfte aber eines [ganzen] Ochsen zur Mahlzeit.

Der Jarl fand darin großen Schaden, und that ein Gelübde, er wolle dem Manne, wer er auch immer sei, seine Tochter geben, der den Wurm todt schlüge; und das Gold, so unter ihm läge, sollte ihre Mitgift sein. Diese Kunde vernahm man weit durch die Lande, dennoch erkühnte sich keiner, den großen Wurm zu bezwingen.

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