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Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen

Anton Edzardi: Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen - Kapitel 43
Quellenangabe
typelegend
authorUnbekannte Autoren
titleAltdeutsche und Altnordische Helden-Sagen
publisherVerlag von Albert Heitz
printrunZweite Auflage
editorAnton Edzardi
year1880
translatorFriedrich Heinrich von der Hagen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150512
projectid9d926f7d
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Vierzigstes Kapitel

Ueberschrift: »Svanhild wird vermählt und unter Roßhufen zu Tode getreten«.

Jormunrek Der Gotenkönig Ermanrich der deutschen Sage. war ein König geheißen, der war gewaltig in jener Zeit; sein Sohn hieß Randve. Der König rief seinen Sohn zu einer Unterredung und sprach: »Du sollst mir eine Gesandtschaft zu König Jonakr ausrichten und [mit dir] mein Rathgeber, der Bicke heißt: dort wird Svanhild aufgezogen, die Tochter Sigurd's des Fafnistödters, welche ich die schönste Maid weiß unter dieser Sonne Wörtlich: »unter der Weltsonne«, unter der Sonne, welche die Erde bescheint.: sie wollte ich am liebsten haben, und um sie sollst du für mich werben.« Der sprach: »Schuldigkeit ist es, Herr, daß ich euch die Gesandtschaft ausrichte.« Da ließ er (der König) ihre Fahrt stattlich zurüsten.

Sie fuhren sodann, bis | sie zu König Jonakr kamen, und sahen Svanhild, und däuchte ihnen ihre Schönheit groß. Genauer: »hoch zu schätzen«. Randve verlangte den König zu sprechen und sagte: »König Jormunrek will euch nun seine Schwägerschaft anbieten: | er hat von Svanhild vernommen und will sie sich zur Frau erkiesen; und ist es unwahrscheinlich, daß sie einem mächtigeren Manne vermählt werden könnte, als er ist.« Der König sagte, daß das eine würdige Heirath wäre, »und ist er gar berühmt«. Gudrun sprach: »Unzuverlässig ist es, dem Glücke zu trauen Genauer sollte es heißen: »Unzuverlässig, unbeständig (eigentlich »rollend«, wie ja das Glück auf einem Rade oder einer Kugel stehend gedacht wird) ist das Glück, ihm zu trauen«; vgl. Fms. 1, 104., daß es nicht an ihm gebreche.« Aber durch des Königs Zureden und alles das, was [Günstiges] dabei war Wörtlich: »Was [Günstiges, Verlockendes] daran lag«, nämlich daß die Partie so sehr gut schien., [kam es, daß] | dies (diese Heirath) da beschlossen ward; und begab Svanhild sich da zum Schiffe mit ansehnlichem Gefolge und saß auf dem Hinterdeck Vgl. oben S. 61**; unten Ragnarss. Kap. 5. bei des Königs Sohne. | Da sprach Bicke zu Randve: »Recht wäre es, daß ihr so schöne Frau hättet, und nicht ein so alter Mann.« Dem gefiel das wohl im Herzen: und er sprach zu ihr mit Freundlichkeit, und jedes zum andern. Sie kamen heim ins Land | und begaben sich zum Könige.

| Bicke sprach: »Es ziemt [dir], Herr, zu wissen, was im Schwange ist, wenn es auch schwer ist, es zu offenbaren; das aber gilt von dem Verrathe, daß dein Sohn Svanhild's volle Liebe genossen hat, ||184) und sie ist seine Geliebte: laß solches nicht ungestraft.« Die ursprünglichere Bedeutung von úhegnt ist »ungehindert«, aus der sich die obige erst herleitet. Manchen falschen Rath hatte er zuvor gegeben Wie das in Thidr. s. Kap. 249 ff. erzählt ist., wenn auch dies der schlimmste war Wörtlich: »den Vorrang behauptete«. Nach dieser Parallelstelle wird man doch oben S. 55* meine Uebersetzung und Erklärung aufgeben und dagegen dort übersetzen müssen: »wenn es auch diesmal das schlimmste gewesen, am schlimmsten ergangen war« (mit ihrem Unterliegen), nämlich bei der Bevorzugung Sigmund's vor Lynge durch Hjordis., unter seinen argen Rathschlägen. Der König folgte seinen vielen bösen Rathschlägen. | Er sprach – und konnte sich vor Zorn nicht mäßigen –, daß man Randve ergreifen und an den Galgen knüpfen sollte. Und als der zum Galgen geführt war, da nahm er einen Habicht, und rupfte ihm alle Federn ab und sagte, daß man denselben seinem Vater zeigen sollte. Und als der König [ihn] sah, sprach er: »Da kann man nun sehen, daß ich ihm so aller Ehren bar Genauer: »Des Ansehens beraubt«, weil kinderlos. scheine, wie der Habicht der Federn,« und gebot ihn vom Galgen herabzunehmen. Bicke [aber] hatte unterdessen Arglist dabei gebraucht und er war [schon] todt.

Fürder sprach Bicke: »Auf niemand hast du böser zu sein als auf Svanhild: laß sie sterben mit Schmach.« Der König antwortete: »Den Rath will ich annehmen.« Darnach ward sie gebunden im Burgthore, und Rosse auf sie zugetrieben; aber als sie die Augen aufschlug, da wagten die Rosse nicht sie zu treten. Wegen ihrer durchdringenden Augen, s. oben S. 208***; vgl. auch S. 1573, wo Aehnliches bei Sigurd's Tode berichtet wird. Und als Bicke das sah, sagte er, daß man ihr einen Sack über den Kopf ziehen sollte. So geschah es, und da ließ sie ihr Leben.

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