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Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen

Anton Edzardi: Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen - Kapitel 4
Quellenangabe
typelegend
authorUnbekannte Autoren
titleAltdeutsche und Altnordische Helden-Sagen
publisherVerlag von Albert Heitz
printrunZweite Auflage
editorAnton Edzardi
year1880
translatorFriedrich Heinrich von der Hagen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150512
projectid9d926f7d
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Die Saga von den Volsungen und von Ragnar Lodbrok.

Volsunga-Saga.

Die Ueberschrift findet sich nicht in der Handschrift. Die dort einst vorhandene Ueberschrift ist gänzlich verwischt, begann aber nach Bugge wahrscheinlich mit G.

Erstes Kapitel

Denselben Gegenstand behandeln die Volsungs-rímur Str. 51-100 theilweise ausführlicher, s. d. Einl.

Hier wird angehoben und gesagt von dem Manne, der Sige genannt war, daß er Odin's Sohn hieß. Ein anderer Mann wird in Eigentlich: »in Bezug auf ...« der Saga genannt, der Skade hieß; er war ein mächtiger und vornehmer Mann. Dennoch war Sige von ihnen der mächtigere und vornehmere nach der Rede der Leute in jener Zeit. | Skade hatte einen Knecht, dessen in der Saga kurz zu erwähnen ist; der hieß Brede. Er zeigte sich verständig in dem was er zu verrichten hatte. Er besaß Fertigkeiten und Geschicklichkeiten gleich solchen, die vornehmer erschienen, ja wohl noch etwas mehr als manche.

Es ist nun zu berichten, daß | Sige einmal auf die Thierjagd ging, und der Knecht mit ihm; und sie jagten den ganzen Tag bis zum Abend. Als sie aber am Abend ihre Beute zusammen brachten, | da hatte der Knecht weit mehr erjagt Die Handschrift ist von hier bis zum Ende des Absatzes nur noch zum Theil lesbar. Zur Ergänzung der Lücken benutze ich theilweise die jungen Papierabschriften, wenn dieselben auch keinerlei Gewähr für die Echtheit ihrer Ueberlieferung bieten. Vgl. übrigens Vols. rim. 54-59, besonders 57 ff., denn Sige. Dieses gefiel ihm gar übel, daß ein Knecht ||84) besser gejagt haben sollte [als er, oder mehr Thiere?] erlegt. [Er sagte,] daß es ihn [wundre, daß ein Knecht ihn bei der Thierjagd übertreffen sollte ...]. Hier folgt eine kurze Entgegnung Brede's, die gänzlich unleserlich ist. [Lief darauf] hinzu und | erschlug den Brede; [sodann begrub er die Leiche in einer Schneewehe].

Nun kam er am Abend heim, und sagte, daß Brede im Walde von ihm geritten wäre, »und er war mir auf einmal aus den Augen verschwunden, und weiß ich nichts von ihm.« Skade hegte gegen Sige's Rede Argwohn [und meinte], es werde Trug von ihm sein, und Sige werde ihn erschlagen haben. Er stellte Leute dazu an Eigentlich: »er schaffte, besorgte ...«, ihn zu suchen, und das Ende ihres Suchens war, daß sie ihn in einer Schneewehe fanden. Und Skade sagte, daß | man diese Schneewehe fortan Brede's Schneewehe nennen sollte. Und das hat man beibehalten und nennt jede Schneewehe so, die groß ist.

Da ward es ruchbar, daß Sige den Knecht erschlagen und ermordet hatte, und | man nannte ihn vargr í véum D. h. »Wolf in den Heiligthümern«. Wer den Tempelfrieden brach oder andere schwere Unthaten beging, ward geächtet und hieß vargr (d. h. Wolf, Räuber), »weil der Verbannte gleich dem Raubthiere ein Bewohner des Waldes ist und gleich dem Wolfe ungestraft erlegt werden darf.« (J. Grimm, Rechtsalt. 733); vgl. Helg. Hund. II, 32, 3 ff., und konnte er nun nicht länger daheim bleiben bei seinem Vater.

Odin geleitete Sige nun aus dem Lande fort, einen so langen Weg, daß es bedeutend war at stóru bar (C.-V. 60a). Vielleicht entfernte ihn Odin ursprünglich in seinem Mantel durch die Luft, wie den Hading bei Saxo Gr., S. 40 f. Ueber vielfache Nachklänge dieses Glaubens in deutschen Sagen s. Simrock, Handbuch d. deutschen Mythol. § 66., und nicht eher ruhte er, als bis er ihm zu Heerschiffen verhalf. | Nun begann Sige sich auf Heerfahrten zu legen, mit dem Gefolge, welches sein Vater ihm gegeben hatte, ehe er von ihm schied, und er war sieghaft auf seinen Heerfahrten. Und so gedieh seine Sache, daß er schließlich Lande und Reich eroberte. Vgl. rim. 71,3 ff. (Oder: »im Stande war zu heeren in ...«?) Demnächst nahm er sich eine vornehme Frau und ward ein mächtiger und gewaltiger König; er herrschte über ||85) Hunenland, und war ein gewaltiger Heermann.

Er hatte einen Sohn mit seiner Frau, der hieß Reri; er wuchs da auf bei seinem Vater, und ward bald groß von Wuchs und tüchtig.

Nun ward Sige ein alter Mann an Jahren. Viele waren ihm abgünstig, so daß | am Ende die gegen ihn aufstanden, welchen er zumeist traute; das aber waren die Brüder seiner Frau. Sie überfielen ihn Eigentlich wohl: »ließen ihn überfallen« ( gera til, s. C.-V. 225a)., da er es sich am mindesten versah und er wenig Mannen um sich hatte, und überwältigten ihn mit Uebermacht und in diesem Treffen fiel Sige mit all seinem Hofvolke.

Sein Sohn Reri war nicht mit in dieser Gefahr. D. h. er war während des Ueberfalls abwesend. Er erhielt ein so großes Heer von seinen Freunden und Landeshäuptlingen, daß er sowohl Land wie Königthum nach seinem Vater Sige in Besitz nahm. Und nun, da er glaubte in seinem Reiche Fuß gefaßt Vgl. Flat. 1, 38827. zu haben, da gedachte er an die Streitsache, die er gegen seine Mutterbrüder hatte, welche seinen Vater erschlagen hatten. | Der König sammelte sich nun ein großes Heer, und zog gegen seine Verwandten aus mit diesem Heere; und ihn dünkte, daß sie es zuvor gegen ihn verschuldet hätten, wenn er ihre Verwandtschaft nun gering achtete. Genauer: »daß sie ihm wohl Ursache zum Hader mit ihnen gegeben hätten, wenn er auch ihre Verwandtschaft u. s. w.« Und so that er: er schied nicht eher von dannen, als bis er alle Mörder seines Vaters erschlagen hatte, wie unnatürlich es auch in jeder Hinsicht war. Nun eignete er sich [ihre] Lande und Reich und Gut zu | und wurde so mächtiger denn sein Vater. Reri machte da große Kriegsbeute und nahm sich eine Frau, die ihm seiner würdig schien. Und sie lebten lange zusammen, hatten aber keinen Erben und [überhaupt] kein Kind. Dieses behagte ihnen beiden übel, und sie baten die Götter mit großer Bekümmerniß, daß sie Kinder bekommen möchten. Es heißt nun, daß Frigg Als Göttin des Ehesegens. ihre Bitte erhörte, und ebenso Odin, um was sie baten. Da fehlte es ihm nicht an heilsamem Rath. Er sandte seine Wunschmaid D. h. Walkyrje. (Vgl. aber N. M. Petersen, Nord. Mythol.2, S. 190.), die Tochter des Riesen Hrimni Auch Skm. 28, 3 erwähnt und Hdl. 32, 6 als Vater des Hrossthjof (nach Saxo, S. 126 ein Seher) und der Heid (nach Vsp. 1 eine Seherin [?])., und | gab ihr einen Apfel Der fruchtbar machende Apfel findet sich auch in Grimm's Märchen Nr. 47 und 53 (vgl. das. Bd. 3, S. 87). Bei Grundtvig, dänische Volksmärchen, Bd. 1 (übersetzt von Leo), S. 148 ff. giebt ein altes Weib den Rath, von einem Strauche zu essen. Ebenda Bd. 2 (übers. v. Strodtmann), S. 147 ff. schickt eine alte Hexe einen gesalzenen Hering, der die Geburt eines Kindes hervorruft. Gewiß ist also hier Frigg die eigentliche Spenderin des Apfels. in die Hand, und hieß sie den dem Könige bringen. Sie nahm den Apfel, und nahm ||86) die Gestalt einer Krähe an Das ist eigentlich gedacht als Anlegen der äußern Hülle (Haut) eines Thieres, wodurch der Mensch zugleich dessen Wesen annahm. Die Walkyrjen hatten sonst Schwanenhemden (Hüllen). und flog so lange, bis daß sie dahin kam, wo der König war und auf einem Hügel saß. Vgl. Thrymskv. 4, 5-5, 2. | Sie ließ ihm den Apfel in den Schooß fallen. Der nahm den Apfel, und glaubte zu wissen, was das bedeuten sollte. Er ging nun von dem Hügel heim zu seinen Mannen, suchte [dann] die Königin auf, und [sie] So auch Bugge. Natürlich muß die Frau den Fruchtbarkeitsapfel genießen, wie das auch in allen ähnlichen Fällen geschieht. aß etwas von dem Apfel.

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