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Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen

Anton Edzardi: Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen - Kapitel 36
Quellenangabe
typelegend
authorUnbekannte Autoren
titleAltdeutsche und Altnordische Helden-Sagen
publisherVerlag von Albert Heitz
printrunZweite Auflage
editorAnton Edzardi
year1880
translatorFriedrich Heinrich von der Hagen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150512
projectid9d926f7d
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Dreiunddreißigstes Kapitel

Ueberschrift: »Gudrun ritzt Runen«.

Nun wird gesagt, in einer Nacht, da | König Atle aus dem Schlafe erwachte, sprach er zu Gudrun: »Es träumte mir (sagte er), daß du mich mit einem Schwerte durchbohrtest.« Gudrun deutete den Traum und sagte, es bedeute Feuer, wenn man von Eisen träume, »und die Einbildung Nämlich »bedeute es«. Der Traum geht auf deine Einbildung, daß ..., daß du dich trefflicher als alle dünkst.« Atle sprach: »Noch träumte mir, wie hier zwei Rohrstengel gewachsen wären, und ich wollte sie nimmer verletzen; hernach wurden sie ausgerissen mit den Wurzeln und in Blut geröthet, zu den Bänken getragen und mir zu essen geboten. Noch träumte mir, daß zwei Habichte mir von der Hand flögen, die waren ohne Fraß Oder »fleischlos«? und kamen um Wörtlich: »fuhren zur Hel«.. Mir schien es, als ob ihre Herzen mit Honig gemischt würden, und meinte ich sie zu essen. Darnach schien es mir, als ob schöne junge Hunde hvelpar; was an sich auch Junge von andern Thieren bezeichnen kann. vor mir lägen, und heulten laut auf; und ich aß ihr Fleisch wider meinen Willen.« Gudrun sagte: »Nicht sind die Träume gut, aber sie werden in Erfüllung gehn. | Deine Söhne werden todgeweiht sein, und mancherlei Schweres wird uns zustoßen.« – »Das träumte mir noch (sagte er), | daß ich zu Bette läge, und mir der Tod gerathen würde.« Damit war dies abgethan Wörtlich: »Nun ging dies vorüber.«, und lebten sie unfreundlich bei einander.

| König Atle gedachte nun, wohin das viele Gold gekommen sein möchte, das Sigurd besessen hatte; das aber wußte König Gunnar und sein Bruder. Wörtlich: »Gunnar und [überhaupt] die Gebrüder«, nämlich Gunnar und Hogne. Atle war ein gewaltiger König, mächtig und klug, und zahlreich war sein Volk; | er hielt nun Rath mit seinen Mannen, wie man dabei verfahren sollte. Er wußte, daß Gunnar und Hogne their Gunnarr. ||168) viel mehr Reichthum hatten, als daß irgend jemand mit ihnen sich messen könnte. | Er faßte nun den Beschluß, [einige seiner] Männer zu den Brüdern zu senden, sie zum Gastmahle zu laden und sie auf mannigfache Weise zu ehren. | Ihr Anführer war der Mann, der Vinge In Atlakv. heißt er Knefröd. genannt wird.

Die Königin erfuhr von ihrem Sondergespräche und argwöhnte, daß es Verrath an ihren Brüdern sei. Gudrun ritzte [da] Runen und nahm einen Goldring und knüpfte Wolfshaar darein, und gab das Den Ring mit dem Wolfshaar nebst den Runen. den Sendboten des Königs in die Hände.

Darauf machten sie sich auf den Weg nach des Königs Gebote. Ehe sie aber ans Land stiegen, sah Vinge die Runen und veränderte sie, und [zwar so] daß Gudrun in Runen zuredete, daß sie zu ihm (Atle) kämen. | Sodann kamen sie zur Halle König Gunnar's; sie wurden wohl aufgenommen und vor ihnen große Feuer gemacht Vgl. unten S. 224, Z. 2 ff. und Z. f. d. Phil. 2, 33., und dann tranken sie mit Fröhlichkeit den besten Trank. Da sprach Vinge: »König Atle sandte mich hierher, und wollte, daß ihr ihn daheim besuchtet mit großen Ehren, und von ihm große Ehre empfinget, Helme und Schilde, Schwerter und Panzer, Gold und gute Kleider, Heervolk und Rosse und großes Lehn; und sagte, daß er euch am liebsten sein Reich gönne.« Da schüttelte Gunnar das Haupt und sprach zu Hogne: »Was sollen wir von Ein Theil des Anerbietens lockt den König – die Herrschaft, nicht aber das angebotene Gold, dessen er genug hat. diesem Anerbieten annehmen? Er bietet uns große Herrschaft an, aber | keine Könige weiß ich gleich reich an Gold wie uns, denn wir haben all das Gold, das auf der Gnita-Haide S. oben S. 67**. Der Fasnishort, den sie von Sigurd ererbt, ist also gemeint. Zur Sache vgl. oben S. 1774. lag; auch haben wir große Kammern voll von Gold und von den besten Hiebwaffen und allerlei Kriegsrüstung. Ich weiß meinen Hengst den besten, und mein Schwert das schärfste, und mein Gold das edelste.« Hogne antwortete: »Ich wundere mich über seine Einladung, denn das hat er selten gethan; und unräthlich wird es sein, zu ihm zu fahren. Auch darüber verwundere ich mich, daß, als ich die Kleinode sah, ||169) die König Atle uns sandte, | ich ein Wolfshaar in einen Goldring Nach Dr. Nifl. Z. 9 wäre es der Andvaranaut gewesen. geknüpft sah; und es mag sein, daß Gudrun dünkt, er sei wölfisch gegen uns gesinnt, und sie will nicht, daß wir fahren.«

Vinge zeigte ihnen nun die Runen, die, wie er sagte, Gudrun gesendet habe. Nun ging das (gemeine) Volk schlafen, sie aber tranken noch mit einigen Männern. Da trat Hogne's Frau hinzu, die Kostbera hieß, die reizendste der Frauen, und blickte die Runen an. | Gunnar's Gattin hieß Glaumvar Diese zweite Gattin Gunnar's wird außer hier und Atlam. [und Dr. Nifl.] nirgends erwähnt (= Gluna in der Hven'schen Chronik?)., eine gar tüchtige Frau; sie schenkten ein. Die Königin hatte in der Halle ihres Gatten als Königin des Schenkamtes zu walten (Weinhold, Altn. Leb. S. 461); s. auch oben S. 513. 125; Akv. 36 u. s. w. Bald wurden die Könige über und über trunken. Das gewahrte | Vinge und sprach: »Es ist nicht zu verhehlen, daß König Atle schwerfällig ist und [zu] sehr gealtert, sein Reich zu wehren, seine Söhne aber noch jung und zu nichts fähig. Nun will er euch Gewalt über das Reich geben, dieweil sie so jung sind, und er gönnt euch am liebsten [dessen] zu genießen.« Nun stand es so, daß Gunnar sehr trunken war, andrerseits eine große Herrschaft geboten ward; auch konnte er nicht dem Schicksal widerstehn Derselbe Gedanke, ebenso ausgedrückt, begegnete schon oben S. 1572 und 1592, unten S. 1864. 191†.: | er verhieß also die Fahrt, und sagte es Hogne, seinem Bruder. Der antwortete: »Euere Bestimmung wird Geltung erlangen, und folgen werde ich dir: aber unlustig bin ich dieser Fahrt.«

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