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Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen

Anton Edzardi: Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen - Kapitel 34
Quellenangabe
typelegend
authorUnbekannte Autoren
titleAltdeutsche und Altnordische Helden-Sagen
publisherVerlag von Albert Heitz
printrunZweite Auflage
editorAnton Edzardi
year1880
translatorFriedrich Heinrich von der Hagen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150512
projectid9d926f7d
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Einunddreißigstes Kapitel

Die Handschr. beginnt hier kein neues Kapitel.

Nun wußte Niemand es sich zu erklären Wörtlich: »meinte niemand beantworten zu können.« (»Verstand solch Weibergebahren, daß sie ...« Brot 15, 3 f.), daß Brynhild das lachenden Mundes erbeten hatte, um das sie nun weinend sich härmte. Sigurd's Tod nämlich. Daß Brynhild denselben beklagt, war hier bisher noch nicht gesagt, wohl aber in dem benutzten Liede ( Brot Str. 14). Da sprach sie: »Es träumte mir, Gunnar, daß ich ein kaltes Bett hätte, und du rittest deinen Feinden in die Hände und all euerm Geschlecht wird es übel ergehn, da ihr eidbrüchig seid. Und daß ihr [euer] Blut zusammen mischtet, Sigurd und du S. oben S. 126**., wenig gedachtest du des, da du ihn verriethest; ||160) und hast ihm alles übel gelohnt, was er wohl an dir that, und [daß er] dir den Vorrang ließ. Das zeigte sich da, als er zu mir kam, wie [treulich] er seine Eide hielt, indem er zwischen uns das scharfschneidige Schwert legte, das in Gift gehärtet war. Was auch in deutschen Sagen von vorzüglichen Schwertern berichtet wird. Aber frühe machtet ihr euch schuldig an ihm und mir, als ich daheim war bei meinem Vater und ich alles hatte, was ich wollte; und ich dachte nicht, daß euer einer sollte mein werden, als ihr drei Könige dorthin zum Hofe rittet. Darauf nahm Atle mich beiseite Vgl. oben S. 141†, wo überhaupt die Parallelstelle zu vergleichen ist., und fragte mich, ob ich den haben wollte, | der den Grane ritte. Derselbe war euch nicht gleich: und da verhieß ich mich dem Sohne König Sigmund's, und keinem andern. Und nicht wird es euch [wohl] ergehn Dieser Sinn scheint sich für ydhr farast aus der entsprechenden Stelle in Sig. sk. 53, 5-8 zu ergeben = ydhart far er í sundi, wozu Sigdr. 10, 2 f. zu vergleichen ist., wenn ich auch sterbe.« Da stand Gunnar auf und schlang die Arme um ihren Hals und bat, daß sie leben möchte und Gut Als Buße nämlich. annehmen; auch alle andern redeten ihr davon ab, daß sie stürbe. Aber sie stieß jeden von sich, der zu ihr kam, und sagte, es werde nichts nützen, sie von ihrem Vorhaben zurückhalten zu wollen.

Sodann rief Gunnar Hogne, fragte ihn um Rath und bat ihn hinzugehn und zu versuchen, ob er ihren Sinn erweichen könnte – und sagte, es wäre nun die höchste Noth vorhanden – ob ihr Harm beschwichtigt werden könnte, bis daß einige Zeit verginge. D. h. bis mit der Zeit ihr Kummer gelindert werde, und sie so von ihrem Vorhaben abgebracht werde. Hogne antwortete: »Halte sie doch keiner vom Tode zurück, denn sie ward uns nimmer zum Heile, und niemandem, seitdem sie hierher kam.«

Nun gebot sie viel Gold zu nehmen, und [hieß] alle die hinkommen, welche Gut empfangen wollten. Sodann nahm sie ein Schwert und stieß es sich unter den Arm Unter dem Arme in die Brust., lehnte sich gegen die Kissen und sprach: »Es nehme hier nun Gold, wer es nur haben will.« Alle schwiegen. Brynhild sprach: »Empfangt das Gold, und genießt desselben wohl.« | Noch sprach ||161) Brynhild zu Gunnar Der zu Grunde liegende Theil der Sig. sk. – wie Grip. (und das S. 121** f. benutzte Lied) eine jüngerem Geschmack entsprechende Uebersicht über den letzten Theil der Sage in Form einer Prophezeiung – gehört zu den jüngsten Theilen dieses Liedes (Germ. 23, 174).: »Nun will ich dir kürzlich sagen«, wie es hierauf ergehn wird: | bald werdet ihr euch versöhnen mit Gudrun unter Beihilfe Grimhild's der zauberkundigen. Eine Tochter Gudrun's und Sigurd's wird Svanhild heißen, die als die schönste aller Frauen wird geboren werden. Gudrun [wird] an Atle gegeben, gegen ihren Willen; Oddrun Oddrun ist eine Schwester Atle's und Brynhild's. Die Sage von ihrer Liebschaft mit Gunnar, von welcher der Oddrúnar grátr handelt, ist ein jüngerer Auswuchs unserer Sage. wirst du zur Frau haben wollen, aber Atle wird das verbieten: da werdet ihr heimlich zusammen kommen, und sie wird dich lieben. Atle wird dich verrathen und in den Schlangenhof setzen; und wird Atle darauf erschlagen werden nebst seinen Söhnen: Gudrun wird sie tödten. Darnach werden sie (Gudrun) mächtige Wogen zu König Jonakr's Burg tragen, da wird sie treffliche Söhne gebären. Svanhild wird aus dem Lande gesendet und dem König Jormunrek vermählt werden, aber Bicke's [arger] Rath wird ihr zum Verderben gereichen; und dann ist all' euer Geschlecht vergangen, und ist Gudrun's Harm um so größer. – Nun richt' ich an dich, Gunnar, die letzte Bitte: Laß einen großen Scheiterhaufen machen auf ebenem Felde, uns allen, mir und Sigurd und denen, so mit ihm erschlagen wurden laß eine Decke darüber spannen, mit Männerblute geröthet Wörtlich: »darüber zelten von rothem Männerblut.«, und laß mir zur (einen) Seite diesen hunischen Vgl. oben S. 154**. König verbrennen, und ihm zur andern Seite meine Mannen, zwei zu Häupten und zwei zu Füßen, und zwei Habichte, so ist es nach Gebühr geordnet. Laßt da zwischen uns beiden ein gezücktes Schwert liegen, wie vormals, als wir Ein Bette bestiegen und da Ehegatten hießen. Nicht fällt ihm dann die Thür Das Gitterthor vor Hel's Behausung (vgl. Sn. E. 5, 4). auf die Fersen, wenn ich ihm folge; auch ist unser Leichenbegängniß dann nicht armselig, wenn ihm fünf Dienstmägde und acht Diener folgen, die mein Vater mir gab, und auch die da verbrennen, so mit Sigurd erschlagen wurden. | Mehr ||162) würde ich reden, wenn ich nicht verwundet wäre; nun aber strömt es aus der Wunde Wörtlich »rauscht die Wunde«; doch ist die Lesung unsicher: Andere übersetzen »schwindet der Geist«., und die Wunde öffnet sich. Wahr jedoch sprach ich.« Kann sich natürlich nur auf die Weissagung beziehen, nicht auf die dazwischen eingeschobene letzte Bitte.

Nun ward Sigurd's Leiche nach altem D. h. heidnischem. Brauche bestattet und ein großer Scheiterhaufen gemacht, und als der recht in Brand gesteckt war, da ward oben darauf die Leiche Sigurd des Fafnistödters gelegt und seines drei Winter alten Sohnes, den Brynhild erschlagen ließ, und Gutthorm's. Und als der Scheiterhaufen ganz in Flammen stand, stieg Brynhild da hinauf, und sprach zu ihren Kammermägden, daß sie das Gold nehmen sollten, das sie ihnen geben wollte. Und hierauf starb Brynhild und verbrannte da mit Sigurd: und endete so ihr beider Leben.

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