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Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen

Anton Edzardi: Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen - Kapitel 28
Quellenangabe
typelegend
authorUnbekannte Autoren
titleAltdeutsche und Altnordische Helden-Sagen
publisherVerlag von Albert Heitz
printrunZweite Auflage
editorAnton Edzardi
year1880
translatorFriedrich Heinrich von der Hagen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150512
projectid9d926f7d
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Fünfundzwanzigstes Kapitel

Gjuke hieß ein König, der herrschte im ||139) Süden des Rheins. Er hatte drei Söhne, die also hießen: Gunnar, Hogne und Gutthorm; Gudrun hieß seine Tochter, die war eine hochberühmte Maid. Diese Kinder überragten andere Königskinder an jeglicher Tüchtigkeit, an Schönheit sowohl wie an Wuchs. Sie waren immer auf Heerfahrten, und vollbrachten manche ausgezeichnete That. Gjuke's Gemahlin war Grimhild die Zauberkundige.

Budle hieß ein König, der war mächtiger als Gjuke; doch waren beide mächtig. Atle hieß der Bruder Brynhild's; der war ein grimmer Mann, groß und schwarz, doch stattlich, und ein gar streitbarer Held.

Grimhild war ein grimmsinniges Weib. Gjuke's Macht stand in hohen Ehren, und zwar hauptsächlich durch seine Kinder, welche die meisten weit überragten.

Einmal sagte Gudrun zu ihren Maiden, daß sie nicht froh sein könne. Eine Frau Siehe S. 118*. fragte sie, was sie unfroh machte. Sie sagte: »Ich hatte unglückliche Träume Wörtlich: »Nicht hatte ich Glück in Träumen.« Zum Folgenden vgl. Chriemhild's bekannten Traum am Anfange des Nibelungenliedes (bei Bartsch Str. 13 ff.); das bekümmert mich in meinem Herzen; deute [nun] den Traum, nach dem du fragst.« Die Frau sagte: »Sag' es mir und laß es dich nicht bekümmern, denn stets träumt man von Stürmen (Unwetter).« D. h. »stets beziehen sich Träume auf Unwetter.« Gudrun entgegnete: » Dies bedeutet keinen Sturm. Mir träumte, daß ich einen schönen Habicht (Falken) auf meiner Hand sah, dessen Federn waren von goldiger Farbe.« Die Frau sagte: »Viele haben von eurer Schönheit, Weisheit und Höfischheit gehört: ein Königssohn wird um dich werben.« Gudrun erwiderte: »Kein Ding däuchte mir besser als dieser Falke, und all mein Gut wollte ich lieber lassen denn ihn.« Die Frau sagte: »Der, den du erhältst, wird ein wohlerzogener Mann sein und du wirst ihn sehr lieben.« Gudrun antwortete: »Das bekümmert mich, daß ich nicht weiß, wer er ist. Wir wollen Brynhild aufsuchen, sie wird es wissen.«

Sie Gudrun und wer noch? Doch wohl die 117* erwähnte traumdeutende Frau, der im Nib.-Liede die Mutter Chriemhild's entspricht. (War also hier auch Gudrun und ihre Mutter Grimhild ursprünglich gemeint?) schmückten sich mit Golde und reichem Putz und fuhren mit ihren Maiden, bis daß sie zu Brynhild's Halle kamen. Diese Halle war mit Golde geschmückt und stand auf einem Berge. Das geht wieder auf Sigrdrifa's Aufenthaltsort Hindarfjall (vgl. Fafn, 42), während wir vorhin Brynhild bei Heime wohnend fanden. Ueberhaupt scheint das hier benutzte Lied Sigrdrifa (die der Verf. der Saga mit Brynhild zusammenwirft) gemeint zu haben, wobei mancher Widerspruch und namentlich das Auffallende der Prophezeiung in Brynhild's Munde fortfiele. Zum Traumdeuten erscheint Sigrdrifa, die auch Sigurd belehrte, überhaupt geeigneter als Brynhild. Und als ||140) ihre Fahrt gesehen ward, da ward Brynhild gemeldet, daß viele Frauen auf vergoldeten Wagen zu der Burg [daher] führen. »Das wird Gudrun, Gjuke's Tochter, sein [sagte Brynhild]; denn mir träumte von ihr die Nacht; und gehn wir hinaus ihr entgegen.«

Sie gingen hinaus ihnen entgegen und begrüßten sie freundlich. Jene schritten hinein in die schöne Halle: der Saal war innen mit Bildern geschmückt und reich mit Silber verziert, Teppiche waren unter ihre Füße gebreitet, und alle dienten ihnen; sie hatten allerhand Kurzweil. Gudrun [aber] war wortkarg. Brynhild sprach: »Warum könnt ihr nicht fröhlich sein? Thut nicht also, sondern laßt uns allesammt uns vergnügen und von mächtigen Königen und ihren Heldenthaten reden.« »Thun wir das!« sprach Gudrun; »welche Könige kennst du als die vortrefflichsten?« Brynhild antwortete: »Die Söhne Hamund's, Hake und Hagbard Die Brüder Hake und Hagbard als Seekönige nennt auch Yngl. s. Kap. 25. Von Hake, Hamund's Sohns, Liebe zu Signy handelt eine im Norden weit verbreitete Sage, die der Hug-Dietrichssage verwandt ist. Die hier angedeutete Gestalt dieser Sage ist sonst unbekannt.; die vollbrachten manche ruhmvolle That auf der Heerfahrt.« Gudrun entgegnete: »Mächtig waren sie und berühmt, doch entführte Sigar ihre Schwester, und verbrannte andere Hier scheint etwas zu fehlen, bezw. das benutzte Lied ungenau wiedergegeben zu sein. [ihrer Verwandten?], und säumig sind sie, es zu rächen. Warum nennst du denn nicht meine Brüder, welche nun die vortrefflichsten Männer zu sein scheinen?« Brynhild antwortete: »Dazu ist gute Aussicht, doch noch sind sie nicht recht erprobt, und ich weiß einen, der sie weit übertrifft; das aber ist Sigurd, König Sigmund's Sohn. Er war damals noch ein Kind, als er die Söhne König Hunding's erschlug und seinen Vater und Eylime, seiner Mutter Vater, rächte.« Gudrun sagte: »Was hatte ||141) es damit auf sich? Sagst du, daß er geboren Nach Bugge's Vermuthung würde vielleicht richtiger »ungeboren« stehn. war, als sein Vater fiel?« Brynhild antwortete: | »Seine Mutter ging auf die Walstatt und fand König Sigmund verwundet und erbot sich seine Wunden zu verbinden; er aber erklärte, er wäre zu alt, ferner zu streiten, und hieß sie sich damit trösten, daß sie den trefflichsten Sohn gebären würde, und diese Voraussage erfüllte sich. Wörtlich: »Die Voraussage war eines Weisen Vermuthung« = Fms. 11, 154. Und nach dem Tode König Sigmund's fuhr sie mit König Alf, und ward Sigurd dort auferzogen mit großen Ehren, und vollbrachte an jedem Tage viele Heldenthaten, und er ist der vortrefflichste Mann auf der Welt.« Gudrun antwortete: »Aus Liebe hast du nach Kunde von ihm geforscht: aber dazu kam ich hierher, dir meine Träume zu sagen, die mir große Bekümmerniß schufen.« Brynhild antwortete: »Laß dich solches nicht bekümmern. Weile bei deinen Blutsfreunden, die alle dich erfreuen wollen.« Die Handschrift beginnt hier ein neues Kapitel mit der Ueberschrift: »Gudrun's Traum wird von Brynhild gedeutet.« Diese zweite Traumdeutung ist offenbar einer jüngeren Paralleldichtung im Geschmacke der Grip. entnommen, während das Alter der ersteren durch die Uebereinstimmungen mit dem Nib.-Liede bestätigt wird, die freilich auch für das Alter einzelner Züge in der zweiten Traumdeutung sprechen.

»Es träumte mir (sagte Gudrun), daß wir mehrere zusammen aus der Kammer gingen und sahen einen großen Hirsch, der übertraf weit andere Thiere Der Hirsch als Bild des alle Helden überragenden Geliebten findet sich auch in Helg. Hund. II, Str. 37, 5 ff., speciell von Sigurd gebraucht in Gudr. II, Str. 2, 5 f.; sein Fell Wörtlich: »Haar.« war von Golde: wir wollten alle das Thier fangen, ich allein aber erreichte es; das Thier däuchte mir besser als alle anderen Dinge: darauf erschossest du das Thier vor meinen Knieen, und das war mir ein so großer Harm, daß ich ihn kaum zu ertragen vermochte. Darnach gabst du mir einen jungen Wolf, der bespritzte mich mit dem Blute meiner Brüder.« Brynhild antwortete: »Ich will auslegen, wie es ergehn wird: zu euch wird Sigurd kommen, den ich mir zum Manne erkor; | Grimhild giebt ihm mit Trug gemischten Meth, der uns alle in großen Streit bringt. Ihn wirst du besitzen, aber ihn bald verlieren. Du wirst König Atle zum Gemahl haben; deine Brüder wirst du verlieren, und dann wirst du Atle erschlagen.« Gudrun antwortete: »Großer Harm ist es mir, solches zu wissen.« Und nun fuhren sie hinweg und heim zu König Gjuke. ||142)

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