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Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen

Anton Edzardi: Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen - Kapitel 22
Quellenangabe
typelegend
authorUnbekannte Autoren
titleAltdeutsche und Altnordische Helden-Sagen
publisherVerlag von Albert Heitz
printrunZweite Auflage
editorAnton Edzardi
year1880
translatorFriedrich Heinrich von der Hagen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150512
projectid9d926f7d
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Neunzehntes Kapitel

Ueberschrift: »Regin trinkt Fafni's Blut«.

Hierauf | kam Regin zu Sigurd und sprach: »Heil, mein Herr, großen Sieg hast du gewonnen, da du Fafni erschlagen hast, auf dessen Wege zu sitzen bisher Niemand sich erkühnte; und diese Heldenthat wird fortleben, so lange die Welt steht.« Nun stand Regin auf und sah nieder zur Erden lange Zeit, und darnach sprach er plötzlich mit schwerem Muthe: | »Meinen Bruder hast du erschlagen, und schwerlich kann ich selber von der Mitschuld freigesprochen werden.« Da nahm Sigurd sein Schwert Gram und trocknete es am Grase, und sprach zu Regin: »Ferne gingst du, als ich diese That vollbrachte; und ich versuchte dieses scharfe Schwert mit meiner Hand, und meine Kraft bot ich auf gegen des Wurmes Macht, indeß du in einem Haidebusche lagst und [nicht] wußtest von Himmel noch Erde.« »nicht« fehlt in der Hdschr. Eigentlich: »Du wußtest [nicht], ob [es? der Busch?] Himmel oder Erde war« (oder ob Himmel oder Erde existirte?). Regin antwortete: | »Dieser Wurm hätte lange in seinem Neste liegen mögen, wenn du das Schwert nicht benutzt hättest, das ich dir fertigte mit meiner Hand; und nicht hättest du dieses allein In der Hdschr. steht enn »noch« (statt einn?). ||123) vollbracht, noch jemand anders.« Sigurd antwortete: »Wo man zu Streite kömmt, da ist dem Manne besser ein tüchtiges Herz, denn ein scharfes Schwert.« Da sagte Regin zu Sigurd in schwerem Kummer: »Du hast meinen Bruder erschlagen, und schwerlich kann ich selber von der Mitschuld frei gesprochen werden.«

Nun schnitt Sigurd das Herz aus dem Wurme, mit dem Schwerte, das Ridil hieß. Da trank Regin Fafni's Blut und sprach: »Gewähre mir eine Bitte, die leicht für dich zu gewähren ist: geh' zum Feuer mit dem Herzen und brat es und gieb es mir zu essen.« Sigurd ging, und briet es am Spieße, und als [der Saft] heraus quoll, da tippte er mit seinem Finger daran, kostend, ob es [schon] gebraten wäre; [er verbrannte sich und] Fehlt in der Saga, ergänzt nach Fafn. steckte den Finger in seinen Mund: und als das Herzblut des Wurms ihm an die Zunge kam, da verstand er der Vögel Stimme. Er hörte, wie Spechtmeisen im Gebüsche neben ihm sangen: »Da sitzt Sigurd und brät Fafni's Herz! Das sollte er selber essen, so würde er weiser werden, denn irgend ein Mann.« Die andre sagte: »Da liegt Regin, und will den betrügen, der ihm traut.« Da sprach die dritte: »Haue er ihm das Haupt ab, so mag er allein des vielen Goldes walten.« Da sprach die vierte: »Da wäre er weiser, wenn er das befolgte, was ihr ihm gerathen, und ritte darauf zum Lager Fafni's und nähme da das viele Gold, so dort ist, und ritte sodann hinauf nach ||124) Hindarfjall Berg der Hindin (?)., wo Brynhild Richtiger Sigrdrifa. Beide gingen durch Spaltung aus der Einen Brynhild der deutschen Sage hervor, werden aber in den ältern nordischen Quellen von einander geschieden. Der Verf. unserer Saga hat sie wieder zusammengeworfen (vgl. Beitr. 3, 255 ff.). schläft, und dort wird er große Weisheit lernen; | und dann wäre er weise, wenn er euerm Rath folgte und bedächte, was ihm Noth thut: dort wähne ich den Wolf, wo ich seine Ohren sah.« Ein isländisches Sprichwort: »Der Wolf ist nicht weit, wo man seine Ohren sieht.« Hier mit Bezug auf Regin's Heimtücke, die Sigurd durchschauen sollte. Wolf wird in solchen Verbindungen = »Feind« gebraucht. Da sprach die fünfte: »Nicht ist er so klug, wie ich dachte, wenn er seiner schont und doch zuvor seinen Bruder getödtet hat.« Da sprach die siebente: »Das wäre ein kluger Rath, wenn er ihn erschlüge und allein des Hortes waltete.« Da sprach Sigurd: »Das Unheil soll nicht geschehen, daß Regin mein Mörder werde. Lieber soll es den Brüdern beiden gleicherweise ergehn.« Er zückte nun das Schwert Gram und hieb Regin das Haupt ab. Und darauf aß er ein Stück von dem Herzen des Wurmes, und ein Stück bewahrte er bei sich.

Sodann sprang er auf sein Roß und | ritt der Spur Fafni's nach, bis zu seiner Behausung, und fand, daß sie offen war, und alle Thüren von Eisen, und ebenso die Thürrahmen, und von Eisen auch alle Grundbalken im Hause, und [dieses war] in die Erde eingegraben. Sigurd fand da eine große Menge Goldes und das Schwert Hrotte, und nahm da den Schreckens-Helm und den Goldpanzer und viele Kostbarkeiten. Er fand da so viel Gold, daß er hätte glauben mögen, daß zwei oder drei Rosse nicht mehr würden tragen [können]. | Das Gold nahm er alles und that es in zwei große Kisten. Er nahm nun das Roß Grane beim Zaume: | das Roß aber wollte nicht gehn, und nicht half es, es anzuspornen. Sigurd merkte nun, was das Roß wollte; er sprang ihm auf den Rücken und schlug es mit den Sporen: und da rannte das Roß, als wenn es ledig wäre. Vgl. unten S. 129.

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