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Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen

Anton Edzardi: Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen - Kapitel 21
Quellenangabe
typelegend
authorUnbekannte Autoren
titleAltdeutsche und Altnordische Helden-Sagen
publisherVerlag von Albert Heitz
printrunZweite Auflage
editorAnton Edzardi
year1880
translatorFriedrich Heinrich von der Hagen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150512
projectid9d926f7d
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Achtzehntes Kapitel

Ueberschrift: »Regin und Sigurd reiten«. Von hier ab sind die Uebereinstimmungen mit der Lieder-Edda sehr genau.

Nun ritten sie, Sigurd und Regin, hinauf auf die Haide zu dem Wege, den Fafni zu kriechen pflegte, und es heißt, daß die Klippe, auf welcher er am Wasser lag, wenn er trank, dreißig [Klafter] entfernt war. Da sprach Sigurd: »Das sagtest du, Regin, daß dieser Wurm nicht größer wäre denn ein Lindwurm, aber mir scheint seine Spur übergroß.« Regin sprach: »Mach' eine Grube, und setze dich darein; und wenn der Wurm zum Wasser kriecht, so stich ihn ins Herz, und bring' ihn so zu Tode: davon gewinnst du großen Ruhm.« Sigurd antwortete: »Wie wird es dann ergehn, wenn das Blut des Wurms mich überströmt?« Regin sprach: »Nicht kann ich dir Rath ertheilen, da du vor allem und jedem dich fürchtest, und bist du ungleich deinen Blutsfreunden an Heldenmuth.«

Sigurd ritt nun auf die Haide, | Regin aber wich von dannen überaus bange. Sigurd machte eine Grube, und als er bei dieser Arbeit war, kam zu ihm ein alter Mann mit langem Barte Wieder Odin. Vgl. S. 66. Dies Eingreifen Odin's kennt weder Fafn. noch Sn. E., und fragte, was er da mache. Er sagte es ihm. Da sprach der alte Mann: »Das ist unräthlich: mache mehrere Gruben, und laß da hinein das Blut rinnen, du aber sitz' in einer und stich den Wurm ins Herz.« Da entfernte sich jener Mann; | Sigurd aber machte Gruben, so wie ihm vorgeschrieben war.

Und | als der Wurm zum Wasser kroch, ward so starkes Erdbeben, daß rings umher die Erde erbebte. Er spie immerweg Gift vor sich her. Sigurd aber beschlich keine Furcht noch Angst bei diesem Getöse: | und als der Wurm über die Grube kroch, da stach ihn Sigurd unter den linken Bug, so daß das Schwert bis ans Heft hinein fuhr. Eigentlich: »So daß es (Fafni's Körper) an den Griff stieß«. In Fafn. heißt es »bis ans Herz« ( til hiarta statt til hialta oder umgekehrt?). Da sprang Sigurd hervor aus der Grube, und riß das Schwert an sich, und hatte die ganzen Arme blutig bis zur Achsel hinauf. Dieselbe Wendung oben S. 56 und 80. Und als der große Wurm seine Todeswunde fühlte, | da schlug er mit Haupt und Schwanz, so daß alles ||120) entzwei brach, was ihm in den Weg kam. Und als Fafni die Todeswunde empfangen hatte, | da fragte er: »Wer bist du, und wer ist dein Vater, und welches ist dein Geschlecht, daß du dich erkühnst zu dem Wagniß, die Waffen gegen mich aufzuheben?« Sigurd antwortete: »Mein Geschlecht ist den Menschen unbekannt, ich heiße vornehmes Thier, und habe keinen Vater noch Mutter, und allein bin ich gewandelt.« Hier scheint, wenn auch verdunkelt, noch jene ältere Sagenauffassung durchzublicken, der zu Folge Sigurd im Walde aufwuchs, ohne seine Eltern zu kennen (s. oben S. 65*. Die zu Grunde liegende Strophe Fafn. 2 scheint älter als die erhaltene Gestalt dieses Liedes und daher nicht im ursprünglichen Zusammenhang zu stehn. Fafni antwortete: »Wenn du keinen Vater hast noch Mutter, durch welches Wunder bist du denn geboren? Und wenn du mir auch an meinem Todestage Fafn. fügt hinzu, Sigurd habe seinen Namen verhehlt, weil man dem Fluch eines Sterbenden mit Nennung des Namens große Macht zuschrieb. Vgl. aber die vorige Anm. deinen Namen nicht sagst, so weißt du[?], daß du nun lügst.« Er antwortete: »Ich heiße Sigurd, und mein Vater Sigmund.« Fafni antwortete: »Wer reizte dich zu dieser That, und wodurch ließest du dich dazu reizen? Hattest du nicht vernommen, wie alles Volk sich fürchtete vor mir und meinem Schreckens-Helm? Oegis-Helm, d. h. »Helm des Schreckens«. | Du Knabe mit den funkelnden Augen, du hattest einen tapfern Vater.« Sigurd antwortete: »Hierzu spornte mich der tapfere Muth, und es half dazu, daß es vollbracht ward, diese starke Hand und dieses scharfe Schwert, das du soeben kennen lerntest: und selten ist im Alter tapfer, wer in der Jugend zart So unser Text ( blautr), in Fafn. blaudhr (blöde, furchtsam). ist.« Fafni erwiderte: »Das weiß ich, wenn du bei deinen Blutsfreunden aufgewachsen wärest, daß du wissen würdest zornmuthig zu kämpfen: das aber ist mehr zu verwundern, daß ein Kriegsgefangener, der Fesseln trug Daß Sigurd Kriegsgefangener genannt wird, bezieht sich darauf, daß er noch ungeboren durch Alf vom Schlachtfelde heimgeführt ward (S. 60 f.); daß er gefesselt gewesen, ist Uebertreibung., sich soll erkühnt haben gegen mich zu fechten, dieweil Kriegsgefangene selten wacker zum Kampfe sind.« Sigurd sprach: »Du wirfst mir vor, daß ich fern von meinen Blutsfreunden gewesen sei; aber obschon ich kriegsgefangen war, so ward ich doch nicht gebunden; und du empfandest es, daß ich ungefesselt war.« Fafni antwortete: »Mit Zornworten nimmst du jegliches auf, was ich ||121) sage: aber dieses Gold, welches ich besessen habe, wird dir den Tod bringen.« Sigurd entgegnete: »Jeder will gern Gut besitzen bis zu dem einen Tage, und einmal muß (doch) jeder sterben.« Fafni sprach: »Wenig willst du mein Beispiel dir zur Lehre dienen lassen Eigentlich: »nach meinem (warnenden) Beispiel handeln«.; aber ertrinken wirst du, wenn du unvorsichtig über See fährst, und warte lieber am Lande, bis es stille ist.« Sigurd sprach Das Folgende bis S. 882 ist in Fafn. aus einem mythologischen Liede, wahrscheinlich Vafthr., unpassend eingeschoben.: »Sage mir, Fafni, wenn du recht weise bist, welcher Art die Nornen Die Nornen walten über das Schicksal des Menschen von der Geburt bis zum Tode; sie erscheinen an der Wiege des Neugeborenen, um ihm sein Schicksal zu bestimmen (»an der Wiege gesungen«; s. oben S. 40. Hier erscheinen sie geburtshelfend, d. h. Leben verleihend. Eigentlich sind ihrer nur drei: Urd, Verdandi, Skuld (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft). sind, so die Kinder von den Müttern lösen.« Durch Zaubersprüche nämlich, s. Bugge S. 195. Fafni antwortete: »Zahlreich sind sie und verschiedenartig. Etliche sind von der Asen, etliche von der Alfen Die Alfen (Elfen) sind ursprünglich abgeschiedene Seelen., und etliche von Dvalin's Dvalin ist hier wie öfter Repräsentant der Zwerge überhaupt. Geschlechte.« Sigurd sprach: »Wie heißt der Holm, wo Surt Surt, d. h. der Schwarze, stürmt beim Weltuntergange, die Fackel zum Weltbrand schwingend, gegen die Götter zum Kampf. – Holme (Inseln) waren als Kampfstätten beliebt. und die Asen Schwert-Naß Blut mischen, hier nicht, um dadurch Blutsbrüderschaft zu schließen, sondern im Kampfe (auf dem Schlachtfelde) das Blut von Freund und Feind zusammenfließen lassen. zusammenmischen?« Fafni antwortete: »Uskapt heißt er.« Fürder sprach Fafni: »Regin, mein Bruder, rieth mir den Tod, und es freut mich Eigentlich: »es macht mich lachen«., daß er auch dir den Tod räth; so ergeht es dann, wie er wollte.« Weiter sprach Fafni: »Den Schreckenshelm trug ich ob allem Volke, seitdem ich auf meines Bruders Erbe lag, und so sprühte ich allewege Gift von mir aus, daß keiner es wagte mir nahe zu kommen, und keine Waffen fürchtete ich, und nimmer fand ich so viele Männer vor mir, daß ich mich nicht viel stärker däuchte, alle aber waren in Furcht vor mir.« Sigurd antwortete: »Der Schreckenshelm, von dem du sagtest, giebt wenigen Sieg; denn jeglicher, der mit vielen zusammen kömmt, kann das irgend einmal finden, daß keiner der allertapferste ist.« Fafni antwortete: »Ich rath' es dir, daß du dein Roß nimmst und reitest schleunigst hinweg; denn es begiebt sich oft, daß der, welcher den Todesstreich empfängt, sich selber rächt.« Sigurd antwortete: »Dieses ist dein Rath, aber anders werde ich thun: ich werde zu deiner Behausung reiten ||122) und dort das viele Gold nehmen, das deine Blutsfreunde besessen haben.« Fafni antwortete: »Du wirst dahin reiten, wo du so viel Gold findest, daß es um deine Lebtage gethan ist, und dasselbe Gold wird dein Tod, und jedes andern, der es hat.« Vgl. oben S. 722. Sigurd stand auf und sagte: »Heim würde ich reiten, obschon ich dieses viele Gold mißte, wenn ich wüßte, daß ich niemals sterben sollte; doch ein jeder kühne Mann will über Gut walten bis zu dem einen Tage. Du aber, Fafni, lieg im Todeskampfe, wo dich Hel Vgl. S. 71, Anm. *. habe!« Und da starb Fafni.

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