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Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen

Anton Edzardi: Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen - Kapitel 15
Quellenangabe
typelegend
authorUnbekannte Autoren
titleAltdeutsche und Altnordische Helden-Sagen
publisherVerlag von Albert Heitz
printrunZweite Auflage
editorAnton Edzardi
year1880
translatorFriedrich Heinrich von der Hagen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150512
projectid9d926f7d
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Zwölftes Kapitel

Ueberschrift nur zum Theil lesbar.

König Lynge zog nun zum Königshofe, und gedachte dort die Königstochter zu fangen; das aber schlug ihm fehl, ||108) und er fand da weder Frau noch Gut. Er zog nun durch das Land und vertheilte dort die Herrschaft unter seine Mannen. Er wähnte nun das ganze Geschlecht der Volsunge erschlagen zu haben Vgl. oben S. 25 und 38., und meinte, daß er fortan nicht mehr Furcht zu hegen brauche.

| Hiordis ging nach der Schlacht Nachts auf die Walstatt, und kam dahin, wo König Sigmund lag, und fragte, ob er noch zu heilen wäre. Er antwortete: »Viele genesen bei geringer Hoffnung, mir aber entwich das Glück, so daß ich mich nicht will heilen lassen: Odin will nicht, daß wir fürder das Schwert schwingen, nachdem es zerbrach; ich habe Kämpfe bestanden, so lange es ihm gefiel.« Ziemlich getreue Wiedergabe einer (verlorenen) Strophe. Sie sprach: »Nichts däuchte mir zu fehlen, wenn du geheilt würdest und meinen Vater rächtest.« Der König antwortete: »Einem andern ist das bestimmt: du gehst mit einem Knaben; Pflege dessen wohl und sorgfältig, und dieser Knabe wird | berühmt werden und der trefflichste in unserm Geschlechte. Verwahre wohl die Schwertstücke, daraus kann ein gutes Schwert geschmiedet werden, das Gram heißen soll. Unser Sohn soll es tragen und damit manche Heldenthat vollbringen, die nimmer vergessen wird eigentlich: »veralten wird«., | und sein Name wird genannt werden, so lange die Welt steht: damit tröste dich. Mich aber ermatten die Wunden, ich werde nun meine dahingegangenen Blutsfreunde heimsuchen.« In Walhall bei Odin, wo die im Kampfe Gefallenen aufgenommen wurden. Wie diese dort von Odin und seinen Helden feierlich empfangen werden, schildern altnordische Lieder, die Todtenlieder auf Erich Blutaxt und Hakon den Guten. Sigmund und Sinfjotle empfangen Erich, Hakon findet acht Brüder in Walhall. Hiordis saß sodann über ihm, bis daß er starb; und indem begann der Tag zu leuchten. Sie sah, daß viele Schiffe ans Land gekommen waren, und sprach zu der Dienstmagd: »Wir wollen unsere Kleider tauschen, und du sollst dich mit meinem Namen nennen, und gieb dich für die (eine?) Königstochter aus.« Und so thaten sie.

Die Seehelden erblickten da eine große Menge Gefallener und sahen die Frauen zu Walde eilen. Sie merkten [daran], daß hier Bedeutendes geschehen sein müsse Eigentlich: »daß dies auf große (wichtige) Ereignisse hinweisen werde.«, und sprangen von den Schiffen. Dies Heer aber befehligte Alf, der Sohn König Hjalprek's von Dänemark; der war mit seinem Heere am Lande vorbei gefahren; so kamen sie zur Walstatt, und sahen da die Menge Gefallener. Der König gebot nun, die Frauen aufzusuchen; und also thaten sie. Er fragte, ||109) wer sie wären; aber die Sache nahm einen unerwarteten (ungewöhnlichen) Verlauf. Die Dienstmagd sprach für sie beide und erzählte den Fall König Sigmund's und König Eylime's und manches andern vornehmen Mannes, und auch wer das vollbracht hätte. Der König fragte, ob sie wüßten, wo der Schatz des Königs verborgen wäre. Die Magd antwortete: »Wohl ist zu vermuthen, daß wir es wissen,« und wies [ihn] zu dem Schatze. Und sie fanden großen Reichthum, so daß niemand glaubte, jemals eben so viel oder noch mehr Kostbarkeiten an einer Statt beisammen gesehen zu haben, und trugen ihn zu den Schiffen Alf's. Hiordis folgte ihm, und die Dienstmagd desgleichen.

Er fuhr nun heim in sein Reich Der Inhalt der folgenden Abschnitte ist kurz angedeutet unten S. 121, Z. 3 ff.; vgl. Sinfj. Z. 28 f., und sagte, daß dort die Könige gefallen seien, welche die berühmtesten gewesen wären. Der König setzte sich ans Steuer, die beiden Frauen aber saßen im Vorraum Gemeint ist der tiefere Raum in der Mitte des Schiffes, der dem erhöhten Hinterdeck zunächst liegt, aber mehr nach hinten als nach vorn zu. des Schiffes. Er ließ sich in ein Gespräch mit ihnen ein, und achtete wohl auf ihre Rede. Der König kam heim in sein Reich mit vielen Schätzen. Alf war ein sehr tüchtiger Held.

Und als sie kurze Zeit daheim gewesen waren, fragte die Königin ihren Sohn Alf: »Warum hat die schönere Frau weniger Ringe und schlechteren Anzug? Ich erachte, daß diejenige die edlere ist, der ihr weniger geachtet habt.« Er erwiderte: »Es hat mir geahnt, daß nicht einer Dienstmagd Sinn in ihr wohnt; und als wir zusammen trafen, da verstand sie wohl vornehme Männer zu empfangen: und darauf hin wollen wir eine Probe machen.«

Es geschah nun einmal beim Trunke, daß der König sich zu den Frauen setzte, mit ihnen zu plaudern, und fragte: »Woran erkennt ihr die Tageszeit, wann es nach der Nacht zu tagen beginnt, falls ihr die Gestirne nicht sehet?« Fms. 4, 381 rühmt sich jemand, er könne die Tageszeiten unterscheiden, wenn er auch die Gestirne nicht sähe. Sie (die Magd) antwortete: »Dies Merkmal habe ich dafür: in meiner Jugend war ich gewohnt sehr früh vor Morgen In der ótta, dem letzten Theil der Nacht vor Sonnenaufgang, s. Weinhold, Altn. Leb. S. 373. zu trinken, und seitdem ich davon ließ, wachte ich um dieselbe Zeit Eigentlich: »demgemäß«. auf, und ist das mein Merkmal.« Der König lächelte dazu, und sagte: »Das war eine üble Gewöhnung für eine Königstochter.« Eigentlich: »Schlimm war [die] Königstochter gewöhnt.« Er ging darauf zu Hiordis und richtete an sie ebendieselbe Frage. ||110) Sie antwortete ihm: »Mein Vater gab mir ein Goldringelein mit der Eigenschaft, daß es mir gegen Ende der Nacht S. oben Anm. **. am Finger erkaltet: das ist mein Merkmal dafür.« Der König antwortete: »Da war Gold nicht knapp, wo Dienstmägde es trugen: ihr werdet euch lange vor mir verstellt haben; und [doch] würde ich dich so behandelt haben, als ob wir beide Eines Königs Kinder wären, auch wenn du dies gesagt hättest. D. h. Auch wenn du deine königliche Herkunft mir anvertraut hättest, würde das nicht – wie du befürchtet zu haben scheinst – deine Lage verschlimmert haben, sondern ich würde dich so behandelt haben u. s. w. Und dir soll nun mehr Ehre erwiesen werden, dieweil du meine Frau werden sollst, und ich will dir Brautschatz Das Geld, welches der Bräutigam der Braut zahlte; eigentlich dem Vater der Braut, denn es war ursprünglich ein Kaufgeld. zahlen, sobald du das Kind geboren hast.« Sie antwortete und sagte ihm ganz die Wahrheit von ihrem Schicksal. Sie war nun dort in großen Ehren, und erschien als die angesehenste Frau.

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