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Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen

Anton Edzardi: Altdeutsche und Altnordische Helden-Sagen - Kapitel 14
Quellenangabe
typelegend
authorUnbekannte Autoren
titleAltdeutsche und Altnordische Helden-Sagen
publisherVerlag von Albert Heitz
printrunZweite Auflage
editorAnton Edzardi
year1880
translatorFriedrich Heinrich von der Hagen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150512
projectid9d926f7d
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Elftes Kapitel

Die Ueberschrift ist unleserlich. (Inhalt ganz kurz wiedergegeben Sinfj. Z. 26-28.)

Eylime war ein König geheißen, mächtig und angesehen. Seine Tochter hieß Hiordis, die schönste und weiseste aller Frauen. König Sigmund vernahm, daß sie nach seinem Sinne wäre oder keine sonst; und suchte König Eylime heim. Dieser ||106) bereitete ihm zu Ehren ein großes Gastmahl für den Fall, daß er nicht in Heerfahrt zu ihm käme. Sie sandten nun einander Botschaft, daß mit Freundschaft und nicht mit Feindschaft verfahren würde. Dieses Gastmahl ward [also] aufs köstlichste bereitet und viel Volkes dazu geladen. Dem König Sigmund war überall Kaufgelegenheit Den Reisebedarf zu kaufen ( var sett torg). und sonstige Reisebequemlichkeiten geboten; sie kamen nun zu dem Gastmahle, und beide Könige nahmen in Einer Halle Platz.

Da war auch König Lynge gekommen, König Hunding's Sohn, der wollte auch mit König Eylime sich verschwägern. Der (Eylime) sah nun wohl, daß sie nicht [beide] den gleichen Erfolg haben D. h. der Eine bei der Werbung Erfolg, der andere Mißerfolg haben müsse (so Bugge). könnten, und war auch überzeugt, daß Unfriede von dem zu erwarten wäre, der sie (Hiordis) nicht erhielte. Da sprach der König zu seiner Tochter: »Du bist ein verständiges Weib, und ich habe gesagt, daß du selber dir einen Mann erwählen sollst: wähle nun unter [den] zwei Königen, und mein Wille hierin ist wie der deine.« Sie antwortete: »Schwierig scheint mir diese Sache, doch wähle ich den König, welcher der berühmteste ist, das aber ist König Sigmund, obwohl er schon hoch betagt ist.« Und sie ward ihm gegeben, König Lynge aber fuhr hinweg. Sigmund vermählte sich mit Hiordis, und übertraf da ein Tag immer noch den andern in der Bewirthung.

Darauf fuhr König Sigmund heim nach Hunenland, und König Eylime, sein Schwiegervater, mit ihm. König Lynge aber und seine Brüder sammelten nun ein Heer um sich, und zogen gegen König Sigmund aus; denn sie hatten allemal den Kürzern gezogen, wenn sie auch diesmal den Vorrang (Vorsprung) hatten. Eigentlich: »Wenn auch dieses nun den Vorrang behauptete« (?). Sie wollten nun dem Kampfmuth der Volsunge zuvorkommen Oder: »ihren Kampfmuth brechen«?, und zogen nach Hunenland und sandten dem König Sigmund Botschaft: sie wollten ihn nicht hinterlistig überfallen Eigentlich: »Sich zu ihm heranstehlen (schleichen)«., und wußten wohl, daß er nicht fliehen würde. König Sigmund antwortete, daß er zum Treffen kommen würde. Er zog ein Heer zusammen; Hiordis aber ward mit einer Dienstmagd in den Wald gefahren und großes ||107) Gut mit ihnen: dort war sie während des Kampfes.

Die Seehelden Víkingar soll hier offenbar nicht See räuber, sondern, wie in der Dichtung allgemein, (See-) Helden heißen, vgl. Helg. Hund. I, Str. 28, 4; Helr. 11, 7 u. s. w. sprangen aus den Schiffen mit unwiderstehlichem Heere. König Sigmund und König Eylime erhoben nun ihre Banner, und die Kriegshörner wurden geblasen. König Sigmund ließ sein Horn ertönen, das sein Vater gehabt hatte, und spornte seine Mannen an; Sigmund hatte ein viel kleineres Heer. Es begann nun dort ein harter Kampf, und obschon Sigmund alt war, so focht er doch kräftig, und war immer der vorderste seiner Mannen; weder Schild noch Panzer hielt gegen ihn aus, und er ging an diesem Tage immer mitten durch das Heer seiner Feinde; und niemand konnte ersehen, wie es zwischen ihnen ablaufen würde. Mancher Speer und Pfeil flog da durch die Luft, aber so schützten ihn seine Späh-Disen Disen sind Schutzgöttinnen (s. unten S. 99†), den Nornen verwandt; daher hier Späh- (prophezeiende, Schicksal kündende) Disen genannt?, daß er nicht verwundet ward; und niemand konnte zählen, wie mancher Mann vor ihm fiel: er hatte beide Arme blutig bis zur Achsel. Und als der Kampf eine Weile gedauert hatte, da kam ein Mann in die Schlacht, mit tief herabreichendem Hut und blauem Mantel, der hatte nur ein Auge und [trug] einen Speer in der Hand. Es war Odin. Vgl. S. 15. So ruft er auch andere von ihm begünstigte Helden, die er das Schwert in jeglicher Schlacht siegreich schwingen ließ, nach vollbrachter Heldenlaufbahn zu sich, die Freuden des Heldenlebens in Walhall weiter zu genießen und einst ihm zur Seite zu stehen, wenn der Weltuntergang naht und die Mächte der Vernichtung gegen die Götter heranstürmen. Dieser Mann trat dem König Sigmund entgegen und hob den Speer gegen ihn empor; und als König Sigmund kräftig hieb, traf das Schwert auf den Speer, und es zersprang in zwei Stücke. Seitdem wandte sich die Niederlage, und war König Sigmund's Glück entwichen, und das Volk fiel zahlreich auf seiner Seite. Diese Uebersetzung verlangt der Sinn ( fyrir honum); vgl. u. S. 81, Z. 6. Der König schonte sich nicht, und spornte das Heer mächtig an. Doch kam es, wie das Sprichwort sagt, daß man gegen Uebermacht nichts vermag. | In dieser Schlacht fiel König Sigmund und König Eylime, sein Schwiegervater, vorn in der Schlachtreihe und der größte Theil seines Heeres.

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