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Allgemeine Geschichte der Literatur des Mittelalters im Abendlande, Band 2

Adolf Ebert: Allgemeine Geschichte der Literatur des Mittelalters im Abendlande, Band 2 - Kapitel 9
Quellenangabe
typetractate
booktitleAllgemeine Geschichte der Literatur des Mittelalters im Abendlande, Band 3
authorAdolf Ebert
year1971
firstpub1887
publisherAkademische Druck- u. Verlagsanstalt
addressGraz
titleAllgemeine Geschichte der Literatur des Mittelalters im Abendlande, Band 2
pages529
created20120922
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Sechstes Kapitel.

Phönix. – Physiologus.

Von besonderer literargeschichtlicher Bedeutung ist ein angelsächsisches Werk, welches die heidnische, aber bereits einigermassen christianisirte Sage von dem Vogel Phönix auf Grund der Dichtung des LactanzS. Bd. I, S. 93 ff., wo auch eine Analyse des Inhalts gegeben ist, die hier zu vergleichen. behandelt. Dieses 677 Langzeilen umfassende GedichtThorpe, Cod. Exon. S. 197 ff. – Grein, Biblioth. Bd. I, S. 215 ff. – – Gäbler, Ueber die Autorschaft des angelsächs. Gedichts vom Phönix in: Anglia III, S. 488 ff. zerfällt in zwei Theile. Der erste, welcher bis v. 380 reicht, erzählt die Sage dem Lactanz folgend, indem jedoch der angelsächsische Dichter die klassisch-antike Darstellung in eine romantisch-christliche umsetzt und zugleich in den epischen Stil seiner Nation kleidet. So wird die Uebertragung der Vorlage zu einer freien Paraphrase, in welcher an die Stelle römischer Prägnanz angelsächsische Weitschweifigkeit tritt, aber auch ein reicheres Kolorit sich findet. Andeutungen des Originals werden zu ausgeführten Schilderungen: Hand in Hand mit solchen Ausführungen aber geht die volle Christianisirung des Stoffes,Ein Beispiel dafür liefert sogleich der Anfang. Das Gedicht des Lactanz beginnt: Est locus in primo felix oriente remotus. Dieser Vers wird durch folgende 6 Langzeilen wiedergegeben: Häbbe ic gefrugnen, þätte is feor heonan | eástdælum on äđelast londa | tirum gefræge. Nis se foldan sceát | ofer middangeard mongum gefêre | folcâgendra, ac he âfyrred is þurh méotudes meaht mânfremmendum. Die gesperrten Worte zeigen, wie die Paraphrasirung des remotus zur Christianisirung benutzt ist. die auch negativ, durch Entfernung rein heidnischer Elemente, bewirkt wird. So ist der Phönix hier nicht mehr ein Priester des Hains,Lact. v. 57: Antistes luci, nemorum veneranda sacerdos. ein Trabant des PhoebusWenn er auch einmal später v. 288 der Sonne Degen (þegn) genannt wird. und bringt keine Libationen dar. Phoebus ist »die Leuchte Gottes« (godes condel), die Sonne; »der edle Vogel« beobachtet nur ihren Lauf, wenn sie über dem Meere (ein angelsächsischer Zusatz!) aufsteigt, und singt und jubelt ihr entgegen. Auch schauen den wiedergeborenen auf seinem Fluge nicht 74 bloss die Aegypter, sondern die Völker aller Himmelsgegenden. Denn nicht nach Aegypten lässt unser Dichter ihn seine Asche tragen, um sie in dem Tempel des Sonnengottes niederzulegen, vielmehr nach seiner Heimath, wo er sie begräbt (v. 276 ff.).Der Dichter weicht hier von seiner Vorlage nicht bloss aus dem Grunde ab, das heidnisch-fremdartige zu vermeiden, sondern offenbar auch weil er das solis ad ortus v. 121 des Originals missverstanden hat. Die Vögel aber, die dem edlen das Geleit dorthin geben, bis er ihnen vor den Augen entschwindet, preisen ihn als ihren König und Volksfürsten (v. 344 f.).

Den zweiten Theil hat der angelsächsische Dichter seiner Bearbeitung des lateinischen Werks selbständig hinzugefügt. Hier legt er den Mythus christlich allegorisch aus. Indem er an den letzten Vers des Lactanz: (Phoenix) Aeternam vitam mortis adepto bono anknüpft, betrachtet er zunächst den Phönix als ein Bild oder Vorbild der Seligen (eádigra), der auserwählten Degen Christi, die auch durch den Tod das ewige Leben erwerben. Wie der Phönix das Paradies verlässt, so mussten auch die Erzeltern es einst verlassen (v. 393–442). »Aber es gab manche unter ihren Nachkommen, die durch heilige Sitten und rühmliche Thaten dem Schöpfer gehorsam sich zeigten, so dass sie seine Huld erwarben«. Dieselbe ist der hohe Baum, auf dem der Phönix sein Nest bereitet. Dort vermag ihnen der Feind in der furchtbaren Zeit – dem jüngsten Tage – nichts zu schaden. Die rühmlichen Thaten – die guten Werke – sind die Würzkräuter, womit der Phönix sein Nest baut (v. 465); der Brand aber, der es verzehrt, ist der Weltbrand des jüngsten Tags; die Seligen, umgeben von ihren guten Werken (v. 526 f.), erstehen dann wieder jung mit sündenfreiem Leib, und den Geist geläutert durch die Gluth (v. 544 f.). Hier beruft sich der Dichter dann ausführlich auf die Autorität des Hiob (c. 29, v. 18), der auch in dem Phönix ein Vorbild der Auferstehung und Lebenserneuerung sah. – In den Seligen aber kehrt die Menschheit in das durch die Erzeltern verlorene Paradies zurück, »wo die wahre Sonne leuchtet in der Herrlichkeit Burg schön über den Scharen« (v. 587 f.).

In dem letzten Abschnitt (v. 589 ff.) wird der Phönix als Vorbild Christi gedeutet,Dies wird ausdrücklich gesagt v. 646 f.: – – Swâ, Fenix beácnađ | geong in geardum godbearnes meaht. indem der Dichter an jenen Zug 75 der Sage anknüpft, dass die andern Vögel dem Phönix auf seiner Heimfahrt das Geleit geben. Er hat diese Deutung in seiner Erzählung schon angebahnt, indem er die Vögel den Phönix als ihren König verherrlichen lässt. Hier sind die Vögel jetzt die Seligen, die Christus in die Heimath folgen durften. Die Seligen preisen im Paradiese Gott als Vater, wie als Sohn, welcher auferstanden wie der Phönix ist. Und der Dichter schliesst mit einem Hymnus auf ihn, der seltsamerweise in halb angelsächsisch und halb lateinisch verfassten Zeilen geschrieben ist: worin aber die angelsächsische Hälfte wohl aus dem Lateinischen übersetzt ist.Der Hymnus beginnt:
        Hafađ us âlŷfed lucis auctor,
        þät we môtun her mereri
        gôddædum begietan gaudia in cælo,
        þær we môtun maxima regna etc.

Dass die erste allegorische Deutung selbst in Einzelheiten auf eine Stelle des Hexaëmeron des Ambrosius (l. V, c. 23) zurückgeht,Ob aber unmittelbar ist sehr die Frage. und die Bezugnahme auf Hiob auf Beda's Commentar (l. II, c. 12) sich gründet, hat Gäbler (a. a. O. S. 517 ff.) gut nachgewiesen.

Das Gedicht gehört, namentlich als Ganzes, zu den in der Ausführung anziehendsten Werken der angelsächsischen Poesie, denn seine leicht beflügelte, oft farbenreiche Darstellung, welche auch des in der angelsächsischen Dichtung seltenen Schmucks des Gleichnisses nicht ermangelt,So findet sich hier (v. 243 ff.) das Gleichniss von dem Saatkorn – freilich ein sehr altes Bild der Unsterblichkeit – ausführlich erzählt. ermüdet nicht, was bei ihr so selten, obgleich es auch hier nicht an Wiederholungen fehlt. Hierin unterscheidet sich das Gedicht auch von den authentischen Werken des Cynewulf, für dessen Autorschaft nur einzelne stoffliche Berührungen mit ihnen sprechen können.So namentlich die Bezugnahme auf Hiob verglichen mit Christ v. 633 ff. S. Gäbler S. 525. Die aus der Sprache geschöpften Argumente Gäblers wie andrer sind werthlos, ja mitunter geradezu lächerlich. Mit solchen Gründen könnte man alle Werke Schillers Goethe, und alle Goethe's Schiller zuschreiben.

 

Die typologische Auffassungsweise, der wir im zweiten Theil des Phönix begegnen, ist dieselbe, welche sich in den Physiologi findet: wird doch der Phönix selbst auch in 76 diesen behandelt. Von dieser so eigenthümlichen literarischen Gattung des Mittelalters hat in den Volkssprachen auch das erste Beispiel die angelsächsische Poesie geliefert, das uns freilich nur als Torso erhalten ist. Sie folgt indessen auch hier nur dem Vorgang der christlich-lateinischen Literatur, die selbst wieder, wie man sicher annehmen darf, auf den Spuren der griechischen ging. Die Geschichte des »Physiologus« ist noch zu schreiben: bis jetzt sind nur Ansätze dazu gemacht;So hat namentlich Carus eine verdienstliche Vorarbeit geliefert in seiner Geschichte der Zoologie. Leipzig 1872, S. 108 ff. freilich liegt auch das Material noch unvollständig vor. So darf ich mich hier auch nur mit einer kurzen Skizze begnügen, soweit sie schon das Verständniss des angelsächsischen Gedichtes erfordert.

Das Wesen des Physiologus aber besteht darin, dass einzelne Arten der drei Reiche der Natur, vornehmlich des Thierreichs, vorgeführt werden, von denen der Autor seltsame Eigenschaften berichtet, die er dann typologisch deutet. Um diese Deutung ist es dem Autor vorzugsweise zu thun, sie hat auch die Auswahl und Sammlung der naturhistorischen Gegenstände bedingt. Der Physiologus – worunter ich hier überhaupt die literarische Gattung verstehe – ist meines Erachtens aus der allegorischen Erklärung der Bibel erwachsen. Sie betraf auch die Thiere. So wird ja schon im Evangelium Johannis das Osterlamm auf Christus gedeutet, und wird dieses das Symbol Christi. Die Bildersprache des Alten Testaments, namentlich der Propheten, gab zu solcher Erklärung mannichfaltigen Anlass. Auch werden dort schon von den Thieren manche merkwürdige Züge erzählt, die zum Theil in der Natur derselben begründet sind, zum Theil auf uralter Volksüberlieferung beruhen. Das Interesse, das diese typologische Behandlung von Naturgegenständen erregte, liess nun auch aus heidnischen Traditionen, schriftlichen wie mündlichen, schöpfen, die eine noch reichere Quelle boten. Vielleicht fand es dann zuerst einen umfassenderen und selbständigeren Ausdruck in den Hexaëmeron, den Homilien über die Schöpfungstage. Endlich entstand, und zwar in griechischer Sprache, offenbar im Orient, wahrscheinlich in Alexandria, ein besonderes Werk, das solche Naturgegenstände, namentlich Thiere, zugleich mit ihren 77 typologischen Deutungen sammelte – der erste Physiologus, der uns leider nicht im Original erhalten ist.Einen Ersatz für dieses bietet nicht bloss eine spätere griechische Recension, sondern auch der äthiopische Physiologus, welcher, wie man annehmen darf, eine Uebersetzung des ältesten griechischen ist. S. Hommel, Die äthiopische Uebersetzung des Physiologus, Leipzig 1877, S. XVII und XLIII. Diesem folgten schon seit dem fünften JahrhundertDurch den Beschluss eines Concils unter Papst Gelasius 496 wird ein ketzerischer Physiologus verboten. Dieser muss, weil er dem Ambrosius fälschlich beigelegt war, lateinisch geschrieben gewesen sein. auch lateinische. Mehrere sind uns in Handschriften des achten und neunten Jahrhunderts überliefert,Einer, in einer Hdschr. des achten, ist von Mai, Classicor. auctor. e Vatican. codd. edit. Tom. VII p. 588 ff. herausgegeben; zwei, in Berner Mss. des neunten Jahrhunderts, sind edirt von Cahier in Mélanges d'archéologie, d'histoire et de littérature Tomes II, III, IV. Paris 1851 ff. von späteren Manuscripten zu schweigen. Obgleich den Ursprung aus einem Grundwerk nicht verleugnend, weichen sie doch im einzelnen in der Auswahl und Ordnung des Stoffes wie in der Ausführung mehr oder weniger von einander ab. – Dass unter den Thieren auch einzelne rein fabelhafte erscheinen, zeigt schon das Beispiel des Phönix. Ausser den Thieren, deren verschiedene Gattungen vertreten sind, finden sich in den ältesten lateinischen Physiologen nur ein paar Steine und kaum einmal ein Object des Pflanzenreichs. Diese Naturgegenstände erscheinen aber als Typen entweder von Christus, oder von dem Teufel, oder auch von den Menschen, und zwar von bestimmten, namentlich moralischen Kategorien derselben: ebenso wie sich mit der allegorischen die tropologische Auslegung der Bibel verband, die auch hier öfters nicht fehlt.

An die ältesten lateinischen Physiologi schliesst sich nun zunächst im Abendland der TorsoDass ein Torso vorliegt, keine einzelnen Fragmente, habe ich in dem unten erwähnten Aufsatz nachgewiesen, nicht minder, dass aller Wahrscheinlichkeit nach der Verfasser die Dichtung weiter geführt hatte. eines angelsächsischenThorpe, Cod. Exon. S. 355 ff. – Grein, Bibl. Bd. I, S. 233 ff. – – Ebert, Der angelsächs. Physiologus in: Anglia Bd. VI, S. 241 ff. an. Nach einigen einleitenden Versen, worin der Dichter von der Unzahl der Thiergattungen redet, die über die Welt sich zerstreut finden, will er von einer wunderbaren Art wilder Thiere berichten, die in fernen Landen in Bergschluchten haust: das Thier ist der Panther (74 Langzeilen): der ist jedem 78 Freund und gnädig mit Gaben, ausser dem Drachen, dessen Gegner er alle Zeit ist. Wunderbar glänzt er in allen Farben, wie die Tunica Josefs. Wenn er, froh der reichen Jagd,Das fylle fägen, wörtlich: der Fülle froh (v. 35), gebe ich wie oben wieder im Hinblick auf das diversis venationibus der lateinischen Quelle. S. meinen Aufsatz S. 243. sein Futter genommen, so sucht er nach der Mahlzeit die Ruhe, eine verborgene Stätte in der Bergschlucht: dort schläft der Volksheld drei Nächte Zeit. Dann aber erhebt sich der stärkeberühmte, von Kraft geschwellt, am dritten Tage, und aus des Wildes Mund kommt der wonnigste der Laute. Der Stimme folgt aber der süsseste und stärkste Duft von der Flurstätte.Der erklärende, aber die ursprüngliche Erzählung verderbende Zusatz of þam wongstede (v. 45) gehört dem Angelsachsen allein an; in allen andern Physiologi geht natürlich der Duft von dem Thiere selbst aus. Dann fahren aus den Städten und Königssitzen manche Heldenscharen eiligen Laufs herbei und ebenso ziehen die Thiere der Stimme nach zu dem Dufte.

Es folgt darauf (v. 55) die »Hermeneia«, wie der griechische Physiologus sich ausdrückt, die allegorische Auslegung: der Panther ist der Typus Christi, der Drache der Teufel; und der Dichter schliesst, indem er einen Ausspruch des heiligen Paulus citirt,Es ist offenbar Ep. ad Ephes. c. 2, v. 7 f. die Stelle, welche der Dichter im Auge hat, aber sehr frei wiedergibt. um den Duft zu deuten: Mannichfach sind die reichen Güter, die uns der Allmächtige zur Lebensrettung schenkt.

In einem folgenden Abschnitt (89 Langzeilen) geht der Dichter zu einer »Gattung der Fische« über, dem grossen Walfisch, der oft unerwünscht, furchtbar und grimmig den Seefahrern begegnet: dieser Durchfluther des Oceans heisst Fastitocalon.Verderbt aus Aspidocalon, wie der lateinische Physiologus hat, dem der angelsächsische sich am nächsten anschliesst. Die richtige griechische Form ist Ἀσπιδοχελώνη und bedeutet: Meerriesenschildkröte, indem als eine solche der Walfisch bezeichnet wird. Sein Aussehen gleicht einem rauhen Steine, als ob an des Wassers Ufer das grösste der Seeröhrige, von Sandhügeln umgeben, woge, so dass die Wellenfahrer denken ein Eiland zu sehen und darauf landen. Sie machen sich ein Feuer an, die Fahrtmüden, und hoffen der Ruhe zu pflegen: wenn das aber fühlt der hinterlistige Gast des Oceans, dass 79 sie fest auf ihm sich niedergelassen, so taucht er plötzlich mit sammt ihrem Boote, das sie an ihm befestigt hatten, auf den Grund und ertränkt sie. So ist der Teufel Weise – fährt der Dichter dann fort, indem er die Deutung gibt – sie betrügen durch geheime Macht die Menschen, dass sie Hülfe bei ihnen suchen, bis sie zuletzt fest bei dem Lügner ihre Wohnung genommen, der sie dann in den Höllenabgrund entführt.

Der Walfisch aber hat noch eine andre Natur:gecynd (v. 49) entspricht dem Terminus techn. der lateinischen Physiologen natura. wenn ihn hungert, dann öffnet er den Mund weit und ein wonniger Duft strömt heraus, welcher andre Fische betrügt, so dass sie eilig ihm nach in seinen Rachen schwimmen; wenn dieser gefüllt ist, schliesst ihn das Thier plötzlich. So lassen sich die Menschen vom Teufel verführen, bis sie der Höllenrachen verschlingt. Der Dichter endet mit der Ermahnung, dem Teufel abzusagen und das Heil bei dem König der Herrlichkeit zu suchen.

Der folgende Abschnitt (16 Langzeilen) beginnt: Ich hörte noch von einem wunderbaren Vogel reden – leider fehlt die Fortsetzung der Beschreibung und nur der Schluss der Hermeneia, mit dem zugleich dieser Torso eines angelsächsischen Physiologus endet, ist uns erhalten. Ich habe in der oben angeführten AbhandlungS. 246. den Beweis geliefert, dass der Vogel das Rebhuhn ist, welches schon frühe als Typus des Teufels betrachtet wurde,S. Bd. I, S. 159 Anmerk. weil von ihm die Sage ging, dass es die Eier eines andern seiner Art stehle und ausbrüte; die ausgeflogenen Jungen aber, sobald sie die Stimme ihrer wahren Mutter vernehmen, wenden sich dieser wieder zu. Auf diesen Zug geht der uns erhaltene Schluss der Hermeneia.

Der angelsächsische Physiologus ist von keinem geringen literarhistorischen Interesse. Er ist nicht bloss der älteste der Nationalliteraturen des Abendlands; sondern er zeigt auch in einzelnen Zügen, dass ihm eine lateinische Recension zu Grunde liegt, die älter als die uns überlieferten ist und dem ältesten griechischen Physiologus am nächsten stand.S. darüber meinen Aufsatz. Zugleich aber ist er der älteste poetische Physiologus überhaupt; und dies Prädicat gründet sich bei ihm nicht bloss auf die metrische 80 Form. Es ist keine versificirte Prosa, sondern eine wahrhaft poetische Diction im Stile der angelsächsischen Epik, ohne dass der Verfasser in die leidige Weitschweifigkeit derselben verfällt. So ist dies Bruchstück durch das reiche Kolorit und die lebendige Anschaulichkeit der Beschreibung, die sich mit dichterischer Freiheit bewegt, wie durch den überzeugungsvollen energischen Ausdruck der Lehre auch ästhetisch recht anziehend.

 

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