Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Georg Bötticher >

Allerlei Schnick-Schnack

Georg Bötticher: Allerlei Schnick-Schnack - Kapitel 78
Quellenangabe
typepoem
booktitleAllerlei Schnick-Schnack
authorGeorg Bötticher
yearca. 1900
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleAllerlei Schnick-Schnack
created20050321
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

An Leibzg!

(Sächsisch.)

            Mei liewes Leibzg – m'r sinn doch noch de Alten
Trotz allen Wechsel in der Zeiten Lauf? –
Laß mich mit dir ä bißchen unterhalten
Un nimm mei Reden, bitte, gietig auf.
Wenn ich versuche, eenjes zu ererdern,
Bis nich gleich beese! Sieh, es is so scheen,
Nich wahr, un gann de Freindschaft ja nur ferdern,
Wemmer in jeder Hinsicht uns verstehn?

Das is gewiß: Du bist dir trei gebliewen:
Musik, der Handel un der Buchverlag
Um dieses Gleebladd dreht sich all dei Liewen,
Un alles andre gommt ärscht hinten nach.
Du genntst vielleicht ä Linschen mehr dich gimmern
Um Malerei un Dichtgunst un Sgulbdur
Un ä was weniger in Deenen wimmern?
Na, bis nur stille! Ich – ich meente nur – – –

Egal Musik, sieh, wärd een leichte iewer,
Drum stimmt mich oft ooch dei Gewandhaus miß.
(Es is m'r iewerhaubt von draußen liewer,
Zumal wenn de Musik ärscht drinne is.)
Dann dreibste mir den Gultus mit den Meistern
Ä was ze weit, mei Leibzg. Was willste denn?
M'r gann sehr wohl fer Wagnern sich begeistern
Un doch nich Nikisch's neiste Weste genn!

Wemmer den Blick dann aufs Deader lenken,
Da gibt's ooch manches, was m'r dadeln gann:
Ich gammer sicher ä Direktor denken
Noch idealer fast wie Stägemann.
Doch ihn mit Haß verfolgen, mit beständgen,
Wie manche – nee, das liegt m'r gänzlich fern.
Ja, gennt 'ch 'n so ä Sternchen oder Bändchen
Fer seine Sammlung stiften – herzlich gern!

Dei neues Rathaus stilvoll ze gestalten,
War darum, wie m'r heert, so riesig-schwer,
Weil's galt, den Bleißenborgdorm ze erhalten
Genau so wie er stand von Altersch her.
Nu macht sich's mit d'n Bau ja schon recht scheene,
Nur eens gann ich mir nich zusammenreim:
Der Dorm is wegk bis auf de untern Steene
Was brauchten die denn schließlich stehn ze bleim?!

Im Buchgewerbehause, eiherrjeses,
Mei gutes Leibzg, da hattste ooch gee Glick:
Die Gorkserei von Schneidern is ä beeses,
In Golorit ä sehre beeses Stick!
Laß lieber uns von »Zoologschen« reden,
Denn das is wahr, an den erfreit m'r sich.
Grad so gefällt dei »Balmengarten« jeden –
Nur hingehn duht m'r bei dän Breisen nich.

Un's »Ginstlerhaus« – ich sitze grade drinne,
Da schickt sich's nich und deshalb sag ich bloß:
Es is ja eeniges ä bißchen dinne –
Im ganzen awer werkt's doch sehr famos! –
Un nu genug! 's wär manches noch ze sagen,
Was unsereener auf'n Herzen hat . . .
Ich ferchte nur, du hast mich längst in Magen,
Un nachgerade – krieg ich's selwer satt!

 << Kapitel 77  Kapitel 79 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.