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Allerlei Schnick-Schnack

Georg Bötticher: Allerlei Schnick-Schnack - Kapitel 74
Quellenangabe
typepoem
booktitleAllerlei Schnick-Schnack
authorGeorg Bötticher
yearca. 1900
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleAllerlei Schnick-Schnack
created20050321
sendergerd.bouillon
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Das Lied von der Elgersburg. Preisgekrönt im Künstlerturnei der Elgersburger Ritterschaft am 25. August 1901.

    Nun hört ein Lied von feuchtem Klang
Und durstgeschwellten Rhythmen,
Ich will's als Sang, als Festgesang
Den Elgersburgern widmen.
Es ist nach keiner Melodie –
Das heißt: die schon vorhanden,
Doch wenn's gefällt,
So hat die Welt
Ja wohl noch Musikanten.

Am fünften Juni accurat
Elfhundertachtundzwanzig,
Da flucht in seiner Kemenat
Herr Elger: »Gottverdanzig!
Wenn dieser Krug zu Ende geht,
So geht das Letzte flöten – –
Wo ist der Mann,
Der helfen kann?
Moneten her! Moneten!«

Herr Elger rief's. Und tags danach
War Elgersburg verpfändet.
Einzog Herr Heinz ins Burggemach –
Das Blättlein schien gewendet.
Doch ging noch nicht ein Jahr ins Land,
So tat auch der trompeten:
»Ein Mann, ein Mann
Mit Gülden 'ran –
Die meinen gingen flöten!«

Von neuem zog ein Elger ein,
Ein Heinz folgt diesem wieder –
So wechselten heraus, herein
Der Elgersburg Gebieter.
Und jeder rief nach kurzer Frist:
»Kreuz Pauken und Trompeten!
Ein Mann, ein Mann
Mit Gülden 'ran –
Moneten her! Moneten!«

Es sah die Burg verwundert schier
Die Herrn beständig wandern:
Sie kam in der Jahrhundert vier
Von einer Hand zur andern.
Der letzte Herr, ein Philosoph,
Der sprach bedacht: »Ich finde,
Ein jedes Ding,
Groß und gering,
Hat seine guten Gründe«

»Daß stets es an Moneten fehlt,
Hat seinen Grund im Trinken,
Der Grund, weshalb uns dieses quält,
Ist Durst, will mich bedünken.
Der aber kommt von hies'ger Luft,
Die ist ein Suffverführer –
Champagnerluft,
So nennt's der Schuft,
Der leidge Pflasterschmierer!«

»Dies Faktum ist mal konstatiert.
Auch ich fühl in der Kehle
So einen Druck, der sich verliert,
Wenn ich mit Wein sie öle.
Und darum, Schaffner, Wein herbei!
Und geht das Letzte flöten –
Dann einen Mann
Mit Gülden 'ran,
Mit klingenden Moneten!« –

So er. Und denen heut die Burg
Als Schlossesherrn zu eigen –
Wir sehen sie die Nächte durch
Der Ahnen wert sich zeigen.
Manch Fäßlein tranken sie schon leer
Und brauchten nie zu flöten:
Ein Mann, ein Mann
Mit Gulden 'ran: –
Sie haben die Moneten!

Und herrscht auch starke Dunkelheit
Ob ihres Schlosses Gründung,
Sie wissen schon, was Licht verleiht:
Es ist des Bechers Ründung.
Wer öfters nur und unverzagt
In die hineingesehen,
Dem wird so klar,
Was einstens war,
Als wär's durch ihn geschehen!

Doch sorgt die Schar, die droben zecht,
Nicht viel sich um den Gründer:
Witzleben ist ihr eben recht,
Sein Wappenschild nicht minder.
Dem Witz verhilft zum Leben sie
Und hält im Schild den Sparren:
Sie kann beim Wein
Ja nur gedeihn
Mit Hilfe froher Narren!

Und dies System, es bleib in Kraft
Von Abends spat bis frühe:
Die Elgersburger Ritterschaft
Sie leb und wachs und blühe!
Nie fehl' es ihr an edlem Stoff:
Wein, Witz, Humor und Liedern.
Drauf Mann für Mann
Die Becher 'ran:
Und dreimal hoch der biedern!

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