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Allerlei Schnick-Schnack

Georg Bötticher: Allerlei Schnick-Schnack - Kapitel 73
Quellenangabe
typepoem
booktitleAllerlei Schnick-Schnack
authorGeorg Bötticher
yearca. 1900
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleAllerlei Schnick-Schnack
created20050321
sendergerd.bouillon
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Widmungen.

An Atz vom Rhyn.

(Arthur Rehbein.)

                Uns ist aus alten Zeiten wunders viel gesagt
Von fahrnden Spielmannsleuten, urkeck und unverzagt:
Die Satan aus der Höllen nit förchten, wann er käm,
Und unter Frohgesellen die allerfrohsten sind zudem.

    Die hohen Ruhm erworben, ob manchem tollen Streich,
Die Art ist ausgestorben noch nit im Deutschen Reich:
Ich kenne solcher einen im schönen Thüringland,
Der springt auf Rehesbeinen und Atz vom Rhyn wird er genannt.

    Vom Kopf bis in die Zehen ist der ganz Lebenslust,
Mag liegen oder gehen, er jauchzt aus voller Brust
Und singt und lacht beständig – wann immer ich ihn traf:
Der Kerl ist so unbändig, ich glaub, der tanzt sogar im Schlaf!

    Still sitzen, schweigen müssen, das ist ihm gar ein Graus.
In tollsten Redeflüssen schwelgt er sich förmlich aus!
Und hat er sich stockheiser geschrieen überm Wein,
So schreit er eben leiser, und ficht dabei mit Arm und Bein!

    Und singen kann er! (Wunder! Ein Spielmann, der's nit könnt!)
Todmüde singt er munter und ohne Instrument.
Mehr Schnurren kennt wohl keiner wie er kennt, meiner Seel!
Wär noch so grämlich einer: der Atz vom Rhyn macht ihn fidel!

    Wohl stimmt er die Gemüter zumeist zu Lust und Scherz,
Doch klingt durch seine Lieder oft ein verhaltner Schmerz.
Das ist so Spielmannswesen und will verstanden sein:
Die Art ist recht erlesen, nit sich, nein andre zu erfreun.

    Den liebenswürdgen Weibern ist er nit eben gram;
Weiß Gott von wie viel Leibern er schon den Zoll sich nahm.
Doch ob der holden Kindchen er noch so viel geküßt,
Ich glaub, es giebt ein Mündchen, das nie und nimmer er vergißt.

    Ein Spielmann und nit bechern, das wär ein trister Spaß:
Mit frohgestimmten Zechen sitzt gern er hinterm Glas.
Er ist vom Wein kein Hasser und nimmt gern Bier zur Hand,
Ja förchtet selbst nit Wasser – vorausgesetzt, daß es gebrannt!

    Es fließt in seinen Adern gar wildes, heißes Blut.
Eh daß ich möchte hadern mit diesem Übermut,
Des Augen dräun wie Spieße den Gegner durch und durch –
Bei Gott, noch eher ließe ich mich rasiern in Elgersburg!

    Doch ob auch der Geselle den Teufel hat im Leib,
Man muß auf alle Fälle ihm gut sein, Mann wie Weib!
Mög ihm dies Jugendfeuer noch lang die Brust durchglühn,
Zu manchem Abenteuer, dem lieben prächtgen Atz vom Rhyn!

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