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Allerlei Schnick-Schnack

Georg Bötticher: Allerlei Schnick-Schnack - Kapitel 17
Quellenangabe
typepoem
booktitleAllerlei Schnick-Schnack
authorGeorg Bötticher
yearca. 1900
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleAllerlei Schnick-Schnack
created20050321
sendergerd.bouillon
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Der »Unverbesserlich.«

                In Köllen hat, vor grauer Zeit,
Ein Sündenstrolch gehauset,
Ein Kerl, vor dessen Schändlichkeit
Dem Teufel selbst gegrauset.
In Lug, Trug, Raub und Totschlag hat
Der sich getan gar nimmer satt,
Bis – seine Stund gekommen
Und es ein End genommen.

Mit einmal nämlich – wunderbar! –
Hat er wie Reu verspüret,
Ist auf dem Fleck, stracks wie er war,
Zum Papst nach Rom marschieret,
Hat offen seine Schuld genannt
Und zu der Buße sich bekannt,
Die seiner Sünden wegen
Der Papst ihm auf tät legen.

Die Buß ist, gleich den Sünden sein,
Gar groß und schwer gewesen:
Ein Jahr lang meiden Fleisch und Wein,
Drei »Agnus« täglich lesen,
Zum Mittagsmahl nur Brot und Fisch
Und Brunnenwasser, und vor Tisch
Sechs Paternoster sprechen
Und – dies Gelübd nie brechen.

Der Strolch hat des nit acht gehabt,
Hat Fleisch wie sunst verspeiset,
Sich auch am »Rheinischen« gelabt
Und Betens schwach befleißet.
Bis er, aufs neu der Sünden satt,
Zum Papst nach Rom gewandt sich hat
Und den erweicht durch Flennen,
Ihm leichtre Buß zu gönnen.

Die hat ihm der vor dieses Mal
Fast mildiglich bemessen:
Tags Paternoster drei an Zahl
Und frei in Trunk wie Essen.
Auch solche Buße, wahrlich klein,
Hat selbger Kerl nit halten ein,
Wie er, bald reuerfüllet,
Dem Papst in Rom enthüllet.

Der hat diesmal der Ungeduld
Sich kaum erwehren können,
Doch mild gesagt und noch voll Huld:
»Weißt du mir nichts zu nennen,
Was du, Freund Unverbesserlich,
Als Buße nehmen möchtst auf dich
Und dir, bei eingem Willen,
Getraust, auch zu erfüllen?«

»Ich wüßt was,« sprach dem heilgen Mann
Der Sünder da entgegen,
»Ich hab, so lang ich denken kann,
Nie Knoblauch essen mögen.
Wenn Ihr mir anbefehlen wollt,
Daß ich den nimmer essen sollt –
Da könnt's bei meiner Seelen,
Mir mit der Buß nit fehlen!«

»So geh denn,« sprach der Papst »und iß
Um deiner Sünden willen
Nie Knoblauch! – Geh und nie vergiß,
Die Buße zu erfüllen!«
Der Sünder ging. Doch als er hatt'
Die Gärten neben sich der Stadt,
Sah er im Weitergehen
Ein Beet voll Knoblauchs stehen.

Da stand er starr und schaut' und schaut'
Und tät den Ruch verschlingen
Und, raps, ein Zweiglein von dem Kraut
Blitzschnell zu Munde bringen . . .
Und seltsam! Dem, der, selbst gekocht
Vordem den Knoblauch nie gemocht,
Dies Kraut itzt derart schmeckte,
Daß er's in Mengen schleckte!

Ist jählings dann, von Reu erfaßt,
Zum Papst zurück geloffen
Und hat die neue Sündenlast
Gebeichtet frei und offen.
Da aber kam dem heilgen Mann
Die jache Zornesröte an:
»Hinweg, du Schandgesellen!
Und beicht du in der Höllen!«

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