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Allerlei Schnick-Schnack

Georg Bötticher: Allerlei Schnick-Schnack - Kapitel 11
Quellenangabe
typepoem
booktitleAllerlei Schnick-Schnack
authorGeorg Bötticher
yearca. 1900
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleAllerlei Schnick-Schnack
created20050321
sendergerd.bouillon
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Die Frauschau.

            Graf Ullerich von Württemberg
Hat schöne Weiber gern gesehn;
Obwohl von großer Leibesstärk,
Konnt solchen er nit widerstehn.

Nun kam nach Stuckert selbger Zeit
Von Leutershaim ein Edelmann,
Der sollt – sie rühmten's weit und breit –
Die schönste aller Frauen han.

Graf Ullrich hört's und voll Begehr
Spricht er im Schimpf zum Ritter gut:
»Man rühmt Uns Eure Frauen sehr.
Kann man's nit sehn, das junge Blut?«

Der Edelmann sah sauer drein,
Sagt aber doch, wenn auch mit Müh:
»Mein' Hausfraun ist im Hause mein.
Kommt morgen hin – da seht Ihr sie!«

Als andern Tags mit seinem Troß
Dahin geritten Ullerich,
Da fand er Bruck und Tor vom Schloß
Gar wohl versperrt und wundert sich.

Hat derhalb rufen müssen laut . . .
Da ist hoch oben auf dem Tor
Mit seinem Ehgemahle traut
Der Edelmann getreten vor:

»Da ist mein Frauen. Schaut sie an!
Von vornen ist sie so gestalt« –
Indeme zieht er sie heran
Und hat sie umgedreht alsbald: –

»Seht, Herr, und hinten schaut sie so!
Jetzunder habt Ihr sie gesehn
Und möcht wohl weiterziehen froh:
Herein laß ich Euch nimmer gehn!«

Da hat der schlimme Ullrich traun
Abziehen müssen langer Nas . . .
Der Ritter aber küßt die Fraun
Und lacht: »Das war ein guter Spaß!«

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