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Allerlei Geister

August Kopisch: Allerlei Geister - Kapitel 31
Quellenangabe
typemisc
booktitleAllerlei Geister
authorAugust Kopisch
editorLeo Greiner
firstpub1848
year1913
publisherMartin Mörikes Verlag
addressMünchen
titleAllerlei Geister
created20050724
sendergerd.bouillon
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Die Bärenschlacht

                        In Osterburg noch alles schlief,
Als von dem Turm der Wächter rief,
Er rief und zog die Sturmglock an:
Auf, auf! wer Waffen tragen kann,
    Die Stadt zu retten, die Stadt zu retten! –

Zuerst der Bürgermeister schrie:
Was gibt es? Wächter! Sag doch wie? –
Er sprach: so viel ich sehen kann,
Kommt grad auf unsre Stadt heran
    Ein Heer von Bären, ein Heer von Bären! –

Ein Heer von Bären kommt daher,
Uns fressen! Flink doch, Schild und Speer!
Nun Männer, Bürger, Tapferkeit!
Zeigt, daß ihr nicht vom Nußbaum seid!
    Auf, zu den Waffen! auf, zu den Waffen!

Da rennet alles kreuz und quer,
Zu streiten mit dem Bärenheer.
Man sucht Stang, Spieß und Schwert hervor,
Kurz was man kriegt, und zieht vors Tor
    Mit großem Schrein, mit großem Schrein.

Hei, wie das staubt! Nun drauf und drein!
Nun laßt uns tapfre Männer sein! –
Und wie man kommt den Bären nah,
O, oh! rief man verwundert da,
    Sie haben Hörner! sie haben Hörner!

Hat man sein Lebtag je gesehn,
Daß Hörner an den Bären stehn?
Sie haben auch ein ander Gesicht: –
Das sind wohl keine Bären nicht?
    Das sind wohl Ochsen? das sind wohl Ochsen? –

– Ja Ochsen sinds! und braun zumeist.
Nicht stecht hinein! sie sind schon feist.
So spricht aus einer Staubeswolk
Ein Händler zu dem tapfern Volk:
    Ihr könnt sie kaufen! ihr könnt sie kaufen! –

– Halt ein! der Bürgermeister schreit;
Bezähmt nun eure Tapferkeit!
Wir wollen welche kaufen von,
Und reiten heim in Prozession
    Als tapfre Sieger, als tapfre Sieger! –

Sie machens mit dem Händler aus
Und sitzen auf und ziehn nach Haus,
Und von den Mauern sehns die Fraun
Mit Graun und kaum den Augen traun:
    Da seht die Bären! – Es sind ja Ochsen! –

Nun lacht man ob der Bärenschlacht,
Es wird ein groß Bankett gemacht,
Zwei Hörnerbären schneidt man klein
Und haut dann in die Braten ein:
    Hei, wir sind tapfer! Hei, wir sind tapfer!

Und wenns auch keine Bären warn:
Wir sind doch kühn hinausgefahrn!
Drum füllt die Humpen, stoßet an!
Und bindt beim Schenkwirt Bären an:
    Die mögen brummen, die mögen brummen!

Und wenn ein Fremder uns verlacht
Ob dieser Hörnerbärenschlacht,
Dem zeigen wir, dem zeigen wir,
Daß wir sind tapfre Leute hier:
    Der soll sich wundern! der soll sich wundern!

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