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Allerlei Geister

August Kopisch: Allerlei Geister - Kapitel 29
Quellenangabe
typemisc
booktitleAllerlei Geister
authorAugust Kopisch
editorLeo Greiner
firstpub1848
year1913
publisherMartin Mörikes Verlag
addressMünchen
titleAllerlei Geister
created20050724
sendergerd.bouillon
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Der Teufel will Arbeit

                Das Volk ist hier zu matt und schlecht,
Ich seh, Ihr brauchet einen Knecht,
Herr Pfarr, den Ihr in Kält und Hitz
Recht schindet in Schindhudelwitz,
Und der nicht gleich für krank und tot
Hinfällt im ersten Abendrot,
Und der nicht immer Trank begehrt,
Und der nicht immer Speise zehrt,
Und der nicht immer müßig steht,
Und der nicht immer tanzen geht.
Wie wärs, wir schlössen den Kontrakt?
Ich bin so einer der sich plackt.
Ich dusle nicht wie Hinz und Hans,
Ich kenne nichts von Spiel und Tanz,
Ich esse nichts, ich trinke nichts,
Ich reiße, ich zerlumpe nichts,
Ich will nicht Lohn, nicht Gaben;
Nur Arbeit muß ich haben;
    Sonst werd ich schlimm! –

Der Pfarrer sieht den Schwarzen an
Und spricht: ich unterschreib. Wohlan!
Nimm diesen Spaten, zieh dahier
Rings um das Gut den Graben mir,
Sechs Ellen tief, die Breite zehn:
Dann wollen wir schon weiter sehn! –
Der Schwarze pustet in die Hand
Und sticht den Spaten in das Land.
Ho ho, was wirft der Klötze auf!
Das fliegt und flirrt im vollen Lauf!
Man sieht ihn hier, man sieht ihn da,
Bald ist er fern, bald ist er nah.
Kaum traut der Pfarrer dem Gesicht,
So steht er schon vor ihm und spricht:
Herr Pfarr, das wäre nun erreicht,
Der Boden ist auch gar zu leicht,
Der Graben ist gegraben,
Und Arbeit muß ich haben;
    Sonst werd ich schlimm! –

So hau die Eichenknubben klein:
Es werden siebzehn Klaftern sein! –
Hm, sagt der Knecht, wo ist das Beil?
Flink her, ich habe lange Weil!
Da liegt der Stiel, es ist entzwei:
Ganz oder nicht, mir einerlei!
Ich schlag die Knubben auf den Stein,
Da springen sie schon kurz und klein! –
Er schlägt und schmeißt, das fliegt umher,
Als obs Geschirr vom Töpfer wär!
Die Späne flirren übers Haus,
Die Stücken weit zum Hof hinaus.
Er liest sie auf und macht dann Schicht,
Und geht zum Pfarrer hin und spricht:
Der Stein tat seine Schuldigkeit,
Die siebzehn Klaftern sind so weit,
Der Graben ist gegraben,
Und Arbeit muß ich haben;
    Sonst werd ich schlimm! –

Ho, sagt der Pfarr, die findt sich bald!
Geh, wat im Schnee hinaus zum Wald,
Wo hundert alte Stöcke stehn,
Sieh zu, ob sie heraußer gehn.
Da hast ein Weilchen du zu tun,
Ich will indessen etwas ruhn. –
Ruht nicht zu lang, bald sind sie raus;
Denkt lieber neue Arbeit aus!
Im Hui ist nun der Knecht im Wald
Und zerrt und rodet mit Gewalt,
Das Springen all der Wurzeln knallt,
Als wenn der Donner kracht und schallt.
Er reißt die Stöcke kurz und klein
Und führt sie in den Hof herein:
Herr Pfarr, die Stöcke liegen nun
Zersplittert wo die Knubben ruhn.
Der Graben ist gegraben,
Und Arbeit muß ich haben;
    Sonst werd ich schlimm! –

Da wendt der Pfarrer sich im Schlaf:
Jetzt ist es Nacht, vertracktes Schaf;
Drum nimm die Hornlatern und geh
Aufs Feld hinaus, such unterm Schnee:
Da ist manch angefrorner Stein:
Geh hin und such den Acker rein! –
Pink! Feuer! die Laterne brennt,
Der Teufel nach dem Felde rennt
Und scharrt und fegt und leuchtet drein
Und pustet drein und rafft die Stein
Und schmeißt sie, daß sie Feuer spein,
Auf einen Haufen überein:
Das ist der letzte! nun Herr Pfarr,
Was Neues! Aus ist das Gescharr!
Der Acker ist von Steinen rein,
Und Stock und Knubb ist kurz und klein,
Der Graben ist gegraben,
Und Arbeit muß ich haben;
    Sonst werd ich schlimm! –

Da wendt der Pfarrer sich und spricht:
Wie lang du machst, du fauler Wicht!
Geh hin zum Küster, frage den:
Was der dich heißt, das soll geschehn!
Er wird etwas harthörig sein;
Doch schlag ihm nicht die Türen ein. –
Er rennt zum Küster hin und klopft;
Doch Küsters Ohren sind verstopft.
Er pfeift, ruft, klopft und flucht darein:
Soll hier die Arbeit Trommeln sein? –
Nun schlägt er Wirbel auf der Tür,
Da guckt der Küster doch herfür:
Hör auf mit Trommeln, wer ist da? –
Ich! – Wiltu Arbeit haben? – Ja!
Das Feld ist nun von Steinen rein,
Und Stock und Knubb ist kurz und klein,
Der Graben ist gegraben,
Und Arbeit muß ich haben;
    Sonst werd ich schlimm! –

Da spricht der Küster: spann nur an! –
Der Schwarze spricht: es ist getan! –
Ich will zur Stadt, der Weg ist schlecht,
Flink her die Steine, fauler Knecht!
Und pflastr ihn immer vor mir her;
Sonst wirds den Pferden allzuschwer!
Flink, Hand ans Werk! – der Schwarze springt
Und holt und stampft, das Pflaster klingt.
Der Küster fährt gemach im Schritt,
Da kommt der Teufel prächtig mit.
Erst sind die Steine nicht so fern,
Da machts der Teufel flink und gern.
Der Küster fährt und singt und lacht
Und spricht: das hab ich gut erdacht!
Er ist mit Pflastern hübsch voraus,
Sein Springen nimmt sich drollig aus.
Ich laß die Pferde traben;
Der Kerl will Arbeit haben;
    Sonst wird er schlimm! –

Es trabet immer schneller fort;
Da ruft der Teufel: Herr, ein Wort!
Laßt sein den Trab, ich komm nicht mit,
Ich habs zu weit, fahrt lieber Schritt! –
Eh! spricht der Küster: sei nicht faul!
Und haut ihn tüchtig übers Maul. –
Da rennt der Teufel was er kann,
Und schleppt und setzt von neuem an,
Und immer flinker wird sein Lauf,
Je ferner ist der Steine Hauf.
Doch endlich fährt mit Saus und Braus
Er in die Luft: Ich halts nicht aus! –
Da lacht der Küster hinterdrein:
Fahr zu den Raben Hämmerlein!
Du bist ein Kerl, du wärst was nütz
Zum Knechte für Schindhudelwitz!
Das ist ja zum Begraben,
Solch Volk will Arbeit haben;
    Sonst wird es schlimm! –

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