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Allerlei Geister

August Kopisch: Allerlei Geister - Kapitel 15
Quellenangabe
typemisc
booktitleAllerlei Geister
authorAugust Kopisch
editorLeo Greiner
firstpub1848
year1913
publisherMartin Mörikes Verlag
addressMünchen
titleAllerlei Geister
created20050724
sendergerd.bouillon
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Die heilige Taube

(Deutsche Volkssage)

              In der Winternacht das Kind erwacht:
O Mutter, was flattert und rauscht in der Nacht? –
                        Es ist die heilige Taube:
Sie trägt ein grün Zweiglein mit ihrem Fuß,
Wenn sie müde wird und sich setzen muß. –
                        O sag, wie wird sie denn müde? –
Sie wird müde, weil sie so viel rumfliegt
Und sich auf der sausenden Luft so wiegt,
                        Und sie setzt sich nicht auf Erden.
Doch wo ihr Zweiglein ruht in der Nacht,
Da wirds im lieben Mai eine Pracht! –
                        Wie wirds denn im lieben Maie? –
Da knospen die Blumen rot, gelb und grün,
Da piepen die Vöglein, die Kirschen blühn. –
                        Was blüht denn aber noch weiter? –
Es blühen die Pflaumen, die Äpfel und Birnen:
Das alles schnablieren die Knaben und Dirnen,
                        Die jetzo liegen und schlafen. –
O Mutter, ich will die Taube sehn! –
Nein nein, lieb Kindlein, das darf nicht geschehn! –
                        Warum denn muß ich schlafen? –
Nur wer in der Zwölften die Augen schließt,
Im Sommer die roten Kirschen genießt!
                        Mach zu, mach zu die Augen.
Mach zu die Äuglein und liege still,
Laß fliegen das Täublein wohin es will,
                        Es fliegt weit über die Erde.
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