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Alle guten Geister!

August Kopisch: Alle guten Geister! - Kapitel 14
Quellenangabe
authorAugust Kopisch
titleAlle guten Geister!
publisherErich Matthes, Leipzig und Hartenstein im Erzgebirge
year1924
illustratorAnnemarie Nägelsbach
firstpub1923
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20180612
projectid87f4b034
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Hexenritt

      In der Sommernacht
      Der Knecht erwacht,
Da sieht er die Mägde geschäftig gehn
Und mit Marei am Herde stehn.
      Mit Salben beklecksen
      Sich Besen die Hexen,
      Dann geht es in Saus
      Zum Schornstein hinaus.
      Zieht eine fort,
      So ist ihr Wort:
Flieg auf, flieg auf, flieg um, nicht an!
Mir nach, mir nach, wer's auch so kann.
      Dann reitet die Hexe
      Auf Besen-Gezwäckse
      Zum süßen Konnexe,
      Zum Gänsegeschleckse:
      Hih hoh, heh heeh!
      Hah hih, heh heeh!
      Durch die Lüfte geschwind
      Wie der sausende Wind.

      Jetzt meint der Knecht:
      Das wär' mir recht!
Nimmt einen Stock und sucht im Rauch
Die Hexensalbe und salbt ihn auch:
      O welch Vergnügen,
      Ihr nachzufliegen:
      Die fang' ich im Tanz
      Um den Kessel der Gans!
      Im Zorn will er fort
      Und spricht das Wort:
Allein anstatt »flieg um, nicht an«
Sagt »um und an«, der arme Mann.
      Nun bleibt er nicht stecken,
      Doch fliegt er zum Schrecken
      (Er kann sich nicht decken)
      An Mauern und Ecken,
      Piff, paff, ho heh!
      Rumm, bumm, weh weh!
      Mit dem Kopf an den Baum;
      Ihm wird wie im Traum!

      Fort und fort,
      von Ort zu Ort:
Im Sturm an den Turm, pirr! – klirr! an die Fahn',
Er reißt in die Lüfte den Wetterhahn, –
      Schwirr! pirr! an die Mühle,
      Ins Flügelgewühle! –
      Blautz! prallt er ab;
      Der Kopf fliegt ab;
      Da er noch fest
      Zum Geiernest –
Fliegt an – da rupft und zupft ihn vorn,
Rechts, links und hinten Klau' und Dorn.
      So wird er verschlissen,
      Zu Faden zerrissen,
      Heruntergeschmissen;
       Es bleibt nicht ein Bissen! –
      Über Stock und Block
      Hin fliegt sein Stock
      Ganz selig allein
      Zum Hexenverein.

      Dort fliegt er an
      An Weib und Mann,
Man flieht und flüchtet vor ihm her,
Stürzt, stolpert hin die Kreuz und Quer.
      Man kann sich nicht decken,
      Es tanzet der Stecken,
      Fliegt an und um
      Im Kreise herum,
      Das Zauberwort
      Wirkt fort und fort,
Wupp wupp, wupp wupp, tipp tapp, tipp tapp!
Klitsch klatsch, klitsch klatsch, klipp klapp, klipp klapp!
      Auch ist so erpicht er
      Auf Hexengesichter
      Und nimmer zerbricht er,
      Bis fort das Gelichter,
      Hah hih, hoh heh!
      Hih hoh, heh heh!
      Bis alles zerstäubt
      Und nichts mehr bleibt.

      Wie Schaum und Flaum
      Zerrinnt der Traum.
Von neuem erwacht der gute Knecht
Und reibt die Augen und wacht erst recht:
      Da scheint die Sonne,
      O Freud', o Wonne!
      Weg ist der Tanz,
      Er fühlt sich ganz!

      Und welch ein Spaß,
      Er liegt im Gras:
Marei hat Essen ihm gebracht,
Klopft in die Hand und steht und lacht:
      »Was muß ich ersehen?
      Statt fleißig zu mähen
      Im Schlafe sich drehen,
      In der Sonne sich bähen!«
      Ha, hi, ho, hei,
      Komm, Hexe Marei!
      Den Traum er vergißt
      Und ißt und ißt.

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