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Alle guten Geister!

August Kopisch: Alle guten Geister! - Kapitel 12
Quellenangabe
authorAugust Kopisch
titleAlle guten Geister!
publisherErich Matthes, Leipzig und Hartenstein im Erzgebirge
year1924
illustratorAnnemarie Nägelsbach
firstpub1923
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20180612
projectid87f4b034
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Der Teufel will Arbeit

»Das Volk ist hier zu matt und schlecht,
Ich seh', Ihr brauchet einen Knecht,
Herr Pfarr, den Ihr in Kält' und Hitz'
Recht schindet in Schindhudelwitz
Und der nicht gleich für krank und tot
Hinfällt im ersten Abendrot
Und der nicht immer Trank begehrt
Und der nicht immer Speise zehrt
Und der nicht ewig müßig steht
Und der nicht immer tanzen geht.
Wie wär's, wir schlössen den Kontrakt?
Ich bin so einer der sich plackt.
Ich dusle nicht wie Hinz und Hans.
Ich kenne nichts von Spiel und Tanz,
Ich esse nichts, ich trinke nichts,
Ich reiße, ich zerlumpe nichts,
Ich will nicht Lohn, nicht Gaben;
Nur Arbeit muß ich haben;
Sonst werd' ich schlimm!« –

Der Pfarrer sieht den Schwarzen an
Und spricht: »Ich unterschreib', wohlan!
Nimm diesen Spaten, zieh dahier
Rings um das Gut den Graben mir,
Sechs Ellen tief, die Breite zehn:
Dann wollen wir schon weiter sehn!«
Der Schwarze pustet in die Hand
Und sticht den Spaten in das Land.
Ho, ho, was wirft der Klöße aus!
Das fliegt und flirrt im vollen Lauf!
Man sieht ihn hier, man sieht ihn da,
Bald ist er fern, bald ist er nah.
Kaum traut der Pfarrer dem Gesicht,
So steht er schon vor ihm und spricht:
»Herr Pfarr, das wäre nun erreicht,
Der Boden ist auch gar zu leicht,
Der Graben ist gegraben
Und Arbeit muß ich haben;
Sonst werd' ich schlimm!« –

»So hau' die Eichenknubben klein:
Es werden siebzehn Klafter sein!« –
»Hm,« sagt der Knecht, »wo ist das Beil?
Flink her, ich habe Langeweil'! –
Da liegt der Stiel, es ist entzwei. –
Ganz oder nicht, mir einerlei!
Ich schlag die Knubben auf den Stein,
Da springen sie schon kurz und klein!« –
Er schlägt und schmeißt, das fliegt umher,
Als ob's Geschirr vom Töpfer wär!
Die Späne flirren übers Haus,
Die Stücken weit zum Hof hinaus.
Er liest sie auf und macht dann Schicht
Und geht zum Pfarrer hin und spricht:
»Der Stein tat seine Schuldigkeit,
Die siebzehn Klafter sind so weit,
Der Graben ist gegraben
Und Arbeit muß ich haben;
Sonst werd' ich schlimm!« –

»Ho!« sagt der Pfarr', die find' ich bald!
Geh, wat im Schnee hinaus zum Wald,
Wo hundert alte Stöcke stehn,
Sieh zu, ob sie heraußer gehn.
Da hast ein Weilchen du zu tun,
Ich will indessen etwas ruhn!« –
»Ruht nicht zu lang, bald sind sie 'raus:
Denkt lieber neue Arbeit aus!«
Im Hui ist nun der Knecht im Wald
Und zerrt und rodet mit Gewalt;
Das Springen all der Wurzeln knallt,
Als wenn der Donner kracht und schallt.
Er reißt die Stöcke kurz und klein
Und führt sie in den Hof hinein:
»Herr Pfarr', die Stöcke liegen nun
Zersplittert, wo die Knubben ruh'n,
Der Graben ist gegraben
Und Arbeit muß ich haben;
Sonst werd' ich schlimm!« –

Da wend't der Pfarrer sich im Schlaf:
»Jetzt ist es Nacht, vertracktes Schaf;
Drum nimm die Hornlatern und geh
Aufs Feld hinaus, such' unterm Schnee;
Da ist manch gefror'ner Stein:
Geh hin und such' den Acker rein!« –
Pink! Feuer! die Laterne brennt,
Der Teufel nach dem Felde rennt
Und scharrt und fegt und leuchtet drein
Und pustet drein und rafft die Stein'
Und schmeißt sie, daß sie Feuer spei'n,
Auf einen Haufen überein:
»Das ist der letzte nun, Herr Pfarr',
Was Neues! Aus ist das Gescharr!
Der Acker ist von Steinen rein
Und Stock und Knubb ist kurz und klein,
Der Graben ist gegraben
Und Arbeit muß ich haben;
Sonst werd' ich schlimm!« –

Da wend't der Pfarrer sich und spricht:
»Wie lang du machst, du fauler Wicht!
Geh hin zum Küster, frage den:
Was er dich heißt, das soll gescheh'n!
Er wird etwas harthörig sein;
Doch schlag ihm nicht die Türen ein.« –
Er rennt zum Küster hin und klopft;
Doch Küsters Ohren sind verstopft.
Er pfeift, ruft, klopft und flucht darein:
»Soll hier die Arbeit Trommeln sein?« –
Nun schlägt er Wirbel auf die Tür,
Da guckt der Küster doch herfür:
»Hör auf mit Trommeln, wer ist da?« –
»Ich.« – »Willst du Arbeit haben?« – »Ja.
Das Feld ist nun von Steinen rein,
Und Stock und Knubb' ist kurz und klein,
Der Graben ist gegraben
Und Arbeit muß ich haben;
Sonst werd' ich schlimm!« –

Da spricht der Küster: »Spann nur an!« –
Der Schwarze spricht: »es ist getan!« –
»Ich will zur Stadt, der Weg ist schlecht,
Flink her die Steine, fauler Knecht!
Und pflast'r ihn immer vor mir her;
Sonst wird's den Pferden allzu schwer!
Flink, Hand ans Werk!« – Der Schwarze springt
Und holt und stampft, das Pflaster klingt.
Der Küster fährt gemach im Schritt,
Da kommt der Teufel prächtig mit.
Erst sind die Steine nicht so fern,
Da machts der Teufel flink und gern,
Der Küster fährt und singt und lacht
Und spricht: »Das hab ich gut erdacht!
Er ist mit Pflastern hübsch voraus,
Sein Springen nimmt sich drollig aus,
Ich laß die Pferde traben;
Der Kerl will Arbeit haben;
Sonst wird er schlimm!« –

Er trabet immer schneller fort;
Da ruft der Teufel: »Herr, ein Wort!
Laßt sein den Trab, ich komm nicht mit,
Ich hab's zu weit, fahrt lieber Schritt!«
»Eh!« spricht der Küster, »sei nicht faul!«
Und haut ihn tüchtig übers Maul. –
Da rennt der Teufel, was er kann,
Und setzt und schleppt von neuem an,
Und immer flinker wird sein Lauf,
Je ferner ist der Steine Hauf.

Doch endlich fährt mit Saus und Braus
Er in die Luft: »Ich halt's nicht aus!«
Da lacht der Küster hinterdrein:
»Fahr zu den Raben, Hämmerlein!
Du bist ein Kerl, du wärst was nütz
Zum Knechte für Schindhudelwitz!
Das ist ja zum Begraben –
Solch Volk will Arbeit haben,
Sonst wird es schlimm.« –

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