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Alice, oder die Geheimnisse

Edward Bulwer-Lytton: Alice, oder die Geheimnisse - Kapitel 7
Quellenangabe
typefiction
authorEdward Lytton Bulwer
titleAlice, oder die Geheimnisse
publisherHofmann'sche Verlags-Buchhandlung
editorbruce.welch@gmx.de
year1864/2014
firstpub1845
translatorFranz Kottenkamp
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20141111
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Fünftes Kapitel.

Sage mir, Sophie, meine Liebe, was hältst du
von unsern neuen Besuchern?

     Landprediger von Wakefield.

 

Frau Merton und ihre Tochter befanden sich schon im Besuchzimmer; Beide saßen an den Seiten der Frau Leslie. Erstere war eine Frau von ruhigem und angenehmem Aeußern: ihr Gesicht war noch hübsch und zeigte, wenn es auch nicht höhere Gaben verkündete, wenigstens den Ausdruck nüchterner Gutmüthigkeit und angewöhnter Zufriedenheit. Letztere war ein schönes, schwarzäugiges Mädchen mit bestimmten Zügen – ganz das, was man eine prunkende Schönheit nennt. Schlank, selbstbewußt, allerdings einfach, aber nach neuester Mode gekleidet. Die geschmückte Haube von großer Form, wie man sie damals trug, der Chantilly-Schleier, der bunte französische Cashemir, die geschwellten Aermel, damals eine unnatürliche Liebhaberei, die kostbare und dennoch anspruchslose Robe de Soie, die vollkommene Chaussure, die Miene der Gesellschaft, das leichte Wesen, der ruhige aber forschende Blick. Alles das erstaunte Eveline; es brachte sie aus der Fassung und versetzte sie beinahe in Schrecken.

Frau Merton selbst war zwar ruhiger, wurde jedoch durch die Schönheit und Anmuth der jungen, vor ihr stehenden Fee überrascht und stand auf, um sie mit der Freundlichkeit guter Erziehung zu begrüßen, welche Evelinens Herz plötzlich eroberte.

Frau Merton küßte ihr die Wange und lächelte gütig, aber sprach wenig; man sah leicht, daß sie weniger zur Conversation wie zur Vertraulichkeit geeignet war.

Als Eveline sie auf ihr Zimmer führte, entdeckten Mutter und Tochter mit einem Blick die Sorgfalt, die auf ihre Behaglichkeit verwandt worden war; ein etwas eifriger und erwartender Blick in Evelinens Augen belehrte die Gutmüthigkeit der Einen und die gute Erziehung der Andern, ihre junge Wirthin durch verschiedene kleine Ausrufungen des Vergnügens zu belohnen.

»O wie niedlich! Welch ein hübsches Schreibpult,« sagte die Eine – »und der hübsche Goldfisch!« sagte die Andere – »Und das Piano ist so schön gestellt!« – Carolinens schöne Finger fuhren rasch über die Tasten. Eveline entfernte sich lächelnd und erröthend. Darauf erlaubte sich Frau Merton, der wohlgekleideten Kammerjungfer zu sagen: »Nehmen Sie die Blumen fort, sie machen mich krank.«

»Und wie niedrig das Zimmer ist, so eng,« sagte Caroline, als die Dienerin der Dame vom Hause sich mit den verurtheilten Blumen entfernte. »Ich sehe keine Psyche; indeß die armen Leute haben ihr Möglichstes gethan.«

»Eine liebe Person ist die Lady Vargrave,« sagte Frau Merton, »so interessant, so schön und so gut conservirt.«

»Keine Tournure, nichts von den Sitten der großen Welt!« sagte Caroline.

»Nein, etwas Besseres.«

»Hm, das Mädchen ist sehr hübsch, obgleich zu klein.«

»Solch ein Lächeln, solche Augen, sie ist unwiderstehlich! Und welch Vermögen! Sie wird dir. Caroline, eine angenehme Freundin sein.«

»Ja, sie kann mir sehr nützlich sein, wenn sie Lord Vargrave heirathet, oder überhaupt, wenn sie eine brillante Partie macht. Was für ein Mann ist Lord Vargrave?«

»Ich sah ihn nie, man sagt er sei bezaubernd.«

»Sie ist sehr glücklich,« sagte Caroline mit einem Seufzer.

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