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Alice, oder die Geheimnisse

Edward Bulwer-Lytton: Alice, oder die Geheimnisse - Kapitel 36
Quellenangabe
typefiction
authorEdward Lytton Bulwer
titleAlice, oder die Geheimnisse
publisherHofmann'sche Verlags-Buchhandlung
editorbruce.welch@gmx.de
year1864/2014
firstpub1845
translatorFranz Kottenkamp
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20141111
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Fünftes Kapitel.

Sieh, wie der geschickte Freier
   seine Netze spannt.

      Stillingfleet.

 

Die Gesellschaft war zur Pfarrei zurückgekehrt und des Admirals Wagen bestellt, als Lord Vargrave zum Vorschein kam. Er schwatzte mit guter Laune über seine lange Fahrt, die schlechten Wege und seine vereitelte Erwartung bei dem Mißgeschick, das ihn erwartete; alsdann aber nahm er Oberst Legard bei Seite, der ungewöhnlich schweigend und zerstreut schien, und sagte:

»Mein Lieber, mein Besuch diesen Morgen galt eher Ihnen, als Doltimore. Ich gestehe, daß ich gerne Ihre Fähigkeiten auf Seiten der Regierung verwenden möchte. In zwei oder drei Tagen ist die Stelle des *** durch das Vorrücken von Herrn *** vakant. Ich schrieb, um der abschlägigen Antwort zuvorzukommen – die heutige Post bringt mir Antwort. Ich biete Ihnen das Amt an; in Kurzem hoffe ich auch, Ihnen einen Sitz im Parlament verschaffen zu können. Sie müssen aber sogleich nach London abreisen.«

Vor einer Woche noch wäre Legards höchster Ehrgeiz durch diesen Posten befriedigt worden, jetzt trug er Bedenken.

»Mein theurer Lord,« sagte er, »ich kann Ihnen meine Dankbarkeit für Ihre Güte nicht ausdrücken, aber –«

»Genug, keinen Dank! Legard, gehen Sie morgen nach London?«

»Wahrhaftig,« sagte Legard. »ich glaube – nein! – Ich muß meinen Oheim um Rath fragen.«

»Ich kann für ihn antworten; bevor ich schrieb, habe ich ihn erforscht. Bedenken Sie, mein theurer Legard, Sie sind nicht reich, dieß ist eine ausgezeichnete Eröffnung für Ihre Laufbahn. Sie können doch auch keine Ursache zum Bedenken haben?«

In dem Tone des Fragers lag etwas Bedeutungsvolles und Forschendes, so daß die Wange des Obersten erröthete. Würde sein Onkel, von dem er abhängig war, mit seiner Weigerung übereinstimmen? – Lord Vargrave bemerkte seine Unentschlossenheit und fuhr fort. Er brachte zehn Minuten damit zu, jede Bedenklichkeit, jeden Einwurf zu bekämpfen; er legte alle Vortheile des Amtes, wirkliche und eingebildete, von jedem denkbaren Gesichtspunkte aus dem Obersten vor; er suchte zu schmeicheln, zu liebkosen, zu ermüden, damit Jener das Amt annähme, und zuletzt gelang ihm dieß auch zum Theil. Der Oberst bat um viertägige Bedenkzeit, die Vargrave widerstrebend zugestand. Legard stieg dann in den Wagen seines Oheims, eher mit der Miene eines Märtyrers, als der eines neu ernannten Beamten.

»Aha!« sagte Vargrave kichernd, als er in dem Garten spazierte, »ich habe mir den hübschen Schelm vom Halse geschafft; jetzt werde ich Eveline für mich allein haben.«

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