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Alfanzereien

Georg Bötticher: Alfanzereien - Kapitel 41
Quellenangabe
typepoem
booktitleAlfanzereien
authorGeorg Bötticher
firstpub1899
yearca. 1900
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleAlfanzereien
created20050303
sendergerd.bouillon
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Zwei Tafellieder.

1.

Melodie: »Strömt herbei, ihr Völkerscharen.«

                Töne Lied zur frohen Feier,
Brause jubelnd durch den Saal:
Was zur Feder hält und Leier,
Heute schwenkt's den Festpokal.
In den Rhythmen des Gesanges
Grüßt man gerne, die man liebt:
Künde, Lied, denn hellen Klanges,
Was es Liebenswertes giebt!

Die zu aller Freude kamen,
Schmuck dem Fest und selbst geschmückt:
Seid zuvörderst, holde Damen,
Dankbarlich ans Herz gedrückt!
Seid doch ihr's, die den Poeten
Zum Gewagtesten entflammt,
Daß er, ohne viel zu reden,
Mutig zieht aufs Standesamt!

Sei der zweite Gruß gerichtet
An den Mann, der angestrengt
Andern zum Genuß verdichtet,
Was den Busen ihm bedrängt.
Der selbst nachts am Arbeitsspinde,
Wenn der Geist ihn dazu treibt,
Ganze Bücher – nicht mit Tinte,
Nein, mit seinem Herzblut schreibt!

Dritter Gruß, er gilt dem Teuern,
Der, vom Lesen tiefbewegt,
Unter Opfern, ungeheuern,
Des Autoren Buch verlegt.
Alle Achtung seinem Mute!
Jeder, der die Sache kennt,
Weiß es: kaum verdient der Gute
Fünfzig lumpige Prozent!

Gruß und Dank auch jenem Wesen,
Das ein liebenswerter Trieb
Heiß beseelt, nun auch zu lesen,
Was nicht ungeschrieben blieb,
Milde wollen wir's verzeihen,
Wenn es einmal, dann und wann,
Manchmal, meistens sucht zu leihen,
Was der Mensch auch kaufen kann.

Doch am mächtigsten gepriesen,
Ja, zum Heil'gen umgetauft,
Aus dem Irdischen verwiesen
Sei der Mensch, der Bücher kauft.
Bei dem Wundersaft der Reben,
Bei dem Geist, der nie uns trog:
Sollt' es solchen Menschen geben
Diesem unser höchstes Hoch!

2.

Melodie: »Bekränzt mit Laub . . .«

                Geselligkeit – wie reizend klingt der Name
      In holder Frauen Kranz – in holder Frauen Kranz!
Die himmlische sei heute unsre Dame,
      Sei Göttin des Verbands – sei Göttin des Verbands!
      Sei Göttin des Verbands – sei Göttin des Verbands!

Sie liebt, daß man ihr opfere mit Reden
      :|: Und mit Gesang und Lied! :|:
Doch bleibt sie fern, wenn sie die Redner öden –
      :|: Darin ist sie perfid. :|:

Am sichersten von allen Opfergaben
      :|: Lockt sie der edle Wein! :|:
Das sahen des Vereines wackre Knaben
      :|: Auch immer klärlich ein! :|:

Was haben sie – seit des Verbands Bestehen –
      :|: In mancher lieben Nacht! :|:
In Sitzungen, die noch der Tag gesehen,
      :|: Der Göttin dargebracht! :|:

O ein Verband, den solche sich erküren,
      :|: Der muß die Göttin freun! :|:
Geselligkeit, was willst du dich noch zieren –
      :|: Hier sind wir – stell' dich ein! :|:

Ein Völklein wie wir Künstler und Poeten
      :|: Naht sich nicht immer dir! :|:
Und preisen andre dich in Sang und Reden –
      :|: So feurig nicht wie wir! :|:

Gefährlich ist's, mit uns am Tisch zu sitzen,
      :|: Wenn uns die Wange glüht! :|:
Acht', schöne Frau! Was deine Augen blitzen –
      :|: Es wird im Nu zum Lied! :|:

Und du, Kind, darfst vom Nachbar nie vergessen,
      :|: Daß er ein Künstler ist! :|:
Er blickt so schüchtern-stumm nach dir – indessen
      :|: Dich seine Seele küßt! :|:

So opfern wir! Wer kann dir Bess'res bringen?
      :|: Geselligkeit, o sprich? :|:
Es perlt der Wein, es tönt der Gläser Klingen
      :|: Nun Göttin zeige dich! :|:

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