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Alfanzereien

Georg Bötticher: Alfanzereien - Kapitel 3
Quellenangabe
typepoem
booktitleAlfanzereien
authorGeorg Bötticher
firstpub1899
yearca. 1900
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleAlfanzereien
created20050303
sendergerd.bouillon
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Konrad und Heinrich, eine hell-dunkle Ballade.

        Das war von Groitzsch Herr Konrad,
Der Meißens Heinrich fing
Und in den tiefsten Keller
An eine Kette hing.

Herr Heinrich dachte: Warte,
Dir geb' ich's noch, du Hund.
»Burgwart – fix eine Karte
Mit Ansicht – aber bunt!«

Auf der (per Eilbestellung)
Rief er den Herrn von Krost
Um Hilfe an: »He, Burgwart –
Dies unverweilt zur Post!«

Zwei Tage drauf Herr Heinrich
Befreit im Freien stund:
Vor ihm lag Groitzschens Konrad
Geknebelt bis zum Mund.

»Du wolltest Licht und Aussicht
Und Luft entziehn mir, Schuft –
Dafür sollst du mir schwelgen
In Aussicht, Licht und Luft!«

Und in ein Vogelbauer
Setzt er den Konrad drauf
Und hing das an der Mauer
Des Schlosses Windberg auf.

Ein ganzes Jahr im Käfig
Der Ritter Konrad saß.
Den Turm und seine Aussicht
Er nimmermehr vergaß.

Und wenn den Blick von droben
Ihm Eins gepriesen hat,
Knurrt' er: »Schön ist's da oben –
Man kriegt's nur schließlich satt!«

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