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Alfanzereien

Georg Bötticher: Alfanzereien - Kapitel 14
Quellenangabe
typepoem
booktitleAlfanzereien
authorGeorg Bötticher
firstpub1899
yearca. 1900
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleAlfanzereien
created20050303
sendergerd.bouillon
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Dem kommenden Maler.

          Der du das Malen heut' beginnst,
Du glücklicher Gesell!
Was du auch schaffst, was du ersinnst –
's ist »individuell«!

Sei's noch so albern, dumm, verzwickt,
Verschroben, falsch und schief,
Du bist – nicht etwa hirnverrückt –
Nein: »reizvoll-subjektiv«!

Und wenn du uns ins Auge haust
Mit deinem Kolorit,
So heißt es: »Die Titanenfaust
Des Künstlers reißt uns mit
«!

Und hast du das, was heute gilt,
Erst auf den Kopf gestellt,
Dann, großer Mann, »erschließt dein Bild
Uns eine neue Welt
«!

Mal' wie du willst – vermeid'st du nur
So Schönheit wie Humor
(Was leicht!), dann »hob dich die Natur
Hoch aus dem Schwarm hervor
«!

Das Dümmste mal'! Wird nur dabei
Der heil'ge Ernst gewahrt,
So rufen sie: »O Gott, wie neu!
Welch starke Eigenart!
«

Ja, wär' dein Schädel gänzlich hohl –
Macht nichts! Serviere dreist
Symbolisch-mystisch deinen Kohl,
Und gleich – »besitzst du Geist«!

Wenn niemand dann dein Bild begreift,
Trotz aufgewandter Müh' –
Dann »bist zum Höchsten du gereift«
Und »fraglos ein Genie«!

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