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Alexander der Große und das Weltgriechentum

Theodor Birt: Alexander der Große und das Weltgriechentum - Kapitel 11
Quellenangabe
typetractate
booktitleAlexander der Große und das Weltgriechentum
authorTheodor Birt
yearca. 1930
firstpub1924
publisherQuelle & Meyer
addressLeipzig
titleAlexander der Große und das Weltgriechentum
pages504
created20120611
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die Entscheidung

Darius erwartete den Gegner nicht bei Babylon selbst, sondern weiter nördlich und stromaufwärts im Zweistromland am oberen Lauf des Tigris bei der Stadt Arbela, wo die ausgezeichnete Militärstraße, die Königstraße die das Ostreich mit dem Westreich verknüpfte, den Strom überschritt. Die Straße erleichterte die Transporte und bei einem Mißerfolg den Rückzug, bei einem Siege die Verfolgung. Die letzten zwölf Monate hatten ausgereicht, bei aller Langsamkeit doch neue Truppenmassen von gewaltiger Kopfzahl zusammenzuziehen, als hätte sein Gott noch einmal zu Darius gesprochen: »Versammle alles Volk deines Reiches soviel als der Sand am Meer, und deine Person ziehe unter ihnen; so wollen wir den Feind überfallen und über ihn kommen, wie der Tau auf die Erde fällt, daß wir von seinen Männern nicht einen übrig lassen2. Samuelis 17, 11..« Aus Iran und 146 dem volkreichen Osten, aber auch aus Armenien, ja, auch aus Syrien kamen die Züge der Bewaffneten; die griechischen Söldner dagegen waren nicht zahlreich. Es waren wieder wohl an 600 000 oder mehr Krieger beisammenZweifel an diesen hohen Zahlenangaben sind unbegründet, da der Schlachtplan des Darius selbst in griechische Hände kam; siehe unten. Gewiß aber ist in die Summe die Kopfzahl des gewaltigen Trosses, den jeder der Satrapen mit sich führte, mitgezählt.. Aus Afghanistan, aus Baktrien, war Bessus, der Satrap, mit seinem Volk gekommen. Mazäus, der Reitergeneral, führte die Perser und die Vorhut. Die Bewaffnung der Reiter hatte Darius nach griechischem Vorbild verbessern lassen. Zweihundert Sichelwagen bildeten die Hauptwaffe im Angriff, der Schrecken der Infanterie. Sie führten lange Messer an der Deichselspitze, Sicheln oben und unten an den Rädern.

So harrte Darius voll Ungeduld und Sorge. Die Massen kampierten untätig in dem üppigen Lande. Würde der Mazedone den Angriff nicht wagen? Warum kam er nicht?

In der Tat kam Alexander mit seinem Heereszug aus Ägypten langsamer vorwärts, als er wollte. Sein Troß war hinderlich, der inzwischen bedeutend angewachsen war: Techniker, wissenschaftliche Forscher, Botaniker und Geographen, auch phönizische HandelsleuteAristobul Fr. 35 M.; vgl. Fr. 45., die auf gute Geschäfte hofften; vor allem die zahlreichen gefangenen Perser und Perserinnen, die er immer noch hinter sich herschleppte, darunter des Darius Mutter, Gattin und Kinder. Wie Königinnen wurden diese Frauen immer noch behandelt. Aber was nützte alle Fürsorge? Die Anstrengung der weiten Reise vom Nil zum Euphrat war groß, und des Darius Gattin starb an Entkräftung, als der Zug sich schon dem Ziel näherte. Das gab längeren Aufenthalt; der Vormarsch ruhte. Totenklage und Beisetzung geschah mit aller geziemenden Pracht und Feierlichkeit. Als Tote sah Alexander zum erstenmal die schöne Frau aufgebahrt mit Augen, der er sich nie genaht hatte. Die Wehklage ihrer Umgebung drang ihm ans Herz; Sisygambis, die hohe Frau, lag jammernd am Boden, und auch seine Tränen flossen in menschlicher Rührung. Waren es nur Tränen der Sympathie? des Mitleids und Beileids? Oder hatte Alexander gehofft, diese Frau zur Gattin zu erheben, wenn Darius den Tod fand? Sie konnte nicht 147 mehr jung sein, und Asiatinnen verblühen so früh. Da halfen keine Salben, kein Myrtenöl und keine Arome Arabiens.

Ein Eunuch aus der Dienerschaft floh indes zum Darius und meldete ihm den Tod. Die griechischen Erzähler lieben es, sich auszumalen, wie des Darius Seele da in Dankbarkeit und Bewunderung für seinen Gegner zerschmolz. Und in der Tat, wenn Darius selbst unterging, welch würdigeren Nachfolger als Alexander konnte er sich wünschen? einen Gegner, der Männer und Frauen aus dem Perservolk ehrte, wo immer er konnte. Darius fühlte sich als der moralisch Besiegte; sollte er jetzt in der Schlacht der Sieger sein?

Auf zwei Schiffsbrücken gelang dem Alexander der Übergang über den Euphrat ohne Verluste; Mazäus hielt da mit seinem fliegenden Korps nicht stand. Man kam schon auf vier Meilen (150 Stadien) an des Darius Hauptmacht heran. Da sahen die Soldaten, daß die Dörfer brannten. Mazäus hatte sie in Brand gesteckt, die Scheunen voll Feldfrucht. Die Soldaten stürzten gleich vorwärts, um zu retten. Nur die Dächer brannten, und Massen Getreides wurden gefunden, in diesem fruchtbarsten der Länder.

Der Geist der Truppen war, wie immer, so ausgezeichnet wie möglich. Jenseits des Tigris lag vor ihnen ein endlos flaches Terrain mit geringen Bodenwellungen, das Schlachtfeld von Gaugamela. Hier stand Darius. Aber die Heere sahen sich noch nicht. Da befiel nachts ein Schreck die Leute; es war Mondfinsternis; man sah am Himmel das Phänomen auffällig deutlich eintreten in jener reinen Atmosphäre, unheimlich für die Volksseele; auf alle Fälle von Vorbedeutung. Alexander mußte sorgen, die Menge aufzuklären, nicht etwa wissenschaftlich; das hätte schwerlich genützt; sondern es hieß: mit Hellas ist die Sonne, mit Persien ist der Mond; der Mond verschwindet; die Sonne frißt ihn.Vgl. Herodot VII 37. Es ist dabei wohl daran gedacht, daß der persische Gott Mithras den Mond bedeutete.

Diese Mondfinsternis fand am 20. September 331 statt; unsere heutigen Astronomen haben das errechnetSiehe Niese, Gesch. der griech. u. makedonischen Staaten I, S. 90.. Elf Tage danachPlutarch Alex. 31. geschah die Schlacht, die für den Orient die eigentliche 148 Schicksalswende bedeutete wie die Schlacht bei Leipzig für Napoleon, die Schlacht bei Zama für Karthago. Alexander war gefürchtet wie später Hannibal, für die Feinde ein Gespenst. Sein eigner Ruhm half ihm, focht für ihn; er half ihm zu immer weiteren Erfolgen wie ein starker Fahrwind, der sich unwiderstehlich ins Segel legt.

Das Schlachtfeld hatte Darius selber gewählt. Kein Terrain war geeigneter für Operationen in großen Massen, für hemmungslose Überflügelung des Gegners. Die unebenen Stellen hatte er applanieren lassen, damit Reiter und Sichelwagen besser wirkten. Wie eine heranrollende Woge im Ozean sollten sie daher stürmen. Auch eiserne Stacheln waren versteckt gelegt, durch die die Pferde des Feindes straucheln mußtenCurtius IV 13, 36 u. 15, 1.. Dies erfuhr Alexander durch Überläufer, und es galt sich vorzusehen. Überall, wohin er kam, fand er so Angeber und Spione, die ihm halfen und warnten.

Im festen Lager gesichert ruhten seine Geschwader in der Nacht. Alexander fürchtete einen nächtlichen Überfall; aber es genügte, daß er allein Wache hielt. Er ließ seine Leute schlafen. Ebensolchen Überfall fürchtete auch Darius und ließ seine Kampftruppen die ganze Nacht wach unter Waffen; denn ein festes Lager mit sichernder Umwallung fehlte ihnen. Erst gegen Morgen fand Alexander den Schlaf, und man mußte ihn wecken, als es Zeit war, Befehle zu geben. Parmenio, der Alte, drang bis in des Königs Schlafraum vor, um ihn zu rufen. Er hatte tief geschlafenDiesen Umstand zieht man in Zweifel; er sei erfunden, nur um das sichere Vertrauen des Königs zu erläutern, als ob der tiefe Schlaf nicht das natürlichste wäre nach so langer Nachtwache. Will man auch den Schlaf des Oktavian vor der Schlacht bei Mylä bezweifeln? Auch er wird mit Tendenz erzählt, um die Sorglosigkeit oder Fahrlässigkeit des Mannes zu erläutern; aber auch er ist echt., sorglos und seiner Sache gewiß. Er glaubte an seine Mission; sein Wille war Gottes Wille; er war nichts als die Marionette in der Hand des SchicksalsDer Ausdruck stammt von Friedrich dem Großen; s. A. Kannengießer, Friedrich der Einzige, Nr. 228. und zeigte sich auch jetzt wieder im höchsten Risiko (denn jeder sah: eine Niederlage war Untergang) überlegen ruhig und verstandesklar, um dann wie ein gereizter Löwe sich ins Gefecht zu stürzen.

Die Schlacht währte lange; kein Ringen war ernsthafter. Die Entscheidung schwankte und schwankte. Die Perser kämpften verzweifelt; aber die intelligente Führung und die oft erprobte Heereszucht sicherten auch diesmal der Minderheit den Erfolg, 149 den Sieg. Darius rettete sich viel zu früh aus dem Getümmel (Alexander erlegte des Darius Wagenlenker). Mazäus und seine braven Perser fochten noch lange ausgezeichnet gegen Parmenio. Erst als sie erfuhren, daß ihr König längst das Weite gesucht hatte, räumte Mazäus langsam das Feld.

Der Abend kam. Auf dem endlosen Gefilde trieben noch immer versprengte Reitertrupps hin und her. Alexander kehrte schlachtenmüde mit geringer Bedeckung von der Verfolgung des Darius zurück, als ein überlegener Haufe persischer Reiter über ihn herfiel. Er war wieder einmal auf seine eigene starke Hand angewiesen, um sich durchzuschlagen, und stieß drei Gegner nacheinander siegreich vom Gaul. So war er, phonikóV, mörderisch. Er war jung wie das Leben und stark wie der Tod. Hephästion, der in der Schlacht an der Spitze der sog. Leibwächter ritt, war übrigens durch Lanzenstich verwundet worden.

Am folgenden Tag nahm der Sieger in Arbela des Darius Kriegsschatz weg. Dann zog er rasch nach Babylon weiter; denn das ganze weite Landgebiet war von Leichengestank verpestetDiodor 17, 64; diese Schilderung ist vollkommen glaublich.. Wer hätte die gefallenen Perser, die zahllosen, bestatten sollen? Auch die Geier und wilden Hunde reichten nicht aus. Sonst walteten diese ihres Amtes. Hier in Mesopotamien ist ja die Geier-Stele ausgegraben worden, das Denkmal aus alter Vorzeit, wo in der Schlacht die Geier die Köpfe der Erschlagenen in ihren Klauen davontrugen.

Als Herr Asiens zog Alexander in Babylon ein; es war wie im Triumph. Er zog dabei durch das üppigste Fruchtland: Felder neben Feldern, gepflegt wie Beete in einem Gemüsegarten, den künstliche Bäche durchrieseln. Die hundert fest geschmiedeten Tore öffneten sich ihm. Mazäus übergab die Stadt. Das Stadtvolk, Chaldäer, Priester und Behörden strömten aus den Toren huldigend ihm entgegen. Thorwaldsen hat uns Alexanders Einzug in Babylon in Konkurrenz zum Parthenonfries plastisch im Relief dargestellt: ein Fries, klassizistisch schön. Als ich am Comer See weilte (es ist lange her), sah ich ihn in der Villa CarlottaVgl. B. Thorwaldsen, Alexander d. Gr. Einzug in Babylon, Kupfertafeln nach Zeichnungen von Overbeck gestochen von Amsler, herausgegeb. von H. Lücke, Lpz., 1873, mit 22 Tafeln., wo er den Raum vortrefflich schmückt, 150 weihevoll, aber dabei doch unendlich kühl. Das Bildwerk ist doch ohne Eigenleben, und in Wirklichkeit sah der Hergang ganz anders aus. Das versteht sich. Alexander nicht zu Wagen, sondern auf schäumendem Roß; ebenso Mazäus, hochgewachsen und ritterlich vornehm, mit Gefolge. Dazu die fetten und langbärtigen babylonischen Herren mit den assyrischen Gesichtern und blanken Rattenaugen, gesinnungslos den neuen Despoten mit jener Unterwürfigkeit begrüßend, die sich sklavisch ausnimmt, aber auf Treubruch berechnet ist. Dazu das Hosianna des Volkes, das Blumenstreuen und Palmenschwenken der Masse. Ganz ebenso hatten diese Babylonier vor 200 Jahren dem Kyros, dem Perser, zugejubelt, als er ihre Stadt erobert hatte und ihre einheimische Dynastie zusammenbrach.

Alexander sicherte sich die Stadt. Dazu genügten tausend Mann, die er in die Zitadelle setzte, und mazedonische Präfekten regierten fortan Stadt und Umland. Babylon sollte des Alexanderreichs vornehmste Residenz werden. Daher erwies er ihr auch sein Wohlwollen ausgiebig. Aber er hat keine Babylonier, auch keine Syrer, d. h. keine Semiten je in leitende Stellungen gebrachtDie einzige Ausnahme, die mir bekannt, würde die Mitteilung sein, die ich im 2. Buch der pseudoaristotelischen Oekonomika c. 32 finde, wonach ein Εὐαίσης Σύρος Satrap Ägyptens gewesen sei, der sich dort grausam zeigte (der Name Εὐαίσης fehlt beiläufig in Pauly-Wissowas Realenzyklopädie). War der Mann Zeitgenosse Alexanders? Dies wird dort nicht ausdrücklich gesagt. Ebenda, II 34, wird erzählt, daß Alexander, als er Alexandrien erbauen wollte, in tückischer Weise von den ägyptischen Priestern Geld erpreßte. Das sind Geschichten aus dem Kreise der Peripatetiker, die Alexanders Nachruhm planvoll zu schädigen suchten.. Wir müssen glauben, daß ihm diese Männer doch nicht sicher genug schienen.

Einen vollen Monat verweilte er dort ausruhend, er und sein Heer. Der berühmte Palast des Nebukadnezar, in dem einst König Nabunaid oder dessen Sohn, der Belsazar der Bibel, sein Ende fand, nahm ihn auf. Aus Lehm, aus Backsteinen war hier in diesem völlig holzlosen und steinlosen Sumpflande alles, Festungsmauern, Tempel und Paläste wie die Behausungen der Bürgersleute aufgebaut; für die Prachtbauten der Stadt aber war dasselbe Baumaterial mit höchster Kunst gebrannt und wundervoll farbig emailliert. Große, aus so farbig glasierten Ziegeln zusammengesetzte Schildereien bedeckten die hohen Wände in Farben, die ewig halten und heute noch, nach bald drei Jahrtausenden, da man die Ruinen aus dem Sumpf hebt, den Betrachter anstrahlen wie einst: Wildochsen, Löwen und Drachen, wunderbar bunt auf tiefblauem Grunde, das Fell der 151 Wildochsen lilienweiß, Hörner und Hufe leuchtend goldig oder malachitgrün, die lockigen Haarzotteln dunkelblau; die Wirkung grandios unwirklich und vornehmVgl. F. Delitzsch, Babel u. Bibel, 1903, S. 12..

Für die Truppen, Gemeine und Offiziere, war Babel, die Weltzentrale, der Tummelplatz der Lüste, ein Capua und Eldorado des Genusses und der schlemmerhaften Selbstpflege. Weiber lockten aus allen Ecken. Es war so, wie wenn unsere Matrosen, die zwölf Monate lang frauenlos auf See gelegen, endlich in den Hafen der Großstadt kommen, wo schon gleich am Kai die Spelunken, Bars und Tanzlokale offen stehen; freche Musik tönt aus allen Fenstern, damals nicht Grammophon, aber Harfen und Holzmusik. Nicht nur für die jüdischen Moralisten, sondern auch für die griechischenVgl. Curtius. war Babel die Hauptstadt aller Sünden. Was trank man? Man trank Palmenwein. Denn der Edelwuchs der Rebenpflanzungen fehlte in diesem Lande ebenso wie der FeigenbaumVgl. H. O. Lenz, Botanik S. 333 f..

Auch Alexander genoß ohne Frage die Rast, die er sich gönnte; denn er hatte wieder ein großes Ziel erreicht. Aber jene Dinge lockten ihn nicht. Wir hören nichts davon, daß er lukullisch sich auftischen ließ; auch nahm er kein Weib zu sich. Ob ihn im Troß Barsine hierher begleitet hat, erfahren wir nicht, und ich bezweifle es. Die Wasserbauten, Regulierung des Euphrat, Stauwerke und Schleusen studierte er mit Neugier, ebenso die großartigen Tore und Befestigungsbauten. Auch vor dem Istartor Babylons, dem rechts und links von je drei mächtigen Türmen flankierten Doppeltor, das unsere deutschen Grabungen im Jahre 1902 freigelegt haben, hat damals Alexander bewundernd gestanden. Dazu die hängenden Gärten, die man die Gärten der Semiramis nannte und die Nebukadnezar geschaffen hatte; eins der sieben Wunderwerke der Antike: vier Morgen Landes in der Länge und Breite sah man da 50 Ellen (23 Meter) hoch aufgebaut. Massivster Unterbau; Schwibbögen aus Backstein und Asphalt, die sich übereinander türmen; die Wände 22 Fuß (gegen 7 Meter) dick. Zwischen den Schwibbögen war die Erdmasse so tief, daß die höchsten 152 Bäume darin wurzelten; gewiß auch Obstbäume; denn die gehörten in jedes Paradies. Auf Teppichbeete und Blumenrabatten wurde weniger Wert gelegt. In dem Unterbau gab es Unterhaltungsräume. Das Wasser wurde durch von Arbeitern gedrehte Wasserschrauben aus dem Euphrat täglich heraufgepumptVgl. Strabo 16, 1, 5; Diodor II 10; Diodor nennt den Garten sowohl κῆπος wie παράδεισος.. Ein künstlicher Park; die Bäume waren von auswärts importiert und gaben Schatten zum Lustwandeln für die Bürgerschaft in einer Stadt, wo man wegen der Hitze auf Schläuchen voll Wasser zu schlafen pflegteVgl. Plutarch Symposiaca p. 649 F..

Alexander gewann, seit er dies gesehen, Interesse für Dinge der Botanik. Auch der Jagd wird er in diesem Land des Nimrod obgelegen haben; denn die Jagd ist die Muße der Könige, und die Jagdparks, die es hier gab, mit Wildkatzen, Bären, Antilopen, Trappen und Schwarzwild, luden dazu einSiehe Der alte Orient XIII Heft 2 über Jagden in Assyrien.. Einem seiner hohen Offiziere, dem Leonnatus, wurde dabei von einem Löwen der Arm zerfleischtSiehe Curtius VIII 1, 15, wo unter Syrien Assyrien zu verstehen ist.. Wir hören, daß Alexander selbst eingefangene Hirsche mit goldenen Halsbändern versehen ließ und sie dann wieder in Freiheit setzte; lange nach seinem Tode wurden die Tiere wieder gefangen, und man stellte daran fest, daß Hirsche über 100 Jahre alt werden könnenPlinius 8, 119. Man fing die Hirsche in Jagdnetzen; s. Der alte Orient XIII Heft 2 S. 15. Ist aber die Nachricht, die bei Plinius steht, glaublich? Auch Anthol. Pal. XI 72, 3 u. 389, 1 wird die außerordentliche Langlebigkeit der Hirsche als bekannt vorausgesetzt. Brehm schweigt sich über das Alter, das sie erreichen, aus. Er besaß also wohl keine Angaben darüber. Gleichwohl verdient Plinius Glauben. Der Güte eines Kollegen verdanke ich mit dem Hinweis auf das Buch »Das Rotwild« von F. von Kaesfeld S. 70 f. folgende Mitteilung: Im Park des Grafen Hardegg in Niederösterreich wurde ein Hirsch erlegt, der verbürgt das hohe Alter von 72 Jahren erreichte, und, in diesem Lebensjahr noch kräftig und gut von Leibe, ein Opfer von Raubschützen wurde. An Alexanders Verfahren aber erinnert Folgendes: im Jahre 1808 ließ Napoleon in dem Forst von Vincennes eine Parforce-Jagd zu Ehren seiner Gemahlin Josephine veranstalten. Auf dieser Jagd wurde ein ungerad Zweiundzwanzigender nach langer Hatz im Garn gefangen. Dem Hirsch wurde darauf ein dazu bereitgehaltener vergoldeter Messingreif um den Hals gelötet, der als Inschrift die Mitteilung trug, daß Josephine ihm am 8. Sept. 1808 das Leben geschenkt habe. Nach dem einstimmigen Urteil der kaiserlichen Forstbeamten war der Hirsch damals mindestens 20 Jahre alt. Im Jahre 1838 veranstaltete Louis Philippe im Vincenner Forst ebenfalls eine Hirschjagd, und bei dieser Gelegenheit wurde ein starker Hirsch mit erstaunlichem Geweih erlegt, der einen verwitterten Messingreifen um den Hals trug. Man fand darauf die Inschrift, die Josephine nannte. Das Alter des Hirsches war also auf 50 Jahre zu schätzen..

Den Chaldäern, der Hohenpriesterschaft, deren Geheimwissen die Astrologie war, näherte er sich nicht; er hat nicht wie Wallenstein, danach gefragt, ob Venus oder Mars die Stunde regiertWohl aber tat das damals Kallisthenes; s. E. Müller, Scriptores rerum Alexandri magni S. 3.. Wohl aber versprach er den Chaldäern, den Riesenbau, den man den Turm zu Babel nennt, den zerfallenen Stufentempel des Stadtgottes Marduk, wieder aufzubauenMan hat den Bau nach Herodot neuerdings im Modell rekonstruiert; im Nationalmuseum in Washington ist solches Modell aufgestellt.. Sonst aber hat Alexander nicht daran gedacht, die Monsterbauten des Orients nachzuahmen. Die fremdartige Kunst dieser Länder mit ihren Fabelwesen und wuchtig starren Formen mußten ihn abstoßen und barbarisch scheinen, da eben die Griechenkunst sich in ihrer ideal maßvollen Schönheit und schlichten Lebenswahrheit vollendete. Aber Alexander hat überhaupt nicht Ruhmesbauten zu seiner eigenen Verherrlichung gebaut wie die Großkönige Ägyptens und Asiens, hat sich auch keine Ruhmesinschriften gesetzt und in die hohen Felswände gegraben wie Darius und 153 Xerxes. Das beweist, daß er durchaus nicht so ruhmsüchtig war wie viele glauben. Theopomp, den größten Geschichtsschreiber jener Zeit, hat Alexander zwar begünstigt, er schuf ihm eine Heimat; daß er ihm jedoch nach Asien folge und ihn verherrliche, verlangte er nicht. Wohl aber schrieb Kallisthenes damals im Hauptquartier sein verherrlichendes Werk über Alexander; der Mensch war etwas Großmaul und sagte frech: Alexanders Ruhm liegt in meiner HandArrian IV 10, 1 f. mit dem Zusatz: εἴπερ ἀληϑῆ ξυγγέγραπται. Die Äußerung ist aber dem Manne durchaus zuzutrauen; wäre sie erfunden, so würde sie nicht zu seiner Verherrlichung dienen.; d. h. Inschriften und Bauten sind nichts gegen Literaturwerke, wie ich sie schreibeDer Gedanke kehrt bei Horaz in der Ode IV 8 wieder.. Aber Alexander hat von dessen Werk, das damals im Entstehen war, anscheinend gar keine Notiz genommen und dem Kallisthenes seinen vernichtenden Zorn gezeigt, sobald er ihm in seiner lauten und vorlauten Weise unbequem wurde. Dichter, die Alexander besangen, gab es nicht; ein Poet des Namens Agis – wie noch andere – fand sich allerdings unter den Schlachtenbummlern, der ein Epos versuchte in abgedroschenen homerischen Hexametern. Aber es war lahm und ledern, und Alexander selbst verachtete es. Was soll auch ein Epos, das nur Schlachten beschreibt ohne seelische KonflikteÜber den Dichter Chörilus, den Alexander ablehnte, s. Porphyrio u. Ps. Aero zu Horaz' Ars poet. 357.?

Was dem Alexander am Herzen lag und ihn brennend interessierte, war die bildende Kunst, so dilettantisch er selbst auch urteilte. Auch die Bühne gehört dazu; denn auch sie gibt Plastik, bewegte Plastik. Tragödien ließ er sich spielen, so oft es anging. In seinem Gefolge aber waren Lysipp, der Erzgießer, und Apelles, der Maler, die größten Meister und Vollender der darstellenden Griechenkunst. Alexander hatte das Glück, daß sie seine Zeitgenossen waren, und er hat sie mit Aufträgen überhäuft.

Einen Herakles aus Bronze ließ er sich anfertigen in kleinem Format, um ihn vor sich auf den Tisch zu stellen; es war der berühmte »Herkules auf dem Tisch« des LysippHercules epitrapezios.. Denn Achill war inzwischen aus Alexanders Herzen verschwunden, und Herakles, der Zeussohn, der Kämpfer im Dienst der Menschheit, jetzt sein Ideal. Dann aber Alexanders zahlreiche Porträts. Es ist denkbar, daß er damals in Babylon dazu vielfach den Auftrag gegeben hat. Auch den schönen Hephästion mußte 154 Lysipp so bildenPlinius 34, 64.. Aber man denke nicht, daß Alexander sich eitel mit seinen eigenen Bildern umgab. Die Bildwerke wurden nach Hellas gesandt, in Tempeln geweiht, in den Tempelvorhallen aufgestellt: Idealbilder, heroisiert, die wirklichen Verkünder seines Ruhms, aber ohne die Beigabe prahlender Worte. Sie wurden vervielfältigt und gerieten bis nach Gades im fernen SpanienSueton, Cäsar 7.. Auf der Insel Kos geschah es, daß auf dem Kopf seiner Statue eine kleine Pflanze Wurzel trieb; der Wind oder ein Vogel hatte den Samen dahingetragen; die Pflanze blühte, und man nannte die Blume »Unsterblichkeit«, d. i. griechisch »Ambrosia«Athenäus p. 684 E. Vielleicht ist eben dies der uns erhaltene Alexanderkopf aus Kos (M. Bieber im Jahrbuch Bd. 40).!

Durch diese Bildnerei kam die Heroïsierung des Königs, wie man sieht, in der Kunst zum Ausdruck. Der Vergöttlichung näherte es sich, wenn Apelles ihn auf einer Tafel malte, wo er den Blitz des Zeus in der Hand hielt, und die Blitzflamme schien mit der Hand wie aus dem Bild zu fahrenPlinius 35, 92. Apelles erhielt für dies Bild 20 Goldtalente; es kam nach Ephesus in den Dianatempel. Auch Kallisthenes hat, was bemerkenswert, Alexander mit dem blitztragenden Zeus verglichen.. Derselbe Apelles siegte in einer Konkurrenz; es handelte sich darum, ein Reitpferd zu malen. Alexander, so heißt es, tadelte da die Leistung des Apelles; aber der Gaul selbst widerlegte ihn glänzend; denn das Tier wieherte, weil es sich selbst erkanntePlinius 35, 92; Aelian, Var. hist. 2, 3.. Das gehört zu den beliebten Künstleranekdoten. Bekannter noch ist die andere, daß Alexander in die Werkstatt des großen Malers trat und sich wiederum erlaubte, eins seiner Gemälde zu tadeln. Apelles sagte da sanftstimmig, aber unverlegen: »Es ist besser, du schweigst, damit dich meine Farbenreiber nicht auslachen«; denn die Maldiener machten bubenhaft spöttische MienenPlinius 35, 83.. Man merkt, wieviel Redefreiheit Alexander, der Tyrann, seinen Freunden gestattete. Er hat es dem Künstler nicht nachgetragen; er konnte nicht nur sich, sondern auch andere vergöttern.

Noch von vielen anderen Aufträgen hören wir, die er gab: ein Musiker und Gesangvirtuose war wacker fechtend in der Schlacht gefallen; Lysipp mußte heran und den Mann, der nicht nur die Saiten, sondern auch den Feind zu schlagen wußte, mit Leier und Schwert im Bild verewigenPlutarch, De Alexandri virtute II 2.. Und ähnliches mehrIch erwähne noch den Peukestes, der dem König einmal das Leben gerettet hatte (Plin. 34, 67), sowie ein Reitergeschwader, auch dies von Lysipp; alle Gesichter im Porträt (Plin. 34, 64). Der Maler Philoxenos malte Alexanders Kampf mit Darius (Plin. 35, 110); Aristoteles veranlaßte den Maler Protogenes, Alexanders Taten darzustellen (Plin. 35, 106); Nikias malte ein großes Alexanderbild (Plin. 35, 132) usf..

155 Alexander kannte die Dankbarkeit und ehrte Lebende wie Tote, die seiner Sache gedient, oft in exaltierter Weise. Begreiflicher aber scheint mir noch, daß er sich in seiner Riesenposition jetzt auch gewaltig übermütig zeigen konnte. Als ihm Megara, der Athen benachbarte, erbärmlich kleine Winkelstaat, das megarische Ehrenbürgerrecht anbot, lachte er nur laut auf. Es war einer der seltenen Fälle, wo er lachte. Gekränkt sagten darauf die Biedermänner aus Megara, diese Ehre sei noch nie jemandem zuteil geworden außer dem Herakles, dem Helden, in der Zeit vor Homer. Da änderte er sogleich den Ton und nahm die Ehrung gnädig anPlutarch, Περὶ μοναρχίας κτλ. V p. 131 ed. Bernadakis. So also die Historiker; Seneca de benef.. I 13 erzählt dasselbe von Korinth, nicht von Megara.. Eben jetzt kam aus Griechenland die Nachricht, daß die Spartaner dort im Peloponnes gegen Mazedonien den Aufstand entfacht hatten; Antipater, Alexanders Statthalter in Mazedonien, hatte anfangs seine Not damit, hatte den zähen Feind dann aber doch in hartem Ringen besiegt und Sparta wehrlos gemacht. Der Sparterkönig Agis fiel dabei in heroischer Gegenwehr. Alexander aber rief nur: »Da haben die Frösche die Mäuse besiegtPlutarch, Agesilaos 15.;« er dachte dabei an das bekannte lustige Volksgedicht vom Froschmäusekrieg, und er hatte nicht unrecht; der Winkelkrieg dort hinten im Peloponnes nahm sich gegen das, was der Eroberer Babylons selbst erlebt und vollführt hatte, winzig genug aus. Nichts aber ist charakteristischer als in diesem Fall mit Alexander Friedrich den Großen zu vergleichen, der ebenso geringschätzig sein eigenes Lebenswerk, die schlesischen Kriege, die er eben begonnen, mit dem Froschmäusekrieg verglichSiehe Kannengießer, Friedrich der Einzige Nr. 399 schon aus dem Jahr 1751; fälschlich sagt da Friedrich übrigens »Ratten und Mäuse«.. Friedrich war schon in seiner Jugend als Schüler Mark Aurels pantheistisch erfüllt von der Vorstellung der Nichtigkeit alles Irdischen und sah alles im Auge der Ewigkeit. Alexander dagegen lebte nur naiv vollblütig dem großen Augenblick. Er streckte sich nach Zukunft, berauscht von seinen eigenen Erfolgen. Nichts war ihm nichtig. Ja, er genoß sie, die Erfolge, um immer neue Kraft aus ihnen zu saugen für das Unabsehbare, das noch bevorstand.

Aber er ließ zugleich immer noch Griechenland an seinen Erfolgen teilnehmen und hörte nicht auf, dort Waffenweihungen 156 und Siegesfeiern mit Opferhandlungen ausführen zu lassenAuf Rhodos ließ Alexander der Athene damals erbeutete Waffen weihen und ein größeres Stieropfer veranstalten; s. die Lindische Tempelchronik Z. 104 ff. Die Stierköpfe wurden dort mit beigefügter Inschrift im Tempel aufgestellt.. Seit seinem Ausmarsch aus Mazedonien ließ er ein Kriegsjournal führen. Man nannte das Ephemeriden. Aus ihm hätte eine Kriegsgeschichte im Stil der preußischen Generalstabswerke hervorgehen können, und dies wäre zugleich für Kriegswissenschaft eine Fundgrube der Belehrung geworden. Auch über die Schlacht bei Gaugamela, den Gipfel seiner Taten, stand darin ohne Frage alles genau zu lesen, und Alexander dachte mit Stolz daran zurück. Die Darstellung der Schlacht ließ sich um so zuverlässiger geben, weil man diesmal auch über des Darius Schlachtplan und Streitkräfte und ihre Verteilung genau unterrichtet war; denn unter der gemachten Beute wurde auch der schriftliche Schlachtplan des Darius aufgefunden, eine KostbarkeitVgl. Arrian III 11, 3: ἑάλω γὰρ ὕστερον ἡ τάξις ἥντινα ἔταξε Δαρεῖος γεγραμμένη, ὡς λέγει Ἀριστόβουλος. Solche geschriebene oder gezeichnete »Taxis« haben wir uns wohl kartographisch zu denken nach der Art, wie die Römer ihre Schlachten im Kartenbild darstellten; s. über simulacra pugnarum Livius 41, 28, 10; dazu Rhein. Museum 73 S. 312.. Die unvergleichliche Überlegenheit der Kriegskunst Alexanders aber wird von unsern modernen Kriegswissenschaftlern gerade im Hinblick auf diese letzte Schlacht anerkannt und verdeutlichtIch begnüge mich, auf Emil Daniel, Das antike Kriegswesen, 1910, S. 45 ff. zu verweisen, aus dem ich einiges wörtlich entnehme..

Noch nie war von einer europäischen Macht eine Armee von 40 000 bis 50 000 Mann außer Landes geführt und als strategische Einheit eingesetzt worden (wir operieren jetzt mit ganz andern Zahlen; aber die Transportverhältnisse sind auch andere). Neu und ausgezeichnet wirksam sodann die geniale Mischung und Kombinierung der Bewaffnungsarten, Hopliten in schweren Waffen, leichtbewegliche Peltasten, Pfeilschützen zu Fuß, zu Roß, Schleuderer, Gebirgstruppen; vor allem die Formierung der Kavallerie, die nun größte Schlagkraft gewinnt. Sie lernte jetzt in SchwadronenIlen genannt. zu reiten und ist von Alexander zum erstenmal als taktischer Körper zusammengefaßt worden. Es war die erste disziplinierte Kavallerie der Weltgeschichte. Aber auch alles andere war weit und umsichtig organisiert: die Etappenkommandos, die die Verbindung mit Mazedonien sicherten, die Streifkorps und vorgetriebenen Patrouillen, die Lazarette in den Etappen. Nur die lieben Pflegeschwestern fehlten noch.

Die schwere Infanterie kämpft besser defensiv im Sehen als im Vormarsch; sie stand mit ihren langen Sarissen stachlig da 157 wie ein Igel. In der Schlacht bei Gaugamela wurden die gefürchteten 200 SichelwagenXenophon in der Cyropädie sowie auch Hellenik. IV 1, 19 erwähnt sie schon und hält sie für wirksam und gefährlich. von den Persern gleich anfangs gegen sie geworfen, kamen aber gar nicht zur Wirkung. Denn auf Kommando trat die Truppe, eine breite Gasse bildend, auseinander und ließ ihnen freie Bahn; indessen wurden die Kutscher durch die Pfeilschützen erledigt, die Pferde durch Peltasten. Seitdem sind die Sichelwagen im Kriegswesen mehr und mehr außer Gebrauch gekommen.

Als ausgezeichnet wirksam erwies es sich aber auch, daß Alexander in das Kavalleriegefecht leichtfüßige Fußtruppen eingreifen ließ, die mit ihren Spießen die Pferde schädigten. Des Darius Armee begann Alexanders viel schmalere Front schon seitlich zu umfassen; durch diese gemischte Waffe jedoch, die er in Hakenstellung an seinen Flügeln aufstellte, vereitelte er diese Überflügelung, die größte aller Gefahren. Dann wurde Parmenios linker Flügel schwer gefährdet; denn es gelang den Persern, die großartig opferfreudig und mit kolossalen Verlusten fochten, den Flügel zu durchbrechen; des Bessus Mannschaften aus Baktrien schienen unwiderstehlich. Hätte der Feind danach die Mazedonen von hinten gefaßt, wäre eine Umzingelung möglich gewesen. Aber die sinnlosen Leute warfen sich statt dessen im Siegesrausch und beutegierig auf Alexanders Heerlager, das weitab hinter dem Schlachtfeld lag, um zu plündern und um die Familie des Darius zu befreien. Als sie endlich umkehrten, wurden sie gefaßt, und es gelang ihnen nicht mehr, sich durchzuschlagen.

Alexanders Wille beherrschte zwar das Ganze, und alle Kräfte waren in ihm konzentriert. Vor der Schlacht stellte der Kriegsrat jedem der ihm unterstellten Generäle seine Aufgabe. Gleichwohl ließ ihnen Alexander beträchtliche Aktionsfreiheit, ja, er rechnete darauf. Sie brauchten nicht in jedem Fall auf Befehl zu warten und kamen dem Fortschritt der großen Handlung oft durch selbständig gefaßten Beschluß zur Hilfe. Das gab der Kriegsmaschine des Königs die wunderbare Elastizität, die sich überall bewährt hat. 158 Dazu kam endlich die Ausnützung des erfochtenen Sieges. Mit furchtbarer Tatkraft führte Alexander die Verfolgung durch wie vor ihm kein anderer, mochten auch tausend Pferde auf der Strecke bleiben. Ebenso beispiellos die Hingabe der Truppen in allen Lagen. Er hatte sie fest in der Hand wie kaum je ein anderer Feldherr.

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