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Alexandre Dumas (der Ältere): Akte - Kapitel 18
Quellenangabe
authorAlexander Dumas d. Ä.
titleAkte
publisherFranckh'sche Verlagshandlung
printrun26. Auflage
year1921
translatorClara Laufer
illustratorFritz Bergen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170123
projectide175c084
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XVIII.

Das war der Inhalt der Briefe, welche Nero erhalten hatte; zugleich teilte man ihm mit, Vindex' Aufruf sei unter das Volk verteilt worden und bereits in einigen Exemplaren nach Rom gekommen. Daß man ihn darin Frevler, Muttermörder, Tyrann nannte, erzürnte und beleidigte ihn weniger als der Spitzname Oenobarbus und die Bemerkung, er sei ein schlechter Sänger. Das waren Beleidigungen, für welche der Senat Rache nehmen mußte, er schrieb daher sogleich an den Senat. Um den Vorwurf der Ungeschicklichkeit in seiner Kunst zu vergelten, ließ er demjenigen eine Million Sesterzien versprechen, der Vindex töten würde; darauf fiel er wieder in seine Sorglosigkeit und Apathie zurück.

Inzwischen machte der Aufstand in Spanien und Gallien Fortschritte; Galba hatte sich eine Reitergarde geschaffen und eine Art Senat eingerichtet. Als Vindex vernahm, daß ein Preis auf seinen Kopf gesetzt sei, antwortete er, er wolle gerne seinen Kopf hergeben, wenn man ihm den Neros dafür bringe.

Unter allen Heerführern, Präfekten und Prätoren, die dem neuen Cäsar zufielen, war Virginius allein treu geblieben, nicht, wie schon erwähnt, aus Liebe zu Nero, sondern weil er in Vindex einen Fremden sah und Galba als einen schwachen, unentschlossenen Charakter kannte. Er fürchtete, daß Rom, so unglücklich es schon war, unter dem Wechsel noch mehr zu leiden haben würde. Er stellte sich daher mit seinen Legionen den Galliern entgegen, um das Reich vor der Schande zu retten, einem seiner früheren Feldherrn gehorchen zu müssen.

Die gallischen Hauptleute hatten ihren Schwur gehalten; an der Spitze von Heerhaufen aus den drei edelsten und mächtigsten Völkerschaften Galliens, den Sequanern, Äduern und Arvernern schlossen sie sich an Vindex an. Virginius dagegen hatte die germanischen Legionen um sich versammelt, die belgischen Hilfstruppen und die batavische Reiterei. Diese beiden Heere rückten gegeneinander vor, bis Vindex vor Besançon stand, das zur Zeit dem Galba als Aufenthalt diente. Aber kaum waren die Vorbereitungen zur Belagerung getroffen, so war Vindex' Heer zur Stelle.

Die Gallier zogen den Römern entgegen, die sie erwarteten; als sie noch drei Wurflängen entfernt waren, hielten sie an und stellten sich in Schlachtordnung auf. In diesem Augenblick trat in Vindex' Auftrag ein Herold vor und ging dem Virginius entgegen. Eine Viertelstunde später rückten die Garden der beiden Heerführer zwischen den beiden Heeren vor, in der Mitte wurde ein Zelt errichtet, und Virginius und Vindex begaben sich in dieses Zelt.

Niemand war bei ihrer Unterredung zugegen, doch geht die Meinung der Geschichtsforscher dahin, Vindex habe Virginius seine Politik entwickelt, ihm erklärt, daß er nicht für sich selbst handle, sondern für Galba, und ihn überzeugt, daß diese Erhebung dem Vaterland zum Wohle gereiche. Jedenfalls verständigte sich hierauf Vindex mit dem, den er erst bekämpfen wollte. Die beiden Heerführer trennten sich, um sich bald darauf wieder zu vereinigen und an der Spitze ihrer Heere gemeinschaftlich gegen Rom vorzugehen; da erscholl auf einmal großes Geschrei auf dem rechten Flügel der Armee. Eine Abteilung von hundert Mann hatte Besançon verlassen, um sich den Galliern anzuschließen. Diese führten eine Schwenkung aus, um sie einzuholen; da glaubten sich die Soldaten des Virginius angegriffen, und dem ersten Antrieb folgend, stellten sie sich ihnen entgegen. Das war die Ursache des Geschreis, das die beiden Heerführer vernahmen. Sogleich sprengte jeder zu seinem Heer zurück und beschwor die Soldaten einzuhalten, aber ihre Bitten wurden von den Schlachtrufen der Gallier, die ihre Schilde an den Mund legten, übertönt. Man hielt ihre Handbewegungen für Zeichen der Ermutigung, ein unbegreiflicher Taumel, wie er zuweilen Armeen und Menschen erfaßt, ergriff die ungeheure Menge. Man sah das grauenvolle Schauspiel sich entwickeln, wie Soldaten ohne Oberbefehl und ohne Schlachtordnung aufeinander losstürzten und sich überfielen wie Löwen und Tiger im Zirkus, einzig von dem Instinkt der Vernichtung getrieben, und von dem alten Haß entflammt, den die unterjochten Völker gegen ihre Überwinder und die Eroberer gegen die Unterworfenen hegen. Nach zwei Stunden hatten die Gallier in diesem Kampf zwanzigtausend Mann und die germanischen und batavischen Legionen sechzehntausend Mann verloren. Endlich zogen sich die Gallier im Schutze der Dunkelheit zurück. Auf dem Platze, wo die germanischen Soldaten sie des andern Morgens wiederzufinden hofften, stand nur noch ein Zelt, und darin fand man den Leichnam des Vindex, der sich aus Verzweiflung darüber, daß er seine schönsten Hoffnungen auf Freiheit vereitelt sehen mußte, in sein Schwert gestürzt hatte.

Zur selben Zeit waren auch die Ereignisse in Spanien für den neuen Kaiser ebenso ungünstig. Eine Reiterabteilung, die sich empört hatte, bereute, ihren Treueschwur gebrochen zu haben; sie wollte Galba verlassen und war nur mit großer Mühe zur Rückkehr unter seinen Oberbefehl zu bewegen. Am selben Tage, an dem sich Vindex in sein Schwert stürzte, wäre Galba auf dem Wege zum Bade in einer engen Straße beinahe ermordet worden von Sklaven, die ihm ein früherer Freigelassener des Nero übergeben hatte. Er war noch ganz erschüttert von der doppelten Gefahr, der er kaum entronnen, als er die Niederlage der Gallier und den Tod des Vindex vernahm. Jetzt glaubte Galba alles verloren, und anstatt kühn dem Geschick zu vertrauen, zog er sich in die feste Stadt Clunia zurück, deren Befestigungswerke er noch verstärkte. Aber gleich darauf gaben ihm untrüglich scheinende, glückliche Vorzeichen den verlorenen Mut zurück. Als man die neue Verschanzung um die Stadt zu führen begann, fand ein Soldat beim ersten Spatenstich einen Ring von kostbarer, antiker Arbeit, auf dessen Stein eine Siegesgöttin und eine Trophäe graviert waren. Dieses erste Unterpfand des Schicksals verlieh ihm wieder einen ruhigeren Schlummer, als er lange gehabt hatte, und während dieses Schlummers sah er im Traume die kleine Statue der Fortuna, welcher er auf seiner Villa in Fondi einen besonderen Kultus geweiht und der er monatlich ein Opfer und jährlich eine Nachtwache gewidmet hatte. Sie schien seine Türe zu öffnen und sagte, sie sei es müde, an seiner Schwelle zu warten, und werde einem anderen folgen, wenn er sich nicht beeile, sie einzulassen. Noch ganz ergriffen von diesen beiden günstigen Vorzeichen, erhob er sich; da verkündigte man ihm, daß bei Dertosa, einer am Ebro gelegenen Stadt, ein mit Waffen beladenes Schiff gelandet sei, ohne Passagiere, Matrosen und Steuermann; von jetzt ab betrachtete er seine Sache als gerecht und gewonnen, denn es war offenbar, daß sie den Göttern wohlgefiel.

Was Nero betrifft, so hatte er den üblen Nachrichten im ganzen wenig Wert beigelegt, sich sogar darüber gefreut, denn er fand unter dem Vorwand des Kriegsrechts ein Mittel neue Steuern zu erheben. Er hatte sich damit begnügt, dem Senat den Aufruf des Vindex zu übersenden, indem er Genugtuung verlangte diesem Menschen gegenüber, der ihn einen schlechten Kytharaspieler genannt habe. Dann hatte er auf den Abend die hervorragendsten Bürger zu sich berufen. Diese beeilten sich sehr, die Versammlung zu besuchen, weil sie glaubten, daß über die neuesten Ereignisse beraten werden solle; aber Nero begnügte sich damit, jedem einzeln hydraulische Musikinstrumente von neuer Erfindung vorzuzeigen und über deren Gebrauch und Vorzug ausführlich zu reden. Alles, was er über den Aufstand in Gallien sagte, war die Bemerkung, daß er alle diese Instrumente ins Theater bringen lassen werde, wenn Vindex ihn nicht daran verhindere.

Als am nächsten Morgen neue Briefe einliefen, die mitteilten, daß die Anzahl der Aufständischen in Gallien sich bereits auf hunderttausend belaufe, dachte Nero, daß es Zeit sei, Kriegsvorbereitungen zu treffen. Er gab die seltsamsten und unsinnigsten Befehle. Er ließ Wagen vor das Theater und den Palast fahren und mit Musikinstrumenten statt mit Waffen beladen und berief die städtischen Mannschaften ein, um den Militäreid zu leisten. Da er jedoch sah, daß die waffenfähigen Männer nicht erschienen, verlangte er von den Herren als Ersatz eine gewisse Anzahl Sklaven; er ging selbst in die Häuser, um die kräftigsten und stärksten auszuwählen, und nahm selbst die Wirtschaftsführer und die Schreiber. Dann versammelte er vierhundert Kurtisanen, ließ ihnen die Haare abschneiden, bewaffnete sie mit der Axt und dem Schild der Amazonen und bestimmte sie zur cäsarischen Leibwache. Auf die Schultern des Sporus und des Phaon gestützt, verließ er nach der Mahlzeit das Speisezimmer, und als ihn einige warnten, sagte er ihnen, sie möchten sich nur beruhigen, denn sobald er nur den Boden der Provinz berührt und sich den Galliern ohne Waffen gezeigt haben werde, würde er nur noch nötig haben, ein paar Tränen zu vergießen, dann würden die Verführer sogleich bereuen, und am anderen Tag würde man ihn fröhlich mit den Fröhlichen eine Siegeshymne anstimmen hören, die er sogleich komponieren wolle.

Einige Tage darauf traf wieder ein Bote aus Gallien ein; dieser wenigstens brachte die günstigen Nachrichten von dem Zusammentreffen der römischen Legionen mit den Galliern, von der Niederlage der Rebellen und dem Tode des Vindex, Da erhob Nero ein großes Freudengeschrei und rannte wie ein Narr in den Gemächern und Gärten des goldenen Hauses umher, ordnete Feste und Vergnügungen an, verkündigte, daß er am Abend im Theater singen werde, und ließ die vornehmsten Bürger der Stadt für den folgenden Tag zum Abendessen einladen.

Am Abend begab sich Nero wirklich ins Gymnasium, aber eine dumpfe Gärung herrschte in der Stadt. Als er vor einer seiner Bildsäulen vorüberging, sah er, daß sie mit einem Sack bedeckt war. Die Vatermörder schloß man nach altem Brauch in einen Sack und warf sie in die Tiber mit einem Affen, einer Katze und einer Schlange.

Die Vorstellung wurde mit einem Volksschauspiel eröffnet, das der Schauspieler Eatus aufführte.

Die Rolle begann mit den Worten: Heil meinem Vater! Heil meiner Mutter! In dem Augenblicke, wo er diese Worte aussprach, wandte er sich gegen Nero und führte die Bewegung des Trinkens aus, als er sagte: Heil meinem Vater! und die Bewegung des Schwimmens bei den Worten: Heil meiner Mutter! Dieser Ausfall wurde mit einstimmigem Beifall ausgenommen, denn jedermann erkannte die Anspielung auf den Tod des Claudius und der Agrippina. Nero fing dabei an zu lachen und zu applaudieren wie die andern, sei es, daß er für jede Art Scham unempfindlich war, sei es, daß er fürchtete, das Publikum noch mehr gegen sich aufzubringen und seinen Spott herauszufordern, wenn er sich erzürnt zeige.

Als die Reihe an ihn kam, verließ er seine Loge und stieg hinab in das Theater.

Obwohl er nach seiner Gewohnheit bescheiden vortrat, um eine ehrerbietige Ansprache an die Zuschauer zu richten, er werde sein möglichstes tun, daß aber jeder Erfolg von der Gunst des Zufalls abhänge, rührte sich keine Hand, und kein Beifallsruf ließ sich hören. Dennoch fing er an zu singen, aber eingeschüchtert und zitternd. Seine ganze Rolle wurde im tiefsten Stillschweigen angehört, nicht ein einziges Zeichen der Aufmunterung folgte.

Als er an die Stelle kam:

Meine Frau, meine Mutter und mein Vater verlangen meinen Tod! erschallten zum ersten Mal Beifallsrufe und lebhaftes Geschrei. Diesesmal konnte er sich nicht mehr darüber täuschen, was das zu bedeuten habe. Nero verstand den wahren Sinn dieser Kundgebung und beeilte sich, das Theater zu verlassen; aber als er die Treppe hinabging, verwickelte er sich mit den Füßen in sein langes Gewand, er stürzte und verwundete sich im Gesicht; bewußtlos hob man ihn unten auf.

In seinem Hause auf dem Palatin kam er wieder zu sich; er schloß sich in sein Zimmer ein, denn er war außer sich vor Schreck und Zorn. Jetzt zog er seine Schreibtäfelchen hervor und entwarf seltsame Pläne darauf, die nur der Unterschrift entbehrten, um furchtbare Todesbefehle zu werden. Seine Absichten gingen dahin, Gallien der Plünderung durch die Armeen preiszugeben, den ganzen Senat bei einem Festmahl zu vergiften, die Stadt zu verbrennen und zu gleicher Zeit die wilden Tiere loszulassen, damit das undankbare Volk, das ihm nur applaudiert hatte, um ihm seinen Tod anzukündigen, sich nicht gegen die Verheerungen des Feuers wehren könne. Dann warf er sich auf sein Bett, beruhigt durch die Überzeugung, daß er noch die Macht besitze, so viel Übles zu tun. Endlich verfiel er in einen unruhigen Schlummer, aber entsetzliche Traumgestalten quälten ihn unaufhörlich, so daß er bald zitternd mit schweißbedeckter Stirn und gesträubtem Haar erwachte. Da rief er und befahl, daß man Sporus zu ihm führe, und der junge Mann blieb die übrigen Stunden der Nacht in seinem Zimmer.

Beim Anbruch des Tages verschwand das Übermaß der nächtlichen Schrecken, aber es blieb eine unbestimmte Furcht zurück, so daß er jeden Augenblick erzitterte. Er ließ den Boten vor sich kommen, der die Nachricht vom Tode des Vindex gebracht hatte. Es war ein batavischer Reiter, der mit Virginius aus Germanien gekommen war und die Schlacht mitgemacht hatte. Nero ließ ihn mehrmals alle Einzelheiten des Kampfes wiederholen, besonders diejenigen, die den Tod des Vindex betrafen; endlich wurde er ruhig, als der Soldat ihm bei Jupiter schwur, daß er den Leichnam von Stichen durchbohrt und zur Bestattung bereitet mit eigenen Augen gesehen habe. Darauf ließ ihm Nero eine Summe von hunderttausend Sesterzien auszahlen und machte ihm seinen eigenen Ring zum Geschenk.

Inzwischen war die Stunde des Festmahls herbeigekommen; die kaiserlichen Gäste versammelten sich auf dem Palatin. Vor der Mahlzeit ließ sie Nero wie gewöhnlich das Bad besuchen; beim Verlassen desselben boten ihnen Sklaven weiße Togen und Blumenkränze an. Nero erwartete sie im Triklinium, er war weiß gekleidet wie sie und trug einen Blumenkranz; unter den Klängen einer entzückenden Musik ließen sich alle auf den schwellenden Polstern nieder.

Diese Mahlzeit war nicht nur mit dem raffinierten Geschmack, sondern auch mit allem Luxus eines römischen Festmahls ausgestattet. Jeder Gast hatte einen Sklaven zu seinen Füßen, der seinen leisesten Wünschen zuvorzukommen suchte; ein Schmarotzer saß an einem besonderen Tisch, der ihm ganz als Opfer überlassen wurde, während im Hintergrund auf einer Bühne gaditanische Tänzerinnen erschienen, die sich mit solcher Anmut und Leichtigkeit bewegten, als ob sie die holden Frühlingsgöttinnen wären, die im Monat Mai Flora und Zephyr beim Einzug in ihr Reich umschweben.

Als die Mahlzeit vorrückte und die Gäste sich erwärmten, veränderte sich der Charakter der Schaustellungen; das Üppige wurde unzüchtig. Auf die Tänzerinnen folgten Seiltänzerinnen, und dann begannen jene unerhörten Spiele, die erfunden sein sollen, um die erschlafften Sinne des alten Tiberius aufzureizen. Zu gleicher Zeit ergriff Nero eine Kythara und sang Verse dazu, in denen Vindex lächerlich gemacht war; er begleitete seinen Gesang mit derbkomischen Bewegungen. Die Gesten und der Gesang wurde eben von den Gästen frenetisch bejubelt, als ein neuer Bote ankam, der Briefe aus Spanien brachte. Diese Briefe meldeten zu gleicher Zeit die Empörung Spaniens und die Ausrufung Galbas zum Kaiser.

Nero überlas die Briefe mehrmals und wurde immer blässer; dann ergriff er zwei besonders kostbare Vasen und zerschlug sie, wie wenn sie aus gemeinem Stoff gewesen wären, hierauf sank er nieder, zerriß seine Kleider, stieß mit dem Kopf heftig gegen die Ruhebetten und rief, er leide unerhörte und unsagbare Schmerzen, weil er das Reich zu seinen Lebzeiten verliere. Auf sein Geschrei trat seine alte Amme herein, nahm ihn wie ein Kind in ihre Arme und versuchte ihn zu trösten; aber wie bei einem Kinde vermehrte sich nur sein Schmerz, während sie ihm Trost zusprach; doch bald machte er dem Zorne Platz. Er ließ sich ein Rohr und Papyrus bringen und schrieb dem Hauptmann der Prätorianer. Als der Befehl unterzeichnet war, vermißte er seinen Siegelring, den er am Morgen dem batavischen Reiter geschenkt hatte. Er verlangte das Siegel des Sporus, der ihm seinen Ring übergab. Ohne ihn anzusehen, drückte er ihn in das Wachs, aber als er ihn erhob, bemerkte er, daß darauf die Fahrt der Proserpina in die Unterwelt dargestellt war. Dieses letzte Vorzeichen in einem solchen Augenblick erschien ihm das schrecklichste von allen; mochte er nun meinen, Sporus habe ihm diesen Ring absichtlich gereicht, oder in seiner Raserei die treusten Freunde nicht mehr erkennen, als Sporus teilnehmend zu ihm trat, um nach dem Grunde seiner neuen Erschütterung zu fragen, schlug er ihm die Faust ins Gesicht, so daß der junge Mann blutüberströmt und ohnmächtig zu Boden sank.

Ohne sich von seinen Gästen zu verabschieden, suchte der Kaiser sein Zimmer auf und befahl, daß man Locuste kommen lasse.

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