Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Aischylos >

Agamemnon

Aischylos: Agamemnon - Kapitel 4
Quellenangabe
typetragedy
booktitleGriechische Tragiker Aischylos, Sophokles, Euripides
authorAischylos
translatorJ. G. Droysen (Berlin 1832)
year1961
publisherDeutscher Bücherbund
addressStuttgart, Hamburg
titleAgamemnon
pages111-161
senderahipler@mainz-online.de
Schließen

Navigation:

Chor:
Und ich – mich jammert deiner –, eifern will ich nicht!
So komm, du Arme; deinen Wagen laß allein;
Dem Zwange weichend, weih das neue Joch dir ein!

Erste Strophe

Kassandra:
Ha, Götter! Oh!
Apollon! Apollon!

Chor:
Was rufst du solch ein traurig Ach dem Loxias?
Er ist der Gott nicht, dem des Grames Ruf gebührt!

Erste Gegenstrophe

Kassandra:
Ha, Götter! Oh!
Apollon! Apollon!

Chor:
Von neuem rief sie mit entweihndem Schrei den Gott,
Dem nie gerecht ist, solchem Jammer nah zu sein!

Zweite Strophe

Kassandra:
Apollon! O Apollon!
Du Wegführer! O Abholder mir!
Abhold verdirbst du gar mich ganz zum zweitenmal!

Chor:
Ihr eignes Unheil will sie wohl verkündigen;
Des Gottes Geist weilt auch im Sklavensinne noch!

Zweite Gegenstrophe

Kassandra:
Apollon! O Apollon!
Du Wegführer! O Abholder mir!
Wohin geführt hast du mich, ach, in welches Haus?

Chor:
Zum Hause der Atriden, wenn du nicht es weißt;
Ich sag es gern dir, falsch erfindest du es nicht!

Dritte Strophe

Kassandra:
Ha! Götterverhaßtes Haus! Du von unzählger Schuld
Zeuge, von Strick, von Wechselmord,
Von Mannes Opferbecken, Boden blutbespritzt!

Chor:
Scharfspürend scheint die Fremde, wie ein Jägerhund,
Zu wittern, wessen Todesblut sie spüren mag!

Dritte Gegenstrophe

Kassandra:
Ha! Diese belehren mich, deutliche Zeugen sind's,
Weinende Kindlein, jäher Mord,
Ihr Fleisch gebraten und vom Vater aufgezehrt!

Chor:
Wir haben sonst schon viel von deinem Seherruf
Erfahren alle, suchen jetzt Wahrsager nicht!

Vierte Strophe

Kassandra:
O Götter ihr! Weh, was ersinnt sie jetzt?
Welch unerhörtes, neues Weh,
Welch gräßlich Unheil drinnen beginnt die Wilde jetzt –
Unsagbar, unsühnbar, ein Fluch allen! Ach, und Hilfe von keiner Seite!

Chor:
Mir unbegreiflich sprachst du dies Orakel aus;
Klar war mir jenes; denn die ganze Stadt erzählt's!

Vierte Gegenstrophe

Kassandra:
Unselge du! Wehe, du führst's hinaus!
Der an der Seite dir geruht,
Den du ins Bad lockst, deinen Herrn – wie sag ich's ganz?
Denn gleich ist's erfüllt – frech hervor recket, ach! schon hastig sich Arm um Arm!

Chor:
Ich faß es nimmer, unerklärlich Rätsel birgt
Mir deiner zukunftschwangren Worte dunkler Sinn!

Fünfte Strophe

Kassandra:
Ach! ach! o schau! o schau! Wieder, was seh ich da?
Ist's gar ein Netz des Todes?
Die Schlinge Bettgenossin, Blutgenossin
Des Mordes ist's! Jauchze, du wilder Haß
Dieses Geschlechtes, jetzt diesem Blutopfer zu!

Chor:
Weh! Welchen Dämon rufst du auf, in diesem Haus
Wild aufzujubeln? Fröhlich macht dein Wort mich nicht!
Nein, in das Herz zurück stürzt mir in dumpfer Angst
Das Blut totenbleich, wie der Verwundeten
Brechendes Auge der Tod tief in Nacht hüllt;
Verderben eilt gar zu schnell!

Fünfte Gegenstrophe

Kassandra:
Ach! ach! o sieh! o sieh! Halt von der Kuh doch fern
Den Stier! Im weiten Mantel
Fängt sie den schwarzgehörnten ein mit arger List!
Sie trifft – er sinkt, sieh, in des Beckens Flut! –
Von dem Geschick in mordlistgem Bad hörtest du!

Chor:
Nicht großer Kunde rühm ich mich im Deuten von
Orakelsprüchen; doch ein Unglück ahnd ich hier!
Wo ist ein freundlich Wort von den Orakeln je
Den Sterblichen gesandt? Im Leid selber erst
Lassen verstehn die vieldeutigen Sprüche
Die gottgeweissagte Furcht!

Sechste Strophe

Kassandra:
O mein, der Armen, gar zu betrübtes Los!
Denn um mein eigen Leid sing ich die Klage mit drein!
Warum denn hierher hast mich Arme du gebracht?
Doch einzig, daß ich mit dir stürbe! Wozu sonst?

Chor:
Dich hat ein Gott verwirrt,
Dir das Gemüt verstört, daß unselgen Sang
Du von dir wie die Nachtigall wehklagst,
Die im betrübten Sinn, ach! des Rufs nimmer satt,
Itys, o Itys! seufzt; ewiger Gram umblüht
Ihr Wehklageleben!

Sechste Gegenstrophe

Kassandra:
O selig Schicksal singender Nachtigall!
In den beschwingten Leib kleideten Götter sie
Und gaben süße, tränenlose Tage ihr;
Doch meiner harret Mord von doppelscharfer Axt!

Chor:
Aber von wannen kam,
Kam dir vom Gott gestürmt der Angst eitler Wahn,
Daß du dir die Gefahr so tief wehklagst,
Wider sie jammerlaut, hellen Schmerz gellend schreist?
Wer hat das Ziel der weissagenden Klage dir,
Das Fluchziel, gesetzt?

Siebente Strophe

Kassandra:
Du Ehe, Paris' Ehe, weh! Die du den Freunden Tod gebracht!
O du Skamandros, meiner Väter Trank!
An dem Gestade dein lebte ich Arme wohl glückliche Tage sonst!
Nun glaub ich, am Kokytos, an des Acheron
Felsufern werd ich singen meine Sprüche bald!

Chor:
Wie du es uns mit dem Wort gar zu verständlich sagst!
Und auch ein Kind verstünde dich;
Mich schlägt, blutig schlägt nagender Kummer mich,
Wie dein bittres Los wissend umsonst du beweinst,
Wunder zu hören mir!

Siebente Gegenstrophe

Kassandra:
Du Gram, o Gram du meiner Stadt, die du zumal dem Tod erlagst,
Oh, meines Vaters fromme Opfer ihr,
Prangender Herden Blut, unserer Stadt zum Heil; aber es gab kein Heil,
Daß unsre Stadt nicht litte, was ihr jetzt geschehn! –
Ich aber sinke bald im heißen Todeskampf!

Chor:
Wie du vorher, so sprichst wieder du gar zu klar.
Sag, welcher schwererzürnte Gott
Erfaßt überstark dich, stürmt wild dich empor,
Daß Wehklage du, Jammer des Todes du singst?
Wie wird das Ende sein?

Kassandra:
Es soll von nun an unter Schleiern nicht hervor
Die Verheißung blicken gleich der neuvermählten Braut;
Ein heller Frühwind, wird sie wach, dahinzuwehn
Gen Sonnenaufgang, und es rauscht wie Meeresflut
Bei dieser Blutschuld erstem Strahl gewaltiger
Empor! Verkünden will ich nicht in Rätseln mehr!
Und seid mir Zeuge, daß ich, jeder Spur gewiß,
Des allverübten Frevels Fährte wittere.
Denn dieses Haus läßt nimmermehr des Chors Gesang,
Der, laut und doch mißlautig, Frohes nimmer singt.
Denn, voll und trunken bis zum frechsten Übermut
Vom Menschenblut, tobt durch das Haus ein Trinkgelag,
Der Erinnyen schwergebannter, blutsverwandter Schwarm;
Ihr gellend Trinklied singen sie, an den Herd geschart,
Urerste Blutschuld, schmähen und verfluchen dann
Des Bruders Ehbett, das den Schänder niederschlug!
Verfehl ich's, treff ich's, wie die Jägerin ihr Wild?
Und Lügenseherin, Bettelprophetin, sprich, bin ich's?
So schwöre mir zu zeugen, daß ich klar gewußt
Von dieses Hauses altgeerbter Frevelschuld!

Chor:
Wie mag des Schwures fromm geschlungen Band ein Heil
Gewähren? Doch dich staun ich an, daß, über See
Geboren, alles du uns Andersredenden
Kannst nacherzählen, gleich als hättest du's gesehn!

Kassandra:
Es gab Apollon mir, der Seher, dieses Amt.

Chor:
Vielleicht, ein Gott er, dir in Liebe doch besiegt?

Kassandra:
Vor diesem hab ich mich geschämt, das zu gestehn.

Chor:
Zu zartgewöhnt sind freilich alle Glücklichen.

Kassandra:
Mein Buhle war er! Und er hat mich sehr geliebt!

Chor:
Und hat der Gott in seiner Liebe dich erkannt?

Kassandra:
Versprochen hatt ich's, und belog den Loxias!

Chor:
Da du der gotterfüllten Kunst schon mächtig warst?

Kassandra:
Ja; schon verhieß ich meinem Volke jedes Leid.

Chor:
Ließ ohne Strafe dich der Zorn des Loxias?

Kassandra:
Es glaubte niemand nichts mir, seit ich das getan!

Chor:
Uns wahrlich scheinst du gar zu wahr zu prophezein!

Kassandra:
O Gott! Weh! Qualen!
Auf reißt mich wieder der Begeistrung wilder Schmerz!
Im jähen Wirbel stürmen Sprüche wirr hervor!
Ha! seht ihr die dort sitzen vor der Tür, so still,
So jung, der Träume Truggestalten gleich zu schaun,
Zween Knaben gleich, als hätten Freunde sie gewürgt,
Die kleinen Hände mit des eignen Fleisches Kost,
Der eignen Eingeweide jammervollem Mahl
Gefüllt, davon der eigne Vater gessen hat?
Um diese sinnt jetzt auf Vergeltung, sag ich dir,
Ein Löwe Feigling, Hauses Hüter, seines Betts
Nestling, Vergeltung. Wehe deinem teuren Herrn
Und meinem – Sklavin bin ich ja und trag es auch!
Der Schiffe König, Ilions Bewältiger,
Nicht weiß er, wie ihr Willkommen ihm die Gleisnerin,
Der scheußlichen Hündin Lippe, wie ein heimliches
Verhängnis bald vollenden wird zum Gruß des Fluchs!
Sie wagt's! Das Weib des eignen Mannes Mörderin!
Welch scheußlich Untier leihet seinen Namen ihr,
Der träfe? Nenne Drachen, nenne Skylla sie!
In tiefer Klippenhöhle aller Schiffer Tod,
Wahnwitzge Hadesmutter, die sühnlosen Fluch
Den Lieben zustürmt! – Wie sie laut gejauchzet hat,
Die Allverwegne, gleich als schlage sie den Feind,
Sie nennt es Freude, daß er glücklich heimgekehrt! –
Und ob es niemand glaube, nun gilt's gleich. Wie nicht?
Es kommt die Zukunft; um ein kleines Zeuge selbst,
Nennst du mich weinend allzuwahre Seherin!

Chor:
Das Mahl Thyestens von der eigenen Kinder Fleisch
Erkannt ich, und mich schaudert; Furcht bewältigt mich,
So wahr zu hören, was ich nicht mißdeuten kann;
Doch für das andre, da verlier ich jede Bahn!

Kassandra:
Agamemnons Ende, sag ich, wirst du heute sehn!

Chor:
Kein böses Wort, Unselge, schweige deinen Mund!

Kassandra:
Und doch ersteht dir keiner, der dem Worte wehrt!

Chor:
Ja, wenn's geschehen ist; aber nimmermehr gescheh's!

Kassandra:
Du mögest beten! Jene sorgen für den Mord!

Chor:
Sprich, wessen Hand wird solche Freveltat begehn?

Kassandra:
Was ich geweissagt, überhört hast du es sehr!

Chor:
Nein, doch begreif ich des Vollbringers Ränke nicht!

Kassandra:
Und doch versteh ich der Hellenen Sprache wohl!

Chor:
So auch die Pythosprüche, dunkel sind sie doch!

Kassandra:
Ha! Welches Feuer! Brennend flammt's an mir empor!
Ha, du, Lykeios Apollon! Wehe, weh mir! Ach!
Da die, die Menschenlöwin, die geschlafen hat
Beim Wolf, da fern der hochgeborne Löwe war,
Mich Arme will sie töten, will zu ihrem Haß
Ihm, ach! in den Gifttrank mischen auch den Lohn für mich;
Sie wetzt das Messer ihrem Herrn, sie rühmt sich laut:
Mord soll es rächen, daß er mich hat mitgebracht!
Was hab ich länger mir zum Gespött den heilgen Schmuck,
Den Zepter noch, den Seherkranz um meine Stirn?
Fort! eh der Tod mich fasset, brech ich dich entzwei!
Euch werf ich hin, verkommt ihr! So vergelt ich euch;
Bringt einer andren eures Elends Bettelstolz!
Sieh her, Apollon, der du mir mein Seherkleid
Nun selber ausziehst, der auf mich du niedersahst,
Als Freund und Feind mich auch in diesem deinen Schmuck
Gar sehr verhöhnten, unverhohlen, wahnbetört!
Gescholten Törin, Bettlerin, Lügenzauberweib,
Wahnwitzig, elend, hungersüchtig – ich ertrug's!
Nun hat der Seher mich, die Seherin, gestraft!
Hat mich in dies Verhängnis, in den Tod geführt!
Statt meiner Väter Altar harret mein der Block,
Drauf blutig heißer, scharfer Mord bald mich erschlägt!
Doch nein, ich sterbe nicht den Göttern ungerächt;
Denn wieder wird einst unser Rächer nahe sein,
Der Muttermörder, der des Vaters Mord vergilt;
Ein irrer Flüchtling, kehrt er aus der Fremde heim
Und setzt den Schlußstein aller Schuld der Seinigen.
Geschworen also war den Göttern höchster Schwur,
Sie nachzustürzen in des erschlagenen Vaters Sturz! –
Warum erseufzet wieder mein, der Sklavin, Mund?
Da ich zum ersten sah die Feste Ilion,
Wie sie geendet, enden, meines Landes Volk
Also hinweggetilget durch der Götter Spruch! –
Ich geh, zu enden: leiden werd ich dort den Tod!
Dich, Pforte, grüß ich, Pforte mir ins Schattenreich!
Doch fleh ich eins, mich treffe gleich der Todesstreich,
Auf daß, wenn mein sanftsterbend Blut zu Boden fließt,
Sich ruhig ohne Todeskampf mein Auge schließt!

Chor:
O viel unselges, wieder auch viel weises Weib,
Du sprachest reichlich. Aber wenn wahrhaftig du
Dein eigen Schicksal weißest, warum gehst du, gleich
Dem gottgetriebnen Stier, zum Altar festen Muts?

Kassandra:
Nicht gibt es Rettung, Freunde, nicht durch Zögern mehr!

Chor:
Doch wer der letzte zögernd bleibt, gewinnet schon.

Kassandra:
Nein, meine Stund ist kommen; Flucht frommt wenig mir!

Chor:
So wisse, leiden wirst du um so festen Mut!

Kassandra:
Begreifen kann das niemand von den Glücklichen!

Chor:
Ja, rühmlich sterben ist den Menschen süßer Trost.

Kassandra:
– Mein Vater! Über dich und deine Kinder, oh!

Chor:
Was ist dir? Welch Entsetzen schrecket dich hinweg?

Kassandra:
Weh, weh!

Chor:
Was will der Wehruf? Ist's ein Graun, das dich erfaßt?

Kassandra:
Mord haucht das Haus mir, blutumtrieften Mord mir zu!

Chor:
Nicht doch; der Weihrauch auf dem Herde duftet so!

Kassandra:
Es wehet Dunst mir wie aus einem Grabe zu!

Chor:
Kein syrisch Duftgepränge, das du rühmst dem Haus!

Kassandra:
So geh ich, so bewein ich noch im Hause mein
Und Agamemnons Ende. Sei's des Lebens gnug!
O Freunde!
Nicht klagen will ich, wie der Vogel im Gebüsch,
Furchtsam, vergebens. Mir, der Toten, zeuget einst,
Wie das Weib an mein, des Weibes, Statt erschlagen liegt,
An des Mannes Statt der fluchgefreite Mann erliegt!
Mit diesem Gastgruß tritt hinein die Sterbende.

Chor:
Du jammerst, Arme, um den Tod mich, den du ahnst!

Kassandra:
Einmal noch sagen will ich letzten Spruch und Gram,
Den eignen, meinen: dich beschwör ich, Helios,
Beim letzten Lichte, fordern müsse, wer mich rächt,
Von meinen Feinden, meinen Mördern gleichen Tod,
Wie mich, die Sklavin, ihre Hand behend erschlug!
O dieses Menschenleben! – wenn es glücklich ist,
Ein Schatten stört es; ist es kummervoll, so tilgt
Ein feuchter Schwamm dies Bild, und alle Welt vergißt's;
Und mehr denn jenes schmerzt mich dies: vergessen ist's! –
(Ab in den Palast)

Chorführer:
Ein beglücktes Geschick, unersättlich im Gram,
Ist's jedem, der lebt, und niemand wehrt
Vom fingergezeigten Palast es zurück,
Wenn er spräche: du nahe dich nimmer!
Und diesem gewährt von den Seligen ward,
Daß er Ilion nahm,
In die Heimat kam, von den Göttern geehrt;
Und soll der jetzt abbüßen das Blut
Der Erschlagenen, soll mit dem eigenen Tod
Der Getöteten Tod er entgelten,
Wer rühmte sich noch, ihm bleibe gewiß
Gramloses Geschick, wenn er das hört?

Agamemnon:
Weh, bin verwundet! Todeswunde, die mich traf!

Chor:
Stille! Wer, zum Tod getroffen, ruft um seine Wunde laut?

Agamemnon:
Weh mir noch einmal! Bin geschlagen wiederum!

Chorführer:
Ausgeführt schon scheint die Untat nach des Königs Weheruf!
Lasset schnell uns überlegen, was zu tun am sichersten!

Erster Choreute:
So tu denn ich euch diese meine Meinung kund:
Zum Palast her sogleich zu rufen alles Volk.

Zweiter:
Mir scheint es besser, einzudringen jetzt und gleich,
Und schnell zu richten mit dem schnellgezückten Schwert.

Dritter:
Auch ich, derselben Meinung zugetan wie du,
Will, daß man handle; nicht zu säumen drängt die Zeit.

Vierter:
Das sieht sich leicht ein; denn ein Vorspiel ist's, als ob
Der Tyrannei Anzeichen uns man zeigen will.

Fünfter:
Wir zögern fort noch; aber die des Zögerns Ruhm
Zu Boden treten, lassen nicht die Hände ruhn.

Sechster:
Nicht weiß ich, welchen rechten Rat ich sagen soll,
Doch um die Täter muß zuvor beraten sein.

Siebenter:
Derselben Meinung bin ich auch; nicht seh ich ein,
Wie man mit Worten Tote wieder wecken will.

Achter:
Und sollten zur Gefahr des eignen Lebens wir
Des Hauses Schändern weichen, künftig unsern Herrn?

Neunter:
Nein, ich ertrag's nicht; nein, der Tod ist vorzuziehn,
Da jedes Schicksal süßer ist denn Tyrannei.

Zehnter:
Doch sollten auf des Wehgeschreis Anzeige wir
Schon überzeugt sein, daß der Fürst erschlagen ist?

Elfter:
Erst wenn's gewiß ist, sollte man zu Rate gehn;
Ein andres ist vermuten, andres klarzusehn.

Zwölfter:
Dem beizustimmen bin ich überall geneigt,
Daß man genau forscht, wie es steht um Atreus' Sohn.

(Aus der königlichen Pforte tritt Klytaimestra, das Beil über der Schulter; hinter ihr unter roten Decken Agamemnons und Kassandras Leichen)

Klytaimestra:
Wenn vieles sonst ich, wie die Zeit es heischte, sprach,
So scheu ich jetzt das Gegenteil zu sagen nicht.
Wie kann man anders, um den Feinden Feindliches,
Die Freunde scheinen, anzutun, des Jammers Netz
Klug stellen, höher, als ein leichter Sprung heraus?
Mir brachte den Kampf, des ich lange schon gedacht,
Der alte Hader; doch die Zeit erst reifte ihn.
Hier steh ich nach dem Morde, wie ich ihn erschlug;
Ich hab es so vollendet und bekenn es laut,
Daß der dem Tod nicht wehren konnte noch entfliehn.
Ich schlang ein endlos weit Geweb rings um ihn her,
Gleich einem Fischnetz, falschen Glückes Prunkgewand;
Ich schlag ihn zweimal, zweimal weherufend läßt
Er matt die Glieder sinken; als er niederliegt,
Geb ich den dritten Schlag ihm, für des Hades Zeus,
Den Retter der Gestorbnen, frohgebotnen Dank.
So fallend, hauchet er den Lebensatem aus
Und trifft, des Blutes jähen Strahl ausröchelnd, mich
Mit einem dunklen Tropfen feinen, blutgen Taus,
Mir minder nicht zur Freude, als Zeus' Regenschaur
Dem Acker, wenn in der Knospen Mutterschoß es schwillt.
Um solchen Ausgang dürftet ihr, ehrwürdge Schar,
Wohl freudig sein, wärt ihr es; ich frohlocke laut.
Und wär es Sitte, Spenden über Leichen auch
Zu gießen, hier wär's wohl gerecht. Und ganz gerecht
Hat er den Kelch so vieler fluchgemischten Schuld,
Den er gefüllt, heimkehrend selber auch geleert.

Chorführer:
Wir staunen deiner Rede, wie du zungenfrech
Noch solche Worte prahlest über dich und ihn!

Klytaimestra:
Mich prüfen wollt ihr als ein unbesonnen Weib!
Ich aber sag euch sonder Furcht, was jeder selbst
Hier sieht – ob loben du, ob du mich tadeln willst,
Mir gilt es gleich: hier liegt Agamemnon, mein Gemahl,
Und zwar als Leichnam, dieser meiner rechten Hand,
Des gerechten Schlächters, Meisterstück! So steht es jetzt.

Chor:
Was für ein Gift, o Weib,
Kostetest du, das dir zu essen die Erd, das dir des grauen Meers
Tiefe zu trinken bot,
Daß du dir solche Wut wecktest und Volkes Fluch?
Die du ihn fingst, die du ihn schlugst, ja, dich verjagt die Stadt,
Dich, den Bürgern ein Scheusal!

Klytaimestra:
Nun sagst du mir mein Urteil, aus der Stadt zu ziehn,
Dem Volk ein Scheusal, von der Bürger Fluch verfolgt;
Und hattest doch gar nichts zu sagen wider den,
Der ohne weitres, gleich als wär es nur ein Lamm,
Wie viele seiner reichen Herden Pracht ihm bot,
Sein eigen Kind doch, meines Schoßes liebste Frucht,
Ließ schlachten, thrakische Winde zu beschwichtigen.
Und mußtest den du nicht verjagen aus dem Land,
Den ungestraften Frevler? Nun, da du vernimmst,
Was ich getan, bist du ein harter Richter. Doch
Ich sag dir, und gerüstet bin ich, so zu drohn:
In gleicher Art magst du mich, wenn du mich besiegst,
Beherrschen; aber wenn ein Gott es anders fügt,
So sollst du spät mir lernen, was verständig ist.

Chor:
Stolze, wie hoch du prahlst!
Dreisteste du, wie du mir dräust! So frech von dem vergoßnen Blut
Rast dir der Geist noch nach.
Über dem Auge glänzt fett dir der Tropfen Blut,
Noch ungerächt, doch es geschieht, daß du, von Freunden bar,
Mord mit Mord noch entgeltest!

Klytaimestra:
Vernimm denn diesen meiner Schwüre heiligsten:
So wahr mir Dike, meines Kindes Rächerin,
Mir Ate und Erinnys, der ich ihn erschlug,
Mag helfen, niemals hoff ich mich dem Haus der Furcht
Zu nahn, solang auf meinem Herd das Feuer noch
Aigisthos anschürt, wie bisher mir treugesinnt;
Der wahrlich ist uns kein geringer Schild des Muts. –
Da liegt er tot, der mein, des Weibes, Recht zertrat,
Der Chryseiden Augenlust vor Ilion;
Tot da die Lanzenbeute, Wunderseherin,
Genossin seiner Nächte, Zukunftdeuterin,
Die treue Buhle, die bei Ruderbank und Mast
Mit ihm umherlag; trieben's doch nicht ungestraft!
Da liegt er tot; und sie, die einem Schwane gleich
Sich noch ein letztes Sterbelied gesungen hat,
Tot neben ihrem Liebsten; meinen Nächten ist's
Der süßen Wollust eine neue Würze mehr!

Erste Strophe

Chor:
Ach, daß in Eile doch, ohne zu großen Schmerz,
Ohne zögerndes Siechtum,
Der Tod sich uns nahte, ewgen Schlaf,
Nimmer geweckten, zu bringen. Tot liegt,
Der uns der treuste Hüter war,
Der vieles Weh um ein Weib duldete,
Durch ein Weib nun des Lebens ward beraubt!

Weh, Frevlerin dir, weh, Helena dir,
Du allein hast viel, gar vielen entrafft
Vor Ilion rüstiges Leben!
Aber das Glorwürdigste, Rächerin, mörderisch tilgte sie es
In wilder Blutschuld,
Welche, haßempörter Haß,
Mannes Mord, hier daheim im Haus blieb!

Zweite Strophe

Klytaimestra:
Nicht wünsche das Los dir des Todes herbei,
Hierüber betrübt,
Noch werfe den Zorn auf Helenas Haupt,
Als sei sie schuld, als habe nur sie
So vielen Argivern das Leben entrafft
Und endlos Weh dir erzeuget.

Erste Gegenstrophe

Chor:
Dämon, der blitzesgleich du in des Tantalos
Stamm und Doppelgezweig flammst,
Gewalt, in gleich wilden Weibern rasend,
Herz mir zerreißend, bewältigt hast du!
Wie ein verhaßter Rabe steht
Sie da an den Leichnamen, gedenkt widerlich
Ihrem Haus herzujubeln ihren Sang!

Zweite Gegenstrophe

Klytaimestra:
Nun sprach dein Mund wahrhafteren Spruch,
Da den mächtigen du,
Du den Dämon genannt hast unsres Geschlechts;
Der nähret der Frucht in dem hoffenden Schoß
Blutlechzende Gier; eh das alternde Weh
Noch endet, erneut sich der Mord schon.

Dritte Strophe

Chor:
Fürchterlich rühmst du des Hauses mächtigen haderempörten Dämon,
Ach, traurigen Ruhm des grausen, unersättlichen Elends.
Ach weh, ach Zeus, durch deinen Rat,
Der alles fügt, der alles schafft;
Denn was geschäh den Menschen ohne dich, Zeus?
Was nicht wäre der Götter Schickung?

Wie soll ich, ach,
Mein König und Herr, wie weinen um dich,
In der Liebe zu dir wie sprechen?
Da liegst du verstrickt in der Spinne Geweb,
Tot da, gottlos du erschlagen!
Ach weh! weh! so unwürdige Ruhe dir!
Von der doppelscharfen Axt
Du mit der Hand wie ein Knecht erschlagen!

Vierte Strophe

Klytaimestra:
Und rühmst du, daß dies mein Werk sei,
So sage doch nicht,
Ich sei Agamemnons Gattin auch;
Denn dem Weibe des Leichnams dort an Gestalt
Nur gleich, hat den des empörenden Mahls
Alträchender, nimmer vergessener Fluch,
Des Atreus wütender Rächer gestraft,
Hinopfernd den Mann für die Knaben!

Dritte Gegenstrophe

Chor:
Daß du an diesem Blut unschuldig, du Blutge, wer bezeugt's dir?
Wer? Aber dir mochte beistehn seiner Väter Vergelter;
In Strömen gleich entsprungnen Bluts
Drängt fort und fort der öde Kampf;
Er füllt, wohin er immer auch sich fortwälzt,
Den Sumpf blutigen Kindermordes!

Wie soll ich, ach,
Mein König und Herr, wie weinen um dich,
In der Liebe zu dir wie sprechen?
Da liegst du verstrickt in der Spinne Geweb,
Tot da, gottlos du erschlagen!
Ach weh, weh! so unwürdige Ruhe dir!
Von der doppelscharfen Axt
Du mit der Hand wie ein Knecht erschlagen!

Vierte Gegenstrophe

Klytaimestra:
's ist nicht, glaub ich, unwürdiger Tod
Dem worden zuteil;
Hat denn er nicht blutige Tücke zuerst
In das Haus mir gebracht? Nein, der mein Kind,
Das von ihm ich empfing, das ich ewig bewein,
Iphigenien mir unwürdig erschlug,
Litt Würdiges jetzt; der beklage sich nicht
In des Hades Reich, daß mordender Stahl
Ihn strafte für das, was er anhub!

Fünfte Strophe

Chor:
Ich sinn umsonst, jedes Rats entraten,
Wie ich der Sorge Steuer
Mir wenden soll, weil das Haus dahinstürzt;
Ich fürcht des Unwetters wilden Schloßensturm,
Den blutgen; aufhört's fortan zu tröpfeln!
Es wetzt ein Recht zu andrer Buße sich
Die Moira schon auf anderm Wetzstein.
O Grab! o Nacht! o bedecktest du mich,
Eh ihn ich geschaut, in den silbernen Sarg,
In das Becken des Todes gebettet!
Wer gräbt ihm ein Grab? Wer weinet ihm nach?
Und willst denn noch du ihm, deinem Gemahl,
Den du selber erschlugst, Grabfeier begehn?
Für die Taten des Ruhms ihm ein schnödes Gepräng
Lieblosester Liebe bereiten?
Preisenden Feiergesang an dem Grabe, wer wird
Den mit der Tränen Wahrheit
Dem gottgleich hehren Helden singen?

Sechste Strophe

Klytaimestra:
Nicht ziemt es sich dir, ihm solchen Gesang
Zu begehn; durch mich
Sank er und starb er, ich will ihn beerdigen,
Nicht unter Gewein im Palast und Gemach;
Iphigenia kommt, sein Töchterlein hold,
Liebreich, wie sie muß,
Ihm entgegen, dem Vater, zur schweigenden Fahrt
Auf dem ächzenden Strom,
Umhalset ihn zärtlich und küßt ihn!

Fünfte Gegenstrophe

Chor:
Vorwurf erhebt sich rasch gegen Vorwurf.
Und zu entscheiden, schwer ist's!
Wer fällte, fällt; wiederbüßt der Mörder!
Das aber doch währt, solang sich Zeus bewährt:
Was jeder tat, leidet er; denn wer reißt
Aus seinem Stamm die Gerte voll gerechten Fluchs?
Verzweigt hat solch Genist das Schicksal!

Sechste Gegenstrophe

Klytaimestra:
Eintraf auf den wahrhaftig der Spruch
Der Orakel; doch ich,
Bei dem Dämon im Pleistheniadengeschlecht
Schwör ich's, selbst dies Unerträgliche bin
Ich zu tragen bereit; nur möge fortan
Er verlassen dies Haus und ein ander Geschlecht
Heimsuchen mit wechselgemordetem Mord!
Und hätt ich der Güter ein spärliches Teil,
Ganz gnügte mir's doch, wenn des wechselnden Mords
Wahnsinn aus dem Hause verschwände!

(Aigisthos kommt aus der Gastwohnung)

Aigisthos:
O frohes Licht des Tages, der Gericht gebracht!
Nun sag ich freudig, Rächer schaun den Sterblichen
Die Götter hochher auf der Erde Missetat,
Da den in den prachtgewebten Purpurdecken ich
Der Erinnys, recht zur Lust mir, tot da liegen seh,
Untat zu büßen, die des Vaters Hand beging.
Denn einst hat Atreus, dieses Landes Fürst und Herr,
Sein Vater, meinen Vater Thyestes, hör mich recht,
Den eignen Bruder, der um das Reich mit ihm sich stritt,
Hinausgestoßen aus der Stadt, aus seinem Haus;
Heimkehrend drauf, am Herde hilfesuchend, kam
Gramvoll Thyestes und erflehte Sicherheit,
Daß er der Heimat Boden nicht mit seinem Blut
Gemordet tränkte; doch zum Gastgeschenk gereicht
Hat sein verruchter Vater Atreus, liebend nicht,
Nein, schändlich meinem Vater, Festgelag und Schmaus
Scheinbar bereitend, Kost von der eignen Kinder Fleisch;
Er ließ die Füßlein und der Hände Fingerkamm
Zu Kohlen brennen (über seines Herdes Glut
Und gab vom andren meinem Vater, daß er aß;)
Der, ohne daß er wußte, was er nehme, nahm
Und aß vom Mahl, du siehst's, dem Fluchmahl des Geschlechts.
Drauf als ihm klar wird dieser Tat Entsetzlichkeit,
Da seufzt er, sinkt er nieder, speiet aus den Mord,
Flucht den Pelopiden ungemeßnen Untergang,
Häuft Graunverwünschung auf die Schmach des schnöden Mahls:
Daß so der ganze Pleisthenidenstamm vergeh!
Nach solchem Fluch kannst dort du den erschlagen sehn!
Ich aber heiße seines Mords gerechter Schmied;
Denn mich, den dritten zu den zween, trieb er fort
Mit dem armen Vater, da ich klein in Windeln lag.
Erwachsen führte Dike wieder mich zurück;
Auch da ich fern war, hatt an ihn ich mich geknüpft,
Geknüpft die ganze sichre Kunst heimtückscher List.
So wäre selbst zu sterben jetzt mir leicht und lieb,
Nachdem ich diesen in die Schlingen Dikes trieb!

Chorführer:
Aigisthos, Frechheit noch zum Frevel haß ich ganz;
Du sagest, gern ermordet habest du den Mann,
Allein ihm diesen jammervollen Tod gebracht –
Ich sag dir, nicht wird im Gericht dein schuldig Haupt
Des Volkes Flüchen und der Steinigung entgehn!

Aigisthos:
Mir redest du das, der du der letzten Ruderbank
Der Stadt gehörst, da unser noch das Steuer ist?
So lern als Greis noch, wie in solchem Alter, Freund,
Schwer ist zu lernen, daß man mäßge seinen Mund;
Denn Ketten lehren und die Qual des Hungers selbst
Das Alter, Wunderärzte, auserlesenste,
Für jede Torheit. Bist du blind mit offnem Aug?
Nicht wider den Stachel löcke, daß er nicht dich sticht!

Chor:
Weib, der du ins Haus schlichst, aufzulauern, wenn er heim
Von Schlachten käme, und zugleich des Helden Bett
Zu schänden, du sannst Tod dem Fürsten, meinem Herrn?

Aigisthos:
Auch dieses Wort scharrt bittrer Tränen Quell dir auf!
Du hast von Orpheus' Lippen ganz das Widerspiel:
Der riß mit seiner Stimme Zauber alles fort,
Empörend du mit deinem Schmähn die Mildesten,
Wirst fortgerissen. Zahmer macht die Zucht dich bald!

Chor:
Und also du willst König mir in Argos sein,
Der, als du Mord sannst, nicht einmal mit eigner Hand
Hinauszuführen du gewagt hast deine Tat!

Aigisthos:
Des Weibes war natürlich, ihn in List zu fahn;
Ich aber schien verdächtig als ein alter Feind.
Doch jetzt mit seinem reichen Schatz versuchen wir
Das Volk zu knechten; wer mir nicht gehorchen wird,
Ich will ihm schon aufpacken, bis ihn gutbejocht
Der Hafer nicht mehr sticht; ihn wird des dunklen Lochs
Langweilger Wirt, der Hunger, wohl noch ruhig sehn!

Chor:
Warum denn hast mit deiner feigen Seele du
Nicht selber ihn ermordet, sondern ihn das Weib,
Des Landes Abscheu und der Landesgötter Greul,
Erwürgt? Orestes, lebte der noch irgendwo,
Auf daß, zur Heimat einst in Tyches Schutz gekehrt,
Er dieser zwei glorreicher Mörder möchte sein!

Aigisthos:
Daß du also wagst zu sprechen und zu tun, du büßt es gleich!

Chor:
Auf denn, liebe Kampfgenossen, ferne nicht mehr ist der Kampf!

(Aigisthos:
Rüstet euch und stellt euch zu mir, macht zuschanden solchen Hohn!)

Chor:
Auf denn! Hab zum Kampf ein jeder sein entblößtes Schwert bereit!

Aigisthos:
Mein entblößtes Schwert in Händen weigr ich mich dem Tode nicht!

Chor:
Was du vom Tod gesagt, es gelte! Mag das Glück denn Richter sein!

Klytaimestra:
Nimmermehr! O teure Männer, häufet nicht noch neues Weh!
Nein, auch das noch einzumähen, allzublutge Ernte wär's!
Nein, genug schon ist des Jammers; Blutvergießen wollet nicht!
Geht, o Greise, geht nach Hause, eh in Wunden ihr der Tat
Straf und Reue leidet; nehmen müßt ihr dies, wie wir's getan!
Ja, wenn einem Leid zuteil ward, haben wir des wohl genug,
Die wir schwerste Wunden leiden durch des Dämons harten Zorn.
Dies ist mein, des Weibes, Meinung, wenn mir einer folgen will!

Aigisthos:
Aber daß mit frecher Zunge diese mich verhöhneten,
Daß sie solches Wort mir anspien, frech versuchten mit dem Gott,
Jede Mäßigung vergaßen, sich empörten ihrem Herrn –

Chor:
Einem feigen Mann zu schmeicheln, nicht Argiver Sache wär's!

Aigisthos:
Doch ich denk, in künftgen Tagen bin ich auch noch unter euch!

Chor:
Nimmer, wenn es fügt der Dämon, daß Orest zurückgekehrt!

Aigisthos:
Ja, ich weiß, Vetriebne nähren sich mit solcher Hoffnung gern!

Chor:
Schalte, schwelge, mach zuschanden Fug und Recht, weil du es darfst!

Aigisthos:
Glaub mir, büßen deine Torheit sollst du mir aufs bitterste!

Chor:
Prahle keck und kühn dem Hahn gleich, wenn er bei der Henne steht!

Klytaimestra:
Achte nicht ihr eitel Schwätzen weiter; ich und du, wir gehn,
Machen alles uns im Hause, da wir Herr sind, wunderschön!
(Beide ab in den Palast, der Chor ab zur Stadt)

 << Kapitel 3 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.