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Abenteuer und Schwänke

Rudolf Baumbach: Abenteuer und Schwänke - Kapitel 3
Quellenangabe
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typepoem
authorRudolf Baumbach
titleAbenteuer und Schwänke
publisherVerlag von A. G. Liebeskind
printrunSiebentes Tausend
year1886
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090701
projectidb323ecfc
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Die Reise in's Paradies.

Ging ein armes Schülerlein
Matt am Wanderstecken.
Rief die Bäurin; »Kommt herein!«
Bot ihm Brei und Wecken,
Und der wegemüde Gast
Setzte sich dahinter,
Ass und schlang in grosser Hast
Wie ein Wolf im Winter.
Um sich dann für Brot und Brei
Dankbar zu erweisen
Sprach der Schüler mancherlei
Ueber seine Reisen
Und erzählte das und dies
Von Bologna und Paris.

Rief die Hausfrau: »Paradies?
Hab' ich recht vernommen?
Habt Ihr dort den Hans Tobies
Zu Gesicht bekommen?

Dieser war mein erster Mann
Und sein Sterben kläglich.
Seit den zweiten ich gewann.
Denk' ich seiner täglich.«
»Freilich hab' ich den gekannt,«
Sprach der schlaue Fremde.
»Doch es mangelt ihm Gewand,
Und er geht im Hemde.
Wie die arme Seele fror,
Konnt' ich deutlich sehen;
An des Paradieses Thor
Muss sie bettelnd stehen.«

Weinend sprach das gute Weib
Mit gerungenen Händen:
»Möcht' ihm gern für seinen Leib
Wams und Mantel senden.
Speise auch und baares Geld
Schickt ich gern dem Todten,
Aber wo in aller Welt
Find' ich einen Boten?«
»Frau, ich will der Bote sein,«
Sprach der Schelm verschlagen,
»Denn ich kehre wieder ein
Dort in vierzehn Tagen.
Hei, wie wird im Paradies
Jubeln Euer Hans Tobies!«

Trug die Wirthin flugs herbei
Mantel, Rock und Schuhe,
Auch der blanken Gulden drei
Nahm sie aus der Truhe,
Und ein gutes Schinkenbein
Schlug sie in ein Tüchlein ein.
Der Vagante nahm den Sack,
Sagte: »Gott befohlen!«
Und entwich mit seinem Pack
Auf geschwinden Sohlen.

Bald darauf der Bauer kam,
Und die Frau erzählte.
Als er recht die Mär vernahm,
Wie er schalt und schmälte!
Dann sein bestes Ackerpferd
Band er von der Raufe,
Ritt von dannen stockbewehrt. –
Schülerlein, nun laufe!

Als der listige Gesell
Sah den Bauer traben,
Warf er seine Traglast schnell
In den Wegegraben,
Lehnte sich auf seinen Stab
Wie ein müder Wanderknab.

Hielt der Bauer an und frug:
»Heda! Saht Ihr Keinen,
Der ein weisses Bündel trug?« –
Hei, das will ich meinen.
Als Ihr kamt, da ward ihm bang,
Durch den Sumpf er weiter sprang
Mit behenden Beinen.
So Ihr aber grosse Eil'
Habt den Schelm zu fangen,
Lauft ihm nach; ich halt derweil
Eurem Ross die Stangen.«

Stieg der Bauer ab vom Gaul,
Rannte scheltend weiter,
Und der Schüler war nicht faul,
Machte sich zum Reiter,
Thät sich freuen seiner List
Und von hinnen jagen. –
Was aus ihm geworden ist,
Weiss ich nicht zu sagen.

Als zu Fuss der Bauer kam
Spät nach Hause wieder,
Setzte er sich still und zahm
Auf das Bänklein nieder.
Trat die Frau heran und frug:
»Hast du ihn gefunden,
Der das weisse Bündel trug.
So ich ihm gebunden?«
»Freilich«, sprach der Mann, ich gab
Ihm das Ross zur Reise,
Dass recht bald der wackre Knab
Kommt zum Paradeise.

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