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Jeremias Gotthelf: Wie Anne Bäbi Jowäger haushaltet und wie es ihm mit dem Doktern geht - Erster Teil - Kapitel 2
Quellenangabe
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typefiction
authorJeremias Gotthelf
titleWie Anne Bäbi Jowäger haushaltet und wie es ihm mit dem Doktern geht - Erster Teil
publisherEugen Rentsch Verlag
year1963
firstpub1843/44
correctoralfred wey
senderwww.gaga.net
created20120308
projectidc2e7926a
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Vorwort

Viel Unverstand herrscht im Leben seit uralten Zeiten; aber auch manch Lebensverhältnis ist verdoktert worden in der neusten Zeit; unglückliches Doktern ist eine Krankheit der Zeit, welche auch im Kanton Bern umgeht, und wo unglückliches Doktern ist, da ist auch ein seltsam Haushalten, unter welchem Leib und Seele leiden.

Gegen den Unverstand, eigenen und fremden, hat der Verfasser sich zu Felde gelegt; so ward ihm aufgetragen, einen Feldzug zu versuchen gegen den Unverstand im medizinischen Doktern.

Da Haushalten und Doktern genau verbunden sind, eins im andern sich spiegelt, so ist man erst dann imstande, ein Anne Bäbi in seinem Doktern zu fassen, wenn man es in seinem Haushalt zu ergründen vermag; daher wird dem ehrenden Publikum Anne Bäbi in beiden Verhältnissen dargestellt. Der Verfasser empfiehlt dasselbe zu freundlicher Aufnahme und hofft sie um so sicherer, da wohl niemand Anne Bäbi genug sein wird, im Anne Bäbi Anzüglichkeiten und Sticheleien zu wittern, und wer vieles vermißt, der denke, daß vielleicht noch mehreres nachkömmt. Ganz besonders von den Herren Doktorn, denen zu Lieb und Ehr Anne Bäbi in der Welt erscheint, hoffet der Verfasser, daß sie manierlich mit Anne Bäbi umgehen werden; und wird sie des Verfassers Schwäche im Doktern vielfach lächern, so sind sie ihm vielleicht dankbar für das, was sie übers Haushalten von ihm lernen.

Auf eins möchte er aufmerksam machen. Ein Unheil der Zeit ist es, daß, je mehr man Gott weiß von was für Zentralisationen aller Art schwadroniert, die geistigen Kräfte sich immer mehr isolieren, die verschiedenen Berufsweisen sich immer mehr absondern und gegenseitig schikanieren, so daß, je mehr und mehr der Staat der Schneiderfahne ähnlich wird, die bekanntlich aus lauter Lappen dürftig zusammengenäht ist, wo keiner zum andern paßt, jeder vom andern strebt.

Wie wäre es, wenn die, welche den Leib, und die, welche die Seele doktern sollen, den andern ein Beispiel gäben und wieder einig würden, Hand in Hand dokterten? Die Hand dazu wäre geboten.

J. G.

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