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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Gedichte - ICh singe tauben ohren...
Quellenangabe
type
poem
booktitle
Gedichte
author
Christian Hofmann von Hofmannswaldau
year
1994
publisher
Philipp Reclam jun.
address
Stuttgart
isbn
3-15-008889-5
title
ICh singe tauben ohren...
pages
33-34
sender
gerd.bouillon@t-online.de
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Christian Hofmann von Hofmannswaldau
ICh singe tauben ohren /
Dein schönes antlitz kennt mich nicht /
Hab ich der freundschafft süsses licht /
Mein bestes kleinod gantz verlohren?
Wird denn mein tag zu düstrer nacht?
Soll ich mich lebendig begraben?
Und deiner augen schöne pracht /
So vormahls sonne war / itzt zu cometen haben?
Was sind es doch für sünden /
Davor ich peinlich büssen muß /
Und aller schmertzen überfluß /
Als übelthäter / itzt empfinden?
Doch laß der übelthäter recht
Mich / eh' ich sterbe / nur geniessen!
Und mache / daß dein armer knecht /
Was er verbrochen hat / mag vor dem tode wissen.
Vor was hab ich zu büssen?
Vor göttin hab ich dich erkennt /
Mein hertz als weyrauch dir gebrennt /
Und mich gelegt zu deinen füssen.
Strafft mich der himmel oder du?
Dir hab ich mich in mir verzehret;
Der himmel stürmet auff mich zu /
Dieweil ich dir zu viel / und ihm fast nichts gewähret.
Ach zürne nicht / Melinde /
So mir diß freche wort entfährt!
Ein sünder ist erbarmens werth.
Du fühlest nicht / was ich empfinde!
Nicht lache / wenn dein sclave fällt /
Du weist / verwirret seyn / und lieben
Hat allbereit die erste welt
Mit schrifft / die nicht verlescht / zusammen eingeschrieben.
Doch wilt du göttin heissen /
Zu der dich deine tugend macht?
So must du auch bey solcher pracht
Dich der erbarmung stets befleissen.
Reiß deinen kalten vorsatz ein /
Nicht mache meine noth zum schertze /
Die hölle lehret grausam seyn /
Der himmel / dem du gleichst / verträgt kein steinern hertze.