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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Gedichte - An Flavien
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorChristian Hofmann von Hofmannswaldau
year1994
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-008889-5
titleAn Flavien
pages37-39
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Christian Hofmann von Hofmannswaldau

An Flavien.

                        ACh edle Flavia! ich weiß nicht wo ich bin /
Ich schreib / und weiß nicht was / dein schertzen macht mir schmertzen /
    Dein stern der freundlichkeit reist meine freyheit hin /
Du schickst mir einen brieff / und greiffst mir nach dem hertzen.
    Ach ein vergebner griff! du hast es ja bey dir /
Und mir ist nur davon ein kleiner rest erlaubet;
    Denn seine schalen sind zwar / wie es scheint / bey mir /
Du aber hast mir längst den kern davon geraubet.
    Ich schreibe sehr verwirrt: Denn wer so lebt / wie ich /
Und ohne hertze schreibt / dem taumeln geist und sinnen.
    Verdirbt mir dieser brieff / so schrey ich über dich /
Was solt ich ohne hertz itzt wohl vollbringen können?
    Doch schreib ich / wie ich kan / als sclave deiner hand;
Die fehler meiner schrifft sind deine sieges-zeichen.
    Reicht Critons dienstbarkeit dir hier kein besser pfand /
So denck / ein schwacher kan nicht / was er will / erreichen;
    Und rechte liebe will nicht reich verbrämet seyn /
Sie will nicht allemahl mit purpur sich bedecken /
    Sie stellt nicht selten sich in schlechter kleidung ein /
Und meynt / daß schminck und schmuck nicht zieren sonder flecken.
    Du aber / Flavia / gebrauchst verschwenderey /
Du thust mir deine gunst durch einen brieff zu wissen /
    Und daß ich auch davon noch mehr versichert sey /
So wilst du bald darauff mein schlechtes haus begrüssen.
    Ach freundin! das gelück und dessen freuden-fest
Speist die verliebten offt mit leeren fleisch-pasteten /
    Und ob es seinen wein gleich etwas schmecken läst /
So fließt er mehrentheils nur unsre lust zu tödten.
    Es drücket das gelück uns freundlich an die brust /
Und kratzet unvermerckt bey falschen liebes-küssen /
    Es zeigt uns sein betrug den zucker reiner lust /
Und raubt uns / als ein feind / die nahrungs-reichen bissen.
    Der krantz / den seine hand auff unsre scheitel setzt /
Ist mehrentheils mit dorn und disteln unterwunden.
    Sein becher hat uns offt biß auff den tod verletzt;
Nicht selten hat man hier ein spinnen-gifft gefunden.
    Ich rühr in meiner noth nicht fremden unfall an /
Ich kenne das gelück und dessen falsche waren /
    Und wie sich dessen lust in list verstellen kan.
Denn was ich hier berührt / das hab ich auch erfahren:
    Es stund mein treuer sinn in steiffer zuversicht /
In meinem hause dich / als freundin / zu umfangen;
    Ach blumen ohne frucht! Ich armer fand dich nicht /
Du warst zu meiner noth mir allzubald entgangen /
    Dein helles auge war vor mich ein donnerstrahl /
Als ich / du weist ja wo / dich unverhofft erblickte /
    Kein pinsel kan allhier bezeichnen meine qual /
Die tausend seufftzer dir nach deinem hertzen schickte.
    Mein größter kummer war zu bergen meine pein /
Mein blut stund schon gerüst / verrätherey zu üben /
    Doch must ich in der noth als eiß gefrohren seyn.
Wie übel paart sich doch behutsamkeit und lieben!
    Wie der verdruß hernach mir meinen tisch gedeckt /
Wie nichts als Traurigkeit mir oben an gesessen /
    Wie bitter mir hierauf das mittags-mahl geschmeckt /
Das kanst du / liebst du mich / auch vor dich selbst ermessen.
    Es schloß der unmuth mir die heisse kähle zu;
Mich hätte der verdruß auch endlich selbst erstecket /
    Und läge wohl vielleicht itzt in der bleichen ruh /
Wann nicht mein hofnungs-stern mich wieder auffgewecket.
    Ist eine wehmuth noch vor mich in dieser welt /
So trockne / Flavia / mir meine nasse wangen;
    Du weist es / da mir doch kein ander tuch gefällt /
Als das ich armer kan aus deiner hand erlangen.
    Schau meine liebe nicht als wollust-sprossen an /
Die aus dem hertzen nichts als geile blüthe treiben /
    Du weist es / daß man auch vernünfftig lieben kan /
Und lieb und tugend wohl Geschwister können bleiben.
    Ich schliesse meinen brieff / doch meine hoffnung nicht /
Dich / liebste Flavia / in kurtzer zeit zu schauen;
    Und so der himmel uns nicht allen fürsatz bricht /
So wollen wir ein haus von zucker-rosen bauen.
    Doch weil du rose bist, so will ich biene seyn /
Die bienen mögen sich in blätter ja verstecken;
    Vielleicht fällt dir / wie mir / noch der gedancken ein /
Daß bienen zwar ein blat berühren, nicht beflecken.
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