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Eduard Mörike: Wispeliaden - Kapitel 2
Quellenangabe
typepoem
booktitleSämtliche Werke I
titleWispeliaden
authorEduard Mörike
year1985
publisherWinkler Verlag
addressMünchen
isbn3-538-05651-x
pages923-936
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1837
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Der Sträfling

Elegische Balladière

Im Kerker zu Stouttgart gedichtet
d. 5. Ap. 1837.

        In des Zwingers Mißgerüchen
    Fröstelnd sitz ich da;
Weil man mich der königlichen
    Zwiebel dräuen sah.

Denn ich wähnt, es wär nicht übel,
    Wenn wir unserem AquavitEuphemism, pour Wasser-Soupe.
Statt gemeiner Zähren-Zwiebel
    Zärtern Schmälzling teilten mitAuch mein Kochwerk anzubessernDer Verf. beabsichtigte die Herausgabe eines Kochbuchs nach baichenen Ideen, welches sein Bruder drucken wollte.
    Pröblings wollt ich's tun
Diesen Wissenszweig zu größern,
    Kann mein Geist nicht ruhn.

Und ich schlich zum Herrschergarten,
    Wo der SilberstölzlingDer Schwan. schwimmt,
Wo die AfrikanenEine Art ausländischer Enten; sehr schön, aber von häßlichem Geschrei. schnarrten
    Und die Tulpe flimmt.

»Ihre Knolle auszuzwarken,
    Hilf, o KüprisGöttin der Botanique., mir!
Niemand wird mir dies verargen,
    Niemand lauschet hier!«

Und schon bohrt ich auf die Neige,
    Und schon gab sie nach,
Als aus nahem Lustgezweige
    Still ein Bosmann brach.

Und ich trat mit meinem Zweke
    Floskelnhaft hervor,
Doch der goldbordierte RekeAltteutsch pour: Portier.
    Wismet' mir kein Ohr. –

– Wie notwendig Junge brechen
    Aus dem Hühnerei,
So folgt jeglichem Verbrechen
    Stets die Polizei.

In des Zwingers Mißgerüchen
    Fröstelnd sitz ich da,
Weil man mich der königlichen
    Zwiebel dräuen sah.

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