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Hans Sachs: Drei Fastnachtsspiele - Kapitel 1
Quellenangabe
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typecomedy
authorHans Sachs
titleDrei Fastnachtsspiele
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
printrun16. bis 25. Tausend
year
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20091026
projectide9abb8a4
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Das Narrenschneiden.

Altes Titelblatt

Die Person in das Spiel:

Der Arzet
Der Knecht
Der Krank

Der Arzt tritt ein mit seinem Knecht und spricht:

Ein guten Abend! Ich bin dort nieden
von einem worden rauf beschieden,
wie etlich krank heroben wärn,
die hätten einen Arzet gern.
Nun sind sie hie, Frau oder Mann,
die mügen sich mir zeigen an.
Sie haben faul Fleisch odern Stein,
die Husten odern Zipperlein,
den Meuchler oder trunken z'viel,
den Grimm gewunnen ob dem Spiel,
Eifersucht oder das Sehnen,
das Laufend, Krampf, mit bösen Zähnen,
auch sunst für Krankheit was es sei,
dem hilf ich durch mein Arzenei
um ringe Soldung unbeschwert,
weil ich des bin ein Arzt bewährt,
wie ihr des Brief und Siegel secht.

Er zeigt Brief und Siegel.

Der Knecht sicht hin und her und spricht:

O Herr, wir sind nit gangen recht;
ich sich kein Kranken an dem Ort.
Secht Ihr die Leut nicht sitzen dort
all fröhlich, frisch, gesund und frei?
Sie bedürfen keiner Arznei.
Hättens ein Hofierer darfür
und wär wir daußen vor der Tür,
das deucht uns beiden sein am besten.

Der Arzt neigt sich und spricht:

Gott gsegn den Wirt mit seinen Gästen!
weil wir haben verfehlt das Haus,
bitt' wir: legt uns zum besten aus!
Das nehm wir an zu großem Dank.

In dem kummt der großbauchet Krank an zweien Krücken; der Knecht spricht:

Mein Herr, schaut zu! hie kummt der Krank.

Der Krank:

O Herr Doktor, seid Ihr der Mann,
von dem ich lang gehöret han,
wie Ihr helft iedermann so fein?
So kumm ich auch zu Euch herein,
weil groß geschwollen ist mein Leib,
als sei ich ein großbauchet Weib,
und rührt sich Tag und Nacht in mir.
O mein Herr Doktor, schauet Ihr,
ob es doch sei die Wassersucht,
oder was ich trag für ein Frucht!
Und schaut, ob mir zu helfen sei
durch Euer heilsam Arzenei,
weil Euch der Kunst nie ist zerrunnen.

Der Arzet spricht:

Hast du gefangen deinen Brunnen,
so gib und laß mich den besehen!

Der Krank gibt ihm das Harmglas und spricht:

Ja, lieber Herr, das soll geschehen.
Nehmt hin und bschaut den Brunnen selb!

Der Arzt besicht den Brunnen und spricht:

Gesell, dein Brunn ist trüb und gelb,
es liegt dir wahrlich in dem Magen.

Der Krank greift den Bauch und spricht:

Es tut mich in dem Bauch hart nagen
und ist mir leichnamhart geschwollen.

Der Arzt:

Gesell, wenn wir dir helfen sollen,
so mußt du wahrlich für den Tod
ein Trünklein trinken über Not.
Das will ich dir selbert zurichten.

Der Krank:

Ja, lieber Herr, sorgt nur mitnichten!
Ich hab oft vier Maß ausgetrunken,
daß ich an Wänden heim bin ghunken.
Sollt ich erst nicht ein Trünklein mögen?

Der Arzt:

Gesell, dasselb wird gar nicht tügen.
Du hast forthin her in viel Tagen
gesammelt ein in deinen Magen.
Das ist dir alls darin verlegen.
Des muß ich dir dein' Magen fegen.

Der Krank setzt sich und spricht:

Ja, Herr, und wenn Ihr das wollt tan,
So heißt hinausgehn iedermann!
Es würd gar leichnamübel stinken.

Der Knecht:

Ei merk! du mußt ein Trünklein trinken:
Das wird dir fegn den Magen dein.

Der Krank:

Was wird es für ein Trünklein sein?
Ist es Wein, Met oder weiß' Bier?
Mein lieber Herr, und hätt ichs schier,
Jetz hätt ich eben gleich ein Durst.

Der Arzet:

Du mußt vor essen ein Roselwurst.
Darnach nehmst du den Trunk erst billig,
nämlich ein Vierteil Buttermillich,
tempriert mit eim Viertl Summerbier.
Das mußt einnehmen des Tags zwier.
Dasselb wird dir dein Magen raumen.

Der Krank:

Herr, nun fraß ick zweihundert Pflaumen,
trank Bier und Buttermilch darzu.
Das macht mir im Bauch ein Unruh
und rumplet mir in meinem Bauch
und raumt mir wohl den Magen auch,
trieb mich wohl zwölfmal auf den Kübel
und riß mich in dem Leib so übel.
Noch ist mir ietzund nichts dest baß.

Der Arzet spricht:

Knecht, lang mir her das Harmglas!
Laß mich der Krankheit baß nachsehen!

Er schaut den Harm und spricht:

Soll ichs nit zu eim Wunder jehen?
Der Mensch steckt aller voller Narrn.

Der Knecht spricht:

Mein Freund, so ist gar nicht zu harrn.
So muß man dir die Narren schneiden.

Der Krank spricht:

Dasselbig mag ich gar nit leiden.
Der Arzet hat nit wahr gesprochen.
Wo wolltn die Narrn in mich sein krochen?
Das weßt ich armer Kranker gern.

Der Arzet spricht:

Die Ding will ich dir baß bewährn.
Seh hin und trink dein eigen Harm,
dieweil er noch ist also warm!
So wern die Narren in dir zappeln,
wie Ameis durcheinander krabbeln.

Der Krank trinkt den Harm und spricht:

O Herr Doktor, ietz prüf ich wohl,
und daß ich steck der Narren voll.
Sie haben in mir ein Gezösch,
als ob es wären lauter Frösch.
Ich glaub, es wern die Würm sein.

Der reicht ihm ein' Spiegel und spricht:

Schau doch in diesen Spiegel nein!
Du glaubst doch sunst dem Arzet nicht.

Der Krank schaut in Spiegel und greift ihm selb an die Narrenohren und spricht:

Erst sich ich wohl, was mir gebricht.
Helft mir, es gschech gleich, wies wöll!

Der Knecht:

Soll man dich schneiden, lieber Gsell,
so mußt du dich dem Arzt voran
ergeben für ein toten Mann,
dieweil das Schneiden ist gefährlich.

Der Krank spricht:

Für ein totn Mann gib ich mich schwerlich.
Stürb ich, das wär meiner Frauen lieb.
Für kein totn Mann ich mich dargib.

Der Knecht:

Wo du denn wirst zu lang verharrn,
daß überhand nehmen in dir die Narrn,
so würdens dir den Bauch aufreißen.

Der Krank:

Da würd mich erst der Teufel bscheißen,
Weil es ie mag nit anderst sein,
so facht nur an und schneidet drein!
Doch müßt ihr mich vorhin bescheidn:
was gibt man Euch, vom Narren z'schneidn?

Der Arzet:

Ich will dich schneiden gar umsunst,
an dir bewähren diese Kunst.
Mich dünkt, du seist ein armer Mann.
Knecht, schick dich nur! so wöll wir dran.

Der Knecht legt seinen Zeug aus und spricht:

Herr, hie liegt der Zeug allersammen,
Zangen, Schermesser und Blutschwammen,
zu Labung Säft und köstlich Würz.

Der Krank spricht:

Nein, Herr, daß man mich nit verkürz,
gebt mir doch vor zu Letz zu trinken.

Der Arzet:

Knecht, schau! sobald ich dir tu winken,
so schleich ihm d' Handzwehel um den Hals!
So will ich anfahen nachmals.

Der Knecht bindt den Kranken mit der Handzwehel um den Hals und spricht:

Gehab dich wohl! ietz wird es gehn.
Beiß aufeinander fest die Zähn!
So magst du es dester baß erleiden.

Der Arzet spricht:

Halt für das Beck! so will ich schneiden.

Er schneidt. Der Krank schreit:

Halt, halt! potz Angst! du tust mir weh.

Der Knecht spricht:

Das hat man dir gesaget eh,
es werd nit sein wie Küchlein z'essen.
Willt dich die Narren lassen fressen?

Der Arzt greift mit der Zangen in Bauch, zeucht den ersten Narren heraus und spricht:

Schau, mein Gsell, wie ein großer Tropf!
Wie hat er so ein gschwollen Kopf!

Der Krank greift sein Bauch und spricht:

Jetz dünkt mich gleich, es sei mir baß.

Der Arzet:

Wie wohl will ich dir glauben das!
Der Narr hat dich hart aufgebläht.
Er übet dich in Hoffart stet.
Wie hat er dich so groß aufblasen,
hochmütig gemacht übermaßen,
stolz, üppig, eigensinnig und prächtig,
rühmisch, geudisch, sam seist du mächtig.
Nicht Wunder wär, und willt du's wissen,
er hätt dir langst den Bauch zurissen.

Der Knecht:

Mein lieber Herr, schaut baß hinein,
ob nicht mehr Narren drinnen sein!
Mich dünkt, sein Bauch sei noch nichts kleiner.

Der Arzet schaut ihm in Bauch und spricht:

Ja freilich, hierin sitzt noch einer.
Halt, Lieber, halt! ietz kummt er auch.

Der Krank schreit:

Du tust mir weh an meinem Bauch.

Der Knecht spricht:

Potz Leichnam, halt und tu dock harrn!
Schau, wie ein viereckichten Narrn!
Sag! hat er dich nit hart gedrücket?

Der Krank spricht:

Ja freilich; nun bin ich erquicket.
Nun weßt ich ie auch geren, wer
der groß vierecket Narr auch wär.

Der Arzt reckt ihn in der Zangen auf und spricht:

Das ist der Narr der Geizigkeit,
der dich hat drücket lange Zeit
mit Fürkauf, arbeitn, reim und laufn,
mit sparen, kratzen alls zu Haufen,
das noch ein ander wird verzehren,
der dir günnt weder Guts noch Ehren.
Ist das denn nit ein bitter Leidens
kein Narren mehr schneiden!

Der Krank greift in die Seiten und spricht:

Herr Doktor, hie tut mich noch nagen
ein Narr; den hab ich lang getragen.

Der Knecht:

Hört, hört! der nagt gleich wie ein Maus.

Der Arzt greift hinein, zeucht ihn mit der Zangen heraus und spricht:

Schau! ich hab diesen auch heraus.

Der Krank:

Mein lieber Herr, wer ist derselb
Narr, so dürr, mager, bleich und gelb?

Der Arzet spricht:

Schau! dieser ist der neidig Narr.
Der machet dich so untreu gar.
Dich freut des Nächsten Unglück
und brauchest viel hämischer Tück.
Des Nächsten Glück das bracht dir Schmerz.
Also nugst du dein eigen Herz.
Mich wundert, daß der gelb Unflat
dein Herz dir nit abgfressen hat.

Der Krank:

Herr Doktor, es ist endlich wahr;
er hat mich fressen lange Jahr.

Der Knecht:

Mein Gsell, schau selb und prüf dich sehr,
ob du nit habst der Narren mehr!
Es ist dir ie dein Bauch noch groß.

Der Krank greift sich und spricht:

Da gibt mir einer noch ein' Stoß,
was mag das für ein Narr geseint
Nur her! greift mit der Zangen nein!

Der Arzt greift nein und reißt. Der Krank schreit:

O weh! laßt mir den länger drinnen!

Der Arzt zeigt ihm den Narren und spricht:

Ei halt! du kämst von deinen Sinnen.
Schau! wie kummt so ein groß Gemeusch?
Das ist der Narr der Unkeusch.
Mit tanzen, buhlen und hofieren,
meiden und sehnen tät dich vexieren.
Meinst, dein Sach wär heimlich aufs best,
so es all Menschen von dir weßt.
Des mußt noch Schand und Schaden leiden,
tät ich den Narrn nit von dir schneiden.

Der Krank:

Ich mein, daß d' ein Zigeuner seist,
weil all mein Heimlichkeit du weißt.
Noch dünkt mich, so steck einer hinten.
Mein Herr, schaut, ob Ihr ihn möcht' finden!

Der Arzt greift mit der Zangen hinein und spricht:

Potz Angst, wie ist der Narr so feucht!
Er wehret sich und vor mir fleucht.
Ich muß ihn mit Gewalt rauszücken.

Der Krank schreit:

weh! du tust mir weh am Rücken.
Laßt mir'n! er hat mich lang ernährt.

Der Arzet reckt den Narren auf und spricht:

Der hat dir schier dein Gut verzehrt.
Es ist der Narr der Füllerei,
der dir lang hat gewohnet bei
und dich gemachet hat unmäßig,
vernascht, versuffen und gefräßig,
dein Leib bekränkt, dein Sinn beschwert,
dein Magen gfüllt, dein Beutel gleert,
bracht dir Armut und viel Unrats,
was wolltst du länger des Unflats?

Der Krank:

O dieser Narr reut mich erst sehr.

Der Knecht:

Meinst, du hast keinen Narren mehr?

Der Krank:

Ich hoff: sie sind nun all heraus.
Heft' mich zu! laßt mich heim zu Haus!

Der Knecht lost und spricht:

Mich dünkt, ich hör noch einen kronen.
Herr Doktor, Ihr dürft sein nit schonen.
Er ist noch stark und mags wohl leiden.
Tut ihm den Narren auch rausschneiden!

Der Arzet greifet nein und spricht:

Halt her! laß mich den auch rausbrechen!
Der tut mir in die Zangen stechen.
Knecht, hilf mir festhalten die Zangen!
Laß uns den Narren herausfangen!

Der Krank:

O weh! der sticht mich in die Seiten.
Reißt ihn heraus! helft mir beizeiten!

Der Arzet spricht:

Halt still! sei guter Ding und harr!
Das ist der schellig, zornig Narr,
daß du mochtst niemand übersehen,
viel Häder und Zänk tätst du andrehen,
in Gsellschaft machtest viel Aufruhr,
dein Haut dir oft zerbleuet wur.
Was wolllest du denn des Dildappen?

Der Krank:

Ei Lieber, laßt mich heimhin sappen!
Es hats ietz gar; Heft' mich nur zu!

Der Knecht:

Mein guter Freund, hast du ietzt Ruh?
Zwickt dich ietzund gar keiner meh?

Der Krank:

Im Rück tut mir noch einer weh.
Der ist wohl als ein groß Backscheit.
Helft mir des ab! es ist groß Zeit.

Der Arzet greifet nein und spricht:

So halt nur stet und sei auch keck!
Schau zu! wohl wehret sich der Geck.

Er zeucht ihn raus. Der Knecht spricht:

Schau zu, wie Hecht der Narr den Kopf!

Der Arzet spricht:

Es ist der allerfäulest Tropf.
Hat dich gemacht in alle Weg
hinlässig, werklos, faul und träg,
langweilig, schläfrig und unnütz,
verdrossen, aller Ding urdrütz.
Hätt ich dir'n nit geschnitten ab,
er hätt dich bracht an Bettelstab.
Mein guter Mann, nun sag an mir!
Entpfindst du keins Narrn mehr in dir?

Der Krank greift sich und spricht:

Kein Narr mich in dem Bauch mehr kerrt.
Doch ist mein Bauch noch groß und härt.
was das bedeut, ist mir verborgen.

Der Arzt greift den Bauch und spricht:

Sei guter Ding und laß mich sorgen!
In dir steckt noch das Narrennest.
Sei keck und halt dich an gar fest!
Du mußt noch ein Walkwasser leiden.
Ich will das Nest auch von dir schneiden.

Der Krank:

O langt mir her ein Rebensaft!
Mir ist entgangen all mein Kraft.
Ich sitz da in eim kalten Schweiß!
Zu halten ich gar nit mehr weiß,
O laßt mir nur das Nest zufried!

Der Knecht:

Mein Freund, du verstehst wahrlich nit.
Schnitt man das Nest dir nit heraus,
so brütest du jung Narren aus.
So würd dein Sach denn wieder bös.

Der Krank spricht:

So schneid mich nur nit in das Krös!
So will ich gleich die Marter leiden,
das Nest auch von mir lassen schneiden.

Der Arzt greift mit der Zangen nein und spricht:

Halt fest, halt fest, Lieber! halt fest!
Es ist so groß und ungelachsen
und ist im Leib dir angewachsen.
Schau! ietzund kummt der groß Unfurm.
Schau, wie ein wilder wüster Wurm!
Schau, wie tut es voll Narren wimmeln,
oben und unten alls von krimmeln!
Die hättst du alle noch geborn.

Der Krank:

Was wären das für Narren worn?

Der Knecht:

Allerlei Gattung, als falsch Juristen,
Schwarzkünstner und die Alchamisten,
Finanzer, Alifanzer und Trügner,
Schmeichler, Spottfeller und Lügner,
Wundrer, Egelmeir und Läunisch,
Grob, Ölbrer, Unzüchtig und Heunisch,
Undankbar, Stscknarrn und Gech,
Fürwitzig, Leichtfertig und frech,
Kronet und Grämisch, die allzeit sorgen,
bös Zahler, die doch geren borgen,
Eifrer, so hüten ihrer 8rauen,
die ohn Not rechten und ohn Nutz bauen,
Spieler, Bögschützen und Waidleut,
die viel vertun nach kleiner Beut,
Summa summarum, wie sie nannt
Doktor Sebastianus Brant,
in seinem Narrenschiff zu fahren.

Der Arzet spricht:

Vor solchen Narrn uns zu bewahren,
mein Knecht, so wirft das Unziefer
in die Pegnitz hinein, ie tiefer,
ie besser's ist, und laß sie baden!

Der Krank spricht:

Mein Herr, heft' mir zu meinen Schaden!
Mich dünkt: ietz hab ich gute Ruh.

Der Arzet heft ihn zu und spricht:

So halt! ich will dich heften zu.
Nun magst du wohl fröhlich aufstehn.
Schau! kannst du an dein Krücken gehn?

Der Krank steht auf und spricht:

Mein Herr, ich bin gar gsund und ring,
vor Freuden ich gleich hüpf und spring.
Wie hätten mich die Narren bsessen?
Sagt! hält ichs trunken oder gessen?
Fort wollt ich meiden solche Speis.

Der Arzt:

Weißt nit? man spricht nach alter Weis,
daß iedem gfällt sein Weis so wohl,
des ist das Land der Narren voll.
Von dem kamen die Narren dein,
daß dir gefiel dein Sinn allein
und ließt beim eigen Willen Raum.
Hieltst dich selbert gar nit im Zaum,
was dir gefiel, das tätst du gleich.

Der Krank:

O Herr Doktor gar künstenreich,
ich merk: Euer Kunst die ist subtil.
Ich tät ie alls, was mir gefiel,
es brächt mir gleich Nutz oder Schaden.
Nun ich der Narren bin entladen,
so will ich fürbaß weislich handeln,
fürsichtiglich leben und wandeln
und folgen guter Lehr und Rat.
O wie an Zahl in dieser Stadt
weiß ich armer und reicher Knaben,
die auch mein schwere Krankheit haben,
die doch selber empfinden nicht,
noch wissen, was ihn' doch gebricht.
Die will ich all zu Euch bescheiden,
daß Ihr ihn' müßt den Narren schneiden.
Da werdt Ihr Gelds gnug überkummen.
Weil Ihr von mir nichts hat genommen,
sag ich Euch Dank Euer milden Gab.
Alde! ich scheid mit Wissen ab.

Er geht ab. Der Knecht schreit aus:

Nun hört! ob indert einer wär,
der dieser Arzenei begehr,
der such uns in der Herberg hie
bei eim, der heißt, ich weiß nit wie.
Dem wöll wir unser Kunst mitteiln
und an der Narrensucht ihn heiln.

Der Arzet beschleußt:

Ihr Herrn, weil Ihr ietz habt vernummen
viel Narren von dem Kranken kummen,
die bei ihm wuchsen vor viel Jahren,
vor solcher Krankheit zu bewahren,
laß ich zuleyt ein gut Rezept:
Ein ieglicher, dieweil er lebt,
laß er sein Vernunft Meister sein
und reit sich selb im Zaum gar fein
und tu sich fleißiglich umschauen
bei Reich und Arm, Mann und Frauen,
und wem ein Ding übel ansteh,
daß er desselben müßig geh,
richt sein Gedanken, Wort und Tat
nach weiser Leute Lehr und Rat!
Zu Pfand setz ich ihm Treu und Ehr,
daß alsdenn bei ihm nimmermehr
gemeldter Narren keiner wachs,
wünscht Euch mit guter Nacht Hans Sachs.

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