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Arthur Schopenhauer: Aphorismen - Kapitel 1
Quellenangabe
typeaphorism
authorArthur Schopenhauer
titleAphorismen
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070821
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Zur Einführung

Die Arbeiten, die Schopenhauer eigentlich erst näher in der Öffentlichkeit bekanntmachten, waren die kleinen philosophischen Schriften, denen er den Titel »Parerga und Paralipomena« gab. Die bei weitem bedeutendste Abhandlung, ja man könnte wohl sagen, den eigentlichen Kernpunkt dieser Schriften, bildet die jener eng zusammengehörigen 6 Kapitel, die er selbst »Aphorismen zur Lebensweisheit« nennt.

Vom Jahre 1844–1850 hatte er an diesen Abhandlungen geschrieben; deren gedankliche Vorbereitungen sich durch viele Jahrzehnte hindurch erstreckten. Nach zahlreichen, erfolglosen Bemühungen gelang es ihm endlich, dies Resultat emsigster Arbeit durch einen Verleger in die Öffentlichkeit zu bringen. Diesen seinen »Aphorismen zur Lebensweisheit« hat Schopenhauer ein gut Teil seiner, ihm erst im hohen Alter gewordenen Anerkennung, zu danken.

Das Ringen seines inneren mit seinem äußeren Leben, aus dem ihm nie eine ausgleichende Anpassung an Menschen wurde, bereitete ihm Leiden, aus welchen er seine »Aphorismen« – gleichsam als Erklärung seines Selbst – schuf. Sie umfassen als Lebensweisheit alle seine Erkenntnis der Ursachen, durch welche die Menschheit sich das Leben erschwert, oder durch welche es ihr, ohne eigenes Verschulden, erschwert wird. Aus den »Aphorismen zur Lebensweisheit« sollen kommende Geschlechter die Belehrung schöpfen, glückreicher zu leben.

Die fast übermenschliche Klarheit seiner Gedanken und ihres Ausdrucks, die Schopenhauers Werke unvergänglich machen, umgibt in höchster Vollendung den Leser der »Aphorismen«. Für diese paßt Schopenhauers Ausspruch ganz besonders: »Überhaupt mache ich die Anforderung, daß, wer sich meiner Philosophie bekannt machen will, jede Zeile von mir lese.« Seine Philosophie ist seine Kunst und seine Worte: »Meine Sätze beruhen nicht auf Schlußketten, sondern unmittelbar auf der anschaulichen Welt selbst,« erklären den Gegensatz zwischen seiner lebendigen und genialen Philosophie und der rein theoretischen Kants. Das ist auch die Ursache, warum er von vielen Gelehrten eigentlich mehr als großer Schriftsteller, denn als großer Philosoph geschätzt wird. In seinen »Aphorismen zur Lebensweisheit« kommt am klarsten neben dem Philosophen, der Mensch Schopenhauer zur Geltung. Oft in herber Tragik erschüttert, oft zu heller Heiterkeit erhoben, führt er die Lesenden durch die ganze Welt des menschlichen Daseins. Er rückt das Wesen gesellschaftlichen Verkehrs in scharfes Licht, aus dem wir die Schatten erkennen, die Entwickelung unseres eigenen Ichs verdunkelnd. Der Mangel an Intelligenz und innerem Reichtum, der die Menschen zu starken Beisammenseins mit anderen, ihnen geistig gleich Armgesinnten, zu Genüssen und Ausschweifungen treibt, und sie schließlich inmitten der vielen zu einsamen Hilflosen prägt, wird gleichsam als ein Spiegel zur Selbst-Erkenntnis aufgerichtet. Aber der Spiegel ist gut, denn er trennt scharf alle diejenigen, die ihr Glück nur im Materiellen dieser Welt suchen und zu finden glauben – von denen –, die es in sich selbst zu erkennen wissen.

Alfred Alexander Fiedler.

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