Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle

Ottilie Wildermuth: Genrebilder aus einer kleinen Stadt - Kapitel 1
Quellenangabe
typenarrative
booktitleWerke, I. Band (Bilder und Geschichten aus Schwaben, 1. Band)
authorOttilie Wildermuth
year1862
publisherVerlag von Adolph Krabbe
addressStuttgart
titleGenrebilder aus einer kleinen Stadt
pages7-10
created20030513
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1852
Schließen

Navigation:

Ottilie Wildermuth

Bilder und Geschichten aus Schwaben

Genrebilder aus einer kleinen Stadt

Was kann aus einem Landstädtchen Gutes kommen? Alle Bildern die uns bis jetzt aus solchen Orten zugekommen sind, waren mehr oder weniger Karrikaturen, und wer das Leben in einer kleinen Stadt nicht aus eigener Anschauung kennen gelernt hat, der bringt meist noch den Maßstab dafür aus Kotzebueschen Lustspielen mit. Er denkt sich eine endlose Folge von Kaffeevisiten, aus Frau Basen bestehend, die sich mit langen Titeln anreden und mit Klatschereien unterhalten.

Die Sache hat aber beim Lichte betrachtet doch noch eine andere Seite. Es ist wahr, es fand und findet sich in solchen Kreisen manches Gerümpel, das der Geist der Zeit nur allmählig verweht; aber Manches gibt es auch, von dem ich nicht möchte, daß er es jemals hinweg nähme. Die genaue Kunde, die Jedermann von Jedermanns Thun und Leiden hat, macht das Leben zu einem erweiterten Familienleben, und neben viel kleinlichem Aerger und Neid erwächst auch viel herzliche Theilnahme an Anderer Geschick, viel kräftiger Beistand mit Rath und That. Daneben kommt doch jede Individualität zur Geltung, weil jede wichtig und nützlich werden kann in einem Kreisen der nicht zu viele Kräfte in sich enthält.

Wenn Ihr meinen Erinnerungen ein freundliches Ohr leihen wollt, so möcht ich es wagen, in einigen Beispielen den Beweis für das eben Gesagte zu führen. Ich möchte zeigen, wie die Poesie nicht allein in strohgedeckten Hütten an murmelnden Bächen, nicht allein in glänzenden Salons und geschmackvollen Boudoirs mit bleichen Damen wohnt, sondern wie sie sich auch hie und da in den regellosen Straßen und kunstlosen Häusern einer kleinen Stadt niederläßt. Ich möchte Euch einige der Gestalten vorführen, wie sie mir von dem einfachen Schauplatz einer kleinen Stadt im Gedächtniß geblieben sind, lebendiger vielleicht als dies in einer glänzendern und mannigfaltigern Umgebung möglich gewesen wäre.

 Kapitel 2 >>