| type | poem |
| author | John Keats |
| translator | Mirko Bonné |
| title | Strophen |
| sender | sobottka@uni-hamburg.de |
| created | 19990907 |
Du sagst, du liebst; es klingt jedoch
Keuscher als die Nonne könnte,
Die für sich die Vesper liest,
Da die Glocke tönte –
O lieb mich wirklich!
Du sagst, du liebst; doch lächelst du
Kalt wie die Septembersonne,
Als hieltst du grad Fastenzeit
Als Sankt Cupidos Nonne.
O lieb mich wirklich!
Du sagst, du liebst – dein Mund jedoch
Lehrt korallenrot Genüsse
Wie’s Korallenriff im Meer –
Nie spitzt er sich zu Küssen –
O lieb mich wirklich!
Du sagst, du liebst; doch deiner Hand
Ist kein zartes Drücken lieber,
Wie die der Statue ist sie, tot –
Nur meine brennt im Fieber –
O lieb mich wirklich!
O hauche ein, zwei Wort voll Feuer!
Lächle, und dies Wort durchglüh mich,
Drück, ganz Liebende – O küß
Und in dein Herzgrab zieh mich!
O lieb mich wirklich!