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Friedrich Kind: Der Freischütz - Kapitel 2
Quellenangabe
typeopera
booktitleDer Freischütz
authorFriedrich Kind
yearca. 1880
publisherBreitkopf und Härtel
addressLeipzig
titleDer Freischütz
created20021119
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1821
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Ouverture

(C dur).   Adagio. – Molto vivace.

Erster Akt.

Platz vor einer Waldschenke.

No. 1. Introduction.

Chor.

Landleute. Victoria! Victoria! der Meister soll leben,
Der wacker dem Sternlein den Rest hat gegeben!
Ihm gleichet kein Schütz von fern und von nah!
Victoria! Victoria! Victoria!

Marsch.
Lied.

Kilian. 1. Schau' der Herr mich an als König!
Dünkt Ihm meine Macht zu wenig?
Gleich zieh' Er den Hut, Mosje!
Wird Er? frag' ich – He? he? he?

Chor. Wird Er? frag' ich – He? he? he?

Kilian. 2. Stern und Strauß trag' ich vor'm Leibe,
Cantors Sepherl trägt die Scheibe;
Hat er Augen nun, Mosje?
Was traf Er denn? – He? he? he?

Chor. Was traf Er denn? – He? he? he?

Kilian. 3. Darf ich etwa Euer Gnaden
's nächste Mal zum Schießen laden? –
Er gönnt Andern was, Mosje!
Nun, Er kommt doch? – He? he? he?

Chor. Nun, Er kommt doch? – He? he? he?


No. 2. Terzett und Chor.

Max. O diese Sonne,
Furchtbar steigt sie mir empor!

Kuno. Leid oder Wonne,
Beides ruht in deinem Rohr!

Max. Ach, ich muß verzagen,
Daß der Schuß gelingt!

Kuno. Dann mußt du entsagen.

Kaspar. Nur ein keckes Wagen
Ist's, was Glück erringt.

Max. Agathen entsagen,
Wie könnt' ich's ertragen!
Doch mich verfolget Mißgeschick! –

Chor. Seht, wie düster ist sein Blick! –
Ahnung scheint ihn zu durchbeben –
O laß Hoffnung dich beleben
Und vertraue dem Geschick!

Max. Weh' mir! mich verließ das Glück!
Unsichtbare Mächte grollen,
Bange Ahnung füllt die Brust!

Kaspar. Mag Fortuna's Kugel rollen;
Wer sich höh'rer Kraft bewußt,
Trotzt dem Wechsel und Verlust!

Kuno. So's des Himmels Mächte wollen,
Dann – trag' männlich den Verlust!

Chor. Nein! er trüg' nicht den Verlust!

Kuno. Mein Sohn, nur Muth,
Wer Gott vertraut, baut gut!
Jetzt auf! In Bergen und Klüften
Tobt morgen der freudige Krieg.

Chor der Jäger. Das Wild in Fluren und Triften,
Der Aar in Wolken und Lüften
Ist unser und unser der Sieg!

Chor der Landl. Laßt lustig die Hörner erschallen –

Chor der Jäger. Wir lassen die Hörner erschallen –

Alle (außer Max). Wenn wiederum Abend ergraut,
Soll Echo und Felsenwand hallen.
Sa! hussa, dem Bräut'gam! der Braut!


No. 3. Scene und Arie.

Böhmischer Walzer.

Recitativ.

Max. Nein, länger trag' ich nicht die Qualen,
Die Angst, die jede Hoffnung raubt!
Für welche Schuld soll ich bezahlen?
Was weiht dem falschen Glück mein Haupt? –

Arie.

Durch die Wälder durch die Auen
Zog ich leichten Sinus dahin,
Alles, was ich konnt' erschauen,
War des sichern Rohrs Gewinn.

Abends bracht ich reiche Beute,
Und, wie über eig'nes Glück
(Drohend wohl dem Mörder) freute
Sich Agathe's Liebesblick.

Hat denn der Himmel mich verlassen?
(Samiel im Hintergrunde.)
Die Vorsicht ganz ihr Aug' gewandt?
Soll das Verderben mich erfassen?
Verfiel ich in des Zufalls Hand?
(Samiel verschwindet.)

Jetzt ist wohl ihr Fenster offen,
Und sie horcht auf meinen Schritt,
Läßt nicht ab vom treuen Hoffen.
»Max bringt gute Zeichen mit!«

Wenn sich rauschend Blätter regen,
Wähnt sie wohl, es sei mein Fuß;
Hüpft vor Freuden, winkt entgegen –
Nur dem Laub' – den Liebesgruß. –

Doch mich umgarnen finst're Mächte;
(Samiel schreitet mit großen Schritten im Hintergrunde über die Bühne.)
Mich faßt Verzweiflung, foltert Spott.
O! dringt kein Strahl durch diese Nächte?
Herrscht blind das Schicksal?! lebt kein Gott?


No. 4. Lied.

Kaspar. Hier im ird'schen Jammerthal
War' doch nichts als Plack und Qual,
Trüg' der Stock nicht Trauben;
Darum bis zum letzten Hauch
Setz' ich auf Gott Bacchus Bauch
Meinen festen Glauben!

Eins ist Eins und Drei sind Drei!
Drum addirt noch zweierlei
Zu dem Saft der Reben.
Kartenspiel und Würfellust,
Und ein Kind mit runder Brust
Hilft zum ew'gen Leben!

Ohne dies Trifolium
Gibt's kein wahres Gaudium
Seit dem ersten Uebel.
Fläschchen sei mein ABC,
Würfel, Karte, Katherle
Meine Bilder-Fibel.


No. 5. Arie.

Kaspar. Schweig, schweig – damit dich Niemand warnt!
Der Hölle Netz hat dich umgarnt,
Nichts kann vom tiefen Fall dich retten!
Umgebt ihn, ihr Geister mit Dunkel beschwingt!
Schon trägt er knirschend eure Ketten!
Triumph! die Rache, die Rache gelingt!

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